{"id":5653,"date":"2018-01-12T12:12:49","date_gmt":"2018-01-12T11:12:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dennisschuetze.de\/blog\/?p=5653"},"modified":"2018-01-12T12:12:49","modified_gmt":"2018-01-12T11:12:49","slug":"essay-instrumentalunterricht-als-personal-coaching-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/2018\/01\/12\/essay-instrumentalunterricht-als-personal-coaching-1\/","title":{"rendered":"Essay: Instrumentalunterricht als Personal Coaching (1)"},"content":{"rendered":"<p>Von Dr. Dennis Sch\u00fctze<\/p>\n<p><strong>Intro:<\/strong><br \/>\nVor einiger Zeit kam ein neuer, erwachsener Sch\u00fcler zu mir um Gitarrenunterricht zu nehmen. Nach der Kennenlernstunde wurde vereinbart, dass der Unterricht w\u00f6chentlich in Einzelstunden \u00e0 30 Min stattfinden sollte. Wir trafen uns also regelm\u00e4\u00dfig und dabei fiel mir auf, dass er oft in Traininghose, Kapuzenpulli und Turnschuhen zur Stunde kam. Das lag daran, dass er als Physiotherapeut in der eigenen Praxis arbeitete und nebenbei auch betuchten Gesch\u00e4ftsleuten private Trainingsstunden erteilte. Au\u00dferdem war auff\u00e4llig, dass er zwar immer p\u00fcnktlich, aber oft unvorbereitet zum Unterricht kam. Oft gestand er mit einem unschuldigen Grinsen im Gesicht: \u201eDiese Woche habe ich kein einziges Mal die Gitarre in der Hand gehabt!\u201c<!--more--><br \/>\nAls Lehrer war ich nat\u00fcrlich nicht begeistert, man schlie\u00dft ja inhaltlich gerne an die verinnerlichten Inhalte der vergangenen Stunden an. So waren wir allerdings dazu gezwungen Inhalte der letzten Stunde zu wiederholen oder, wenn das schon ein paar Mal gemacht worden war, einfach unverrichteter Dinge ein neues Thema aufzuschlagen, obwohl das alte noch nicht abgeschlossen worden war. Irgendwann sprach ich ihn direkt darauf, erkl\u00e4rte, dass so eine Vorgehensweise aus musikp\u00e4dagogischer Sicht nicht sehr ergiebig sei. Darauf entgegnete er, er w\u00fcrde den Unterricht bei mir als eine Form des Personal Coachings betrachten, er k\u00e4me um in meinem Beisein und mit mir zu \u00fcben, er wolle Spa\u00df haben, motiviert werden, fachliche Anregungen bekommen, technische Vereinfachungen gezeigt bekommen. Zuhause \u00fcben w\u00fcrde er nur bei Gelegenheit, es w\u00e4re f\u00fcr ihn aber kein fest eingeplanter Teil des instrumentalen Lernens. Zum \u00dcben sei ja die w\u00f6chentliche Stunde da und ich verantwortlich daf\u00fcr, dass er in wohl dosierten Schritten voran k\u00e4me. So hatte ich das bisher noch nie gesehen und dass ich neuerdings als Personal Coach in Sachen Gitarrenspiel betrachtet wurde, war mir erst in diesem Augenblick klar. Zuerst war ich wie vor den Kopf gesto\u00dfen, aber noch w\u00e4hrend unser Unterricht (oder soll ich lieber sagen Trainingsprogramm) weiterlief, versuchte ich die neue Sichtweise und ihre Bedeutung f\u00fcr meinen Berufsstand mit allen damit verbundenen Konsequenzen zu verstehen.<\/p>\n<p><strong>Definitionen<\/strong><br \/>\nUm sich ein Bild zu machen ist es wichtig die Begriffe <strong>Instrumentalunterricht<\/strong> und <strong>Personal Coaching<\/strong> zu verstehen. Sie sollen daher im Folgenden soweit m\u00f6glich definiert werden.<\/p>\n<p><strong>Instrumentalunterricht<\/strong> ist Unterricht, bei dem das Spielen eines Instruments gelehrt wird. Weite Verbreitung fand der Instrumentalunterricht in Mitteleuropa mit der Entstehung der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft im ausgehenden 17. Jahrhundert, zu dieser Zeit wurden auch erste weitverbreitete musikp\u00e4dagogische Lehrwerke in Druckform ver\u00f6ffentlicht, dabei spielt das Klavier ein besondere Rolle. Klavierunterricht und h\u00e4usliches Musizieren wurde ein definierender Teil des bildungsorientierten b\u00fcrgerlichen Lebensstils, der vor allem von Frauen und M\u00e4dchen ausgef\u00fcllt wurde. Unterrichtet wurden sie zumeist in Privatstunden von Musikerlehrern, jungen Komponisten oder nahen Verwandten. Alleine oder gemeinsam mit anderen zu musizieren wurde als kultivierter Zeitvertreib betrachtet, eine wom\u00f6gliche berufliche Karriere daraus zu machen stand nicht im Vordergrund. Erste weiterf\u00fchrende Ausbildungsst\u00e4tten wie Konservatorien und Hochschule wurden ab Mitte des 19. Jahrhunderts in kulturellen Zentren gegr\u00fcndet. St\u00e4dtische und kommunale Musikschulen f\u00fcr breitere Bev\u00f6lkerungsgruppen wurden in Deutschland ab den 1970er Jahren gegr\u00fcndet. Der Unterricht wurde subventioniert, fand jedoch zumeist im engen, stilistischen Rahmen der klassisch-romantischen Tradition statt. Ausgehend von Entwicklungen der USA gab es dann ab Ende der 1970er\/Anfang der 1980er Jahre zun\u00e4chst private im weiteren Verlauf auch staatliche Schulen und Ausbildungsst\u00e4tten f\u00fcr Jazz- und Popularmusikstile.<\/p>\n<p>Die F\u00e4higkeit ein Instrument zu erlernen und zu spielen ist jedoch seit geraumer Zeit kein Selbstzweck mehr. Eltern setzen unter dem Eindruck des aktuellen Erziehungsdiskurses heute bewusst auf \u201eTransfereffekte des Instrumentalunterrichts, d. h. auf die darin angelegte M\u00f6glichkeit, moderne p\u00e4dagogische Desiderate wie Motivation, Konzentration, Flei\u00df und Selbstdisziplin einzu\u00fcben.\u201c (Wikipedia) Gem\u00e4\u00df der leistungsgesellschaftlichen Logik werden einstudierte F\u00e4higkeiten, gar Talent und Musikalit\u00e4t in Aufnahmepr\u00fcfungen, Studieng\u00e4ngen und Wettbewerben (z.B. Jugend Musiziert) und anderen Leistungsschauen verglichen und bewertet. Typische Anbieter von Instrumentalunterricht sind heutzutage Privatlehrer, Musikschulen, allgemeinbildende Schulen, Musikfachschulen und Musikhochschulen. Es kann im Unterricht heutzutage auf verschiedene Lehrmethoden, reichhaltige Literatur und weiterreichende Medien zugegriffen werden.<\/p>\n<p>Die klassische Beziehung im Instrumentalunterricht ist die zwischen Lehrer und Sch\u00fcler.<\/p>\n<p>Wikipedia: <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Instrumentalunterricht\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Instrumentalunterricht<\/a><\/p>\n<p><strong>Coaching<\/strong> wird im Deutschen als Sammelbegriff f\u00fcr unterschiedliche Beratungsmethoden verwendet. Es stammt ab von dem englischen Wort \u201eCoach\u201c (dt: \u201eKutsche\u201c) und war Mitte des 19. Jahrhunderts eine umgangssprachliche Bezeichnung f\u00fcr Tutoren, die Studenten durch ein Examen brachten (oder transportierten). Das Wort Coaching bezeichnet also einen Prozess der angewendet wird um eine Person von dem Ort, an dem sie sich befinden, zu einen Ort zu bringen, an dem sie sein wollen. Der Coach oder Trainer begleitet diesen Entwicklungsprozess zu pers\u00f6nlichen oder beruflichen Zielen durch Beratung, Training und F\u00fchrung. Diese finden zumeist in Einzelsitzungen \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum statt bis das Ziel erreicht wurde.<\/p>\n<p>Eine besondere Form des Coachings ist das <strong>Personal Fitness Coaching<\/strong>. Diese Methode zur F\u00f6rderung der k\u00f6rperlichen Kondition oder Gewichtsabnahme stammt urspr\u00fcnglich aus dem Bereich des Hochleistungssports, wird heutzutage aber auch von Menschen in Anspruch genommen, die Wert auf professionelle, pers\u00f6nliche Betreuung legen. Vom Coach oder Trainer wird ein an die jeweilige Person angepasstes Fitnessprogramm entwickelt und von dieser unter Aufsicht absolviert. Der Coach ist stets selbst dabei, beobachtet, leitet an und motiviert. Auch diese Treffen finden als Einzelstunden, zumeist regelm\u00e4\u00dfig, oftmals sogar im Umfeld des Klienten statt (zu Hause, B\u00fcro, Hotel). Nach Sportverein und Fitnessstudio ist dies die individualisierteste Form der sportlichen Bet\u00e4tigung unter Anleitung und daher meist auch kostenintensiv. Oft wird das Trainingsprogramm durch die Messung und Katalogisierung von pers\u00f6nlichen K\u00f6rperdaten (Pulsfrequenz, Blutdruck, Bewegungsprofil, Gewicht), einem Ern\u00e4hrungsprogramm und weiteren Ma\u00dfnahmen flankiert. Auf diese Weise k\u00f6nnen pers\u00f6nliche Entwicklungen in Zahlen gefasst, in Tabellen und Diagrammen anschaulich gemacht werden und das Trainingsprogramm bei Bedarf angepasst werden.<\/p>\n<p>Die klassische Beziehung im Coaching ist die zwischen Coach und Coachee bzw. zwischen Trainer und Klient.<\/p>\n<p>Wikipedia: <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Coaching\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Coaching<\/a><\/p>\n<p>Mittelteil (2) folgt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Dr. Dennis Sch\u00fctze Intro: Vor einiger Zeit kam ein neuer, erwachsener Sch\u00fcler zu mir um Gitarrenunterricht zu nehmen. Nach der Kennenlernstunde wurde vereinbart, dass der Unterricht w\u00f6chentlich in Einzelstunden \u00e0 30 Min stattfinden sollte. 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