{"id":5918,"date":"2018-05-02T14:34:31","date_gmt":"2018-05-02T12:34:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dennisschuetze.de\/blog\/?p=5918"},"modified":"2018-05-02T14:34:31","modified_gmt":"2018-05-02T12:34:31","slug":"landesgartenschau-wuerzburg-2018-ich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/2018\/05\/02\/landesgartenschau-wuerzburg-2018-ich\/","title":{"rendered":"Landesgartenschau W\u00fcrzburg 2018 &#038; ich"},"content":{"rendered":"<p>In den letzten Tagen und Wochen wurde ich von verschiedenen Seiten mehrfach gefragt, ob ich als regionaler Musiker mit meiner Band bei der Landesgartenschau spielen w\u00fcrde. Meine Antwort: Leider nicht. Warum? Dar\u00fcber kann ich nur spekulieren.<\/p>\n<p>Die Landesgartenschau kam ja nicht \u00fcberraschend und so war bereits fr\u00fch klar, dass bei der ca. sechsmonatigen Gro\u00dfveranstaltung auch ein kulturelles resp. musikalisches Angebot pr\u00e4sentiert werden soll. Bereits im Fr\u00fchjahr wurden deswegen von der verantwortlichen GmbH &#8222;LGS W\u00fcrzburg 2018&#8220; Institutionen und Vereine kontaktiert mit der Bitte entsprechende Angebote zu unterbreiten. Als ich davon h\u00f6rte nahm ich als regionaler Musiker und Kulturf\u00f6rderpreistr\u00e4ger Kontakt auf und wurde an Ingolf St\u00f6cker verwiesen. In einem Telefonat zeigt er sich optimistisch, denn meine offenkundigen Bez\u00fcge zur amerikanischen Musikkultur w\u00fcrden ganz wunderbar zur Geschichte des Areals (Leighton-Barracks) passen: USA, Milit\u00e4rgel\u00e4nde, GIs, Kasernen, Trucks, Ford Mustang, Hamburger und so, da w\u00e4re R&amp;B, C&amp;W und Americana doch ideal. Das fand ich auch, h\u00f6rte sich gut an. Entsprechende Veranstaltungen seien geplant und inhaltlich schon formuliert. Ich solle mal ein schriftliches Angebot machen, dann w\u00fcrde das seinen offiziellen Lauf nehmen.<!--more--><\/p>\n<p>Nun ist es schwierig bis unm\u00f6glich ein Angebot zu schreiben, wenn man keine Informationen dar\u00fcber hat wann, wie lange, mit welcher Besetzung und unter welchen technischen Bedingungen man Musik machen soll. Andererseits befand man sich wohl noch in der Planungsphase, da will man als Musiker die Dinge nicht unn\u00f6tig kompliziert machen. Also verfasste ich ein allgemeines Angebot zu moderaten Bedingungen, weil ich davon ausging, dass wir vermutlich an regul\u00e4ren Werktagen tags\u00fcber (nicht am WE) spielen w\u00fcrden und es sich nicht um einen einzelnen Auftritt handeln w\u00fcrde, sondern um eine Serie von Terminen, irgendwie \u00fcber die Monate verteilt. Ich stellte noch sicher, dass mein Angebot auch tats\u00e4chlich eingegangen war, dann wartete ich ab.<\/p>\n<p>Und h\u00f6rte bis zum Jahresende 2017 nichts mehr von Ingolf St\u00f6cker. Weil es ab da nur noch wenige Monate bis zur Er\u00f6ffnung waren meldete ich mich telefonisch, wurde aber freundlich abgewimmelt, man w\u00fcrde sich melden. Bis heute hat sich Hr. St\u00f6cker nicht bei mir gemeldet. Mitte April 2018 wurde die LGS er\u00f6ffnet und es spielen dort selbstverst\u00e4ndlich Musikbands. Nach welchen Kriterien die ausgesucht wurden bleibt auf den ersten Blick unklar. Es sind Bands ohne thematische Bez\u00fcge zu Areal, Stadt oder Region darunter (Salsa, Latin), Bands aus weit entfernten St\u00e4dten. Wenn tats\u00e4chlich mal Formationen aus der Region aufspielen, handelt es sich meist um Vereine, Initiativen oder Shows kommerzieller Anbieter. Und so wird auf den zweiten Blick doch wieder deutlich wie die Dinge in W\u00fcrzburg nur allzu oft laufen: Nicht der\/die passendste, interessanteste oder beste Musiker\/In oder Band bekommt hier den Zuschlag, sondern prinzipiell das g\u00fcnstigste Angebot und das ist nach dieser Logik selbstverst\u00e4ndlich das, was gar nichts kostet, bei dem die Beteiligten also bereit sind ohne Gage aufzutreten, f\u00fcr Ruhm und Ehre sozusagen. Nur: Ist das ein fairer Umgang mit regionalen K\u00fcnstlern? Und was f\u00fcr ein Bild zeichnet es von der eigenen st\u00e4dtischen Kultur, wenn nur die billigsten und g\u00fcnstigsten Freibierk\u00fcnstler auf die B\u00fchne kommen?<\/p>\n<p>Vorlagen f\u00fcr dieses absurde Auswahlkriterium gibt es in der Stadt genug. Umsonst &amp; Draussen, Stra\u00dfenmusikfest (Stramu), W\u00fcrzburger Stadtfest pflegen zum Teil seit Jahrzehnten Umsonstkultur und systematische K\u00fcnstlerausbeutung auf professionellem Niveau. Die Veranstalter schaffen es sogar noch nach au\u00dfen hin so zu tun, als wenn dabei irgendein Beitrag zur F\u00f6rderung von st\u00e4dtischer Kunst und Kultur geleistet wird und sind sich nicht zu schade daf\u00fcr auch noch F\u00f6rdergeld von Stadt, Bezirk und Land zu beantragen (und zu erhalten!). Dabei ist das Gegenteil Realit\u00e4t: Weil st\u00e4ndig \u00f6ffentlich gef\u00f6rderte Musikfestivals bei freiem Eintritt stattfinden, gehen kleine Konzertveranstalter und mit ihnen Musiker, Bands, K\u00fcnstler zu Grunde. Welcher Zuh\u00f6rer geht noch zu einem zahlungspflichtigen Konzert, wenn in wenigen Wochen das n\u00e4chste kostenlose Riesenevent stattfindet? Welcher freie K\u00fcnstler kann gegen gro\u00dfspurig organisierte Gro\u00dfveranstaltungen bestehen? Sie haben lediglich die Wahl, ob sie f\u00fcr umme oder gar nicht spielen. Friss oder stirb! Spiele ohne Gage oder du findest nicht mehr statt! Du darfst selbst entscheiden! Am Ende sollen die Musiker noch dankbar sein, dass sie \u00fcberhaupt spielen d\u00fcrfen, w\u00e4hrend als Vereine getarnte Veranstalter und deren Subunternehmer gutes Geld verdienen, teilweise sechsstellige Ums\u00e4tze fahren (z.B. U&amp;D). Die knallharte Form der neo-liberalen Marktwirtschaft ist l\u00e4ngst in der Regionalkultur angekommen und wird von offizieller Seite dankbar angenommen und erbarmungslos nutzbar gemacht.<\/p>\n<p>Bisher dachte ich noch die politischen Verantwortlichen von Stadt, Bezirk und Land, h\u00e4tten die Zusammenh\u00e4nge einfach nicht begriffen und w\u00fcrden deswegen bedenkenlos die Falschen (kommerzielle Kulturvermarkter) f\u00f6rdern statt die Richtigen (Kulturschaffende und deren Infrastruktur) und damit das Gegenteil von dem bewirken, was ihr eigentlicher Auftrag ist (z.B. F\u00f6rderung der Region, der K\u00fcnste, der kulturellen Diversit\u00e4t, nicht die kostenlose Bespassung der Bev\u00f6lkerung). Nach meiner Erfahrung mit dem alten (Hr. Engels) und der neuen Kulturmanagerin der Stadt (Fr. Linke), dem gl\u00fccklosen, beratungsresistenten und kulturell beschr\u00e4nkten ehemaligen Kulturreferenten Hr. Al Ghusain und der aktuellen Episode LGS 2018 bin ich mir mittlerweile sicher: Die Verantwortlichen f\u00fchlen sich gar nicht verantwortlich. Verhandelt wird nur mit Institutionen. Lokale und regionale Auspr\u00e4gungen von Kunst und Kultur sind denen vollkommen egal, es sei denn sie wirken bereits weit \u00fcber die Region hinaus, sind zur Marke geworden, dann kann man sie f\u00fcr sich verwenden, nur: Die brauchen nat\u00fcrlich l\u00e4ngst keine F\u00f6rderung mehr. Den Verantwortlichen ist es zu anstrengend lokale und regionale Kultur zu sichten, zu bewerten, zu gewichten, zu f\u00f6rdern. Daf\u00fcr m\u00fcsste man mit den Menschen sprechen, zu Konzerten und Ausstellungen gehen, \u00fcberwiegend auch \u00fcber seinen Schatten springen und sich Kulturformen aussetzen, zu denen man vielleicht keinen pers\u00f6nlichen Bezug hat. Das w\u00e4re zwar ihre eigentliche Aufgabe, aber das ist furchtbar anstrengend: Menschen! Da menschelt es immer so sehr. Dann schon lieber ein Formular und wenn die Zahlen Stimmen wird durchgewunken, am besten ohne Publikumsverkehr und Emails beantwortet man auch nicht so gern. Wenn man dann aber mal Musiker und Bands besetzen muss, plant man mit geringem oder gleich gar keinem Etat, l\u00e4sst Volksmusikgruppen, Tanzschulen und Musikvereine spielen, die freuen sich doch \u00fcber eine Einladung! Unter Kultur (miss-)verstehen die Verantwortlichen nicht Kultur der eigenen Region, sondern irgendwas halt, im Notfall Yoga oder Kampfsportgruppen. Wirkliche Kultur ist bei denen grunds\u00e4tzlich etwas von au\u00dfen, aus Hamburg oder Berlin, besser noch aus dem benachbarten Ausland, am besten von Menschen die nicht unsere Sprache sprechen, anders aussehen und auf anderen Kontinenten leben. Da wird dann erstaunlicherweise gar nicht geknausert, sondern mit beiden H\u00e4nden rausgehauen (siehe Mozartfest, Afrikafestival, Hafensommer). Die eigene kulturelle Vielfalt wird dagegen gern unter den Tisch gekehrt, verleugnet und nachhaltig verprellt.<\/p>\n<p>Das ist f\u00fcr mich als engagierter K\u00fcnstler, aber auch als B\u00fcrger dieser Stadt sehr bedauerlich und auf Dauer frustrierend. Als Kulturf\u00f6rderpreistr\u00e4ger habe ich f\u00fcr einen kurzen Moment geglaubt, dass meine &#8222;besonderen Verdienste f\u00fcr das kulturelle Leben in der Stadt W\u00fcrzburg&#8220; in irgendeiner Art und Weise zur Kenntnis genommen und bef\u00f6rdert werden. In meinem \u00dcberschwang glaubte ich tats\u00e4chlich, dass Mitglieder des Stadtrats, der Kulturreferent oder andere Politiker mit mir reden und an meiner Meinung interessiert sein k\u00f6nnten. Die Aufmerksamkeit hat genau einen Tag angedauert (Abend der Preisverleihung), danach hat buchst\u00e4blich niemand mehr nach mir gefragt. Dabei habe ich einige Jahre wirklich versucht den Blick auf st\u00e4dtische Kultur zu ver\u00e4ndern, habe mehr als 50 \u00f6ffentliche Interviews vor Publikum gef\u00fchrt (<a href=\"http:\/\/www.myfavouritetracks.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.myfavouritetracks.de<\/a>). Aber gegen Stumpfsinn und Ignoranz kommt man mit der feinen Klinge nicht an. Ich habe den Kampf irgendwann genervt aufgegeben und mich zur\u00fcckgezogen.<\/p>\n<p>Werde ich die Landesgartenschau als Gast besuchen? Vermutlich nicht. Der Eintritt ist teuer, Essen und Getr\u00e4nke auch, daf\u00fcr gibt&#8217;s dann Vorf\u00fchrungen von VHS, dem Boule-Club W\u00fcrzburg und irgendwelchen halbkommerziellen Interessensgruppen. Danke auch, wenn ich berieselt werden will, schalt ich die Glotze an, da kann ich wenigstens das Programm w\u00e4hlen (tvm? mtv!) oder im Notfall abschalten.<\/p>\n<p>Irgendwann muss mir mal jemand erkl\u00e4ren, warum die W\u00fcrzburger sich selbst und ihre eigene Kultur so sehr verachten. Am Ende haben sie noch jeden aus der Stadt gejagt oder ihn zum verstummen gebracht. Warum nur? Als Zugezogener werde ich das vermutlich nie begreifen, vielleicht erst als Weggezogener.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den letzten Tagen und Wochen wurde ich von verschiedenen Seiten mehrfach gefragt, ob ich als regionaler Musiker mit meiner Band bei der Landesgartenschau spielen w\u00fcrde. Meine Antwort: Leider nicht. Warum? Dar\u00fcber kann ich nur spekulieren. 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