{"id":5672,"date":"2018-01-19T15:17:37","date_gmt":"2018-01-19T14:17:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dennisschuetze.de\/blog\/?p=5672"},"modified":"2018-01-19T15:17:37","modified_gmt":"2018-01-19T14:17:37","slug":"buch-mein-jahr-im-wasser-von-jessica-j-lee","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/2018\/01\/19\/buch-mein-jahr-im-wasser-von-jessica-j-lee\/","title":{"rendered":"Buch: \u201eMein Jahr im Wasser\u201c von Jessica J. Lee"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/MeinJahrImWasserCover.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-5671\" src=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/MeinJahrImWasserCover-199x300.jpg\" alt=\"\" width=\"199\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/MeinJahrImWasserCover-199x300.jpg 199w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/MeinJahrImWasserCover-679x1024.jpg 679w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/MeinJahrImWasserCover-768x1158.jpg 768w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/MeinJahrImWasserCover-1019x1536.jpg 1019w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/MeinJahrImWasserCover-1358x2048.jpg 1358w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/MeinJahrImWasserCover-1200x1809.jpg 1200w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/MeinJahrImWasserCover.jpg 1698w\" sizes=\"(max-width: 199px) 100vw, 199px\" \/><\/a>Jessica J. Lee, geboren 1986 in Ontario, Kanada, ist die Tochter walisischer und taiwanischer Einwanderer. Nach der Schule f\u00fchrten sie akademische Studieng\u00e4nge nach Neuschottland, von da nach London und schlie\u00dflich in die deutsche Hauptstadt Berlin. Hier arbeitete sie still und einsam am schriftlichen Teil eines Promotionsstudiengangs. Zum k\u00f6rperlichen Ausgleich zur intensiven, geistigen Arbeit besuchte sie \u00fcber ein Jahr und vier Jahreszeiten hinweg 52 verschiedene Seen in und um Berlin. Meist waren es Tagesausfl\u00fcge mit Bus, Bahn und\/oder Fahrrad, alleine oder zusammen mit Freunden und jedesmal stieg sie bei der Gelegenheit ins Wasser und schwamm eine Runde. Egal ob warm oder kalt, sonnig oder windig, Fr\u00fchling, Sommer, Herbst oder Winter.<!--more--><\/p>\n<p>\u00dcber diese Zeit hat sie im Fr\u00fchjahr 2017 das Buch \u201eMein Jahr im Wasser\u201c ver\u00f6ffentlicht, es tr\u00e4gt den Untertitel \u201eTagebuch einer Schwimmerin\u201c. Es erscheint in der feinen und sensiblen \u00dcbersetzung aus dem Englischen von Nina Frey und Hans-Christian Oeser. Aufschlussreich ist der Titel der englischsprachigen Originalausgabe \u201eTurning: A Year in the Water\u201c. Es geht n\u00e4mlich um viel mehr als Badetouren und Schwimmausfl\u00fcge.<\/p>\n<p>Das Jahr im Wasser wurde f\u00fcr die Autorin zum emotionalen und psychologischen Wendepunkt. In ihrem jungen Leben hatten sich zu diesem Zeitpunkt etliche Geschehnisse zu einer handfesten, pers\u00f6nlichen Krise verdichtet. Der spezielle Migrationshintergrund, die Scheidung der Eltern, diverse Umz\u00fcge, eine gescheiterte Ehe, Leben im Ausland, kulturelle Br\u00fcche, Sprach- und Verst\u00e4ndigungsschwierigkeiten und schlie\u00dflich ein Unfall mit gravierender Verletzung f\u00fchrten zu Vereinsamung und Depression. Die anschlie\u00dfende Zeit in Berlin wird zu einer retro- und introspektiven Phase, in der auf die eigene Kindheit, Jugend und Studienjahre zur\u00fcckgeblickt wird. Die Erinnerungen sind umfangreich, reichen tief, sind sch\u00f6n, aber zum Teil auch schmerzhaft und verbunden mit Gef\u00fchlen von Entt\u00e4uschung, Ohnmacht, Angst und Wut. Ein Ausdruck dieser m\u00e4chtigen Gef\u00fchle ist die panische Angst der Autorin vor freien Gew\u00e4ssern, ihrer Dunkelheit und Tiefe, obwohl sie bereits als Kind Schwimmerin war und regelm\u00e4\u00dfig in Schwimmbecken trainierte. Mit dem Besuch der 52 Seen im Laufe eines Jahres stellt sie sich ihren \u00c4ngsten und \u00fcberwindet sie schlie\u00dflich.<\/p>\n<p>Aufgeteilt ist das Buch in vier gro\u00dfe Kapitel, die nach den Jahreszeiten benannt sind. Es beginnt im Sommer und f\u00fchrt \u00fcber Herbst und Winter bis in den Fr\u00fchling. Lee beschreibt die Ausfl\u00fcge farbenreich und poetisch, erz\u00e4hlt von landschaftlichen Besonderheiten und ungew\u00f6hnlichen Begegnungen. Als oft zitierter literarischer Bezugspunkt dient Theodor Fontanes \u201eWanderungen durch die Mark Brandenburg\u201c. Zu Beginn jedes Kapitels erkl\u00e4rt sie die f\u00fcr die entsprechende Jahreszeit typischen Zust\u00e4nde und Ver\u00e4nderungen eines See aus Sicht des Forschungszweigs der Limnologie (Wissenschaft von den Binnengew\u00e4ssern). Es folgen Exkurse zur Entstehung der Seen durch Gletscher in der Eiszeit oder die k\u00fcnstliche Schaffung von Seen durch die Flutung ehemaliger Gruben in ostdeutschen Braunkohlerevieren.<\/p>\n<p>Diesen konkreten Ausf\u00fchrungen stehen \u00fcbergangslos Exkurse in die pers\u00f6nliche Vergangenheit gegen\u00fcber. Meist werden Schl\u00fcsselsituationen der eigenen Entwicklung und ihre emotionalen Auswirkungen skizziert. Das Buch wird somit zu einer ungew\u00f6hnlichen Kombination aus Ausflugschronik, Reiseliteratur, kulturlandschaftlicher Betrachtung Schwimmlogbuch, Auszugsautobiographie, selbsttherapeutischem Tagebuch, analytischem Psychogramm und mosaikhaftem Entwicklungsroman. Ein bewundernswert mutiges und ausgesprochen feminines Werk.<\/p>\n<p>Das broschierte Buch erscheint im Berlin Verlag, hat 336 Seiten und kostet 18 Euro.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jessica J. Lee, geboren 1986 in Ontario, Kanada, ist die Tochter walisischer und taiwanischer Einwanderer. Nach der Schule f\u00fchrten sie akademische Studieng\u00e4nge nach Neuschottland, von da nach London und schlie\u00dflich in die deutsche Hauptstadt Berlin. 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