{"id":8158,"date":"2020-11-21T18:02:46","date_gmt":"2020-11-21T16:02:46","guid":{"rendered":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/?p=8158"},"modified":"2020-11-22T10:34:02","modified_gmt":"2020-11-22T08:34:02","slug":"der-lange-weg-zu-still-here-2020","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/2020\/11\/21\/der-lange-weg-zu-still-here-2020\/","title":{"rendered":"Album: Der lange Weg zu \u201eStill Here\u201c (2020)"},"content":{"rendered":"<p>Das Album \u201eStill Here\u201c erscheint weltweit am Freitag, den 20.11.2020 auf allen g\u00e4ngigen Streamingportalen. Hier einige Anmerkungen zur Entstehung.<\/p>\n<p><strong>Der lange Weg zu \u201eStill Here\u201c<\/strong><br \/>\nJa, es stimmt. Ich habe inkl. ein paar Unterbrechungen mehr als zwei Jahre an der Albumproduktion \u201eStill Here\u201c gearbeitet. Im Fr\u00fchjahr 2018 habe ich die Songs, die sich bis dahin angesammelt hatten, zusammengesucht, ausgew\u00e4hlt, Tonarten und Tempi festgelegt und dann Vorproduktionen mit E-Piano und Gesang zum Klick aufgenommen. Sie dienen als Basis f\u00fcr die Schlagzeugspuren, die mein langj\u00e4hriger Produktionspartner Jan Hees einspielt, und die wiederum sind dann der Anfang der eigentlichen Produktion. Die Schlagzeugspuren zu den Songs trudelten nacheinander im Verlauf einiger Wochen bei mir ein, aber irgendwie kam ich nicht in die G\u00e4nge und st\u00e4ndig kam etwas dazwischen. Teilweise musste ich mich noch an meine eigenen Songs gew\u00f6hnen, weil sie mir noch so neu und fremd waren. So verging der Sommer, dann kam der Herbst und danach der Winter. Bis auf ein paar einfache Akustikgitarren und programmierte Basslinien hatte sich nicht viel getan.<!--more--><\/p>\n<p>Anfang 2019 fiel dann meine Band auseinander. Das machte die Arbeit an der Produktion nicht gerade einfacher, hatte ich doch einige Songs riffiger als fr\u00fcher angelegt und dem Solisten auf den Leib geschrieben. Der war nun gar nicht mehr dabei und ich musste mir noch mal klar dar\u00fcber werden, wohin ich bei den Arrangements und Aufnahmen eigentlich wollte. Mich selbst habe ich nie als besonderen Instrumentalisten oder gar Solisten verstanden. Bisher hatte ich, gerade f\u00fcr die Konzerte, bei fast jedem Song Platz f\u00fcr ein Solo von jemand anderem gelassen, jetzt ging ich den umgekehrten Schritt und strich die Solos aus den Arrangements heraus oder funktionierte sie um zu auskomponierten Instrumentalparts, zum Teil unisono, so wie ich es auf den Einspielungen meiner aktuellen Lieblingsmusiker und -bands selbst gerne h\u00f6rte.<\/p>\n<p>Im Fr\u00fchjahr 2019 ging ich mit vier E-Gitarren, zwei R\u00f6hren-Verst\u00e4rkern und vielen Bodeneffekten in ein Studio und schloss mich da drei volle Tage ein um am St\u00fcck alle Parts f\u00fcr alle Songs einzuspielen. Ich gab mir wirklich M\u00fche und es lief auch alles wie geplant, aber als ich mir das Ergebnis in den folgenden Wochen durchh\u00f6rte, kickte mich das irgendwie gar nicht, es klang nach sauberem Handwerk, aber leider nicht inspiriert oder besonders. Ich legte die Produktion wieder zur Seite. Der-Afrika-Film und die Reise nach Tansania stand an und beides besch\u00e4ftigte mich bis in den Herbst.<\/p>\n<p>Inzwischen war klar, dass ich keine Band und keine Konzerte mehr hatte. Ich machte aus der Not eine Tugend und produziert nach meiner R\u00fcckkehr aus Afrika in nur wenigen Wochen das Album \u201eOne Man Band\u201c (2019). Die Songs waren schnell zusammengestellt, alles Sachen, die ich schon lange kannte und gerne spielte und in Solo-Besetzung funktionierten. Spa\u00dffaktor war also garantiert. Herausforderung war es, die Songs in Eigenregie in meinem Wohnzimmer einzuspielen und einzusingen, inkl. der Harmoniestimmen und Perkussion. Hat geklappt.<\/p>\n<p>Ende Dezember 2019 dann die gro\u00dfe Langweile, aber immer noch keine Lust auf das brachliegende Album, das immer mehr zum Ballast wurde. Nach \u201eMusic from Star Wars\u201c (2015) mit den Musikstudenten hatte ich schon seit l\u00e4ngerem eine Albumkollektion mit Bondsongs im Sinn. Zuf\u00e4llig erfuhr ich, dass der neue Bond \u201eNo Time To Die\u201c im April 2020 starten sollte. Also mal aus Interesse die Notenb\u00fccher mit Songs aus den alten Filmen bestellt, direkt nach Weihnachten wurden sie mir geliefert, an Heilige-Drei-K\u00f6nige hatte ich die Vorproduktionen f\u00fcr neun Bondsongs aufgenommen und an den Schlagzeuger geschickt. Wieder kamen in den folgenden Tagen nacheinander die fertigen Drumspuren bei mir eingetrudelt.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Aufnahme hatte ich mir vorgenommen ausschlie\u00dflich eine billige, alte Resonatorgitarre zu verwenden, die seit einiger Zeit bei mir rumstand (hatte ich notgedrungen in Zahlung genommen). Ich wollte ja weg von den bombastischen Big Band \/ Orchester-Arrangements der Originaleinspielungen, hin zu einem reduzierten Vintage-Sound, da kam mir die nasale Blechkanne gerade recht. Aber es kam noch etwas anderes dazu.<\/p>\n<p>Mitte Januar lernte ich bei einem Vortrag an der Musikhochschule die junge Cellistin Nina Clarissa Frenzel kennen. Wir unterhielten uns und vereinbarten eine erste Zusammenarbeit. Ich w\u00fcrde ihr mein Studio zeigen und sie bei der Gelegenheit etwas f\u00fcr mich einspielen. In den Tagen bis zu unserem Treffen schrieb ich Cello-Arrangements f\u00fcr die Bondsongs \u201eAnother Way to Die\u201c, \u201eGolden Eye\u201c und \u201eLive and Let Die\u201c und siehe da, es funktionierte prima, w\u00e4re ich vorher nicht darauf gekommen. Mein Album \u201eJames Bond 007\u201c erschien p\u00fcnktlich zur Absage des Films \u201eNo Time to Die\u201c im April 2020.<\/p>\n<p>In den n\u00e4chsten Monaten arbeiteten Nina und ich wie im Fieber an f\u00fcnf Alben und etlichen Singles, insgesamt etwa 50 Tracks, darunter \u201eVom Urspr\u00fcnglichen\u201c, \u201eLiving in the Shadows\u201c, \u201eMiniaturen f\u00fcr Cello &amp; Stimme\u201c, \u201ePepito\u201c. Ich lernte dabei immer besser das Klangspektrum und die M\u00f6glichkeiten des Cellos kennen. Mit Multilayering kann man damit komplette Streicherarrangements aufbauen.<\/p>\n<p>Der Sound der Bond-Produktion brachte mich wieder zur\u00fcck zu meinem eigenen Album, das nun ziemlich genau zwei Jahre in der Schublade bzw. auf der Festplatte lag. Zuerst l\u00f6schte ich alle E-Gitarren und Sample-B\u00e4sse und startete von vorne mit den Schlagzeugspuren. Ab da ging es Schlag auf Schlag: Resonator-Gitarre im Splitting-Verfahren (Mikro\/Pick Up), Cello von Nina, Piano mit neu angeschafften, sehr authentischen Sample-Sounds (NI), Orgel, Fender-E-Bass. Dann Leadges\u00e4nge und Harmoniestimmen, all das nahm vielleicht 6-8 Wochen mit jeweils 2-3 Rec-Sessions in Anspruch. Ab August wurde nur noch gemischt und gemastert, das dauerte zwar auch noch eine Weile, weil wir einen frischen Vintage-Sound fahren wollten und viel diskutiert und angepasst wurde, war aber in der Endphase von vorn bis hinten ein konstruktiver und kreativer Prozess.<\/p>\n<p>Seit Beginn des Jahres 2020 haben mehrere Ausnahmesituationen mein Leben bestimmt: Corona, Lockdown, Absage aller Konzerte, Einbruch der Einnahmen, Homeschooling, mein Vater erkrankte schwer, wurde zum Pflegefall, meine Schwiegermutter verstarb, kurz darauf auch mein Vater, heftige Ereignisse f\u00fcr die gesamte Familie, die Nerven lagen blank, harte Zeiten. Musik und die Arbeit an Produktionen waren mein einziger R\u00fcckzugsraum. Kopfh\u00f6rer auf und wenigsten f\u00fcr ein paar Stunden woanders. Das war in diesem Jahr meine Rettung, sonst w\u00e4re ich verr\u00fcckt geworden und das ist kein Spruch.<\/p>\n<p>Es waren letztendlich nur drei Personen an der kompletten Produktion beteiligt. Au\u00dfer Nina am Cello und Jan am Schlagzeug, habe ich alle Stimmen selbst eingesungen und alle Instrumente selbst gespielt. Als alles im Kasten war, ist mir aufgefallen, dass kein einziges Liebeslied dabei ist, ein Thema \u00fcber das ich sonst gerne schreibe und singe. Stattdessen geht es auf diesem Album um fundamentale Dinge des Lebens, zum Teil um die nackte Existenz, das ist f\u00fcr mich pers\u00f6nlich nicht sehr weit weg von meiner Realit\u00e4t.<\/p>\n<p>Die Arbeit an diesem Album war langwierig und anstrengend und hat mir wieder einmal alles abverlangt. Als H\u00f6rer bekommt ihr alles, was ich zu geben hatte, mehr ging nicht. Ich musste das machen, ich musste das loswerden. Jetzt, da ich das Album fertig gestellt und losgelassen habe, ist es still hier, aber ich bin noch da. Immer noch.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Album \u201eStill Here\u201c erscheint weltweit am Freitag, den 20.11.2020 auf allen g\u00e4ngigen Streamingportalen. Hier einige Anmerkungen zur Entstehung. Der lange Weg zu \u201eStill Here\u201c Ja, es stimmt. 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