{"id":7297,"date":"2019-12-10T15:02:42","date_gmt":"2019-12-10T14:02:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dennisschuetze.de\/blog\/?p=7297"},"modified":"2019-12-10T15:02:42","modified_gmt":"2019-12-10T14:02:42","slug":"noten-prelude-silvius-leopold-weiss-von-manuel-m-ponce-johannes-klier-hg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/2019\/12\/10\/noten-prelude-silvius-leopold-weiss-von-manuel-m-ponce-johannes-klier-hg\/","title":{"rendered":"Noten: \u201ePr\u00e9lude \u201aSilvius Leopold Weiss\u2018\u201c von Manuel M. Ponce, Johannes Klier (Hg.)"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/PreludeCover.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-7296\" src=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/PreludeCover-229x300.jpg\" alt=\"\" width=\"229\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/PreludeCover-229x300.jpg 229w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/PreludeCover.jpg 381w\" sizes=\"(max-width: 229px) 100vw, 229px\" \/><\/a>Die Herkunft dieses Pr\u00e9ludes gab Gitarristen mehrerer Generationen R\u00e4tsel auf. Mit seiner historisch-kritischen Ausgabe bringt der M\u00fcnchner Gitarrist und Musikhistoriker Johannes Klier ein knappes Jahrhundert sp\u00e4ter Licht ins Dunkel.<\/p>\n<p>Popul\u00e4r wurde das barock anmutende Pr\u00e9lude durch den spanischen Jahrhundertvirtuosen und Gitarrenf\u00f6rderer Andr\u00e9s Segovia, der es jahrelang im Repertoire hatte und auf dem Album R\u00e9cital (1958) als Prelude in E Major einspielte und verewigte. Zugeschrieben hatten er selbst und die Plattenfirma es dem deutschen Barocklautenisten Silvius Leopold Weiss, nur lie\u00df sich daf\u00fcr nie ein Beweis erbringen. In Segovias Editionsreihe \u201eGitarren-Archiv\u201c (Schott) wurde das St\u00fcck bedauerlicherweise nie ver\u00f6ffentlicht. Im Laufe der Zeit wurde es unter Gitarristen jedoch so beliebt, dass im Jahr 1969 eine Notenausgabe mit der Transkription der Albumeinspielung, erstellt von Carl Van Feggelen, erschien. Eine zweite Transkription von Rafael Andia erschien 1982 unter dem Titel \u201eOuverture\u201c. Beide Ausgaben wurden wiederum S.L. Weiss zugeschrieben, aber es gab bereits Stimmen, die berechtigte Zweifel an dieser Angabe hatten.<!--more--><\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich stammt das Pr\u00e9lude auch nicht von S.L. Weiss, sondern aus der Feder des mexikanischen Komponisten und Segovia-Freundes Manuel Maria Ponce (1882-1948). Die beiden hatten sich 1923 anl\u00e4sslich Segovias erster Konzertreise nach Mexiko kennengelernt, 1925 trafen sie sich in Paris wieder, wo Ponce zusammen mit seinen Kollegen Heitor Villa-Lobos und Joaquin Rodrigo die Kompositionsklasse von Paul Dukas besuchte. Um das Jahr 1930, vermutlich 1931, hat Ponce nachweislich das Pr\u00e9lude f\u00fcr Segovia komponiert, 1936 f\u00fcgte er eine zweite Stimme f\u00fcr Cembalo hinzu. Das Originalmanuskript der Soloversion wurde bedauerlicherweise bei einem Feuer zerst\u00f6rt, \u00fcberliefert ist lediglich das Manuskript der Duoversion und die Einspielung Segovias, die allerdings in etlichen Passagen voneinander abweichen.<\/p>\n<p>Johannes Klier hat die au\u00dfergew\u00f6hnliche Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte des Pr\u00e9ludes nachgezeichnet und erkl\u00e4rt im Vorwort der Ausgabe den formellen Aufbau, seine Architektur und die angewandte Kompositionstechnik. Eine ausf\u00fchrliche Version seiner Recherche inkl. Quellenangaben findet man auf seiner Homepage: <a href=\"http:\/\/johannes-klier.de\/web\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Johannes-Klier_Das-Pr\u00e9lude-S.L.Weiss_von-Manuel_Ponce_Internetfassung.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.johannes-klier.de<\/a><\/p>\n<p>Hier \u00e4u\u00dfert er sich auch \u00fcber m\u00f6gliche Gr\u00fcnde f\u00fcr das jahrzehntelange Versteckspiel. Segovia hatte angek\u00fcndigt, im zweiten Teil seiner Autobiographie die Dinge aufzukl\u00e4ren und Manuel Ponce als Komponisten dieses und anderer St\u00fccke zu benennen. Leider kam es dazu nicht mehr. Segovia verstarb 1987 im hohen Alter von 94 Jahren ohne sich je \u00f6ffentlich dazu ge\u00e4u\u00dfert zu haben.<\/p>\n<p>Die dreiseitige Notenausgabe ist eine Rekonstruktion, die der Urfassung m\u00f6glichst nah kommen soll. Quellen sind die Duo-Fassung und die Segovia-Einspielung, zudem auch J.S. Bachs Bearbeitungen seiner Solosuiten und -sonaten f\u00fcr Violine bzw. Cello. Die Ausgabe umfasst Angaben zur Dynamik, Bindungen, jedoch keine Fingers\u00e4tze. Das ist einerseits nachvollziehbar, weil aus historisch-kritischer Sicht korrekt. Allerdings w\u00e4re eine zus\u00e4tzliche mit praktikablen Fingers\u00e4tzen versehene Ausgabe kein gro\u00dfer drucktechnischer Mehraufwand und f\u00fcr interessierte Gitarrenspieler von sehr hohem praktischem Wert gewesen.<\/p>\n<p>Johannes Klier hat in m\u00fchevoller, musikwissenschaftlicher Detailarbeit die Provenienz des \u201ePr\u00e9ludes Silvius Leopold Weiss\u201c aufgekl\u00e4rt und mit der Neuausgabe einer neuen Generation von klassischen Gitarristen verf\u00fcgbar gemacht. Und auch wenn der ber\u00fchmte Lautenist S.L. Weiss selbst zur Entstehung des Werkes keinen Beitrag geleistet hat, so tr\u00e4gt es am Ende nicht zu Unrecht seinen Namen. Nur eben nicht als Komponist, sondern im Titel, denn komponiert wurde es von Manuel M. Ponce. Quod erat demonstrandum.<\/p>\n<p>Fazit: Ein gitarren-historischer Thriller mit Happy End.<\/p>\n<p>Das Heft erscheint bei Schott und kostet lohnenswerte 12 \u20ac.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Herkunft dieses Pr\u00e9ludes gab Gitarristen mehrerer Generationen R\u00e4tsel auf. Mit seiner historisch-kritischen Ausgabe bringt der M\u00fcnchner Gitarrist und Musikhistoriker Johannes Klier ein knappes Jahrhundert sp\u00e4ter Licht ins Dunkel. 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