{"id":6179,"date":"2018-09-03T11:31:42","date_gmt":"2018-09-03T09:31:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dennisschuetze.de\/blog\/?p=6179"},"modified":"2018-09-03T11:31:42","modified_gmt":"2018-09-03T09:31:42","slug":"sommer-der-schmerzen-kw35-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/2018\/09\/03\/sommer-der-schmerzen-kw35-2018\/","title":{"rendered":"Sommer der Schmerzen (KW35\/2018)"},"content":{"rendered":"<p>Schon im Juni und Juli hatte ich latenten Druck im linken Oberkiefer gesp\u00fcrt, aber die Zahn\u00e4rztin konnte nicht mal auf dem R\u00f6ntgenbild was finden. Ich redete mir ein, dass das vielleicht mit der trockenen Hitze und einem pers\u00f6nlichen kleinen Durchh\u00e4nger zu tun haben k\u00f6nnte. Anfang August wurde es dann schlimmer, der Druck wandelte sich zum dauerhaften Schmerz und Ibuprofen wurden zu meinem st\u00e4ndigen Begleiter. P\u00fcnktlich im Urlaub dann stechend-pulsierende Schmerzen, wie ich sie noch nie versp\u00fcrt hatte. In der Nacht meiner R\u00fcckkehr habe ich trotz hoher Schmerzmitteldosis kein Auge zugemacht, Samstag zum zahn\u00e4rztlichem Wochenenddienst, auch der war erstmal ratlos. Mit Antibiotikum und Schmerzmitteln konnte ich wenigstens das umfangreiche, musikalische Engagement am selben Nachmittag\/Abend einigerma\u00dfen durchhalten. In der Woche darauf, bei einem erneuten Zahnarztbesuch dann Wurzelbehandlung, das war heftig, aber sorgte z\u00fcgig f\u00fcr Entlastung. Ich war dankbar f\u00fcr eine andere Variante des Schmerzes, der sich aber bald verzog. Danach eine Woche Ruhe. Es war die sprichw\u00f6rtliche Ruhe vor dem Sturm.<!--more--><\/p>\n<p>Eine sch\u00f6ne Woche, Schmerz und Sommer klingen aus. Am Fr mit dem Rad in die Stadt, kleiner Kick mit den Jungs auf dem Hartplatz am Sanderrasen. Ich spiele mit 10- und 12-j\u00e4hrigen, betont locker, es war ein hei\u00dfer Tag. Der Ball verspringt, ich renne schnell hinterher, weil der Platz so weitl\u00e4ufig ist, h\u00fcpfe in einer 180\u00b0-Wendung \u00fcber den Ball, als mein Bein den Boden ber\u00fchrt, sehe ich bereits, dass sich die Schuhsohle auf dem trockenen Hartplatz nicht mitdreht, stattdessen dreht das Knie in einem unnat\u00fcrlichen Twist. Ich falle zu Boden und versp\u00fcre einen unfassbaren Schmerz, der mich fast ohnm\u00e4chtig werden l\u00e4sst. Zu allem \u00dcberfluss rufen die Kinder um mich herum &#8222;Neymar, Neymar!&#8220;, der Sturz sah anscheinend harmlos aus und sie glauben, ich w\u00fcrde nur den Verletzten mimen. Von der Seitenlinie kommt mir ein nordafrikanischer Fl\u00fcchtling zu Hilfe, der bis dahin nur auf seinem Smartphone herumgedr\u00fcckt hatte. Ich lege einen Arm auf seine Schulter und zusammen schaffe wir es bis an den Spielfeldrand. Dort sitze ich erstmal, die Kinder spielen unbeschwert weiter.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter schleppe ich mich zur Notaufnahme des Juliusspitals. Nach dem R\u00f6ntgen ist klar, kein Knochenbruch, wahrscheinlich irgendwas mit den B\u00e4ndern, MRT erst am Montag m\u00f6glich, mit einer Bandage und Kr\u00fccken werde ich nach Hause entlassen. \u00dcber Nacht schwillt mein rechtes Knie zu einem Umfang auf, wie ich es nicht f\u00fcr m\u00f6glich gehalten h\u00e4tte. Es ist ca. doppelt so dick wie das linke. Die Nacht ist anstrengend, in den fr\u00fchen Morgenstunden falle ich in einen unruhigen Schlaf. Morgens versuche ich mit den Kr\u00fccken aufzustehen, mir ist abwechselnd hei\u00df und kalt, als ich stehe, wird mir schwindelig, ich versp\u00fcre Schmerzen, dann wird mir schwarz vor Augen und ich wache eine Weile sp\u00e4ter am Boden liegend wieder auf. Neben mir ist ein Stuhl umgefallen, an dem ich mich anscheinend festhalten wollte, ich kann mich aber nicht daran erinnern. Ich versuche ein zweites Mal aufzustehen und wache kurz danach erneut ein paar Meter weiter auf dem Boden wieder auf. Beim dritten Mal schaffe ich es zur\u00fcck auf&#8217;s Bett und rufe nach Hilfe.<\/p>\n<p>Wie sich nach einem unsch\u00f6nen Wochenende am Montag beim Besuch eines Orthop\u00e4den herausstellt, gibt es einen starken Verdacht auf Kreuzbandriss, der sich am Di nach der Auswertung des MRT best\u00e4tigt. Ich werde noch montags punktiert, d.h. der Arzt sticht ohne Bet\u00e4ubung 3-4 in mein Knie und zieht eine tr\u00fcbe rot-graue Fl\u00fcssigkeit heraus. Das tut furchtbar weh, sorgt aber unmittelbar danach f\u00fcr sp\u00fcrbare Erleichterung, weil es den Druck nimmt. Nachmittags schlafe ich 1-2h, abends steht ein kurzer Auftritt auf einem Schiff an.<\/p>\n<p>Mit Unterst\u00fctzung von Familie, Kollegen und Schmerzmitteln, schaffe ich es auf&#8217;s Schiff, alles ganz langsam. Wir spielen f\u00fcr eine 70+-Gesellschaft, die sich aus Kreuzfahrtteilnehmern aus USA, Australien und Neuseeland zusammensetzt. Sie haben gr\u00f6\u00dftes Verst\u00e4ndnis f\u00fcr mein Handicap. Ich habe sogar den Eindruck sie sind beruhigt, dass auch Angeh\u00f6rige der n\u00e4chsten Generation k\u00f6rperliche Beschwerden haben. Alles easy, alles cool, ich sitze beim spielen, geht besser als ich dachte. Meine Mitmusiker machen Sp\u00e4\u00dfe, z.B. dass ich beim n\u00e4chsten Mal mit Holzbein, Augenklappe und Papagei auf der Schulter kommen soll, das w\u00fcrde dann noch authentischer wirken, haha.<\/p>\n<p>Nachdem das geschafft ist, verbringe ich den Rest der Woche im Bett und auf der Couch, telefoniere und er\u00f6rtere meine Optionen und Perspektiven. Sieht so aus, als ob mich das Thema noch Monate besch\u00e4ftigen wird. Erstmal muss die Schwellung abklingen, irgendwann wahrscheinlich OP, danach geht&#8217;s nochmal bei Null los, eine Woche Krankenhaus, danach 4-6 Wochen Kr\u00fccken, Beschwerden, Physio, langsamer Muskelaufbau, tolle Aussichten, der Sommer ist vorbei, die Schmerzen nicht.<\/p>\n<p>Ich \u00fcberlege mir, wie ich die Zeit sinnvoll nutzen kann. Viel lesen, viel schreiben, ich kann Klavier und Gitarre spielen, unterrichten (also arbeiten und Geld verdienen) ist kein Problem. Haus verlassen, Treppen steigen, Autofahren, Dinge tragen ist sehr m\u00fchsam, da brauche ich Hilfe und viel mehr Zeit, weil ich alles erst vorbereiten und erkl\u00e4ren muss. Abwechselnd bin ich ver\u00e4rgert und niedergeschlagen, dass mir sowas und dann auch noch bei einer so einer l\u00e4ppischen Aktion passieren musste. Andererseits k\u00f6nnte es auch wesentlich schlimmer sein, ich h\u00e4tte mir Arm, Hand oder Finger verletzen k\u00f6nnen, das w\u00e4re eine noch viel gr\u00f6\u00dfere Beeintr\u00e4chtigung und de facto existenzgef\u00e4hrdend. Bis jetzt war ich von wirklich einschneidenden Erkrankungen und Verletzungen weitgehend verschont geblieben. Muss jetzt nur aufpassen, dass mir nicht die Decke auf dem Kopf f\u00e4llt, versuche mir meine gute Laune zu bewahren, aktiv zu bleiben, weniger zu essen, damit ich wegen der mangelnden Bewegung nicht Gewicht zunehme, muss k\u00f6rperliche Bewegung durchdenken, Aktionen planen etc. Um Kontakt zu halten werde ich mehr telefonieren und Freunde einladen, sonst vereinsame ich hier noch, ist bereits nach ein paar Tagen sp\u00fcrbar.<\/p>\n<p>Sobald die Schule anf\u00e4ngt, habe ich wieder mehr zeitliche Spielr\u00e4ume, weil die Kinder untergebracht sind, vielleicht komme ich durch meine Immobilit\u00e4t sogar schneller mit meiner Eigenproduktion voran, mal sehen. Spiele jedenfalls bereits t\u00e4glich viel Klavier. Da kann ich mich, wenn mir langweilig ist, einfach hinsetzen und losklimpern, das habe ich vorher nur gemacht, wenn es einen konkreten Anlass gab.<\/p>\n<p>Habe allerdings auch schmerzlich erkennen m\u00fcssen, dass mein K\u00f6rper, also ich, alt wird. Muss Bewegungsmuster und Priorit\u00e4ten anpassen, vor allem langsamer und vielleicht auch weniger machen. Bei dem Gedanken erfasst mich eine gewisse Angst und Panik. Hatte bis jetzt eigentlich gedacht, dass ich verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig kraftvoll, f\u00e4hig und willig bin. Aber der Zahn der Zeit nagt auch an mir. Es gibt, wenn ich die n\u00e4chsten Monate \u00fcberstanden habe, kein weiter so. Dieser Sommer war ein erster, geh\u00f6riger Schuss vor den Bug. Ich bin jetzt offiziell ein alter Mann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schon im Juni und Juli hatte ich latenten Druck im linken Oberkiefer gesp\u00fcrt, aber die Zahn\u00e4rztin konnte nicht mal auf dem R\u00f6ntgenbild was finden. 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