{"id":5510,"date":"2017-11-19T10:51:28","date_gmt":"2017-11-19T09:51:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dennisschuetze.de\/blog\/?p=5510"},"modified":"2017-11-19T10:51:28","modified_gmt":"2017-11-19T09:51:28","slug":"einfluss-von-konstruktionskomponenten-auf-den-klang-einer-e-gitarre","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/2017\/11\/19\/einfluss-von-konstruktionskomponenten-auf-den-klang-einer-e-gitarre\/","title":{"rendered":"\u201cEinfluss\u201d von Konstruktionskomponenten auf den Klang einer E-Gitarre"},"content":{"rendered":"<p><strong>Gastbeitrag von Sven Proppert<\/strong><\/p>\n<p>Vor einer halben Ewigkeit (etwa 5 Jahre) erz\u00e4hlte mir ein Freund (Akustiker bei einem gro\u00dfen Autohersteller), er habe mal in einem Vortrag \u00fcber den Einfluss von Holz bei E-Gitarren geh\u00f6rt, dass das mal jemand im Labor gemessen habe und herauskam, dass es quasi keinen Einfluss g\u00e4be. Viel entscheidender seien andere Dinge, wie die Spieltechnik (insbesondere der linken Hand), die Haltung der Gitarre (Brust \u00e0 la George Harrison, Bauch, oder auf dem Bein\/Knie (Slash, Scorpions) \u2013 um nur ein paar M\u00f6glichkeiten zu nennen) und im Zweifel, wie viel Resonanzk\u00f6rper der (Bier-) Bauch des\/der Gitarristen\/-in liefert. Hierzu vorab ein Auszug aus <a href=\"http:\/\/www.gitec-forum.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/PdE-7.9-Klang-Holz.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">(2)<\/a>: \u201eHat eigentlich schon mal jemand die Bauch-Admittanz eines Heroin-Junkies mit der eines, sagen wir mal, in Ehren gealterten Blues-Blackies verglichen? Nein? Aber das Holz der 61er Strat mit dem der 64er, gell, das schon!\u201c (Anmerkung: Aufgrund des allgemeinen Schreibstils im Buch, f\u00e4nde ich jegliche Vermutung in Richtung Rassismus abwegig.) Ich fand das beeindruckend, aber irgendwie hat mich die Thematik seitdem besch\u00e4ftigt, weil ich keinerlei Quellen hatte, und mir das \u201eBekannte\u201c viel zu sehr auf H\u00f6rensagen beruhte.<!--more--><\/p>\n<p><strong>Naturwissenschaftliche Betrachtung: \u201ePhysik der Elektrogitarre\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Ein paar (un-) gl\u00fcckliche Zuf\u00e4lle wollten es, dass ich diese Woche bei einer Recherche auf eine beeindruckende Publikation stie\u00df: Die \u201ePhysik der Elektrogitarre\u201c von Manfred Zollner (Professor f\u00fcr Elektroakustik in Regensburg). Das Buch umfasst etwa 1300 Seiten und kostet gebunden 150 Euro. Eine Komplettausgabe als E-Book ist f\u00fcr Mitglieder von gitec-forum.de (Jahresbeitrag 30 Euro) erh\u00e4ltlich. Dankenswerterweise sind die meisten Inhalte anscheinend hier auch legal in einzelnen PDFs abrufbar <a href=\"http:\/\/www.gitec-forum.de\/wp\/gitec-community\/buch\/inhalt-physik-der-elektrogitarre-mit-links-zu-den-kapiteln-pdf\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">(1)<\/a>. Physiker haben leider die Angewohnheit, alles besser zu wissen und sich zu technisch auszudr\u00fccken. Au\u00dferdem berauben sie die Welt der Magie mit ihren garstigen Messungen. Das macht unbeliebt und f\u00fchrt zu Skepsis anderer. Ich bin selber Physiker (daher wei\u00df ich das aus Erfahrung) und muss gestehen, dass das von mir gelesene Kapitel (2) an manchen Stellen f\u00fcr Laien echt unverst\u00e4ndlich geschrieben ist \u2013 bei Elektrotechnik und Akustik z\u00e4hle ich mich zu den Laien. Ich m\u00f6chte im Folgenden versuchen, ein paar wesentliche Punkte hoffentlich etwas verst\u00e4ndlicher zusammen zu fassen und im Anschluss noch ein paar weitere Gedanken hinzuf\u00fcgen.<\/p>\n<p>Vorab m\u00f6chte ich jedem die auszugsweise Lekt\u00fcre von (2) ans Herz legen. Auch wenn man den wissenschaftlichen Inhalt an manchen Stellen nicht versteht, findet man hier doch eine sehr am\u00fcsante F\u00fclle sich widersprechender Meinungen zu H\u00f6lzern und Bauarten von E-Gitarren. Der Autor (oder die Autoren?) haben sehr pointiert herausgestellt, dass mindestens ein \u201eExperte\u201c sich in seinem Buch selbst widerspricht (in einem Abstand von nur 6 Seiten) und auch unsere Fachgurus von \u201eGitarre und Bass\u201c haben erstaunlich inkonsistente Meinungen. Schm\u00f6kern lohnt sich!<\/p>\n<p><strong>Sustain und der Energieerhaltungssatz<\/strong><\/p>\n<p>Nun aber endlich zum Inhalt: Zuerst wird das Zusammenspiel von Holzschwingung, Saitenschwingung und Sustain beleuchtet. Es wird anschaulich damit aufger\u00e4umt, dass angeblich f\u00fcr ein langes Sustain (Nachschwingen der Saite) die Schwingung m\u00f6glichst gut auf das Holz \u00fcbertragen werden m\u00fcsse: Wir alle haben irgendwann wahrscheinlich schon mal das \u201eFremdwort\u201c \u201eEnergieerhaltungssatz\u201c geh\u00f6rt. Das bedeutet: Energie geht nicht verloren und kann nicht von alleine mehr werden. Was hat das nun mit der Gitarre zu tun? Beim Anschlag erh\u00e4lt eine Saite Energie. Solange sie diese Energie hat, kann sie schwingen. Jedes bisschen Energie, das in den Korpus \u00fcbergeht und diesen in Schwingung versetzt und f\u00fcr uns als abgestrahlter Schall oder Vibration wahrzunehmen ist, fehlt der Saite und verk\u00fcrzt damit deren Nachklingdauer (Sustain). Es ist also gerade Ziel der E-Gitarren-Konstruktion, dass die Schwingung eben NICHT auf den Korpus \u00fcbertragen wird, da die Summe aus Saitenschwingung und Gitarrenschwingung erhalten bleiben muss und ergo maximaler Sustain erreicht wird, wenn alle Energie in der Saite bleibt. Eigentlich ist hier das Wesentliche schon gesagt: Wenn die Schwingung des Korpus vermieden wird (Reflexionsgrade, Wellenwiderst\u00e4nde von Sattel und Bridge werden gemessen und Werte als Beleg angegeben.), kann das Holz oder die Geometrie des Korpus oder gar die Art des Lackes keine (ma\u00dfgebliche) Rolle spielen.<\/p>\n<p>Sehr sch\u00f6n finde ich diese Anmerkung: Die Saitenschwingung, die vom Tonabnehmer registriert wird und in ein Signal zum Verst\u00e4rker umgewandelt wird, findet zwischen Sattel und Steg statt. Wie wir gesehen haben, brauchen wir den Rest in der Betrachtung eines E-Gitarren Elektrosounds eigentlich nicht. Also zum \u201eSteg, der z.B. Gibson-typisch aus immerhin 18 Einzelteilen besteht (ABR-1). Allenthalben findet man ausufernde Elegien, dass die unendlich seltenen Tonh\u00f6lzer der fr\u00fchen Les-Pauls heute nicht mehr verf\u00fcgbar seien, und deshalb der Klang dieser Originale auch nie mehr dupliziert werden k\u00f6nne. Erstaunlicherweise wird so gut wie nie gefragt, wie gut denn die Einzelteile der ABR-1-Bridge entgratet waren, und wie gut der Kraftschluss zwischen den verschiebbaren Stegreitern und ihrem Unterbau ist.\u201c<\/p>\n<p><strong>Klangattribute verschiedener Holzarten<\/strong><\/p>\n<p>Noch eine weitere \u00dcberlegung st\u00fctzt das Ergebnis, dass es auf das Holz nicht ankommt: \u201eH\u00e4tte das Korpusholz wesentlichen Einfluss auf den &#8222;elektrischen Klang&#8220; einer E-Gitarre, so m\u00fcsste man in der entsprechenden Fachliteratur klare Zuordnungen zwischen Holzart und Klangattributen finden. Die finden sich auch, aber in erstaunlicher Meinungsvielfalt, z.B. f\u00fcr Erle: Lieblich; weich; warm; viele Obert\u00f6ne; zur\u00fcckhaltender H\u00f6henanteil; zart; fette B\u00e4sse; eher dezenter Bassanteil; kr\u00e4ftige Mitten; runder Mittenanteil; viel Sustain; akzentuiert; schwammig; pr\u00e4sent; undifferenziert; ausgeglichen; voller Ton; d\u00fcnner im Sound als Linde. Wie kann ein Holz sowohl einen akzentuierten, als auch einen schwammigen Ton erzeugen? Wie gleichzeitig fette B\u00e4sse mit eher dezentem Bassanteil?\u201c<\/p>\n<p>Wem das noch nicht reicht: Es werden auch Messungen vorgestellt und diese mit entsprechenden Modellen verglichen. Der Autor wiederholt Gott sei Dank nicht den Fehler vieler anderer, sich nur \u201eein paar Gedanken zu machen\u201c, sondern legt belastbare Daten vor.<\/p>\n<p><strong>Geleimte vs. verschraubte H\u00e4lse, Lacke &amp; Hohlr\u00e4ume<\/strong><\/p>\n<p>In ebendieser Manier, also teilweise \u00dcberlegung, teils Messung, (gr\u00f6\u00dften-) teils Screening der \u201eFachliteratur\u201c mit anschlie\u00dfendem und direkt resultierendem Ad-Absurdum-F\u00fchren werden noch weitere Mythen angegangen: Dicker Hals vs. d\u00fcnner Hals, verschraubt vs. geleimt, verwendeter Lack, Haarrisse in ebendiesem und nicht zuletzt Hohlr\u00e4ume in moderneren Les Paul Bodies. Die Quintessenz in allen F\u00e4llen: Es gibt keine belastbare Lehrmeinung, also ist es wohl vernachl\u00e4ssigbar. Zwecks Wartung und Einstellung haben geschraubte H\u00e4lse aber sehr deutliche Vorteile! Nochmal zu den Hohlfr\u00e4sungen in einer Les Paul: Wer schon mal eine um den Hals hatte wei\u00df, dass eine Paula ohne solche Fr\u00e4sungen ein ziemlicher Brocken ist. (Bei einem Nachbau einer Slash Paula von der Firma Vintage haben die freundlichen Mitarbeiter bei Thomann mal 5,1 kg f\u00fcr mich gewogen\u2026) Nun gibt Gibson selber an, dass es keinen Einfluss gibt, Gitarre und Bass wei\u00df es aber besser: \u201eDie Hohlr\u00e4ume in der Les Paul haben keinen Einfluss auf die Klangcharakteristik des Modells; wir haben das getestet (Henry Juskiewicz, Gibson-Pr\u00e4sident; Les Paul Book). Die Les Paul Custom Classic bekommt durch die Hohlfr\u00e4sungen eine perkussive und knackige Note hinzuaddiert (G&amp;B 8\/07).\u201c Ich denke, das sagt alles, oder? Zumindest f\u00fcr mich ist damit belegt, dass Gibson schlicht bemerkt hat, dass eine Strat oder Tele viel leichter um den Hals liegt und damit f\u00fcr manchen Saitenk\u00fcnstler sehr angenehm r\u00fcberkommt.<\/p>\n<p><strong>Faktenignoranz &amp; Gitarrenvoodoo<\/strong><\/p>\n<p>Fazit: Ich las irgendwo mal die sehr traurige Feststellung, dass gerade Gitarristen leider eine sehr konservative Gattung darstellen und sich aus dieser Traditionsh\u00f6rigkeit viele der entstandenen Mythen erkl\u00e4ren lassen. \u201eWas bei meiner Westerngitarre von Martin stimmt (verwendete H\u00f6lzer entscheidend), muss bei meiner Les Paul doch auch stimmen. Schlie\u00dflich sind beides Gitarren.\u201c Oder \u201eBeim Testen einer E-Gitarre ist es ein wichtiger erster Test, wie sie sich trocken (unverst\u00e4rkt) anh\u00f6rt.\u201c Leider beides falsch. Eine Kutsche und ein Auto sind auch beides vierr\u00e4drige Fortbewegungsmittel. Ein Auto mit Heu zu f\u00fcttern erscheint jedoch abwegig. Wir haben gesehen, dass das Holz quasi egal ist und die Schwingung des Holzes (trockener Sound) nur \u00e4u\u00dferst indirekt mit dem gew\u00fcnschten Elektroklang korreliert (dar\u00fcber bin ich zugegeben hinweggegangen; mehr dazu in der Prim\u00e4rquelle). Und trotzdem l\u00e4sst sich festhalten, dass sich Gitarren mit Kunststoffkorpus (ich besitze eine Ibanez Ergodyne (Korpus aus Luthite) \u2013 ist eine Superstrat und klingt danach\u2026) aufgrund des weit verbreiteten Glaubens an Gitarrenvoodoo nicht durchsetzen konnten und sogar im Progressive Rock\/Metal Mahagoni gespielt wird. Nach allem, was ich jetzt gelesen habe, mein ganz klarer Appell: Liebe Musiker, 5 Minuten mehr \u00fcben mit daf\u00fcr ruhigem \u00d6kogewissen verhilft eher zu einem besseren Klang als Tropenholz.<\/p>\n<p><strong>Haptik &amp; Spielgef\u00fchl<\/strong><\/p>\n<p>Kleine Ausnahmen: Rosewood\/Palisander- oder Plain Maple Griffbrett? Nitrozellulose Lack oder PU Lack oder gar keiner? Nun, das sind tats\u00e4chlich nicht ganz unwichtige Fragen, aber nicht aufgrund des Klangs. Es ist unbestritten, dass sich bei lackierten Griffbrettern der Lack mit der Zeit abnutzt, weshalb die Verwendung unlackierten Hartholzes mir durchaus sinnvoll erscheint. Nitrolack ist meines Wissens anf\u00e4lliger als PU Lack, soll aber h\u00e4ufig wesentlich d\u00fcnner sein und eine angenehmere Haptik haben. Bei g\u00e4nzlich unlackierten H\u00e4lsen l\u00e4uft man Gefahr, dass das Holz, wenn nicht penibel gepflegt, sich durch Schwei\u00df und Schmutz verf\u00e4rbt. Ich will also gar nicht sagen, dass jede Gitarre gleich ist und es auf die verwendeten Materialien \u00fcberhaupt nicht ank\u00e4me. An einigen Stellen schon, denn da sind sie f\u00fcr das SpielGEF\u00dcHL mit entscheidend.<\/p>\n<p><strong>Tuning\u00a0nach der Cryo-Methode<\/strong><\/p>\n<p>Da wir uns gerade schon mit T\u00f6nen einer Gitarre besch\u00e4ftigen, m\u00f6chte ich noch etwas zu einer Tuning-Methode sagen, \u00fcber die ich vor Kurzem stolperte. Kleiner Disclaimer vorab: Ich habe absolut keine wissenschaftlichen Belege und fabuliere im Folgenden nur so vor mich hin. Es geht um das so genannte Cryo Tuning, dass unter anderem vom Musikhaus Session <a href=\"http:\/\/www.session.de\/music\/blog\/post\/exklusiv-bei-session-cryo-tuning\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">(3)<\/a> in Zusammenarbeit mit <a href=\"http:\/\/www.gitarrebass.de\/equipment\/preissenkung-fuer-cryo-tuning\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">(5)<\/a> angeboten wird. Ein sehr ausschweifendes Video gibt es auch <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=O5yJNdVfeGo\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">(6)<\/a>. In diesem Video wird sehr breit dar\u00fcber gesprochen, dass man eine original Jabocaster der Prozedur unterzogen habe. Es wird betont, dass es davon nur 3 in Deutschland g\u00e4be, wahrscheinlich 15 weltweit: Sag mal, habt ihr sie noch alle, so ein Ger\u00e4t zum Versuchskaninchen zu machen?!! Wie dem auch sei, jetzt kl\u00e4nge die Gitarre jedenfalls vollkommen anders. Leider muss man dem Sprecher des Videos vertrauen: \u201eDie Gitarre kenne ich sehr sehr sehr sehr sehr sehr gut.\u201c, \u201eBin fast vom Hocker gefallen.\u201c, \u201eIhr k\u00f6nnt\u2019s mir glauben oder nicht, \u2026 ich merke jetzt noch, dass die Gitarre anders klingt. \u2026 Ihr m\u00fcsst euch mal die alten Videos anschauen. Auf vielen alten Videos erkennt man das, wenn man\u2019s wei\u00df.\u201c, \u201eSo ein Akkord w\u00e4re vor dem Einfrieren nicht m\u00f6glich gewesen.\u201c Anmerkung zum letzten Zitat: Spielt Matthias Jabs (Scorpions) tats\u00e4chlich so beschi**ene Klampfen, dass man damit keine klaren Akkorde spielen kann? Mir f\u00e4llt auf, dass man es leider vers\u00e4umte, einen auch nur halbwegs wissenschaftlichen vorher-nachher-Vergleich zu machen und der Verweis auf ein anderes Youtube-Video scheint mir auch nicht geeignet. Einerseits ist die Soundqualit\u00e4t meiner Ansicht nach nicht ausreichend (sp\u00e4testens meine Laptopboxen sind sicher nicht belastbar als Beleg) und andererseits wurde in dem \u00e4lteren Video ein anderer Amp verwendet. Der Zusatz \u201e\u2026, wenn man\u2019s wei\u00df.\u201c spricht f\u00fcr mich \u00fcbrigens (vermutlich ungewollt) B\u00e4nde. Noch eine Angabe l\u00e4sst mich \u00fcbrigens sehr an der Sinnhaftigkeit des Unterfangens zweifeln, so denn die Angabe stimmt: Es sei nach Cryo Tuning \u201eegaler, auf welchem Pickup ich spiele.\u201c Das hei\u00dft also, ich habe dann auf der Strat keine 5 Sounds mehr, sondern einen? Wem\u2019s gef\u00e4llt\u2026<\/p>\n<p>Aber das Ganze ist trotzdem Grund genug, mal kurz zu recherchieren, was denn eigentlich passieren soll. In Quelle (3) wird angef\u00fchrt, das Verfahren g\u00e4be es in der Metallbearbeitung schon sehr lange, bei Blechbl\u00e4sern sei es sehr verbreitet und anderswo las ich, dass man das Herunterk\u00fchlen auf -180\u00b0C und nachfolgende Unterziehen mehrerer \u201eAufheiz- und Abk\u00fchlzyklen\u201c erfolgreich im Rennsport anwende, um Getriebe haltbarer zu machen. Also was passiert? \u201eDer Effekt der Cryo-Behandlung besteht darin, dass die Eigenspannungen in den Bauteilen reduziert werden, da es zu einer Umwandlung von heterogenen Mikrostrukturen zu homogenen Gitterstrukturen kommt. Dadurch werden die Schwingungseigenschaften harmonischer, was zu verbesserten Obert\u00f6nen f\u00fchrt. Insgesamt wird die molekulare Struktur verdichtet, so dass die Leitf\u00e4higkeit elektrischer Bauteile wie Kabel, Tonabnehmer und Potis erheblich erh\u00f6ht wird.\u201c (3) Hmm, dass sich Mikrodom\u00e4nen zum Beispiel in Magneten umorganisieren k\u00f6nnen, kann ich mir sogar vorstellen. Bei Kabeln w\u00e4re ich schon skeptischer. Dass in gr\u00f6\u00dferen Bereichen mancher Bauteile eine klare Gitterstruktur vorhanden sein k\u00f6nnte, OK. Dass die molekulare Struktur sich verdichtet: Wie soll das gehen? Die ist meines Wissens (reversibel) von der Temperatur abh\u00e4ngig und bei Raumtemperatur eine immer gleiche Materialkonstante. Oder liege ich hier falsch? Im Video (6) wird noch angemerkt, dass \u201eGitarre und Bass\u201c den Effekt in etwa so beschreibt: e-Saite ein bisschen dicker, g gliedert sich besser ein, tiefere Lagen heller, obere gewinnen an Volumen. Meine Frage w\u00e4re hier: Was passiert bei neuen Saiten?<\/p>\n<p>Man findet bei Session (3) noch den Hinweis, dass \u00e4hnliche Mikrostruktur\u00e4nderungen auch im Holz stattf\u00e4nden und so das Schwingungsverhalten optimiert w\u00fcrde. Das erste glaube ich nicht, denn ich glaube nicht an Kristall- oder Mikrodom\u00e4nenstruktur in Holz \u2013 lasse mich aber gerne von Fachkundigen eines Besseren belehren. Selbst falls das zweite stimmen sollte, haben wir ja oben gesehen, dass das irrelevant ist. Es stellt sich also die Frage, ob es sich lohnt, ca. 400 Euro (5) zu investieren. Preisg\u00fcnstiger w\u00e4re es laut (6) f\u00fcr etwa 100 Euro nur die Elektronik einfrieren zu lassen. Alternativ k\u00f6nnte man sich auf die Suche nach Pickups und Schaltungen begeben, die das gew\u00fcnschte Ergebnis liefern. Zugegeben: Wenn das funktioniert, ist es unter Umst\u00e4nden deutlich g\u00fcnstiger. Trotzdem w\u00e4re ich geneigter das zu wagen, wenn es mal eine Messung dazu g\u00e4be. Und der angebliche \u201emache die 3 Tonabnehmer einer Strat gleicher\u201c-Effekt l\u00e4sst mich eindeutig Abstand nehmen.<\/p>\n<p><strong>Quellen &amp; Resourcen<\/strong><\/p>\n<p>By the way: Hervorragende Ressourcen zu Schaltungen finden sich \u00fcbrigens unter Anderem v\u00f6llig kostenlos hier <a href=\"http:\/\/www.seymourduncan.com\/blog\/the-tone-garage\/guitar-wiring-diploma-course\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">(7)<\/a> und hier <a href=\"http:\/\/www.guitar-letter.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">(8)<\/a>. Danach hatte ich eigentlich gesucht, als ich auf den Text zu den H\u00f6lzern gesto\u00dfen bin. Eigentlich ist das hier absolut Off-Topic, aber andererseits haben Schaltungen und Pickups tats\u00e4chlich einen deutlichen Einfluss auf den erzeugten Klang und damit passt es dann doch wieder irgendwie. Ich m\u00f6chte \u00fcber die verschiedenen Schaltmodi keine Worte verlieren, denn das ist wirklich sehr verst\u00e4ndlich und umfassend unter anderem in den angegebenen Quellen dokumentiert.<\/p>\n<p>Hiermit h\u00f6re ich auf, so manchem musikalischen (Glaubens-) Genossen auf die F\u00fc\u00dfe zu steigen. Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, bis hierher zu lesen. Ich w\u00fcrde mich \u00fcber eine rege Diskussion sehr freuen. Besonders klasse f\u00e4nde ich, wenn jemand Erfahrungen im Modifizieren von Gitarrenschaltungen gesammelt hat und die mit diesem Blog (und damit auch mir) teilen m\u00f6chte.<\/p>\n<p>1) http:\/\/www.gitec-forum.de\/wp\/gitec-community\/buch\/inhalt-physik-der-elektrogitarre-mit-links-zu-den-kapiteln-pdf\/<br \/>\n2) http:\/\/www.gitec-forum.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/PdE-7.9-Klang-Holz.pdf<br \/>\n3) http:\/\/www.session.de\/music\/blog\/post\/exklusiv-bei-session-cryo-tuning\/<br \/>\n4) http:\/\/www.thecryocompany.de\/<br \/>\n5) http:\/\/www.gitarrebass.de\/equipment\/preissenkung-fuer-cryo-tuning\/<br \/>\n6) http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=O5yJNdVfeGo<br \/>\n7) http:\/\/www.seymourduncan.com\/blog\/the-tone-garage\/guitar-wiring-diploma-course<br \/>\n8) http:\/\/www.guitar-letter.de\/<br \/>\n(Men\u00fcpunkt Knowledge &#8211; Sehr umfangreich. Vieles auch als PDF gesammelt frei verf\u00fcgbar)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gastbeitrag von Sven Proppert Vor einer halben Ewigkeit (etwa 5 Jahre) erz\u00e4hlte mir ein Freund (Akustiker bei einem gro\u00dfen Autohersteller), er habe mal in einem Vortrag \u00fcber den Einfluss von Holz bei E-Gitarren geh\u00f6rt, dass das mal jemand im Labor &hellip; <a href=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/2017\/11\/19\/einfluss-von-konstruktionskomponenten-auf-den-klang-einer-e-gitarre\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[5,23,19,14,17,13],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5510"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5510"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5510\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5510"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5510"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5510"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}