{"id":7856,"date":"2020-08-16T17:31:31","date_gmt":"2020-08-16T15:31:31","guid":{"rendered":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/?p=7856"},"modified":"2020-08-16T17:31:31","modified_gmt":"2020-08-16T15:31:31","slug":"nashville-austin-jedd-hughes-waylon-payne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/2020\/08\/16\/nashville-austin-jedd-hughes-waylon-payne\/","title":{"rendered":"Nashville &#038; Austin: Jedd Hughes &#038; Waylon Payne"},"content":{"rendered":"<p>Nach einem einj\u00e4hrigen USA-Aufenthalt als Jugendlicher reiste ich im Fr\u00fchjahr 2004 erstmals als Erwachsener (vollj\u00e4hrig, mit Kreditkarte &amp; F\u00fchrerschein) nach Amerika. War es beim ersten Mal noch reiner Zufall gewesen, wo ich letztendlich gelandet war (Ohio &amp; Oklahoma), so suchte ich mir dieses Mal meine Reiseziele mit Bedacht aus, es sollten derer zwei sein. Zuerst die Music City USA, Nashville, Tennessee und danach im Direktflug nach Austin, Texas, wo w\u00e4hrend meines Aufenthalts die Musik- und Medienkonferenz SXSW stattfinden sollte.<\/p>\n<p>Nashville war f\u00fcr mich ein musikalischer Rausch. \u00dcberall wohin man schaute und h\u00f6rte Musik, Musiker, Musikl\u00e4den, Musikbegeisterte. Egal ob im damals angesagten East Nashville oder dem abgeschmackten Broadway, in Diners oder Museen, in Coffeeshops, Kneipen oder Einkauhscentern, \u00fcberall drehte es sich immer nur um das eine: Musik. Schon mittags lockte Live-Musik die Besucher von den Stra\u00dfen in die Bars und an die Theken. Im 45-Min-Takt spielten und wechselten hier namenlose Bands bis zum Abend und tief in die Nacht. Zuh\u00f6rer br\u00fcllten Songw\u00fcnsche nach vorn, die gegen ein kleines Trinkgeld selbstverst\u00e4ndlich von der Countrycombo erf\u00fcllt wurden. Einige Zuh\u00f6rer hatten sich bereits Mut angetrunken, gingen selbst vor zur B\u00fchne, stellten sich ans Mikro und sangen eine Nummer, w\u00e4hrend die Band sie dezent begleitete. Die Lieder kannten die Musiker anscheinend alle und falls doch nicht, gab man sich hintenherum Zeichen oder rief sich, w\u00e4hrend der Song bereits lief, kleine Hinweise zu.<\/p>\n<p>Ich wechselte abends von den ruppigen Kneipen in die Konzerts\u00e4le. An einem Abend im Exit In traten wieder einmal mehrere Newcomer Bands hintereinander auf, deren Namen ich allesamt nicht kannte. Einer davon war der australische Countrygitarrist und S\u00e4nger Jedd Hughes, der bereits einige Jahre zuerst in Texas, dann in Nashville lebte und es jetzt unter eigenem Namen versuchte. Sein passend betiteltes Debutalbum \u201eTranscontinental\u201c war soeben erschienen und er spielte &#8211; wie in einer solchen Karrierephase \u00fcblich &#8211; jeden Gig, den er kriegen konnte, um sein Werk zu promoten. Seine erste Single (ja, so nannte man das fr\u00fcher) war \u201eHigh Lonesome\u201c. Er war sympathisch, charismatisch und ein au\u00dferordentliches Talent, spielte Gitarre wie ein junger Gott. Seine Show dauerte 45 Min, dann musste er die B\u00fchne r\u00e4umen und eine andere Band gab ihr bestes. Mir hatte seine Show gut gefallen und ich merkte mir den Namen.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Jedd Hughes - High Lonesome\" width=\"584\" height=\"329\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/d_2vQ4E2TsQ?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Einige Tage sp\u00e4ter nahm ich einen Flieger nach Austin, Texas. Ich \u00fcbernachtete im German House einer chaotischen Studentenverbindung, deren lose Mitglieder eine gro\u00dfe, alte Villa bewohnen durften. Morgens vertrieb ich mir die Zeit mit irgendwas, nachmittags ging\u2019s los zu den Konzerten, erst die unbekannten Warm-Up-Bands, zu sp\u00e4terer Stunde die namhaften Musiker mit ihren Bands. Im Fox &amp; Hound war Jedd Hughes angek\u00fcndigt, was f\u00fcr ein Zufall, klar, dass ich da nochmal hinging, die Show war auch beim zweiten Mal hervorragend. Nach ihm kam Waylon Payne, auch er hatte gerade sein Debut \u201eThe Drifter\u201c ver\u00f6ffentlicht und war auf Promotiontour. Payne ist der Sohn des Gitarristen Jodi Payne und der Countrys\u00e4ngerin Sammi Smith, kommt quasi aus einer Countrydynasty, denn der Vater spielte Gitarre f\u00fcr Willie Nelson, seine Mutter sang f\u00fcr Waylon Jennings (sein Pate, daher der Vorname). Payne sieht aus wie James Dean, hat eine bewegte Drogenvergangenheit und hat es als Homosexueller innerhalb der USA-Countryszene vermutlich nicht immer leicht gehabt. Vielleicht sind seine Songs und seine Musik genau deswegen so tiefgr\u00fcndig und bewegend.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Waylon Payne - All the Trouble (Acoustic Video)\" width=\"584\" height=\"329\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/QR9pvZnZ1eU?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Als ich wieder nach Hause flog, hatte ich die Alben der beiden Singer\/Songwriter beide im Gep\u00e4ck und h\u00f6rte die danach viele Monate in heavy rotation, damals noch vorzugsweise beim Autofahren. Als ich mich sattgeh\u00f6rt hatte, fragte ich mich, wann wohl jeweils das Nachfolgealbum erscheinen w\u00fcrde, doch da kam nie was, weder vom einen, noch vom anderen. Payne hatte noch zwei gute, aber obskure Auftritte als Schauspieler, als Jerry Lee Lewis in \u201eWalk the Line\u201c (2005) und als Hank Garland in \u201eCrazy\u201c (2007), danach jahrelang buchst\u00e4blich nichts mehr. F\u00fcnfzehn Jahre sp\u00e4ter haben die beiden fast gleichzeitig, aber vollkommen unabh\u00e4ngig voneinander ihr jeweils zweites Album unter eigenem Namen ver\u00f6ffentlicht. Jedd Hughes: \u201eWest\u201c (2019) und Waylon Payne: \u201eBlues Eyes, the Harlot, the Queer, the Pusher &amp; Me\u201d. Hughes konnte schon einen kleinen Erfolg mit seiner ersten Single \u201eBack to You\u201c verbuchen, die mich aber leider nicht so anspricht, wie sein fr\u00fcheres Material.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"&quot;Animal Eyes&quot; | Jedd Hughes\" width=\"584\" height=\"329\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/GJ7OG3yzBHQ?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Waylon Payne ver\u00f6ffentlicht sein zweites Album in vier Akten (I-IV) im Monatsrhythmus, drei sind bereits erschienen, eines steht noch aus. Er schl\u00e4gt in dieselbe musikalische Kerbe wie fr\u00fcher und fsetzt stilistisch nahtlos an, als wenn nur 1-2 Jahre seit seinem Debut vergangen w\u00e4ren.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Waylon Payne - Sins Of The Father (Acoustic Video)\" width=\"584\" height=\"329\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/dpPFQSCrS5Y?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Keep on keeping on, Cowboys, und lasst mich bis zum n\u00e4chsten Album nicht wieder 15 Jahre warten!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach einem einj\u00e4hrigen USA-Aufenthalt als Jugendlicher reiste ich im Fr\u00fchjahr 2004 erstmals als Erwachsener (vollj\u00e4hrig, mit Kreditkarte &amp; F\u00fchrerschein) nach Amerika. 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