{"id":5694,"date":"2018-01-29T10:43:15","date_gmt":"2018-01-29T09:43:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dennisschuetze.de\/blog\/?p=5694"},"modified":"2018-01-29T10:43:15","modified_gmt":"2018-01-29T09:43:15","slug":"album-getting-into-trouble-von-markus-rill","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/2018\/01\/29\/album-getting-into-trouble-von-markus-rill\/","title":{"rendered":"Album: &#8222;Getting Into Trouble&#8220; von Markus Rill"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/GettingIntoTroubleCover.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-5693\" src=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/GettingIntoTroubleCover-300x271.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"271\" srcset=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/GettingIntoTroubleCover-300x271.jpg 300w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/GettingIntoTroubleCover-1024x926.jpg 1024w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/GettingIntoTroubleCover-768x694.jpg 768w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/GettingIntoTroubleCover.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Markus Rill schreibt schon sein halbes Leben lang englischsprachige Songs, produziert Aufnahmen und ver\u00f6ffentlicht Alben. Zum 20-j\u00e4hrigen Jubil\u00e4um seines Debutalbums &#8222;Gunslinger&#8217;s Tales&#8220; (1997) hat er sich und seinen H\u00f6rern mit dem Doppelalbum &#8222;Getting Into Trouble&#8220; (2018) ein besonderes Geschenk gemacht. Auf CD1 pr\u00e4sentiert er Neueinspielungsen herausragender, eigener Songkompositionen in alternativen Interpretationen, auf CD2 finden sich ehemals verstreute Aufnahmen von Nebenprojekten, Eigenver\u00f6ffentlichungen, Kollaborationen und EPs, Bonus-Material, das in vor-digitalen Zeiten mal unter dem Begriff B-Sides zusammengefasst wurde.<!--more--><\/p>\n<p>In seinen mehr als 20 Jahren als Musiker und Songschreiber kann der W\u00fcrzburger auf einen beeindruckenden Werdegang zur\u00fcckblicken. So richtig auf Tuchf\u00fchlung mit der US-amerikanischen Musik- und Songwritertradition ging es f\u00fcr ihn w\u00e4hrend eines Studienjahrs in Austin, Texas, einer liberalen K\u00fcnstlerenklave im erzkonservativen Lone-Star-State. Hier entstanden erste Songs und Rill sammelte wertvolle Erfahrungen bei Open-Mics. Zur\u00fcck in Germany beendete er zwar noch sein Studium, arbeitete aber parallel mit voller Kraft und der Unterst\u00fctzung erfahrener regionaler Musiker an seinem Albumdebut &#8222;Gunslinger&#8217;s Tales&#8220; (1997). Das Nachfolgealbum &#8222;The Devil &amp; The Open Road&#8220; (1999) erschien dann bereits bei dem renommierten Heilbronner Americana-Label Blue Rose. Von da an folgten Besprechungen im Rolling Stone, Albumproduktionen in Nashville, kleine und gro\u00dfe Tourneen im In- und Ausland, unz\u00e4hlige Zusammenarbeiten mit anderen Musikern, Platzierungen bei Songwriterwettbewerben und viele weitere Alben.<\/p>\n<p>Rill ist ein flei\u00dfiger und kontinuierlicher Songschreiber. Bei seiner Arbeit l\u00e4sst er sich von amerikanischer Literatur und pers\u00f6nlichen Erlebnissen inspirieren. Von Anfang an sind Personen und Handlungen seiner Texte im US-amerikanischen, vorzugsweise S\u00fcdstaaten-Milieu, angesiedelt. Die Hauptfiguren hei\u00dfen Jack, Frank und Will, Orte der Handlung sind Omaha, Wichita und Arkansas. Daran und an die oftmals sehr archaischen Themen (Liebe, Tod, Teufel) muss man sich als Zuh\u00f6rer erstmal gew\u00f6hnen. Gerade wenn man wei\u00df, dass Rill Deutscher ist, wirkt es zuweilen etwas aufgesetzt und gewollt, aber nach 20 Jahren hat man akzeptiert, dass das sein bevorzugtes narratives Setting ist.<\/p>\n<p>\u00dcber die Jahre hat Rill mit vielen Besetzungen, Musikern und Studiobetreibern zusammengearbeitet. Es kam dabei zu vielen, nicht immer freiwilligen, Um- und Neubesetzungen, die Leute kamen und gingen. Leider hat er dadurch nie eine echte Workingband f\u00fcr dauerhafte Live- und Studioarbeit gehabt, mit der sich \u00fcber ein paar Jahre hinweg in derselben Besetzung ein Sound etablieren h\u00e4tte lassen. Studiobesetzung und Liveband unterschieden sich zum Teil massiv, insbesondere zur Zeit der Nashville-Produktionen, zus\u00e4tzlich spielt und spielte Rill seine Konzerte oft ganz ohne Band, solo oder im Duo mit wechselnden musikalischen Partnern. Diese Arbeitsweise schl\u00e4gt sich nun auch in den Aufnahmen zum aktuellen Doppelalbum nieder: Kaum mal zwei Songproduktionen, bei der dieselben Musiker beteiligt gewesen w\u00e4ren, es geht zu wie im Taubenschlag, die Musiker m\u00fcssen sich die T\u00fcrklinke buchst\u00e4blich in die Hand gedr\u00fcckt haben, falls sie denn \u00fcberhaupt zur selben Zeit im selben Raum waren.<\/p>\n<p>CD1 bietet f\u00fcr treue Fans eine frische, musikalische Perspektive auf altbekannte Songs. Es sind interessante Namen versammelt: Dave Coleman, Tom Ripphahn, Robert Overbeck und sogar Rills alter Freund und Mitstreiter Julian Fischer. Aber selbst die Mixe stammen aus verschiedenen Studios, klingen dadurch uneinheitlich, wirken durch den \u00fcbertriebenen Einsatz von Raumhall verschwommen und sind noch dazu \u00fcberkomprimiert. Bei aller Sympathie ist auch schwer nachzuvollziehen, warum rhythmische Unsauberkeiten der Bandbegleitung und Intonationsfehler im Gesang nicht einfach digital editiert wurden. Eine entsprechende Bearbeitung geh\u00f6rt mittlerweile l\u00e4ngst und v\u00f6llig zu Recht zum etablierten Standard. Fehler d\u00fcrfen korrigiert werden.<\/p>\n<p>Eine \u00e4hnliche Kritik gilt auch f\u00fcr CD2, nur ist hier bereits von vornherein klar, dass die Entstehungszeiten von Aufnahmen und Mixen sich \u00fcber nahezu 20 Jahre erstrecken. Ganz genau kann man es als Au\u00dfenstehender nicht wissen, leider fehlen die Angaben dazu, obwohl die Besetzung der Musiker bis ins letzte Details anstandslos verzeichnet ist. Bei diesen B-Sides war wohl ein Eingriff in den Mix gr\u00f6\u00dftenteils nicht mehr m\u00f6glich. Zusammengenommen bildet der zweite Teil des Albums eine interessante Retrospektive auf zwei Jahrzehnte musikalische Aktivit\u00e4t. Hier sind neben Rill-Originalen auch endlich mal ein paar Fremdkompositionen vertreten und die stehen dem S\u00e4nger ganz gut zu Gesicht.<\/p>\n<p>Die in Lebenslauf und Linernotes oft bem\u00fchten Vergleiche mit amerikanischen Musikstilen wie Bluegrass, Rockabilly, Cajun, Country, Southern-Soul, Roots- und Heartlandrock wirken ein klein bisschen zu euphorisch. Nicht ganz unberechtigterweise wurde Rill in einem Rolling Stone-Review deswegen einmal Epigonentum vorgeworfen. Es kommt dazu, dass Rills Mitstreiter an die musikalischen Vorbilder instrumental-technisch nicht heranreichen, sosehr sie sich auch erkennbar bem\u00fchen. Da w\u00e4re ein eigener Ansatz vermutlich ehrlicher und authentischer. Und das ist dann auch der ganz gro\u00dfe Wiederspruch in Rills Werk: Authentizit\u00e4t entsteht nicht durch das Nachahmen vermeintlicher Authentizit\u00e4t anderer.<\/p>\n<p>F\u00fcr die n\u00e4chsten 20 Jahre w\u00fcnscht man Rill, dass er weiterhin Songs schreibt und Alben macht, aber bei seinem Ehrgeiz, Durchhalteverm\u00f6gen und Werkwillen muss man sich darum vermutlich keine gr\u00f6\u00dferen Sorgen machen. Sch\u00f6n w\u00e4re es auch, wenn er sich bzgl. textlicher Themenwahl und musikalischer Inszenierung weniger nach US-amerikanischen Vorbildern und Idolen richtet, sondern durch eigene Instrumentierung, Arrangements und Aufnahmen einen eigenen, origin\u00e4ren Gesamtsound erschafft, im Notfall auch mit Unterst\u00fctzung externer Produzenten. Mal sehen, ob er es schafft \u00fcber diesen, eigenen Schatten zu springen.<\/p>\n<p>Zum aktuellen Doppelalbum erscheint das folgende Video:<br \/>\n<iframe loading=\"lazy\" width=\"584\" height=\"329\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/11XZr7d14A8?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"autoplay; encrypted-media\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Markus Rill schreibt schon sein halbes Leben lang englischsprachige Songs, produziert Aufnahmen und ver\u00f6ffentlicht Alben. 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