{"id":6585,"date":"2019-02-19T12:46:14","date_gmt":"2019-02-19T11:46:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dennisschuetze.de\/blog\/?p=6585"},"modified":"2019-02-19T12:46:14","modified_gmt":"2019-02-19T11:46:14","slug":"buch-alpensolo-von-ana-zirner","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/2019\/02\/19\/buch-alpensolo-von-ana-zirner\/","title":{"rendered":"Buch: &#8222;Alpensolo&#8220; von Ana Zirner"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/AlpensoloCover.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-6584\" src=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/AlpensoloCover-183x300.jpg\" alt=\"\" width=\"183\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/AlpensoloCover-183x300.jpg 183w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/AlpensoloCover-624x1024.jpg 624w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/AlpensoloCover-768x1260.jpg 768w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/AlpensoloCover-937x1536.jpg 937w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/AlpensoloCover-1249x2048.jpg 1249w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/AlpensoloCover-1200x1968.jpg 1200w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/AlpensoloCover.jpg 1561w\" sizes=\"(max-width: 183px) 100vw, 183px\" \/><\/a>Ana Zirner ist im Voralpenland aufgewachsen und arbeitet als freiberufliche Autorin, Kulturmanagerin und Regisseurin. Ihre diversen Wandertouren hat sie seit 2017 auf ihrem Blog <a href=\"http:\/\/anasways.com\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">anasways.com<\/a> in Texten und Fotos dokumentiert. Nun hat sie mit &#8222;Alpensolo&#8220; den Reisebericht ihrer Alpendurchquerung vom Sommer 2017 als Buch ver\u00f6ffentlicht. In zwei Monaten durchwanderte sie die Alpen von Ost nach West, knapp 2000km Wegstrecke durch f\u00fcnf L\u00e4nder und viele verschiedene Regionen.<\/p>\n<p>Die Tour startet im Sieben Seen Tal in Slowenien, f\u00fchrt entlang der \u00f6sterreichisch-italienischen Grenze zum Zollnersee, dann in Italien weiter bis Bozen, von da zum Ortler und in die Schweiz, \u00fcber Davos, Vals und Visp bis nach Chamonix nach Frankreich und weiter \u00fcber Modane bis Grenoble. W\u00e4hrend der gesamten Wanderung \u00fcbernachtete Zirner vorzugsweise im Freien (Biwak), alternativ in H\u00fctten, einige wenige Male auch in Pensionen oder kleinen Hotels.<!--more--><\/p>\n<p>Zirner wandert, dem Titel gem\u00e4\u00df, die meiste Zeit alleine, nur punktuell hat sich Verwandtschaft (Eltern) und Freunde an ihrer Seite (anscheinend gab es einige Terminabsagen), hin und wieder sind fremde Weggenossen dabei, einige Male schlie\u00dft sie sich f\u00fcr hochalpine Exkurse Gruppen unter der Leitung von erfahrenen Bergf\u00fchrern an. Zirner ist gr\u00f6\u00dftenteils Selbstversorgerin, hat ihr eigenes Essen dabei und isst zus\u00e4tzlich auf H\u00fctten, Wasser bezieht sie per Filter aus Quellen, Gebirgsb\u00e4chen und Seen.<\/p>\n<p>Von Anfang an hat man den Eindruck, dass Zirner mit der langen, kr\u00e4ftezehrenden und entbehrungsreichen Unternehmung ein nicht vorformuliertes Ziel verfolgt. Teilweise wirkt es wie Abkehr, Flucht, ein Bu\u00dfgang oder eine Therapie um wieder Kontrolle \u00fcber das eigene Leben zu erlangen. Dazu passt, dass die Wanderung in neun Etappen unterteilt wurde und mit mentalen Themen besetzt wurde: Atmen, Aufrichtigkeit, Aufgeschlossenheit, Entfaltung, Dialog, Geduld, Bescheidenheit, Erinnerung. Man hat unweigerlich den Eindruck, als ob im Leben vor Beginn der Wanderung ein Mangel dieser Themen geherrscht haben muss, genauer wird nicht darauf eingegangen, drum gibt es daf\u00fcr leider bis zum Schluss auch keine offensichtliche Erkl\u00e4rung.<\/p>\n<p>Gleichzeitig merkt man als Leser, dass Zirner, vermutlich nicht nur durch das Solowandern, extrem mit sich selbst besch\u00e4ftigt ist. Sie erkennt die Welt fast immer nur in Bezug zur eigenen Person. Zu allem und jedem hat sie bereits eine vorgefertigte Meinung, bei Begegnungen entscheiden bereits die allerersten Sekunden \u00fcber Sympathie oder Ablehnung, ein dazwischen gibt es irgendwie nicht. Alles wirkt sehr kategorisch und verbissen, fast nie mal einfach, locker und humorvoll. Besonders schwer haben es bei ihr M\u00e4nner und ganz allgemein Personen, die die Dinge nicht ganz so ernst und schwer nehmen wie sie selbst. Das wird im Verlauf der Wanderung auch nicht besser, sondern eher schlimmer, nimmt manchmal groteske, teilweise auch unfreiwillig-komische Z\u00fcge an. Sie ist aber immer wieder von extremen Gef\u00fchlen hin und hergerissen, das reicht von extrem euphorisch bis total niedergeschlagen, von fr\u00f6hlich bis todtraurig, von gl\u00fccklich bis am Boden zerst\u00f6rt und das alles gerne auch innerhalb k\u00fcrzester Zeit. Mahlzeiten sind dann extrem k\u00f6stlich oder quasi ungenie\u00dfbar, gefiltertes Wasser schmeckt wie s\u00fc\u00dfer Wein, sie spricht mit Tieren, macht um Menschen aber einen gro\u00dfen Bogen, schl\u00e4ft bei klirrender K\u00e4lte im Freien, muss in Superm\u00e4rkten wegen der grellen Farben eine Sonnenbrille tragen, es ist alles furchtbar extrem.<\/p>\n<p>Bei aller Naturverbundenheit, ist sie sich selbst manchmal erstaunlich fremd. Es wimmelt im Text von seltsamen Formulierungen wie &#8222;Mein Magen knurrt, denn er hat Hunger&#8220; oder &#8222;Mein F\u00fc\u00dfe sind mir wohlgesonnen&#8220;, so als ob einzelne K\u00f6rperteile nicht mehr zum eigenen Selbst geh\u00f6ren, sondern ein Fremdk\u00f6rper sind. Warum nicht &#8222;Ich habe Hunger&#8220; oder &#8222;Meine F\u00fc\u00dfe tun nicht weh&#8220;?<\/p>\n<p>Bewundern muss man freilich ihren Durchhaltewillen, ihre mentale Kraft, die schiere Energieleistung, es erscheint schon fast wieder \u00fcbermenschlich. Nur selten \u00e4ndert sie ihre vorgefassten Pl\u00e4ne, eigentlich immer nur dann, wenn es wegen \u00e4u\u00dferen Faktoren (Witterung) anders gemacht werden muss. Jeden Morgen macht sie Yoga, checkt Smartphone und Fitnessarmband, macht Umwege, sucht Schlafpl\u00e4tze, nicht zu vergessen die Blogeintr\u00e4ge. So arg naturverbunden ist sie dann doch nicht, viel mehr h\u00f6chst effizient von Sponsoren ausger\u00fcstet, mit Care-Paketen, Energieriegeln, Karten, GPS. H\u00fctten werden angerufen, Pensionen gebucht, Couch-Surfing, Soziale Medien, you name it. Muss sie mal einen Tag wegen schlechten Wetters rasten, h\u00e4lt sie es kaum aus, macht Tagestouren, ist genervt von H\u00fcttenbetreibern oder anderen Wanderern, dann muss es weiter gehen, always on the run.<\/p>\n<p>Nur hin und wieder l\u00e4sst sie mal was durchblicken, z.B. in dem Teil wo sie total gefrustet von ihrer Arbeit als Regisseurin und der fehlenden Wertsch\u00e4tzung berichtet. Da wirkt sie dann f\u00fcr einen kurzen Augenblick menschlich und verwundbar, aber eigentlich sind doch die anderen Schuld und gleich danach geht&#8217;s doch planm\u00e4\u00dfig weiter und die Reise wird n\u00fcchtern bis zum Ende durchgezogen. Selbst ein gef\u00e4hrlicher Unfall und eine weitere unmittelbar anschlie\u00dfende Verletzung kann sie nicht aufhalten.<\/p>\n<p>Zum Schluss des Textes gibt es keinen Blick zur\u00fcck, keine Gedanken dar\u00fcber, was der Weg und die Erfahrungen mit einem gemacht haben, auf welche Weise man ver\u00e4ndert wurde, was man mit nach Hause nimmt, was davon \u00fcbrigbleibt. Vielleicht ist die wirkliche Herausforderung f\u00fcr Ana Zirner gar nicht das Wandern in Gebirgen oder das Paddeln in Fl\u00fcssen, sondern sich selbst so zu akzeptieren wie sie ist und ihren Platz in der widerspr\u00fcchlichen, modernen Gesellschaft zu finden. St\u00e4ndiger Aufbruch kann auch eine dauernde Flucht ohne Ziel sein. Und pers\u00f6nliches Gl\u00fcck findet sich nicht ausschlie\u00dflich in Einsamkeit und Natur.<\/p>\n<p>Das Buch hat in der Mitte farbige, zum Teil sehr stimmungsvolle Fotos. Im vorderen und hinteren Umschlag ist es mit einer kompakten Karte ausgestattet, die einen die Route kartographisch mitverfolgen lassen. Einen Blog mit Berichten von dieser und weiteren Reisen findet sich unter anasways.com<\/p>\n<p>Das Buch erscheint bei Malik, hat 266 Seiten und kostet 20\u20ac.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ana Zirner ist im Voralpenland aufgewachsen und arbeitet als freiberufliche Autorin, Kulturmanagerin und Regisseurin. Ihre diversen Wandertouren hat sie seit 2017 auf ihrem Blog anasways.com in Texten und Fotos dokumentiert. 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