{"id":7399,"date":"2020-02-11T15:00:25","date_gmt":"2020-02-11T14:00:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dennisschuetze.de\/blog\/?p=7399"},"modified":"2020-02-11T15:00:25","modified_gmt":"2020-02-11T14:00:25","slug":"buch-ein-coffee-to-go-in-togo-von-markus-maria-weber","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/2020\/02\/11\/buch-ein-coffee-to-go-in-togo-von-markus-maria-weber\/","title":{"rendered":"Buch: \u201eEin Coffee to go in Togo\u201c von Markus Maria Weber"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/CoffeeToGoCover.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-7398\" src=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/CoffeeToGoCover-194x300.jpg\" alt=\"\" width=\"194\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/CoffeeToGoCover-194x300.jpg 194w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/CoffeeToGoCover-661x1024.jpg 661w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/CoffeeToGoCover-768x1190.jpg 768w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/CoffeeToGoCover-991x1536.jpg 991w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/CoffeeToGoCover.jpg 1145w\" sizes=\"(max-width: 194px) 100vw, 194px\" \/><\/a>Markus Maria Weber, Jahrgang 1981, ist Unternehmensberater und nimmt ein Wortspiel allzu w\u00f6rtlich (to go \/ Togo). 2012 beschlie\u00dft er mit dem Fahrrad in das westafrikanische Land Togo zu fahren um dort einen Kaffee to go zu trinken. Die Kaffeefahrt ist allerdings nur ein Vorwand. Tats\u00e4chlich ist der gerade mal 30-j\u00e4hrige ausgebrannt von seinem Job und genervt und gelangweilt von den damit verbundenen Routinen: Berufspendelei, Kollegen, Kundengespr\u00e4che, Vorgehensschablonen, Ortswechsel. Die einzige Erleichterung bei diesen t\u00e4glichen Deja-vus verschafft ihm der regelm\u00e4\u00dfige Coffee to go, aber woher kommt der eigentlich, na schauen wir mal, so in etwa wird im Buch die Idee zur Fahrradreise wenig tiefgr\u00fcndig hergeleitet.<!--more--><\/p>\n<p>Also los, er nimmt ein Sabbatjahr (lieber mal auf Nummer sicher gehen, kein Risiko) und obwohl ihm Freunde und Verwandte tunlichst davon abraten (na toll), geht\u2019s zum Aufw\u00e4rmen erstmal in die falsche Richtung n\u00e4mlich nach Osteuropa. Weber radelt entlang des zugegebenerma\u00dfen etwas biederen Donauradwegs vom Allg\u00e4u bis ins Donaudelta. Allen Bef\u00fcrchtungen zum Trotz kommt er passabel durch, sammelt erste Erfahrungen, alles l\u00e4uft gut. Von Moldau geht\u2019s per Flieger nach Istanbul, von dort durch die T\u00fcrkei nach Griechenland und von da nach Italien. S\u00fcdeuropa, was soll da schon schief gehen? Die Erlebnisse die Weber ausf\u00fchrlichst verzeichnet hat vermutlich jeder Langstreckenradler, Autostopper oder Rucksacktourist in \u00e4hnlichen Varianten erlebt. So stehen sie auch in wirklich s\u00e4mtlichen anderen Tourberichten, egal ob mit dem Fahrrad, zu Fu\u00df oder sonstwie.<\/p>\n<p>Es setzt \u00fcber nach Italien, hier hat der Bericht eine unvermutete L\u00fccke, die nicht erkl\u00e4rt wird, Frankreich \u00fcberspringt er, weiter geht\u2019s \u00fcber entlang der Costa del Sol runter nach Gibraltar. Bis dahin hat der Text bereits die H\u00e4lfte der knapp 450 Seiten gef\u00fcllt, boah ey. Kurzfassen, sich auf das wesentliche konzentrieren und unwichtiges weglassen ist nicht unbedingt eine St\u00e4rke des Unternehmensberaters.<\/p>\n<p>Mit der F\u00e4hre \u00fcber die Meerenge und endlich Afrika. Wobei Marokko dann doch noch einigerma\u00dfen europ\u00e4isch wirkt. Gute Infrastruktur, beste Nahrungsversorgung. Kritisch und erz\u00e4hlerisch endlich auch mal spannend wird es erst ab der Wegstrecke Westsahara, Mauretanien und folgende. Hier f\u00e4hrt er gemeinsam mit anderen Radreisenden als kleine Gruppe, muss Versorgungsengp\u00e4sse, Visaschwierigkeiten und heftige Erkrankungen bew\u00e4ltigen. Nach 10.000 km Strecke wird einem der Consulter Krise um Krise immer sympathischer. Im Text nimmt er sich hier auch Zeit seine pers\u00f6nlichen Eindr\u00fccke mit der gesellschaftspolitischen Situation abzugleichen und so entstehen \u00fcber diese abgelegenen und wenig erschlossenen Gebiete einige ausdrucksstarke, pers\u00f6nliche Aussagen, die zu den besten des Buches geh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Irgendwann kommt Weber nach dieser k\u00f6rperlich strapazi\u00f6sen Reise tats\u00e4chlich in Togo an. Wie nach den Anreisestationen zu erwarten, begegnet ihm dort nichts Besonderes, sondern das normale Elend einer westafrikanischen Hauptstadt. Schlechte Stra\u00dfen, irrer Verkehr, L\u00e4rm, Abgase, viel arme Menschen usw. Der langersehnte Kaffee wird ihm mit Milchpulver anger\u00fchrt und to go in einem transparenten Plastikbeutel ausgeh\u00e4ndigt. Sogar der Bohnenkaffee, den er in irgendeinem Laden findet und aus logistischen Gr\u00fcnden erst nach seiner R\u00fcckkehr zubereitet wird, ist von minderer Qualit\u00e4t und schmeckt nicht. Aber das war sicher nicht schlimm, sondern ist nur eine finale Randnotiz.<\/p>\n<p>Webers Reisebericht ist sehr ausf\u00fchrlich, sein Stil wortgewandt, aber leider ziemlich humorlos. Es ist kein Zufall, dass er BWL studiert hat und Unternehmensberater wurde. Er kann vorausschauend planen, Situationen einsch\u00e4tzen und entsprechend handeln. Besondere Ideen, verr\u00fcckte Erkenntnisse, irre Konsequenzen sucht man bei ihm vergebens. Nicht einmal das Motto seiner Reise hat er sich selbst ausgesucht. Kultur, Musik, Kulinarik spielen bei ihm eine untergeordnete Rolle. Kleidung ist zum Anziehen da, Sprache zur Verst\u00e4ndigung. In vielen Stellen wirkt es als sei er selbst am meisten \u00fcberrascht ist \u00fcber seine Reiseunternehmung. Etwas zu oft bezeichnet er sich selbst als Abenteurer und freut sich \u00fcber seinen l\u00e4nger werdenden Bart, so als habe er ihn sich vorher noch nie wachsen lassen.<\/p>\n<p>Wieder daheim arbeitet er erstmal wieder bei derselben Firma, macht allen Ernstes denselben Job, der ihn so ange\u00f6det hat. Dann wechselt er zu einer anderen Beraterfirma und findet sein pers\u00f6nliches Gl\u00fcck schlie\u00dflich in einer Beziehung und der Geburt eines gemeinsamen Kindes.<br \/>\nEine zwingende Konsequenz hat seine Gro\u00dfunternehmung dann leider nicht. Im Buchdeckel steht ohne jede Ironie: \u201eDas Manuskript zu seinem Erstlingswerk ist auf seinen Gesch\u00e4ftsreisen, in den Lounges der deutschen Bahn, in Flugzeugen und bei unz\u00e4hligen Bechern Coffee to go entstanden.\u201c Also alles auf Anfang, alles wie gehabt, blo\u00df nichts \u00e4ndern. 14.000 km f\u00fcr nichts.<\/p>\n<p>Das Buch erscheint bei Conbook, hat leider viel zu wenige Fotos und kostet 12,95 Euro.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Markus Maria Weber, Jahrgang 1981, ist Unternehmensberater und nimmt ein Wortspiel allzu w\u00f6rtlich (to go \/ Togo). 2012 beschlie\u00dft er mit dem Fahrrad in das westafrikanische Land Togo zu fahren um dort einen Kaffee to go zu trinken. 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