{"id":7256,"date":"2019-11-29T11:20:40","date_gmt":"2019-11-29T10:20:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dennisschuetze.de\/blog\/?p=7256"},"modified":"2019-11-29T11:20:40","modified_gmt":"2019-11-29T10:20:40","slug":"buch-der-junge-doktorand-von-jan-peter-bremer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/2019\/11\/29\/buch-der-junge-doktorand-von-jan-peter-bremer\/","title":{"rendered":"Buch: \u201eDer junge Doktorand\u201c von Jan Peter Bremer"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/DerJungeDoktorandCover.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-7255\" src=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/DerJungeDoktorandCover-184x300.jpg\" alt=\"\" width=\"184\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/DerJungeDoktorandCover-184x300.jpg 184w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/DerJungeDoktorandCover-627x1024.jpg 627w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/DerJungeDoktorandCover-768x1254.jpg 768w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/DerJungeDoktorandCover-941x1536.jpg 941w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/DerJungeDoktorandCover.jpg 980w\" sizes=\"(max-width: 184px) 100vw, 184px\" \/><\/a>F\u00fcr seinen letzten Roman \u201eDer amerikanische Investor\u201c (2011) erhielt Jan Peter Bremer diverse Literaturpreise. Sein aktueller Kurzroman \u201eDer junge Doktorand\u201c (2019) gelangte im Vorfeld der Frankfurter Buchmesse auf die Longlist des Deutschen Buchpreises.\u00a0Es handelt sich dabei im Grunde um ein bescheidenes Kammerspiel in Prosaform. Ein alter K\u00fcnstler und seine Ehefrau empfangen den lang angek\u00fcndigten Besuch eines jungen Mannes, der vermeintlich \u00fcber das Leben und Werks des K\u00fcnstlers forschen und sp\u00e4ter schreiben will. Schnell stellt sich heraus, dass das in Wirklichkeit gar nicht der Fall ist, sondern es sich nur um einen Besuch aus Freundlichkeit handelt. Eigentliches Thema ist das Verh\u00e4ltnis der Figuren zueinander, insbesondere die Beziehung zwischen Herrn und Frau Greilach. Hier tun sich zum Teil Abgr\u00fcnde von Geh\u00e4ssigkeit und Peinlichkeit auf, dazwischen steht der junge Mann, der die gesamte Geschichte \u00fcber wortkarg und blass bleibt und lediglich als Ausl\u00f6ser der Geschehnisse fungiert.<!--more--><\/p>\n<p>Allerdings ist die Bezeichnung \u201aGeschehnisse\u2018 fast schon \u00fcbertrieben, denn es passiert eigentlich fast nichts. Die ganze Geschichte spielt sich innerhalb von einem Abend und dem darauffolgenden Morgen statt und besteht zum gr\u00f6\u00dften Teil aus giftigen Dialogen und selbstverliebten Monologen. Alles passiert im Wohnzimmer, eine eigentliche Handlung findet nicht statt.<\/p>\n<p>Der \u201eRoman\u201c w\u00e4re wom\u00f6glich besser als sarkastisches B\u00fchnenst\u00fcck f\u00fcr drei (noch besser zwei) Personen geraten. Dann st\u00fcnde er in der Tradition von Beziehungsgrotesken wie \u201eWer hat Angst vor Virginia Woolf\u201c (1962) oder \u201eDer Gott des Gemetzels\u201c (2006). Leider kann Bremers B\u00fcchlein nicht eine vergleichbare literarische Qualit\u00e4t entwickeln. Seine Beobachtungen sind interessant, seine Formulierungen vollendet, aber die Geschichte z\u00fcndet irgendwie nicht. Die ersten hundert Seiten h\u00e4lt man das wohl oder \u00fcbel aus, weil man erwartet, dass irgendwann die gro\u00dfe, \u00fcberraschende Wende folgt und das ganze Fahrt aufnimmt, aber es passiert nichts. Weder, wenn die Ehefrau erf\u00e4hrt, dass der junge Mann gar kein Doktorand ist, noch wenn der K\u00fcnstler erf\u00e4hrt, dass der junge Mann gar keine ernsthafte Recherche betreibt, sondern einfach nur gehen will.<\/p>\n<p>Einige \u00c4u\u00dferungen des Ehepaares sind klug und unterhaltsam, aber das reicht nicht um die Spannung zu halten oder die Aufmerksamkeit des Lesers zu binden. F\u00fcr die knapp 180 Seiten hat der Rezensent drei Wochen und mehrere Anl\u00e4ufe gebraucht, weil die Geschichte einfach zu langweilig ist und nicht in die G\u00e4nge kommt. Einzige \u00dcberraschung am Ende ist, dass die Geschichte unvermutet aufh\u00f6rt, so als h\u00e4tte der Autor selbst irgendwann das Interesse daran verloren.<\/p>\n<p>Die Aufnahme dieses Verlegenheitswerks in die Longlist des Deutschen Buchpreises muss auf einem Fehler oder einem gro\u00dfen Missverst\u00e4ndnis beruhen. Ganz sicher gibt es andere Kandidaten, die die damit einhergehende Aufmerksamkeit mehr verdient h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Fazit: Der Kurzroman ist nach den Vorschusslorbeeren eine herbe Entt\u00e4uschung. Zwar stilsicher formuliert, aber langweilig und ziemlich humorlos. Als Psychogramm einer Ehe viel zu gestelzt, als Groteske viel zu harmlos. Als Leser bleibt man ratlos zur\u00fcck.<\/p>\n<p>&#8222;Der junge Doktorand&#8220; erscheint im Berlin Verlag, hat 178 Seiten und kostet 20\u20ac.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr seinen letzten Roman \u201eDer amerikanische Investor\u201c (2011) erhielt Jan Peter Bremer diverse Literaturpreise. 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