{"id":6185,"date":"2018-09-04T18:06:52","date_gmt":"2018-09-04T16:06:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dennisschuetze.de\/blog\/?p=6185"},"modified":"2018-09-04T18:06:52","modified_gmt":"2018-09-04T16:06:52","slug":"buch-vom-aufhoeren-von-fredrik-sjoeberg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/2018\/09\/04\/buch-vom-aufhoeren-von-fredrik-sjoeberg\/","title":{"rendered":"Buch: &#8222;Vom Aufh\u00f6ren&#8220; von Fredrik Sj\u00f6berg"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/VomAufh\u00f6renCover.jpeg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-6184\" src=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/VomAufh\u00f6renCover-182x300.jpeg\" alt=\"\" width=\"182\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/VomAufh\u00f6renCover-182x300.jpeg 182w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/VomAufh\u00f6renCover-622x1024.jpeg 622w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/VomAufh\u00f6renCover-768x1263.jpeg 768w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/VomAufh\u00f6renCover-934x1536.jpeg 934w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/VomAufh\u00f6renCover-1245x2048.jpeg 1245w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/VomAufh\u00f6renCover-1200x1974.jpeg 1200w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/VomAufh\u00f6renCover.jpeg 1400w\" sizes=\"(max-width: 182px) 100vw, 182px\" \/><\/a>Fredrik Sj\u00f6berghat hat Biologie und Geologie studiert, arbeitet aber inzwischen haupts\u00e4chlich als \u00dcbersetzer, freier Journalist und Schriftsteller. In Fachkreisen bekannt f\u00fcr seine Schwebfliegensammlung, besch\u00e4ftigt er sich in seinen letzten Buchpublikationen mit dem Umgang mit exotischen Interessen und deren Auswirkungen auf individuelle Lebenswege.\u00a0Nach &#8222;Der Rosinenk\u00f6nig. Von der bedingungslosen Hingabe an seltsame Passionen&#8220; (2011) und &#8222;Die Kunst zu fliehen. Vom Nutzen des Scheiterns und dem Vergn\u00fcgen der Abschweifung&#8220; (2012) erscheint nun sein neustes Werk, das vorerst eine Trilogie vervollst\u00e4ndigt: &#8222;Vom Aufh\u00f6ren. \u00dcber die Fl\u00fcchtigkeit des Ruhms und den Umgang mit dem Scheitern&#8220;.<!--more--><\/p>\n<p>Falls der Verlauf seiner eigenen Karriere das Interesse f\u00fcr die Themenreihe geweckt haben sollte, so ist das aus dem Text selbst nicht direkt ersichtlich. Die thematische Vorlage wird exemplarisch an zwei K\u00fcnstlerkarrieren des fr\u00fchen 20. Jahrhunderts dargestellt. Die Lebenswege des schwedischen Malers und Eigenbr\u00f6tlers Olaf Agren und der nach Schweden emigrierten deutsch-j\u00fcdischen Malerin Lotte Laserstein sind die Schablonen anhand derer Berufsausbildung, erste Karriereschritte, kleine Ber\u00fchmtheit und ein jahrzehntelanges Verklingen durchdekliniert und betrachtet werden. Dabei kann man noch nicht einmal von einem allgemeinen Scheitern sprechen. Wie man sieht, ist das Scheitern immer individuell und h\u00e4ngt von unendlich vielen Zuf\u00e4llen und Begebenheiten ab. Am Ende ihres Lebens bzw. kurz danach werden beide wiederentdeckt und kommen posthum zu ansehnlichen Ehren. Ein vollumf\u00e4ngliches Scheitern im Sinne von Versagen w\u00e4re dann nochmal ein eigenes, wenn auch vermutlich wenig erbauliches Thema.<\/p>\n<p>Die Gegen\u00fcberstellung eines hemds\u00e4rmligen Schweden aus einfachem Arbeitermilieu und der bildungsb\u00fcrgerlich sozialisierten J\u00fcdin aus der deutschen Hauptstadt und europ\u00e4ischen Kulturmetropole Berlin erscheint interessant, immer wieder wird zwischen den Karrierestationen der beiden kapitelweise hin und her gewechselt. Agren stand seine Eigenwilligkeit und sein bemerkenswerter Starrsinn im Weg, Laserstein geriet als Frau innerhalb einer M\u00e4nnerdom\u00e4ne und J\u00fcdin in Zeiten des dritten Reiches in Schwierigkeiten und sah sich zur Emigration gezwungen. Am Ende landen beide unabh\u00e4ngig voneinander in der schwedischen Provinz. Agren als verarmter, zornerf\u00fcllter und nicht sehr talentierter Landwirt, Laserstein als Zeichenlehrerin und Portraitmalerin, beide weit entfernt von den herausragenden k\u00fcnstlerischen Leistungen ihrer mittleren Lebensphase. Sp\u00e4t werden sie durch Zufall wiederentdeckt, bedeutungslos f\u00fcr Agren, eine sp\u00e4te Genugtuung f\u00fcr Laserstein.<\/p>\n<p>Der Text ist immer wieder durchsetzt von Begebenheit und Gedanken des Autors, die w\u00e4hrend der Recherche entstanden. Eine wirkliche Erkl\u00e4rung f\u00fcr die entscheidenden Wendungen wird nicht geliefert. Wesentliche Erkenntnis k\u00f6nnte sein, dass die Dinge nicht in den H\u00e4nden der Protagonisten liegen. Sie werfen alles, was sie haben in die Waagschale, schicksalsentscheidend sind dann aber eigene Charakterz\u00fcge, zuf\u00e4llige Begegnungen, Zu- und Abneigungen, gesellschaftspolitische und kulturhistorische Entwicklungen und vieles mehr auf das niemand einen direkten Einfluss hat. Hinzu kommt die Situation der wirtschaftlichen Verh\u00e4ltnisse, famili\u00e4re Verantwortung und nicht zuletzt die eigene Interessenslage. Kann man da von Scheitern sprechen? Ist k\u00fcnstlerisches Scheitern \u00fcberhaupt eine absolute Kategorie? Wer entscheidet dar\u00fcber? Galeristen, Kritiker, Kulturhistoriker? Der K\u00fcnstler selbst? Nicht einmal das trifft zu.<\/p>\n<p>Fazit: K\u00fcnstlerisch zu scheitern ist gar nicht m\u00f6glich, weil Scheitern nicht messbar ist. Man kann allerdings den eigenen Ma\u00dfst\u00e4ben nicht gen\u00fcgen und wenn das zutrifft, obwohl man jahrzehntelang alles gegeben hat, dann muss das eine sehr bet\u00e4ubende Erfahrung sein, die individuell als Scheitern empfunden werden kann. Man kann danach aus welchen Gr\u00fcnden auch immer trotzdem weitermachen (weil man nichts anderes kann, weil der Rubel rollt, weil die anderen es nicht gemerkt haben). Kategorische Typen w\u00e4hlen dann vielleicht das Aufh\u00f6ren. Aber auch das muss nicht immer die richtige Wahl sein. Manchmal ergeben sich gerade besondere Arbeitsergebnisse, ohne dass man zuvor geahnt h\u00e4tte, was genau entsteht. Wie man es auch betrachtet, es gibt keine allgemeine Erkl\u00e4rung oder Patentl\u00f6sung. Die Antwort liegt allenfalls im Auge eines jeden einzelnen Betrachters und ist somit extrem relativ.<\/p>\n<p>&#8222;Vom Aufh\u00f6ren&#8220; erscheint bei Galiani Berlin, hat 192 Seiten und kostet gebunden 20 \u20ac.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fredrik Sj\u00f6berghat hat Biologie und Geologie studiert, arbeitet aber inzwischen haupts\u00e4chlich als \u00dcbersetzer, freier Journalist und Schriftsteller. 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