{"id":5502,"date":"2017-11-15T21:48:25","date_gmt":"2017-11-15T20:48:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dennisschuetze.de\/blog\/?p=5502"},"modified":"2017-11-15T21:48:25","modified_gmt":"2017-11-15T20:48:25","slug":"buch-6000-kilometer-westwaerts-von-dirk-rohrbach","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/2017\/11\/15\/buch-6000-kilometer-westwaerts-von-dirk-rohrbach\/","title":{"rendered":"Buch: \u201e6000 Kilometer westw\u00e4rts\u201c von Dirk Rohrbach"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/6000KilometerCover.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-5501\" src=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/6000KilometerCover-202x300.jpg\" alt=\"\" width=\"202\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/6000KilometerCover-202x300.jpg 202w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/6000KilometerCover.jpg 337w\" sizes=\"(max-width: 202px) 100vw, 202px\" \/><\/a>Dirk Rohrbach ist Reisender, Fotograf und Journalist. Sein Buch \u201e6000 Kilometer westw\u00e4rts\u201c \u00fcber die Durchquerung der USA mit dem Fahrrad innerhalb von drei Monaten ist 2017 in zweiter Auflage als Taschenbuch erschienen. Die erste Auflage wurde noch unter dem Titel \u201eHighway Junkie \u2013 Mitten durch Amerika\u201c im Jahr 2014 bei einem anderen Verlag ver\u00f6ffentlicht. Wann die Tour tats\u00e4chlich stattgefunden hat, ist im Buch an keiner Stelle vermerkt und war auch durch eine Recherche nicht herauszufinden.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nDie eigent\u00fcmliche Methode den Zeitpunkt der Tour absichtlich zu verschleiern kennt man als Leser bereits aus dem Buch \u201eAmericana\u201c, seiner Amerikaumrundung, die 2004 stattfand und viele Jahre sp\u00e4ter ohne zeitliche Angaben als Buch wiederver\u00f6ffentlicht wurde. Man darf inzwischen getrost den Vorsatz unterstellen, alte Schriften durch fehlende Angaben zeitlos machen zu wollen. Immerhin hantiert Rohrbach diesmal nicht mehr mit Analogfilmen in Dosen, sondern ist auf Kameras mit SD-Karten umgestiegen. Das im Buch erw\u00e4hnte Blog war allerdings im Netz nirgends auffindbar. Stattdessen erschien im Sommer 2017 eine 5-teilige Dokureihe bei ZDF\/Arte (Drehbuch &amp; Regie: Viktor Stauder), obwohl im Buch von irgendwelchen Dreharbeiten niemals die Rede ist. Alles ziemlich irritierend, aber nun zum eigentlichen Text.<\/p>\n<p>Auch in diesem Buch \u00fcbergeht Rohrbach s\u00e4mtliche Rahmenbedingungen, die so einen gewaltigen Tripp begleiten: Kein Wort \u00fcber Vorbereitung, Tourplanung, Organisation, Beziehungen, Finanzierung, Ausr\u00fcstung, R\u00fcckkehr. Immerhin wird im Vergleich zu \u201eAmericana\u201c diesmal die Anreise etwas genauer beschrieben: Von Bremerhaven \u00fcber ein paar Zwischenstationen geht es mit dem Containerschiff gem\u00e4chlich nach New York. Die Metropolen spielen auf der weiteren Strecke allerdings keine gr\u00f6\u00dfere Rolle mehr. Rohrbach plant den Kontinent auf den legend\u00e4ren Highways abseits der regul\u00e4ren Hauptrouten zu durchqueren.<\/p>\n<p>Sympathisch ist, dass er sich gegen GPS, Navi und Tracker entschieden hat. Die Route ist also nicht minuti\u00f6s ausgeplant und er r\u00e4umt dem Zufall ordentlich Platz ein sich zu entfalten.\u00a0Der Reise- und Radlflow kommt dann auch flott in die G\u00e4nge. Im Vergleich zu \u201eAmericana\u201c wirkt der Autor diesmal lockerer und entspannter. Er scheint die Tour von Anfang an mehr zu genie\u00dfen, berichtet von seiner gesundheitlichen und k\u00f6rperlichen Verfassung, schreibt aber eben nicht nur von Rad und Strecke, sondern interessiert sich ebenso f\u00fcr Land und Leute. Einige Begegnungen kommen offensichtlich zuf\u00e4llig zustande, andere scheint er vorab wenigstens in etwa geplant zu haben. Die Mischung ist ausgewogen, die Begegnungen nicht immer aufregend, aber zumindest interessant. Sein Schreibstil hat sich in den letzten Jahren positiv entwickelt, alles wirkt eloquenter, runder, reifer und dadurch lesbarer.<\/p>\n<p>Trotz der verschiedenen Begegnungen und landschaftlichen Wechsel verbringt der Autor aber doch offensichtlich den Gro\u00dfteil seiner Zeit im Sattel und tritt hunderte, ja tausende von monotonen Meilen einsam in die Pedale. Bei diesen Passagen bleibt es leider flach und ideenarm, nie heben die Gedanken mal richtig ab, an keiner Stelle kommt er ins Philosophieren \u00fcber das eigene Dasein und den Grund seiner Rastlosigkeit. Immer wieder geht es stattdessen um Allgemeinpl\u00e4tze wie Essen, Trinken, die n\u00e4chste \u00dcbernachtung. Selbst der Besuch eines gro\u00dfen Countryfestivals in Nashville f\u00fchrt nicht zu ungew\u00f6hnlichen, eigenst\u00e4ndigen Ideen, dabei hat man durchaus den Eindruck, dass ihm diese Musik etwas bedeutet. Da ist Rohrbach anscheinend zu sehr vernunftgesteuerter Journalist und zu wenig M\u00e4rchentante oder Storyteller. Der Text bleibt insgesamt protokollarisch, versucht nie mal literarische Qualit\u00e4t zu entwickeln.<\/p>\n<p>Man folgt ihm also als Leser treu von Ost nach West, von New York nach Philadelphia, durch die Appalachen \u00fcber die Rockies, vom Wald in die Berge und von da in die W\u00fcste. Sacramento, San Francisco und Golden Gate l\u00e4sst er links liegen, f\u00e4hrt noch runter den Highway 1, entlang der Pazifikk\u00fcste, dann rollt Rohrbach auf den Santa Monica Pier und die Tour geht unspektakul\u00e4r zu Ende. Kein Epilog, kein Nachwort, kein Kommentar, keine tiefgreifende Erkenntnis, einfach vorbei, schade.<\/p>\n<p>Fazit: Dirk Rohrbach ist Sportler, Radler und ein rastloser Reisender, aber kein guter Geschichtenerz\u00e4hler. Vielleicht sollte er demn\u00e4chst mal weniger rumtingeln und sich daf\u00fcr etwas mehr auf Menschen und Beziehungen konzentrieren um von substanzielleren Erlebnissen berichten zu k\u00f6nnen. Man hat den deutlichen Eindruck seine Reiseberichte sind auserz\u00e4hlt, eine weitere Amerika-Radtour von Nord nach S\u00fcd ist nicht mehr erforderlich.<\/p>\n<p>Das Taschenbuch enth\u00e4lt etliche stimmungsvolle Farbfotos, erscheint bei Malik \/ National Geographic und kostet 15 \u20ac.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dirk Rohrbach ist Reisender, Fotograf und Journalist. Sein Buch \u201e6000 Kilometer westw\u00e4rts\u201c \u00fcber die Durchquerung der USA mit dem Fahrrad innerhalb von drei Monaten ist 2017 in zweiter Auflage als Taschenbuch erschienen. 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