{"id":5513,"date":"2017-11-20T14:11:12","date_gmt":"2017-11-20T13:11:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dennisschuetze.de\/blog\/?p=5513"},"modified":"2024-12-19T10:18:32","modified_gmt":"2024-12-19T09:18:32","slug":"album-peterchens-mondfahrt-von-josef-achtelik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/2017\/11\/20\/album-peterchens-mondfahrt-von-josef-achtelik\/","title":{"rendered":"Album: \u201ePeterchens Mondfahrt\u201c von Josef Acht\u00e9lik"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/PeterchensMondfahrtCover.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-5512\" src=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/PeterchensMondfahrtCover-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/PeterchensMondfahrtCover-150x150.jpg 150w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/PeterchensMondfahrtCover-300x297.jpg 300w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/PeterchensMondfahrtCover-1024x1015.jpg 1024w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/PeterchensMondfahrtCover-768x762.jpg 768w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/PeterchensMondfahrtCover-1200x1190.jpg 1200w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/PeterchensMondfahrtCover.jpg 1429w\" sizes=\"(max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a>Im Jahr 1911 verfasste der Schriftsteller Gerdt von Bassewitz w\u00e4hrend eines Kuraufenthalts im Taunus das M\u00e4rchen \u201ePeterchens Mondfahrt\u201c. Darin geht es um die Abenteuer des Maik\u00e4fers \u201eHerr Sumsemann\u201c, der zusammen mit den Kindern Peter und Anneliese zum Mond fliegen will, um von dort sein verlorengegangenes sechstes Beinchen zur\u00fcck zu holen.\u00a0Nach seiner R\u00fcckkehr nach K\u00f6ln zeigte Bassewitz das Manuskript seinem Kollegen, dem Theater-Kapellmeister Josef Acht\u00e9lik. Dieser nahm es mit zu seiner neuen Anstellung als Komponist und Kapellmeister am Stadttheater in Leipzig und komponierte Musik dazu. Zu Weihnachten im Jahr 1912 wurde das so entstandene \u201eM\u00e4rchenspiel in 6 Bildern\u201c mit Musik f\u00fcr Orchester uraufgef\u00fchrt und im Anschluss allein in Leipzig ca. 180 Mal gezeigt.<!--more--><\/p>\n<p>Seinen Siegeszug um die Welt trat \u201ePeterchens Mondfahrt\u201c dann in Form eines Kinderbuches mit Illustrationen des Malers Hans Baluschek an. 1937 brandmarkten die Nationalsozialisten dessen Arbeiten als \u201eentartete Kunst\u201c und unterbanden alle weiteren Ver\u00f6ffentlichungen, darunter auch das Kinderbuch \u201ePeterchens Mondfahrt\u201c. So sch\u00f6n der Erfolg bis dahin gewesen war, das Kinderbuch und auch die Musik gerieten durch das Verbot in Vergessenheit und mit ihr auch der Name des Komponisten des M\u00e4rchenspiels.<\/p>\n<p>Viele Jahre sp\u00e4ter, im Jahr 2011, nahmen die Nachkommen des Komponisten Josef Acht\u00e9lik Kontakt zu Ulrich Kaiser auf und machten den Vorschlag das M\u00e4rchenspiel zum 100. Jubil\u00e4um wiederaufzuf\u00fchren. Die handschriftlichen Originalpartituren waren jahrzehntelang auf einem Berliner Dachboden in einem Dornr\u00f6schenschlaf gelegen und sollten wieder zu Geh\u00f6r gebracht werden. Ulrich Kaiser wurde hellh\u00f6rig und nahm sich der Sache an. Nur ein Jahr sp\u00e4ter, fast auf den Tag genau hundert Jahre nach der Urauff\u00fchrung, wurde \u201ePeterchens Mondfahrt\u201c vom Kinderchor des mdr und dem mdr Sinfonieorchester unter dem Dirigat von Ulrich Kaiser aufgef\u00fchrt und aufgenommen.<\/p>\n<p>Das \u00fcber zweist\u00fcndige Werk wurde daf\u00fcr zu einer 70-min\u00fctigen Konzertfassung verdichtet, die Texte zum Teil \u00fcber die Musik gesprochen. Quelle der Bearbeitung war die einzig erhaltene, handgeschriebene Orchesterpartitur der Familie Acht\u00e9lik. Die \u00fcberarbeitete Fassung tr\u00e4gt, wohl in Anlehnung an Prokofievs \u201ePeter und der Wolf\u201c, den Untertitel \u201eEin musikalisches M\u00e4rchen f\u00fcr Kinder\u201c. Trotz der deutlichen Verk\u00fcrzung und Verdichtung ist die Laufzeit der Album-Fassung mit mehr als einer Stunde immer noch immens und d\u00fcrfte gerade kleinere Kinder, f\u00fcr die das Werk ja eigentlich gedacht ist, klar \u00fcberfordern. Selbst f\u00fcr manche Erwachsenen k\u00f6nnten Umfang und L\u00e4nge der Einspielung etwas zu viel des Guten sein. Dazu gibt es Wechsel zwischen Orchesterstellen, Rahmenerz\u00e4hlung, Gesangseinlagen, Dialogen, Chorpassagen, verschiedene Sprecher und S\u00e4nger sind beteiligt, noch dazu sind wirken Sprache und Erz\u00e4hltempo nach hundert Jahren sp\u00fcrbar antiquiert. Vermutlich w\u00e4re es anschaulicher und vertr\u00e4glicher das musikalische M\u00e4rchen inkl. Bildern und Bewegung in szenischer Form zu erleben. Zwar ist die Wiederbelebung dieses fast vergessenen multimedialen Klassikers nicht nur ein musikwissenschaftliches Projekt, sondern auch ein h\u00f6chst erfreuliches kulturelles Ereignis. Nur w\u00e4re es angemessener gewesen, nicht nur die musikalischen Anteile, sondern auch die anschaulichen Elemente, insbesondere die Bilder von Baluschek, darzustellen. Ein begleitender Filmmitschnitt zum Konzert, eine interaktive Webseite oder eine Umsetzung als Spiel- oder Trickfilm w\u00e4re daher sicherlich zeitgem\u00e4\u00dfer gewesen und h\u00e4tte vermutlich mehr Menschen erreicht, aber das kann ja vielleicht noch folgen.<\/p>\n<p>Gro\u00dfes Verdienst dieser Produktion ist es ein wundersch\u00f6nes, klassisches Musikm\u00e4rchen der Vergessenheit entrissen zu haben, die von den Nationalsozialisten beabsichtigt war. \u201ePeterchens Mondfahrt\u201c ist ein kulturelles Verm\u00e4chtnis, das mit anderen Kinderb\u00fcchern und Musikm\u00e4rchen wie \u201cH\u00e4nsel und Gretel\u201c, \u201ePeter und der Wolf\u201c oder \u201eDie Kluge\u201c mithalten kann und im Spielrepertoire von Theatern und Opernh\u00e4usern seinen festen Platz finden sollte. Es ist eine der seltenen Gelegenheiten, bei der der Mitteldeutsche Rundfunk als \u00f6ffentlich-rechtlicher Sender neben uns\u00e4glichen TV-Boulevardformaten seinem wichtigen kulturellen Auftrag nachkommt. Das f\u00e4llt positiv auf und es w\u00e4re erfreulich, wenn in dieser Richtung noch mehr Engagement folgen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Das Album erscheint ausschlie\u00dflich als CD (leider nicht als Download oder Stream) in der Reihe mdr Klassik und umfasst ein Booklet mit ausf\u00fchrlichen Information zur Wiederentdeckung des Werkes und Entstehung der Aufnahmen.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Dokumentation zur Wiederentdeckung der Originalmusik von 1912 zu &quot;Peterchens Mondfahrt&quot;\" width=\"584\" height=\"329\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/nZvFx1jBw-0?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Jahr 1911 verfasste der Schriftsteller Gerdt von Bassewitz w\u00e4hrend eines Kuraufenthalts im Taunus das M\u00e4rchen \u201ePeterchens Mondfahrt\u201c. 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