{"id":5655,"date":"2018-01-13T08:00:34","date_gmt":"2018-01-13T07:00:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dennisschuetze.de\/blog\/?p=5655"},"modified":"2018-01-13T08:00:34","modified_gmt":"2018-01-13T07:00:34","slug":"instrumentalunterricht-als-personal-coaching-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/2018\/01\/13\/instrumentalunterricht-als-personal-coaching-2\/","title":{"rendered":"Essay: Instrumentalunterricht als Personal Coaching (2)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Gemeinsamkeiten &amp; Unterschiede<br \/>\n<\/strong>Die Modelle <strong>Lehrer\/Sch\u00fcler<\/strong>, <strong>Coach\/Coachee<\/strong> bzw. <strong>Trainer\/Klient<\/strong> haben Gemeinsamkeiten und Unterschiede, Vorz\u00fcge und Einschr\u00e4nkungen, die im Folgenden herausgearbeitet werden sollen.<\/p>\n<p><strong>Verh\u00e4ltnis Meister\/Lehrling, Lehrer\/Sch\u00fcler, Coach\/Coachee bzw. Trainer\/Klient<br \/>\n<\/strong>Es gibt einige klassische Verh\u00e4ltnisse zwischen Lehrendem und Lernendem, dazu geh\u00f6rt als archaisches Modell (z.B. aus dem deutschen Zunftwesen) das vom <strong>Meister zum Lehrling<\/strong>. Der Meister (von lat. magister) ist ein \u201aGelehrter\u2019 oder wissenschaftlich, handwerklich oder k\u00fcnstlerisch \u201aGebildeter\u2019. Traditionell hat er selbst eine Ausbildung als Lehrling bei einem Meister absolviert (Lehre, Examen), praktische Erfahrungen gesammelt (Gesellen- oder Wanderjahre, Lehrauftr\u00e4ge) und h\u00f6here fachliche Pr\u00fcfungen bestanden (Meisterbrief, Promotion) bestanden. Damit ist er bef\u00e4higt Lehrlinge unter seine Obhut zu nehmen und in seinem Fachgebiet zu unterweisen.<!--more--><\/p>\n<p>Der Lehrling dagegen sucht sich im besten Fall seinen Lehrherrn. In fr\u00fchen Zeiten wohnte er bei ihm, erhielt Kost und Logis und war f\u00fcr die Dauer der Ausbildung teil von dessen Familie. Weil er im Rahmen der Ausbildung eine Arbeitsleistung erbringt, war es sp\u00e4ter \u00fcblich, dass der Lehrling ein geringes Lehrgeld erh\u00e4lt. Nachfolgende Wanderjahre als Geselle erm\u00f6glichten Erfahrungen bei anderen Betrieben unter anderen Meistern an anderen Orten und \u00f6ffneten so neue fachliche und pers\u00f6nliche Horizonte. Das Ende der Wanderjahre f\u00fchrte oft zur\u00fcck zum Ort der Ausbildung, manchmal \u00fcbernahmen ehemalige Lehrlinge die Betriebe ihrer vormaligen Meister. Mit diesem System wurde wertvolles theoretischen Wissen und Erfahrungswissen im engen Austausch an die n\u00e4chste Generation weitergegeben. Festgeschrieben war dabei das klare hierarchische Gef\u00e4lle zwischen Meister (oben), Geselle (mitte) und Lehrling (unten), darunter kamen nur noch Ungelernte und Aushilfen. Im deutschen Handwerk wurde dieses klassische und best\u00e4ndige Modell zum dualen Ausbildungssystem (Ausbildungsbetrieb, Berufsschule) weiterentwickelt und hat bis heute weitestgehend Bestand.<\/p>\n<p>Das Verh\u00e4ltnis zwischen <strong>Lehrer und Sch\u00fcler<\/strong> im Rahmen von privatem Unterricht ist freiwillig, individuell und hat meist eine begrenzte Dauer. Das Interesse am Erlernen eines Musikinstruments ist meist privat und pers\u00f6nlich motiviert und nur in seltenen F\u00e4llen als Ausbildung f\u00fcr eine weitere berufliche Karriere angelegt. Deswegen ist das Verh\u00e4ltnis weniger umf\u00e4nglich und komplett. Gew\u00f6hnlich finden Treffen w\u00f6chentlich in kleinen Gruppen oder als Einzelunterricht statt. Es kann zus\u00e4tzliche w\u00f6chentliche Treffen f\u00fcr Ensemble, Orchester oder Chor geben. F\u00fcr seine Leistungen erh\u00e4lt der Lehrer meist mittlere Stundenhonorare oder einen festen monatlichen Betrag.<\/p>\n<p>Der Lehrer hat gew\u00f6hnlich ein Fachstudium an einem Konservatorium oder einer Hochschule f\u00fcr Musik absolviert und einen Abschluss als Diplommusiklehrer oder Diplommusiker. Meist hat er selbst bereits Unterricht bei verschiedenen Lehrern, Hochschuldozenten und Professoren erhalten, hat Meisterkurse besucht, Konzertprogramme erarbeitet und Pr\u00fcfungen bestanden. Im Rahmen eines Studiums werden auch Grunds\u00e4tze des Instrumentalunterrichts vermittelt, eine eigenst\u00e4ndige Weiterbildung des Lehrenden durch Sichtung neuer Literatur und Methoden ist jedoch in modernen Zeiten unerl\u00e4sslich.<\/p>\n<p>Bei kurzfristigen Unterrichtsverh\u00e4ltnissen (1-2 Jahre) oder in kleinen Gruppen werden Anf\u00e4ngern Grundkenntnisse vermittelt (Spieltechnik, Notenlesen, Rhythmik). Weiterf\u00fchrender Unterricht findet zumeist in Einzelstunden statt und umfasst Technik, Et\u00fcden, Repertoire, aber auch Ans\u00e4tze von Stilkunde, Geh\u00f6rbildung, Musikgeschichte und Musiktheorie. Der Lehrer ist hier zugleich Lehrmeister, Mentor und Partner, leitet die Ausbildung, sollte aber im besten Fall auch auf den Sch\u00fcler eingehen, das Lehrtempo nach dessen F\u00e4higkeiten ausrichten und dessen Interessensgebiete in den Unterrichtsinhalt einflie\u00dfen lassen. Die Kunst des Lehrens ist es den Sch\u00fcler dort abzuholen, wo er steht und ihn auf eine anregende Reise mitzunehmen, auf der ganz nebenbei neue Stile und St\u00fccke, Techniken und Klangsprachen erfahren werden und so ein umfassende Entwicklung zu erm\u00f6glichen, bei der am Anfang noch nicht klar ist, in welche Richtung sie f\u00fchren wird. Unterrichtsziele werden zwar zu Beginn ausgetauscht, sollte aber immer wieder angepasst, notfalls auch gekippt werden k\u00f6nnen, wenn sich andere, f\u00fcr den Sch\u00fcler interessantere Themengebiete er\u00f6ffnen. Diese musikp\u00e4dagogische Planungsunsicherheit ist eine dauerhafte Herausforderung f\u00fcr den Lehrer, der dem Sch\u00fcler ja fachlich voraus sein sollte (technisch und theoretisch wird er das auch meistens sein) und deswegen immer hellh\u00f6rig, wach und agil sein muss um nicht irgendwann als altmodisch und unbeweglich dazustehen.<\/p>\n<p>Das Verh\u00e4ltnis von <strong>Coach zu Coachee<\/strong> bzw. <strong>Trainer zu Klient<\/strong> ist zielgerichtet und zweckgebunden. Der Klient (von lat. cliens: \u201eAnh\u00e4nger, Sch\u00fctzling, H\u00f6riger\u201c) ist Auftraggeber und Leistungsempf\u00e4nger. Im Gegensatz zum Lehrling oder Sch\u00fcler zahlt er gehobene Stundens\u00e4tze und erwartet daf\u00fcr eine entsprechende, messbare Gegenleistung.<\/p>\n<p>Ziele werden zu Beginn der Zusammenarbeit ausdr\u00fccklich besprochen und festgelegt, die entsprechende Vorgehensweise bestimmt, in einem Arbeitsplan manifestiert und im weiteren Verlauf bei regelm\u00e4\u00dfigen Treffen unter Aufsicht und mit Unterst\u00fctzung des Trainers abgearbeitet. Sind die Ziele erreicht, war die Zusammenarbeit erfolgreich und kann beendet werden oder es werden neue Ziele festgelegt.<\/p>\n<p>Jeder darf sich als Coach bezeichnen. Eine offizielle Ausbildung oder gar ein Studium zum Coach gibt es in Deutschland nicht. Stattdessen existieren alleine in Deutschland \u00fcber 20 verschiedene Coaching-Verb\u00e4nde die eine sog. Zertifizierung als Qualit\u00e4tsnachweis ausstellen. In der Kritik steht die Verbreitung der sog. \u201eSelbst-Zertifizierungen\u201c. Seri\u00f6se Coaches haben oftmals berufliche Hintergr\u00fcnde z.B. in den Feldern Leistungssport, Psychotherapie, Betriebwirtschaft und verschiedene Zusatzausbildungen, die von Ern\u00e4hrungsberatung \u00fcber Yoga bis zur Gespr\u00e4chstherapie reichen k\u00f6nnen. Gebucht werden sie meist auf pers\u00f6nliche Empfehlung, aufgrund von Erfahrungen und vorhandener Referenzen. Die Aufgabe des Coaches ist es den Klienten auf dem Weg zum Erreichen seines Ziels mit Rat und Tat zu unterst\u00fctzen. Wichtigstes Instrument ist dabei das sog. Coaching-Gespr\u00e4ch, das unterschiedlich angelegt sein kann. Das Hauptanliegen besteht darin, den Klienten durch Feedback, Training und Beratung in die Lage zu versetzen, sich selbst zu organisieren (Prinzip der Selbststeuerung). Das umfasst die Schritte der autonomen Zielsetzung, der selbstst\u00e4ndigen Planung und Organisation bis hin zur Selbstkontrolle (Ergebnis- und Fortschrittskontrolle) im Hinblick auf die Umsetzung der selbst gesetzten Ziele. Fortschritte, Zwischen- und Endergebnisse werden gemessen und wenn m\u00f6glich empirisch aufbereitet und analysiert. So sind, wie bei wirtschafts- oder sportwissenschaftlichen Studien, kleinste Schwankungen oder Tendenzen erkenn- und interpretierbar. Gerade im Health- und Fitness Coaching sind solche analytische Herangehensweisen heutzutage eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit. Detaillierte Datenerfassungen verleiten allerdings Coach und Klient dazu das gro\u00dfe Ganze (abseits der formulierten pers\u00f6nlichen Ziele) aus den Auge zu verlieren.<\/p>\n<p><strong>Zielsetzung<br \/>\n<\/strong>Bei dem Verh\u00e4ltnis <strong>Meister\/Lehrling<\/strong> vertraut sich der Lehrling seinem Meister \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum (meist mehrere Jahre) voll und ganz an. Ausbildungsdetails werden selten detailliert besprochen. Der Lehrling erwartet eine umfassende und zeitgem\u00e4\u00dfe berufliche Ausbildung, die ihn zur Aus\u00fcbung eines Erwerbsberufes bef\u00e4higt. Er muss f\u00fcr diese Ausbildung nichts bezahlen. Weil er im Rahmen der Ausbildung bereits einfache Arbeit verrichtet, bekommt er ein geringes Lehrlingsgehalt, dar\u00fcber hinaus evtl. noch Sachleistungen (Arbeitskleidung, Kost, Logis).<\/p>\n<p>Einen privaten <strong>Instrumentallehrer<\/strong> suchen sich der Sch\u00fcler oder dessen Eltern selbst aus. Im besten Fall vereinbart man Probestunden bei verschiedenen Lehrern und w\u00e4hlt denjenigen, der am besten zum Sch\u00fcler passt, dabei spielen Qualifikation des Lehrers, eigene Vorlieben, aber auch pers\u00f6nliche Sympathien eine wichtige Rolle. Oft k\u00f6nnen Anf\u00e4nger eine Zielsetzung nur sehr allgemein formulieren, es geht erstmal darum instrumentaltechnische und musikalische Grundf\u00e4higkeiten zu erlernen, dazu geh\u00f6ren fundamentale Spieltechniken, Haltung, Noten- oder Tabulaturlesen, Tonleitern, \u00dcbungsst\u00fccke, Zusammenspiel etc. Hierbei \u00fcberl\u00e4sst der Sch\u00fcler viele wesentliche Entscheidungen dem Lehrer und seiner Expertise. Bei Fortgeschrittene Sch\u00fclern k\u00f6nnen in h\u00f6herem Ma\u00dfe eigene W\u00fcnsche und Vorstellungen in den Unterrichtsverlauf eingebracht, St\u00fccke oder Techniken vorgeschlagen werden, die n\u00e4her betrachtet werden sollen. Dabei gibt es eine geh\u00f6rige Bandbreite: Einerseits Lehrer, die streng nach Lehrmethoden oder Lehrpl\u00e4nen vorgehen, andere, die flexibel auf Sch\u00fclerw\u00fcnsche eingehen, diese dankbar aufnehmen und f\u00fcr den Unterricht nutzbar machen.<\/p>\n<p>Gew\u00f6hnlich besteht kein Zeit- oder Notendruck, gleichzeitig viel gestalterischer Freiraum. Jeder Sch\u00fcler hat sein eigenes Lern- und \u00dcbetempo, eigene Vorlieben und Interessengebiete. Falls der Lehrer dem nicht mehr nachkommen kann, darf der Lehrer auch mal gewechselt werden. Ein klar formuliertes Ziel (bis dahin, in dieser Zeit) besteht meist weder aus Sicht des Sch\u00fclers, noch der des Lehrers oder der Eltern, solange der Unterricht Freude bereitet, interessant und anregend bleibt und es in ma\u00dfvollen Schritten voran geht.<\/p>\n<p>Beim <strong>Personal Coaching<\/strong> ist die Zielsetzung klar formuliert, teilweise auch zeitlich begrenzt (bis dahin muss das erreicht sein) und wird regelm\u00e4\u00dfig konkret, falls m\u00f6glich mit empirischen Mitteln \u00fcberpr\u00fcft. Das k\u00f6nnen Zusatzausbildungen, Karriereschritte oder Gehaltserh\u00f6hungen sein. Beim Fitness Coaching geht es dagegen oft um k\u00f6rperliche Kondition, K\u00f6rpergewicht, K\u00f6rperfettanteil, Puls- und Blutwerte. Aufgabe des Coaches ist es den Klient durch die regelm\u00e4\u00dfigen Einheiten zu bringen, zu unterst\u00fctzen und zu motivieren. Der Klient gibt die Verantwortung f\u00fcr die inhaltliche Ausrichtung und langfristige Wirkung an den Coach ab. Der soll mit seiner Erfahrung daf\u00fcr sorgen, dass das Ergebnis stimmt und das Ziel erreicht wird, wenn der Klient seine Vorgaben ordnungsgem\u00e4\u00df erf\u00fcllt. Die \u00dcberpr\u00fcfung der eigenen Leistung durch Zwischenergebnisse und pr\u00e4zise empirische Messungen sind die Methode die pers\u00f6nlichen Fortschritte zu dokumentieren und sich (und anderen) zu beweisen. Der Klient will sich nicht nur schlanker f\u00fchlen, er will wissen wie viel Gramm er sich in welchem Zeitraum wegtrainiert hat. Ist das Ziel erreicht, war der Coach erfolgreich und erf\u00fcllt als Dienstleister einen n\u00e4chsten Arbeitsauftrag.<\/p>\n<p><strong>Prozess &amp; Entwicklung<br \/>\n<\/strong>Das Ausbildungsmodell <strong>Meister\/Lehrling<\/strong> ist langwierig, ganzheitlich und umfasst Wochen, Monate und Jahre. Unterwiesen wird in Theorie und Praxis von einfachsten, allgemeinen Aufgaben (Sauberkeit, Ordnung, P\u00fcnktlichkeit) bis zu speziellen fachspezifischen Arbeiten. Unterwiesen wird dabei nicht nur vom Meister selbst, sondern auch von Gesellen, anderen Lehrlingen und Berufschullehrern. Am Ende der Ausbildung hat der Lehrling zus\u00e4tzlich zu Theorie und Praxis auch schon erste Erfahrungen im Arbeitsalltag, Umgangsformen und besonderen Probleml\u00f6sungen gemacht.<\/p>\n<p>Das Unterrichtsmodell <strong>Lehrer\/Sch\u00fcler<\/strong> ist tempor\u00e4r angelegt, kann im besten Fall jedoch Jahre andauern. Es h\u00e4lt so lange wie der Sch\u00fcler gerne zum Unterricht kommt um zu lernen.<\/p>\n<p>Die Treffen finden in aller Regel w\u00f6chentlich statt. Der Lehrer unterweist den Sch\u00fcler, erkl\u00e4rt neue Inhalte, demonstriert sie, portioniert sie, stellt Hausaufgaben und \u00fcberpr\u00fcft diese beim n\u00e4chsten Treffen. T\u00e4tigkeiten wie \u00dcben, Wiederholen, Spielen finden gr\u00f6\u00dftenteils nicht im Unterricht, sondern in eigenst\u00e4ndiger Arbeit beim Sch\u00fcler daheim statt und erfordern daher einen gewisses Ma\u00df an Selbstdisziplin und Best\u00e4ndigkeit (bzw. bei Kindern die unterst\u00fctzende Mithilfe von Eltern). Das Lernen ist langsam, graduell und explizit, einzelne Passage m\u00fcssen oft wiederholt und automatisiert werden, fl\u00fcssiges Notenlesen und Orientierung auf dem Instrument muss \u00fcber lange Zeitr\u00e4ume entwickelt werden. Nicht jede kleinste Aufgabe ist von Lehrerseite sofort begr\u00fcndbar, nicht jeder Fortschritt messbar. Die Zusammenarbeit erfordert grunds\u00e4tzliches Vertrauen in die musikp\u00e4dagogische Idee des Lehrers. Erst Monate, teilweise Jahre sp\u00e4ter erschlie\u00dfen sich dem Sch\u00fcler bestimmte Lehr- und Lernmethoden. Das Lernziel (Instrument erlernen) wird gleichzeitig nie und immer erreicht. Weder der Sch\u00fcler noch der Lehrer sind aber in ihrer individuellen Entwicklung jemals fertig oder vollendet.<\/p>\n<p>Beim Modell <strong>Coaching<\/strong> ist das Ziel klar formuliert und eingeschlagen wird naturgem\u00e4\u00df der k\u00fcrzeste Weg, weil die Klienten schnell am Ziel ankommen wollen. Man w\u00e4hlt einen Trainer, der diesen Weg bereits mit anderen gegangen ist und repr\u00e4sentative Erfolge vorweisen kann. Gerne greift man dabei auf Tricks und Abk\u00fcrzungen zur\u00fcck, l\u00e4sst sich bei unangenehmen Aufgaben extern unterst\u00fctzen. Man will am Ziel ankommen, nicht lange unterwegs sein. Weil Klienten, insbesondere beim Fitness Coaching, selbst bewusst ist, dass sie nicht die entsprechende Disziplin aufbringen, auch wenn sie in etwa wissen, was sie machen sollten, kommt dem Coach auch die Aufgabe zu f\u00fcr die gutgelaunte Erf\u00fcllung des Ma\u00dfnahmeplans zu sorgen. Falls die Dinge nicht so laufen wie geplant, muss er aber auch Erkl\u00e4rungen und alternative Weg zum Ziel anbieten k\u00f6nnen. Als Dienstleister kann der Coach jedoch auch nicht jede Wahrheit ungefiltert aussprechen, einige Dinge m\u00fcssen wom\u00f6glich sch\u00f6n geredet werden oder unausgesprochen bleiben. Einerseits hat er ein Interesse, dass die Latte f\u00fcr das vereinbarte Ziel nicht zu hoch liegt, damit es auch erreicht werden kann und er als erfolgreicher Trainingsplaner aus dem Prozess hervorgeht. Andererseits sollte der Weg zum Ziel auch nicht zu kurz angelegt sein, denn er wird nur so lange bezahlt bis das Ziel erreicht ist, danach ist seine Aufgabe vorerst erf\u00fcllt. Die schwierige Situation des Coaches besteht darin, dass er vollstest Verst\u00e4ndnis f\u00fcr seinen Klienten aufbringen muss (er wird gut daf\u00fcr bezahlt), im Gegenzug aber nicht auf vollstes Verst\u00e4ndnis von Seiten des Klienten hoffen kann, denn er befindet sich durch das ma\u00dfgeschneiderte Konzept in einer Abh\u00e4ngigkeit, die seine Machtposition untergr\u00e4bt. Idealerweise sollte der Klient w\u00e4hrend des Prozesses die F\u00e4higkeiten erlangen eigene Ziele selbst formulieren und einen gangbaren Weg zu entwickeln diese im Alleingang umzusetzen. Nicht immer sind eigene W\u00fcnsche und Ziele aber tats\u00e4chlich durch programmatische Schritte erreichbar, oft geh\u00f6ren auch Zufall und Gl\u00fcck dazu und die lassen sich nicht planen. W\u00fcnsche und Ziele k\u00f6nnen sich im Verlauf eines Prozesses auch ver\u00e4ndern, vielleicht werden sie zweitrangig, andere Dinge oder Menschen erscheinen auf einmal wichtiger. Bei weitreichenden, pers\u00f6nlichen Ver\u00e4nderungen ist das Modell Coaching in seiner Zielsetzung zu kleinkalibrig, punktuell und unflexibel. Oft werden mit den formulierten Zielsetzungen auch grunds\u00e4tzliche Unzufriedenheiten und Missst\u00e4nde \u00fcberdeckt oder verlagert, die nicht mit einfachen Ma\u00dfnahmen gel\u00f6st werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Ziel<br \/>\n<\/strong>Das Ziel beim Modell <strong>Meister\/Lehrling<\/strong> ist es durch eine umfassende Ausbildung den Aufgaben und Herausforderungen einer n\u00e4chste Karrierephase gewachsen zu sein. Mit dem Ende der Ausbildung und einer bestandenen Abschlusspr\u00fcfung ist der Beweis daf\u00fcr erbracht und wird auch \u00f6ffentlich bekundet und anerkannt. Vom Lehrling wird man zum Gesellen, vom Gesellen zum Meister und wenn man als Meister neue Lehrlinge ausbildet, schlie\u00dft sich der Kreis.<\/p>\n<p>Das Modell <strong>Lehrer\/Sch\u00fcler<\/strong> geht von der Idee des lebenslangen Lernens aus, deswegen k\u00f6nnen nur vor\u00fcbergehende Lernziele erreicht werden, es gibt danach immer noch Inhalte, die man nicht kennt oder beherrscht. Das gilt sowohl f\u00fcr den Sch\u00fcler, als auch f\u00fcr den Lehrer. Der Sch\u00fcler kann sich bei Bedarf neue Lehrer suchen, der Lehrer wird neue Sch\u00fcler finden. Zus\u00e4tzlich lernt nicht nur der Sch\u00fcler vom Lehrer, sondern auch umgekehrt der Lehrer vom Sch\u00fcler. Mit jeder Unterrichtsstunde sind beide um eine Erfahrung reicher.<\/p>\n<p>Beim Modell <strong>Coach\/Coachee<\/strong> oder <strong>Trainer\/Klient <\/strong>ist das Ziel von vornherein konkret und fassbar. Es kann vermeindlich mit Disziplin und Ausdauer erreicht werden, auf dem Weg wird der Klient aktiv vom Trainer unterst\u00fctzt. Das Trainingsprogramm bietet Ordnung und Struktur, eine langfristige Perspektive und unerwartete Entwicklungen, die die eigene Vorstellungskraft \u00fcbertreffen, sind bei diesem Modell nicht vorgesehen.<\/p>\n<p>Schlussteil (3) folgt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gemeinsamkeiten &amp; Unterschiede Die Modelle Lehrer\/Sch\u00fcler, Coach\/Coachee bzw. Trainer\/Klient haben Gemeinsamkeiten und Unterschiede, Vorz\u00fcge und Einschr\u00e4nkungen, die im Folgenden herausgearbeitet werden sollen. Verh\u00e4ltnis Meister\/Lehrling, Lehrer\/Sch\u00fcler, Coach\/Coachee bzw. 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