{"id":5660,"date":"2018-01-14T09:32:32","date_gmt":"2018-01-14T08:32:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dennisschuetze.de\/blog\/?p=5660"},"modified":"2018-01-14T09:32:32","modified_gmt":"2018-01-14T08:32:32","slug":"instrumentalunterricht-als-personal-coaching-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/2018\/01\/14\/instrumentalunterricht-als-personal-coaching-3\/","title":{"rendered":"Essay: Instrumentalunterricht als Personal Coaching (3)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Fazit<br \/>\n<\/strong>Bei n\u00e4herer Betrachtung der Beziehungsmodelle <strong>Lehrer\/Sch\u00fcler<\/strong> und <strong>Coach\/Coachee<\/strong> bzw. <strong>Trainer\/Klient<\/strong> lassen sich konstituierende Merkmale erkennen. Im Verlauf ist zu den zwei Modellen noch das traditionelle Verh\u00e4ltnis <strong>Meister\/Lehrling<\/strong> dazu gekommen. Zusammengenommen decken die drei Varianten weite Teile der m\u00f6glichen Auspr\u00e4gungen eines dauerhaften Unterrichtsverh\u00e4ltnisses ab. Kombinieren lassen sie sich aufgrund ihrer unterschiedlichen Grundstrukturen nicht, stehen also jedes f\u00fcr sich.<!--more--><\/p>\n<p>Das Modell <strong>Meister\/Lehrling<\/strong> ist durch ein starkes hierarchisches Gef\u00e4lle gepr\u00e4gt und langfristig angelegt. Der Lehrling untersteht dem Meister, folgt seinen Anweisungen in dem Vertrauen, dass der Prozess lehrreich und komplett ist. Er profitiert vom Erfahrungswissen des Meisters und kann durch ein ausgewogenes Verh\u00e4ltnis von theoretischem Unterricht und praktischer Arbeit umf\u00e4ngliches Wissen und n\u00fctzliche Erfahrungen sammeln.<\/p>\n<p>Das Modell <strong>Lehrer\/Sch\u00fcler<\/strong> hat ein mittleres hierarchisches Gef\u00e4lle und ist mittelfristig angelegt. Der Sch\u00fcler darf W\u00fcnsche und Ideen \u00e4u\u00dfern und diese werden, falls machbar, vom Lehrer bei der individuellen Unterrichtsgestaltung ber\u00fccksichtigt. Der Lehrer ist fachlicher Experte und praktischer Anleiter, weite Teile der \u00dcbungsarbeit werden jedoch vom Sch\u00fcler selbst\u00e4ndig verrichtet. Eventuell tragen auch noch andere Lehrer zum Fortkommen des Sch\u00fclers bei (Theorie, Ensemble, weitere Instrumente, Gesang, Chor). Ein Lehrerwechsel im Laufe der Entwicklung ist von Zeit zu Zeit ratsam, weil andere Lehrer neue Inhalte mitbringen und andere fachliche Aspekte betonen.<\/p>\n<p>Das Modell <strong>Coach\/Coachee<\/strong> oder <strong>Trainer\/Klient <\/strong>ist kurz- bis mittelfristig angelegt und endet mit dem Erreichen des anvisierten Ziels. Im Modell existieren zwei unterschiedliche hierarchische Richtungen. Einmal der von Klient (Auftraggeber) zu Trainer (Dienstleister), andererseits die entgegen gesetzte von Trainer (Experte) zu Klient (Ratsuchendem). Dieses doppelte Gef\u00e4lle macht das Verh\u00e4ltnis gleichzeitig interessant und labil. Interessant, weil das anvisierte Ziel, auf Augenh\u00f6he besprochen und der Weg dorthin klar strukturiert wird. Labil, weil der Auftraggeber (Klient) sich leichter von einem Dienstleister (Trainer) abwendet, als von einem Lehrer oder Meister, frei nach dem Motto: wer zahlt, schafft an.<\/p>\n<p>F\u00fcr das Erlernen eines Instruments scheint das Modell <strong>Lehrer\/Sch\u00fcler<\/strong> ideal geeignet zu sein, weil es einerseits eine regelm\u00e4\u00dfige fachliche Betreuung, andererseits inhaltliche Spielr\u00e4ume, sowohl f\u00fcr den Lehrer, als auch f\u00fcr den Sch\u00fcler bietet. Die im Coachingmodell angestrebte F\u00e4higkeit von Selbstorganisation und Entwicklungskontrolle wird hier von Anfang an eingefordert und ist nat\u00fcrlicher Bestandteil des t\u00e4glichen \u00dcbens. Fortschritte sind im musischen und auch im instrumental-technischen Bereich \u00e4u\u00dferst individuell und relativ, eine empirische Datenerhebungen und analytische Betrachtung daher nicht sinnvoll.<\/p>\n<p>Das Modell <strong>Meister\/Lehrling<\/strong> im Instrumentalunterricht kommt in einer abgeschw\u00e4chten Form allenfalls bei einer weiterf\u00fchrenden Ausbildung wie z.B. einem Musikstudium zu tragen. Hier kann ein Professor vor\u00fcbergehend die Funktion eines Meisters einnehmen, dessen Methodik sich der Student (Lehrling) mittelfristig unterwirft um selbst instrumental-technische Meisterschaft zu erzielen. Im weiteren Verlauf eines solchen Verh\u00e4ltnisses gelten \u00e4hnliche Gesetzte wir beim klassischen Vorbild: Nach den Lehrjahren bzw. Studium oder Ausbildung folgen Wanderjahre, bei der pers\u00f6nliche Verbindungen des Meisters noch eine entscheidende Rolle spielen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Das Modell <strong>Coach\/Coachee<\/strong> ist im instrumental-technischen Bereich nur f\u00fcr kurzfristig erreichbare Ziele zu empfehlen. Eine Einsatzm\u00f6glichkeit ist fest umrissene Projektarbeit, z.B. die Erarbeitung einzelner St\u00fccke oder die Arbeit an Kompositions-, Songwriting- oder Musikproduktionsprojekten, bei denen eine spezielle, punktuelle Beratung gefragt ist, insbesondere dann, wenn eine spontane, externe Einsch\u00e4tzung und Ideen f\u00fcr alternative Vorgehensweisen hilfreich zu sein scheinen um ausgetretene Pfade und etwaige Sackgassen zu verlassen und neue Wege beschreiten.<\/p>\n<p>In Varianten wird das Modell bei Workshops und sog. Meisterkursen angewandt. Hier werden griffige L\u00f6sungen f\u00fcr konkrete instrumental-technische Probleme und alternative Sichtweisen angeboten. Unterrichtsangebote bei Treffs, Tagungen und Festivals dienen auch als unverbindliche Gelegenheit andere Lehrer und Meister kennenzulernen.<\/p>\n<p><strong>Outro<br \/>\n<\/strong>Das Unterrichtsverh\u00e4ltnis zu dem Sch\u00fcler, der mich als seinen Personal Guitar Coach betrachtete, endete f\u00fcr mich ungew\u00f6hnlich, aber letztlich ziemlich passend: Da das Ziel (Gitarre spielen lernen) nicht konkret erreicht werden konnte, lie\u00df seine Motivation immer mehr nach. Zum Ende erschien er stets unvorbereitet, immer \u00f6fter aber auch gar nicht mehr, selbstverst\u00e4ndlich ohne Mitteilung oder nachtr\u00e4gliche Entschuldigung. Warum auch, er war Auftraggeber und zahlte durchgehend, auch wenn er nicht zur vereinbarten Stunde kam. Irgendwann kam er einfach gar nicht mehr, meldete sich auch nicht mehr. Es war genauso wie bei den Mitgliedern eines Fitness-Centers, die keine Lust mehr haben. Da ruft auch keiner an und sagt, dass er\/sie nicht mehr kommt, man l\u00e4sst es einfach wortlos auslaufen. Der Vertrag zwischen mir und dem Sch\u00fcler lief noch bis zum Sommer, bis dahin erhielt ich monatliche Zahlungen, dann war der Vertrag erf\u00fcllt und das (Unterrichts-)Verh\u00e4ltnis aus finanzieller Sicht beendet, wenn auch fachlich erfolglos. F\u00fcr mich konnte ich feststellen, dass ich, was den Instrumentalunterricht angeht, lieber als Lehrer t\u00e4tig bin als als Coach bzw. Trainer.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fazit Bei n\u00e4herer Betrachtung der Beziehungsmodelle Lehrer\/Sch\u00fcler und Coach\/Coachee bzw. Trainer\/Klient lassen sich konstituierende Merkmale erkennen. Im Verlauf ist zu den zwei Modellen noch das traditionelle Verh\u00e4ltnis Meister\/Lehrling dazu gekommen. 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