{"id":6338,"date":"2018-11-27T11:24:14","date_gmt":"2018-11-27T10:24:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dennisschuetze.de\/blog\/?p=6338"},"modified":"2018-11-27T11:24:14","modified_gmt":"2018-11-27T10:24:14","slug":"op-nullpunkt-kw48-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/2018\/11\/27\/op-nullpunkt-kw48-2018\/","title":{"rendered":"OP: Nullpunkt (KW48\/2018)"},"content":{"rendered":"<p>Am letzten Freitag wurde im Zuge einer OP mein gerissenes Kreuzband im rechten Knie mit einer k\u00f6rpereigenen Sehne ersetzt. Um 7.30 musste ich n\u00fcchtern und mit gepackten Sachen in der Klinik sein, ca. 3h sp\u00e4ter wurde ich endlich zur OP fertig gemacht, d.h. alle Kleidung ausziehen, d\u00fcnnes Leibchen (hinten offen), Trombosestr\u00fcmpfe und Kopfhaube, Rasur der OP-relevanten K\u00f6rperstelle, man steht schon ziemlich nackt da, auf reine K\u00f6rperlichkeit reduziert. Bei jedem Arbeitsschritt wurde ich von jedem, wirklich jedem Mitarbeiter gefragt um welches Knie (rechts oder links?) es sich denn handele. Einerseits beunruhigend (&#8222;Sie wissen ja nicht, was hier alles schon passiert ist!&#8220;), andererseits genau aus demselben Grund auch beruhigend (Stichwort: aus Fehlern lernen). Ich war relativ entspannt, hatte doch der Arzt, der mich tags zuvor untersucht und aufgekl\u00e4rt hatte mit schwarzem Edding dick &#8222;OP&#8220; und einen Pfeil nach unten auf meinen rechten Oberschenkel gekritzelt. Das hatte ich daheim nicht abgewaschen, sondern sch\u00f6n stehen lassen, so sollten Verwechslungen eigentlich ausgeschlossen sein, dachte ich mir.<!--more--><\/p>\n<p>Ich wurde in einem Bett in den Vor-OP-Raum geschoben und auf eine andere Unterlage gehoben, dort machte ich Bekanntschaft mit meinem Narkosearzt (&#8222;Hallo!&#8220;), der dann aber weg musste und ein anderer \u00fcbernahm (&#8222;Hallo!&#8220;). Kurz stellte sich auch noch der Operateur vor (&#8222;Hallo, ich werde sie gleich operieren.&#8220;). Dann Atemmaske und Tsch\u00fcss.<\/p>\n<p>Ich erwachte in einem Viermannzimmer auf Station Heine, die, wie ich sp\u00e4ter herausfand, keinesfalls dem deutschen Dichter Heinrich Heine (1797-1856) gewidmet ist, sondern dem mir bis dahin v\u00f6llig unbekannten W\u00fcrzburger Orthop\u00e4diemechaniker\u00a0<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Johann_Georg_Heine\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Johann Georg Heine (1771-1838)<\/a>, der unter anderem als Messerschmied und Instrumentenmacher eine bemerkenswerte Karriere machte.<\/p>\n<p>Das Krankenzimmer war ausgelastet, einmal Schulter, dreimal Knie, drei M\u00e4nner, ein tapferer Junge. Ich war einigerma\u00dfen benommen, sp\u00fcrte keinen Schmerz und d\u00e4mmerte dumpf vor mich hin. Noch am sp\u00e4ter Nachmittag wurde &#8222;die Schulter&#8220; entlassen, Abendessen nahm ich wortlos liegend ein, war hungrig, hatte ja seit dem Abend zuvor nicht mehr gegessen oder getrunken. Nacht war unruhig, der Nachbar schnarchte, ich nach Aussage von diesem angeblich auch, was nat\u00fcrlich jeder Grundlage entbehrt. Wir einigten uns darauf, dass wir beide Seitenschl\u00e4fer sind und deswegen f\u00fcr etwaige Nebenwirkungen bei erzwungener R\u00fcckenlage (Knie hochstellen) nicht verantwortlich zu machen sind.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Tag nach dem Fr\u00fchst\u00fcck tauschte ich mich mit den Zimmergenossen aus, der Junge war zur OP extra mit seiner Mutter aus einem anderen Bundesland angereist, weil das W\u00fcrzburger KLH anscheinend einen so hervorragenden Ruf hat, das freute mich f\u00fcr ihn (und mich). W\u00e4hrend alle anderen, vor allem die Krankenschwestern, mich mit &#8222;Herr Doktor&#8220; ansprachen (steht so auf meiner Krankenkassenkarte und somit auf allen meiner schriftlichen Unterlagen) und auch nach mehrfacher Aufforderung das zu unterlassen fr\u00f6hlich damit weitermachten, duzte mich der Herr Nachbar sympathischerweise von Anfang an und unterhielt sich mit mir in einem f\u00fcr mich gerade noch zu entziffernden Dialekt (Richtung Ebrach). Irgendwann fragte ich ihn, was er so machte, Antwort: &#8222;Stra\u00dfenbau&#8220;, war irgendwie klar, ne.<\/p>\n<p>Alle sa\u00dfen am Samstag wie auf Kohlen, wollten schnellstens untersucht und gecheckt werden (&#8222;Wann kommt die Visite?&#8220;), wollten einfach nur nachhause. Es wurde dabei mit allen gerade noch lauteren Mitteln gek\u00e4mpft (Bitten, Drohen, Weinen, &#8222;Wunde blutet nicht mehr!&#8220;, &#8222;Bin absolut schmerzfrei!&#8220;, &#8222;Essen ist schon abbestellt!&#8220; &#8222;Abholung bereits unterwegs!&#8220;). Am sp\u00e4ten Abend waren alle gl\u00fccklich und weg und ich allein im Viermannzimmer, Neuzug\u00e4nge waren am Wochenende nicht zu erwarten. Die erste Stunde war die pl\u00f6tzliche Ruhe angenehm, dann wurde es auch schon langweilig. Es kommt wirklich nur jemand zum Essenbringen vorbei, zum Schichtwechsel oder wenn man klingelt. Ich lag stundenlang, am Ende gef\u00fchlt tagelang alleine im Zimmer. Essen im Bett liegend, erst am Ende im Bett sitzend, einmal am Tag Toilette, Z\u00e4hneputzen im Bett. Zweimal hat der operierende Arzt vorbeigeschaut und mir alle meine Fragen beantwortet, das war nett und f\u00fcr mich eine willkommene Abwechslung. Anfangs konnte ich wegen den Nachwirkungen der Narkose, dann wegen der Schmerzmittel und dem langen Rumliegen nicht l\u00e4nger lesen. Fernseher und Telefon habe ich nicht bestellt, Handy besitze ich keines, ich nutzte den iPad und offenes WLan, wurde aber auch irgendwann langweilig. Die gesammelten SZs der letzten Woche waren bald durchgebl\u00e4ttert und quergelesen, ausgeholfen haben die Mediatheken der \u00f6ffentlich-rechtlichen Sender. Filmhighlights im Rahmen des Publikumspreises von 3Sat: &#8222;Die Notl\u00fcge&#8220;, &#8222;S\u00fcdstadt&#8220; und &#8222;Fremder Feind&#8220;, unbedingt sehenswert.<\/p>\n<p>Am Montag, am dritten Tag nach der OP, wurden morgens die Drainagen gezogen (Aua) und ein neuer Verband aufgelegt, dann warten, dann Physio, dann warten, dann R\u00f6ntgen, alles okay, dann warten, dann nochmal Physio, dann Entlassung. Um 15.00 kam eine skurrile Prozession durch die Station gezogen, angef\u00fchrt vom Oberarzt Prof. Dr. med, dahinter zwei weitere \u00c4rzte, zwei Krankenschwestern und zwei Auszubildende, der komplette Anhang \u00a0auff\u00e4llig leise und devot. Mein frisch gemachter Verband wurde auf die Schnelle wieder aufgeschnitten, die Wunde vom Oberarzt, der mich nie zuvor gesehen hatte, kurz begutachtet, danke, bitte, auf Wiedersehen, schon waren alle Personen wieder aus meinem Zimmer, T\u00fcr zu und ich sa\u00df da mit meinem aufgeschnittenen Verband. Ca. 15 Min sp\u00e4ter war die Performance anscheinend zu Ende und eine Krankenschwester kam im Normalmodus wieder in mein Zimmer, verband mich neu und \u00fcberreichte mir die Entlassungspapiere. Kurz danach wurde ich abgeholt und war am Abend wieder daheim bei meiner Familie. Die erste Nacht habe ich im eigenen Bett ganz wunderbar tief und ohne Unterbrechung geschlafen.<\/p>\n<p>Jetzt erstmal ruhig machen. Arztbesuche f\u00fcr Verbandswechsel und Papierkram (Rezepte, Krankschreibung etc.) und Physiotherapie sind vereinbart. Ich werde noch sechs Wochen mit Schiene und Kr\u00fccken laufen m\u00fcssen und darf in der Zeit mein rechtes Bein nur mit 20% belasten. Nervt, aber muss!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am letzten Freitag wurde im Zuge einer OP mein gerissenes Kreuzband im rechten Knie mit einer k\u00f6rpereigenen Sehne ersetzt. 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