{"id":5466,"date":"2017-11-06T11:38:03","date_gmt":"2017-11-06T10:38:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dennisschuetze.de\/blog\/?p=5466"},"modified":"2017-11-06T11:38:03","modified_gmt":"2017-11-06T10:38:03","slug":"buch-vintage-von-gregoire-hervier","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/2017\/11\/06\/buch-vintage-von-gregoire-hervier\/","title":{"rendered":"Buch: \u201eVintage\u201c von Gr\u00e9goire Hervier"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/VintageCover.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-5465\" src=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/VintageCover-190x300.jpg\" alt=\"\" width=\"190\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/VintageCover-190x300.jpg 190w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/VintageCover-648x1024.jpg 648w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/VintageCover.jpg 759w\" sizes=\"(max-width: 190px) 100vw, 190px\" \/><\/a>Gr\u00e9goire Hervier ist franz\u00f6sischer Schriftsteller. Bisher ver\u00f6ffentlichte er die Romane \u201eScream Test\u201c (2006) und \u201eZen City\u201c (2009). Mit einigem zeitlichen Abstand folgte nun \u201eVintage\u201c (2016), der im August 2017 in deutscher \u00dcbersetzung bei Diogenes erschien. Der neue Roman ist eine Mischung aus unterhaltsamem Krimi, instrumental-historischer Abhandlung und musikalischer Spurensuche. Hervier verwebt dabei geschickt tats\u00e4chlich belegte und frei erfundene popkulturelle Begebenheiten zu einer stringenten und spannenden Kriminalerz\u00e4hlung.<!--more--><\/p>\n<p>Der Ich-Erz\u00e4hler Thomas Dupr\u00e9, Hobbymusiker und Journalist, arbeitet aushilfsweise bei Prestige Guitars in Paris als ein ungew\u00f6hnlicher Auftrag eingeht. Eine wertvolle Gibson Les Paul Goldtop wurde gekauft und muss nun pers\u00f6nlich nach Schottland \u00fcberf\u00fchrt werden. Er \u00fcbernimmt den Botendienst und macht die Bekanntschaft mit dem verm\u00f6genden Sammler Lord Winsley, der ihm w\u00e4hrend seines Aufenthalts seine umfangreiche und erlesene E-Gitarrensammlung zeigt und ihn mit den Mythen vertraut macht, die sich um die legend\u00e4re Gibson Moderne ranken: Ende der 1950er war die Firma Gibson durch die moderneren Fender-Gitarren derma\u00dfen in Bedr\u00e4ngnis geraten, dass man drei neue, futuristische Modelle entwickelte und patentierte: Futuristic\/Explorer, Flying V und eben die erw\u00e4hnte Moderne. W\u00e4hrend die beiden erstgenannten in kleinen St\u00fcckzahlen gebaut und verkauft wurden, ist bei der Moderne relativ klar, dass es zum damaligen Zeitpunkt \u00fcber das Prototypstadium nicht hinaus ging, in den L\u00e4den stand sie damals jedenfalls nicht. Auch die Produktion der Explorer und der Flying V wurde bereits kurz nach der Markteinf\u00fchrung wegen zu geringer Nachfrage wieder eingestellt. So weit, so historisch belegt.<\/p>\n<p>Im Roman erh\u00e4lt Dupr\u00e9 vom schottischen Lord nun den hochdotierten Auftrag die Existenz des Urtyps der Moderne zu beweisen, am besten belegt mit einem tats\u00e4chlichen Exemplar, notfalls auch mit zweifelsfreien Beweisen. Dupr\u00e9 kehrt zuerst nach Paris zur\u00fcck, seine aufregende Recherche f\u00fchrt ihn im weiteren Verlauf durch die Wiegen und Epizentren US-amerikanischer Gitarren- und Musikkultur: Memphis, Nashville, Mississippi, New Orleans, alles dabei was dem Gitarren- und Musikfan den Mund w\u00e4ssrig werden l\u00e4sst. Klar, dass die Geschichte dabei einige unvorhergesehene Kehrtwenden nimmt. Sie ist spannend, aber vielleicht nicht unbedingt \u00fcberdurchschnittlich. Wirklich herausragend wird die Erz\u00e4hlung durch die Einarbeitung instrumental- und musikhistorischen Detailwissens, das weit \u00fcber die popkulturelle Allgemeinbildung hinausgeht. Vor den eigentlichen Text ist dem Roman ein Zitat von Nick Tosches, einem der eigenwilligsten Deuter der US-amerikanischen Blues- und Countrykultur, vorangestellt und das ist durchaus passend, denn mit einem \u00e4hnlichen Sp\u00fcrsinn wie Tosches geht auch Hervier bei der Konstruktion seiner Erz\u00e4hlung vor. Immer auf der Suche nach dem Ungew\u00f6hnlichen, dem Unwahrscheinlichen, dem Exotischen. Auf diese Weise findet er das Faszinierende im Profanen, Sch\u00f6nheit im H\u00e4sslichen, Freiheit in der Einschr\u00e4nkung, das Gute im B\u00f6sen.<\/p>\n<p>Teil seiner Recherche ist es sich intensiv mit dem m\u00f6glichen Klang der Moderne zu besch\u00e4ftigen, dabei orientiert er sich an den historisch belegten Gibson-\u201eRe\u201c-Issues aus den fr\u00fchen 1980ern und weiteren fern\u00f6stlichen Kopien. Aber auch zeitgen\u00f6ssische Aufnahmen mit den Schwesterinstrumenten Explorer und Flying V von z.B. Lonnie Mack und Albert King spielen bei seiner Ann\u00e4herung ein Rolle. Irgendwann ger\u00e4t er dann in Kontakt mit Leben und Nachlass des geheimnisumrankten Bluesmusikers Li Grand Zombi Robertson, einem schwarzen Albino Bluesgenie. Nat\u00fcrlich spielt auch der Mississippi Delta Blues eine tragende Rolle in der Geschichte und mit ihm Alkoholmissbrauch, Kneipenschl\u00e4gereien, Liebschaften und uneheliche Kinder, Eifersucht, hinterh\u00e4ltige Morde, die Crossroads, der Pakt mit dem Teufel, Voodoo-Kult und die F\u00e4higkeit \u00fcber Nacht au\u00dfergew\u00f6hnliche musikalische F\u00e4higkeiten zu erwerben. Dar\u00fcber hinaus geht es auch um Instrumenten- und Musikproduktionsgeschichte, um Schallplatten, Bandaufnahmen, Studiotechnik, um Songstrukturen, Arrangements, Riffs und Gitarrensounds. Um Blues, Country, Cajun, um Rhythm and Blues und Heart and Soul.<\/p>\n<p>Dies alles k\u00f6nnte nun billig und ausgelutscht daher kommen, tut es aber keinesfalls. Selbst f\u00fcr Afficionados d\u00fcrften einige neu aufbereitete, unbekannte Informationen dabei sein. Immer wieder muss man als Leser angebliche Ereignisse und Fakten nachschlagen bzw. googeln, Aufnahmen anh\u00f6ren und Videos ansehen um Fakten und Fiktion auseinanderzuhalten und es macht Freude sich dieser popkulturellen Mythologie in Form eigener Recherche neu zu n\u00e4hern. Man ist fast dankbar f\u00fcr die Gelegenheit einige ungeahnte Zusammenh\u00e4nge zu erfahren oder Umst\u00e4nde neu zu bewerten. Und am Ende spielt es kaum noch eine entscheidende Rolle, was nun wahr und was erfunden ist: \u201eIt\u2019s all in your head\u201c und eine gute Geschichte ist f\u00fcr den Leser meist besser als die wahre Geschichte. Davon leben Kunst, Musik und Storytelling allenthalben (und es gilt solange wie mit Fake News keine Politik gemacht wird).<\/p>\n<p>Die \u00dcbersetzung aus dem Franz\u00f6sischen ins Deutsche erfolgte durch Alexandra Baisch und Stefanie Jacobs und ist gemessen am popmusikalischen und subkulturellen Fachvokabular im Text erstaunlich geschmeidig und passend geraten. Gro\u00dfes Kompliment!<\/p>\n<p>Fazit: \u201eVintage\u201c ist ein sehr gelungenes St\u00fcck Unterhaltungsliteratur zwischen Krimi, Trash und Pulp. Empfehlenswert f\u00fcr mittelalte Freunde und Kenner handgemachter, amerikanischer Popul\u00e4rmusik. Im Subtext ein am\u00fcsanter und kluger Kommentar zum grassierendem Vintage-Kult der letzten Jahre und Jahrzehnte. Dicke Empfehlung!<\/p>\n<p>&#8222;Vintage&#8220; erscheint bei Diogenes, hat 392 Seiten und kostet gebunden 24 \u20ac.<\/p>\n<p>Hier der Album-, \u00e4h, Buch-Trailer des Verlages:<br \/>\n<iframe loading=\"lazy\" width=\"584\" height=\"329\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/Z4rkRLXcMDI?feature=oembed\" frameborder=\"0\" gesture=\"media\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gr\u00e9goire Hervier ist franz\u00f6sischer Schriftsteller. Bisher ver\u00f6ffentlichte er die Romane \u201eScream Test\u201c (2006) und \u201eZen City\u201c (2009). Mit einigem zeitlichen Abstand folgte nun \u201eVintage\u201c (2016), der im August 2017 in deutscher \u00dcbersetzung bei Diogenes erschien. Der neue Roman ist eine &hellip; <a href=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/2017\/11\/06\/buch-vintage-von-gregoire-hervier\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[5,11,19,8,24,15,7],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5466"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5466"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5466\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5466"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5466"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5466"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}