{"id":6025,"date":"2018-06-12T11:45:27","date_gmt":"2018-06-12T09:45:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dennisschuetze.de\/blog\/?p=6025"},"modified":"2018-06-12T11:45:27","modified_gmt":"2018-06-12T09:45:27","slug":"noten-die-notenbuecher-der-geschwister-mozart","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/2018\/06\/12\/noten-die-notenbuecher-der-geschwister-mozart\/","title":{"rendered":"Noten: &#8222;Die Notenb\u00fccher der Geschwister Mozart&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Notenb\u00fccherMozartCover.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-6023\" src=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Notenb\u00fccherMozartCover-229x300.jpg\" alt=\"\" width=\"229\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Notenb\u00fccherMozartCover-229x300.jpg 229w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Notenb\u00fccherMozartCover-782x1024.jpg 782w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Notenb\u00fccherMozartCover-768x1006.jpg 768w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Notenb\u00fccherMozartCover.jpg 940w\" sizes=\"(max-width: 229px) 100vw, 229px\" \/><\/a>In diesem editorisch aufw\u00e4ndig gestalteten Sammelband sind das &#8222;Notenbuch f\u00fcr Maria Anna (Nannerl) Mozart&#8220; und das &#8222;Londoner Skizzenbuch&#8220; zusammengefasst. Bei ersterem handelt es sich um eine handschriftliche Sammlung von Einzelst\u00fccken f\u00fcr Klavier, die der Vater und Musikp\u00e4dagoge Leopold Mozart anlegte um seine Tochter Maria Anna, genannt Nannerl, als junges Kind im Klavierspiel zu unterrichten. Sp\u00e4ter wurde diese Kollektion von ca. 50 meist zweistimmigen St\u00fcckchen, darunter viele kurze Menuette, auch verwendet um den jungen Wolfgang Amadeus zu unterrichten. Die Kleinkompositionen stammen vom Vater selbst, umfassen aber auch St\u00fccke von einigen Zeitgenossen. Zum Ende des B\u00fcchleins wurden vom Vater die ersten Kompositionsversuche des damals noch sehr jungen Mozarts notiert.\u00a0Anl\u00e4sslich einer gro\u00dfen Bildungsreise durch Europa erhielt Wolfgang Amadeus Mozart 1864 im Alter von 8 Jahren ein eigenes Notenheft, das heute unter dem Titel &#8222;Londonder Skizzenbuch&#8220; bekannt ist. Er konnte inzwischen selbst schreiben und hielt hier seine musikalischen Ideen fest. Das Buch besteht aus ca. 40, eigenh\u00e4ndig notierten, zum Teil mehrs\u00e4tzigen Kompositionen, die heute unter der Nummer 15 im K\u00f6chelverzeichnis katalogisiert sind.<!--more--><\/p>\n<p>Vermutlich ist aus musikwissenschaftlicher Sicht alles und eventuell noch etwas mehr \u00fcber diese wertvollen musikhistorischen Dokumente gesagt und geschrieben worden. Auch wenn es erstaunt, dass weder zu dem einen, noch zu dem anderen einen Artikel im deutschsprachigen Wikipedia existiert. Lohnenswert ist immer noch ein Blick aus musikp\u00e4dagogischer Sicht, weil insbesondere das &#8222;Notenbuch f\u00fcr Nannerl&#8220; das Unterrichtskonzept des erfahrenen Musiklehrers Leopold Mozart erkennen l\u00e4sst. Auff\u00e4llig ist dabei, dass beide Kinder von Anfang an im zeitgen\u00f6ssisch vorherrschendem Stil unterrichtet werden, ein musikhistorisches Bewusstsein war damals noch nicht in dem Ma\u00dfe entwickelt wie heute. Etablierte Klavierschulen in Heftform waren ebenfalls nicht verbreitet und so griff der Vater ganz selbstverst\u00e4ndlich auf eigene Kompositionen zur\u00fcck, die er f\u00fcr genau diesen Zweck anfertigte. Es ging im Unterricht ganz offensichtlich nicht nur um instrumentaltechnische Fertigkeiten, sondern auch um Musiktheorie, Generalbass, Tonsatz und erste Kompositionsversuche, also, wenn man will,a um einen ganzheitlichen Ansatz. Durch die zahlreichen kompositorischen Vorlagen des Vaters konnte sich auf diese Weise so etwas wie ein erkennbarer famili\u00e4rer Ansatz bzgl. Melodiefindung und kompositorischem Satz entwickeln. Die im &#8222;Notenb\u00fcchlein f\u00fcr Nannerl&#8220; enthaltenen Kompositionen sind handwerklich vollendet und musikalisch ansprechend, aber gar nicht unbedingt herausragend. So sind anders als bei anderen \u00e4hnlich angelegten Kollektionen, z.B. dem &#8222;Notenb\u00fcchlein f\u00fcr Anna-Magdalena Bach&#8220;, keine der darin enthaltenen St\u00fccke zu Klassikern des Instrumentalunterrichts geworden. Man k\u00f6nnte nun mutma\u00dfen, dass eventuell genau diese Durchschnittlichkeit des Materials den jungen Mozart dazu animierte eigene kreative Wege zu beschreiten. H\u00e4tte er, wenn ihm &#8211; wie heute \u00fcblich &#8211; herausragende Kompositionen von Meistern aller Epochen vorgelegt worden w\u00e4ren, ebenfalls angefangen inspiriert zu komponieren? Wir wissen es nicht. Aber vermutlich bringt es f\u00fcr die Entwicklung eigener Ideen auch Probleme mit sich, wenn man von Anfang an mit hochwertigen und anspruchsvollen Werken fremder Komponisten aller bekannten Zeitalter besch\u00e4ftigt wird. Der vermutlich unbewusst pers\u00f6nliche Ansatz des Vaters Leopold (mangels Alternativen) erscheint vor diesem Hintergrund zumindest bemerkenswert.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Notenb\u00fccherMozartBeispiel.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter wp-image-6027 size-large\" src=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Notenb\u00fccherMozartBeispiel-803x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"584\" height=\"745\" srcset=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Notenb\u00fccherMozartBeispiel-803x1024.jpg 803w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Notenb\u00fccherMozartBeispiel-235x300.jpg 235w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Notenb\u00fccherMozartBeispiel-768x980.jpg 768w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Notenb\u00fccherMozartBeispiel.jpg 940w\" sizes=\"(max-width: 584px) 100vw, 584px\" \/><\/a><br \/>\nIm zweiten Teil der Ausgabe geht es weniger um p\u00e4dagogische Betrachtung. Man kann anhand der ersten Kompositionsnotizen jedoch quasi mitlesen, wie sich die F\u00e4higkeiten des Kindes Wolfgang Amadeus entwickeln, wie erstaunlich kreativ und gewitzt er bereits in sehr jungen Jahren ist (einige St\u00fcckchen aus dem Nannerlbuch wurden vom Vater notiert als der Sohn nicht mal schreiben konnte, sp\u00e4ter schreibt er selbst mit Bleistift). Es ist atemberaubend wie fr\u00fch und klar anhand dieser Manuskripte bereits zu erkennen ist, dass es sich hier um eine au\u00dfergew\u00f6hnliche Begabung handelt. Noch deutlicher muss es f\u00fcr den musikp\u00e4dagogisch erfahrenen Vater gewesen sein. Er tat nun das, was naheliegend gewesen ist: Er f\u00f6rderte dieses Talent, das sich schon bald als Genie erweisen sollte. Auch wenn man ihm bei einer kritischen Lesart vorhalten kann, dass er seinen hochbegabten Sohn als Wunderkind in halb Europa vermarktet hat, so kann man anderseits erkennen, dass er die musisch-kreative Seite seines Sohnes sehr aufmerksam und sensibel gef\u00f6rdert und dessen Entwicklung kompetent begleitet hat. Er hat dies als h\u00f6here Pflicht und pers\u00f6nliches Privileg empfunden.<\/p>\n<p>Das &#8222;Londoner Skizzenbuch&#8220; war &#8222;nicht nur pers\u00f6nliches Eigentum des Achtj\u00e4hrigen, sondern stellte auch, einem Tagebuch vergleichbar, seinen privatesten Besitz dar, den die anderen, also der Vater und die Schwester, streng respektierten.&#8220; (Wolfgang Plath im Vorwort). Betrachten wir diese Aufzeichnungen 250 Jahre sp\u00e4ter erhalten wir einen intimen Einblick in musikalisches und kompositorisches Erwachen und Entwicklung eines Jahrhundertgenies. Die St\u00fcckchen erstrecken sich zumeist \u00fcber 1-2 Buchseiten und schlie\u00dfen inhaltlich nahtlos an die ersten Ideen im hinteren Teil des Nannerl B\u00fcchleins an. Die Kompositionen haben noch kindliche Elemente, wirken aber frisch und sind handwerklich ausgereift. Es war absehbar, dass sich hieraus Gr\u00f6\u00dferes ergeben wird.<\/p>\n<p>Als historisches, musikp\u00e4dagogisches Dokument stellen die beiden zusammengefassten Manuskripte einen unermesslichen Wert dar. Musikp\u00e4dagogen, die sich der klassisch-romantischen Tradition verbunden f\u00fchlen, sollten zumindest einmal einen Blick reingeworfen haben. Heutzutage muss man die St\u00fccke nicht mehr selbst spielen, um sie kennenzulernen, es gibt Gesamteinspielungen z.B. &#8222;Nannerl Notenbuch&#8220; von Alessandro Delijavan oder &#8222;London Sketchbook&#8220; von Hans-Udo Kreuels, da kann man mitlesen und das Ganze auf sich wirken lassen. Eine Erkenntnis daraus k\u00f6nnte sein, dass pers\u00f6nliche Hingabe, handwerkliche Fertigkeit und p\u00e4dagogisches Geschick Kernpunkte eines erf\u00fcllenden Instrumentalunterrichts sein sollten. Stilvielfalt, Virtuosit\u00e4t, Repertoirekenntnis spielen zu Beginn einer Ausbildung vielleicht eine geringere Rolle als man heutzutage gemeinhin annimmt.<\/p>\n<p>Das Heft umfasst ein ausf\u00fchrliches Vorwort des Herausgebers in zwei Sprachen (dt, engl), einige Faksimiles, die akkurat und nach h\u00f6chsten Anspr\u00fcchen transkribierten Notenb\u00fccher und einen knappen kritischen Kommentar. Drucktechnische Aufbereitung und Papierqualit\u00e4t ist &#8211; wie immer bei Urtextausgaben &#8211; hervorragend und tadellos. Das Notenheft umfasst 172 Seiten, erscheint bei B\u00e4renreiter und kostet 25,95 \u20ac.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In diesem editorisch aufw\u00e4ndig gestalteten Sammelband sind das &#8222;Notenbuch f\u00fcr Maria Anna (Nannerl) Mozart&#8220; und das &#8222;Londoner Skizzenbuch&#8220; zusammengefasst. 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