{"id":5756,"date":"2018-02-19T13:34:48","date_gmt":"2018-02-19T12:34:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dennisschuetze.de\/blog\/?p=5756"},"modified":"2018-02-19T13:34:48","modified_gmt":"2018-02-19T12:34:48","slug":"benefizkonzert-des-polizeiorchesters-bayern-mit-schwung-ins-blaue-jahr-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/2018\/02\/19\/benefizkonzert-des-polizeiorchesters-bayern-mit-schwung-ins-blaue-jahr-2018\/","title":{"rendered":"Benefizkonzert des Polizeiorchesters Bayern: Mit Schwung ins blaue Jahr (2018)"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/IMG_1448.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-large wp-image-5755\" src=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/IMG_1448-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"584\" height=\"390\" \/><\/a>Ich habe keine Ahnung wie es dazu kommen konnte. Irgendwann Anfang Dezember kam eine Mail vom Bayerischen Landtag mit der Frage, ob ich Interesse an Eintrittskarten f\u00fcr ein Konzert des <a href=\"http:\/\/www.polizei.bayern.de\/bepo\/wir\/aufgaben\/dienststellen\/index.html\/1856\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Polizeiorchesters Bayern<\/a> im CCW W\u00fcrzburg h\u00e4tte. Ich bin weder Mitglied der CSU, noch der bayerischen Polizei in besonderem Masse verbunden, aber weil ich nicht weit weg wohne und mein Sohn seit ein paar Jahren Trompete spielte, sagte ich einfach mal zu. Ich bekam zwar keine direkte Antwort, aber im Januar hatte ich vier Karten in meinem Briefkasten liegen und das war nat\u00fcrlich erstmal erfreulich.<!--more--><\/p>\n<p>Am Samstag war es dann soweit. Etwas feiner gekleidet als sonst ging ich mit meiner Frau und zwei meiner Kinder zum Konzertsaal. Auf dem Weg begegneten wir im Ringpark Oliver J\u00f6rg (CSU), der anscheinend auch auf dem Weg zum Konzert war. Kaum hatten wir das Foyer betreten trafen wir H\u00fclya D\u00fcber, die W\u00fcrzburger Sozialreferentin, die wir privat \u00fcber einen unserer S\u00f6hne kennen. Auf dem Weg zum Saal sah man links und rechts noch weitere Lokalprominenz, selbstredend war auch B\u00fcrgermeister Adolf Bauer gekommen.<\/p>\n<p>Nachdem wir unsere Pl\u00e4tze eingenommen hatten, startete das Orchester mit einer kurzen Fanfare und wechselte im direkten Anschluss auf der B\u00fchne demonstrativ von gr\u00fcnen in die neuen blauen Polizeiuniformjacken und gab damit gestisch das Thema des Abends vor: Mit Schwung ins blaue Jahr. Es folgten Begr\u00fc\u00dfung und zwei kurze Reden, dann konnte das Benefizkonzert zu Gunsten des Vereins &#8222;Hilfe im Kampf gegen Krebs&#8220; und das &#8222;Malteser Kinderpalliativteam Unterfranken&#8220; beginnen.<\/p>\n<p>Die erste Konzerth\u00e4lfte war stilistisch bestimmt von Wiener Operettenmelodien und Konzertwalzern u.a. von Johann &amp; Eduard Strau\u00df, Carl Zeller und Rudolf Sieczynski. Hier waren Orchester und Dirigent Johann M\u00f6senbichler erkennbar in ihrem Element und spielten ihre Tr\u00fcmpfe souver\u00e4n aus. Die Interpretation war \u00e4u\u00dferst pr\u00e4zise und dabei gleichzeitig dynamisch, t\u00e4nzerisch und schwungvoll. Die i-T\u00fcpfelchen setzten die sehr unterhaltsame Moderation des Orchestermusikers Peter Seufert zwischen den St\u00fccken und die gekonnten Gesangseinlagen der Mezzosopranistin Kerstin Trunheim. Technisch brillant, spielerisch und humorvoll, viel besser geht&#8217;s wohl kaum. Sehr sch\u00f6n war es auch dem ganzk\u00f6rperlichen Dirigat von Johann M\u00f6senbichler zu folgen. Mit seinem leptosomen K\u00f6rperbau, einer Art Mischung aus Karl Valentin und Clint Eastwood, seinen weitausholenden, langen Armen, dem Schwalbenschwanz-Frack und der leuchtendroten Sch\u00e4rpe war er ein imposanter Hingucker und hatte dabei jederzeit alles buchst\u00e4blich im Griff: Mit dem Kr\u00fcmmen von zwei Fingern lie\u00df er das ganze Orchester am Ende eines St\u00fcckes aufspringen, sich verbeugen und sich wieder setzten. Man konnte sich w\u00e4hrend er als musikalischer Leiter agierte nicht sicher sein, ob er die Musik so hinrei\u00dfend dirigierte oder sie ihn so derma\u00dfen mitriss. So oder so \u00e4hnlich m\u00fcssen jedenfalls die Auftritte der einschl\u00e4gigen Impressarios der goldenen Walzerzeit in Wien gewesen sein. Schade, dass dazu nicht getanzt wurde, sonst h\u00e4tte man von einer Opernballatmosph\u00e4re sprechen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" width=\"584\" height=\"329\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/K5rpD5jFzDA?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"autoplay; encrypted-media\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Nach der Pause wechselte dann das Repertoire vom sp\u00e4ten 19. ins fr\u00fche 20. Jahrhundert,\u00a0vom Wiener Walzer zu US-amerikanischen Musicalmelodien. Das war dann technisch immer noch brillant, aber musikalisch war punktuell zu erkennen, dass die Orchestermusiker trotz klassischer Ausbildung und Erfahrungen in Marsch- und Tanzmusik mit Jazz und anderen modernen Stilen nicht besonders vertraut sind. Leonard Bernstein und Glenn Miller klangen da nach einem gut eingespieltem Tanzorchester und nicht so sehr nach einer rotzigen Big Band aus Kansas City. Es war ein wenig bedauerlich, dass das Repertoire stilistisch nicht \u00fcber die Mitte des 20. Jahrhunderts hinauskam und zusammen genommen arg r\u00fcckw\u00e4rts gerichtet wirkte. Dabei g\u00e4be es unendlich viele interessante Kompositionen, die sich ideal f\u00fcr die Besetzung eignen w\u00fcrden: Popsongs von Abba, \u00fcber Queen bis Coldplay oder Conchita Wurst, Filmmusik von &#8222;James Bond&#8220; \u00fcber &#8222;Star Wars&#8220; bis &#8222;Harry Potter&#8220; oder &#8222;Herr der Ringe&#8220;, ganz sicher h\u00e4tten sich auch Melodien zu polizeiaffinen Themen finden lassen wie z.B. &#8222;Mission Impossible&#8220;, &#8222;Stra\u00dfen von San Francisco&#8220; oder gar &#8222;Ich hab Polizei&#8220;. Dbzgl. w\u00e4re noch wesentlich mehr drin gewesen und damit w\u00fcrde man vielleicht auch ein j\u00fcngeres Publikum erreichen. Denn auch das war auff\u00e4llig: Meine S\u00f6hne waren die einzigen Kinder im kompletten Konzertsaal und auch ich Middleager d\u00fcrfte den Altersdurchschnitt noch ordentlich gedr\u00fcckt haben. Es war nicht ganz so dramatisch wie im W\u00fcrzburger Stadttheater (70+), aber ich sch\u00e4tze, dass ein Durchschnitt von 60+ der Wahrheit relativ nahe kommt. Meine S\u00f6hne sind folgerichtig zur Pause nach Hause gegangen, sie haben von den Operettenmelodien der ersten H\u00e4lfte kein einziges St\u00fcck gekannt und fanden &#8222;Die Christel von der Post&#8220; dann auch nur m\u00e4\u00dfig unterhaltsam (&#8222;Seh ich dich wieder, pocht&#8217;s mir Mieder&#8220;). Ich denke, Aufgabe eines \u00f6ffentlichen Orchesters ist es f\u00fcr alle, insbesondere f\u00fcr Kinder und Jugendliche zu spielen, nicht nur f\u00fcr Rentner und pensionierte Beamte. Ansonsten schaffen sie ihre Institution sehenden Auges selbst ab und das w\u00e4re dann doch ein beklagenswerter Verlust.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" width=\"584\" height=\"329\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/80_BFcXxolo?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"autoplay; encrypted-media\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Ich selbst bin dagegen bis zum Schluss geblieben. Unn\u00f6tigerweise wurden vor der Zugabe nochmal Reden gehalten und die finanziell gut versorgten politischen Repr\u00e4sentanten mit Wein und Blumen f\u00fcr Dinge beschenkt, die sie im Auftrag der Bev\u00f6lkerung verrichten m\u00fcssen. Wiederholt wurde betont welche wichtige Aufgabe die Einrichtungen verrichten, die vom Benefizkonzert profitieren. Wenn das so ist, frage ich mich, warum sie nicht ausreichend mit finanziellen Mitteln ausgestattet werden. Ist nicht sch\u00f6n auf Almosen angewiesen zu sein, wenn man essentielle Arbeit verrichtet. Da passt es dann umso weniger, wenn sich die Politiker gegenseitig f\u00fcr Selbstverst\u00e4ndlichkeiten beschenken. Da w\u00e4re etwas \u00f6ffentliche Zur\u00fcckhaltung angebracht. Profilieren k\u00f6nnten sie sich stattdessen mit eigenen Spendenbeitr\u00e4gen. Am diesem Abend kamen im gut gef\u00fcllten Frankoniasaal angeblich gerade mal 10.000 Euro zusammen, das entspricht ungef\u00e4hr dem <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Abgeordnetenentsch\u00e4digung#Bayern\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Monatsgehalt eines einzigen bayerischen\u00a0Parlamentariers<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich habe keine Ahnung wie es dazu kommen konnte. Irgendwann Anfang Dezember kam eine Mail vom Bayerischen Landtag mit der Frage, ob ich Interesse an Eintrittskarten f\u00fcr ein Konzert des Polizeiorchesters Bayern im CCW W\u00fcrzburg h\u00e4tte. 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