{"id":8212,"date":"2020-12-08T15:45:31","date_gmt":"2020-12-08T13:45:31","guid":{"rendered":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/?p=8212"},"modified":"2020-12-08T15:45:31","modified_gmt":"2020-12-08T13:45:31","slug":"buch-auf-nach-neuland-von-monika-rech-heider","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/2020\/12\/08\/buch-auf-nach-neuland-von-monika-rech-heider\/","title":{"rendered":"Buch: \u201eAuf nach Neuland\u201c von Monika Rech-Heider"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/AufNachNeulandCover.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-8208\" src=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/AufNachNeulandCover-193x300.jpg\" alt=\"\" width=\"193\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/AufNachNeulandCover-193x300.jpg 193w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/AufNachNeulandCover-658x1024.jpg 658w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/AufNachNeulandCover-768x1196.jpg 768w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/AufNachNeulandCover-986x1536.jpg 986w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/AufNachNeulandCover-1315x2048.jpg 1315w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/AufNachNeulandCover.jpg 1592w\" sizes=\"(max-width: 193px) 100vw, 193px\" \/><\/a>Noch ein Buch \u00fcber eine Familie, die sich, ausgehend von der Initiative der Mutter, eine Auszeit nimmt um die Welt, in diesem Fall Mittel und S\u00fcd-Europa, zu bereisen. Das besondere sollte wohl sein, dass die drei Kinder von der Schulpflicht befreit sind und die Reise als Schule des Lebens erfahren sollten. Auf Anordnung der Mutter soll die Familie die l\u00e4stigen Pflichten hinter sich lassen, die Vielfalt der europ\u00e4ischen Regionen erleben und entspannt, erf\u00fcllt und gl\u00fccklich in die Routine zur\u00fcckkehren. Fazit: Eher so mittel.<!--more--><\/p>\n<p>Die Familie hat eigentlich alles, was man sich so w\u00fcnschen kann. Zufriedene Ehe, drei gesunde Kinder, erf\u00fcllende Jobs, Haus, Garten, Auto, aber gl\u00fccklich sind sie irgendwie doch nicht, meint die Mutter. Arbeit, Schule, alles so verdammt stressig. Stattdessen einfach mal alles hinter sich lassen und woanders hin, das Gl\u00fcck suchen. Warum denn nicht?<\/p>\n<p>Aber als Leser wird einem sp\u00e4testens nach der Einleitung klar, was das Problem ist: Sobald die grunds\u00e4tzliche Entscheidung gefallen ist, wird nicht mehr der Familienalltag optimiert, sondern die Reise generalsstabm\u00e4\u00dfig mitsamt aller Kosten und Nutzen durchgeplant, journalistische Verwertung in Sozialen Medien, Blog, Buchver\u00f6ffentlichung inklusive. Statt einfach eine l\u00e4ngere Reise anzusetzen, m\u00fcssen die Kinder offiziell von der Schule abgemeldet werden, daf\u00fcr werden alle m\u00f6glichen Rechtsvarianten durchgespielt. Obwohl der VW Bulli T3 vor der eigenen Haust\u00fcr steht, wird ein runtergewirtschafteter \u00fcberteuerter Camper angeschafft, wird ausgebaut und funktioniert dann doch nicht, bleibt in der Werkstatt, wird zum Kostenfresser und riesigen Klotz am Bein. Der Reisestart muss verschoben werden, der eigene Bulli aufw\u00e4ndig ausgebaut werden. Der Sommer ist zu Ende, der Herbst hat l\u00e4ngst begonnen und das Buch hat zwei Drittel hinter sich, als die verdammte Reise endlich losgeht. Es geht dann nicht nach Skandinavien, wie geplant, sondern nach Osteuropa z.B. Polen, also jetzt nicht gerade ein wahnsinnig exotisches Reiseziel, f\u00fcr manche Deutsche eher ein Tagesausflug, aber die Autorin hat echt das Talent sich die allernormalsten Erlebnisse noch als herausragend ungew\u00f6hnlich und besonders sch\u00f6nzureden.<\/p>\n<p>Es ist zusammengenommen nicht mal ein dreiviertel Jahr, das die Familie auf Reisen ist, eine griechische Insel, S\u00fcdtirol, Albanien, immer wieder unterbrochen von Aufenthalten daheim (!), wegen was f\u00fcr Gr\u00fcnden auch immer. Man zahlt in Euro, braucht keine Visa, bleibt in Europa, die Versicherungspolice deckt alles ab, blo\u00df kein Risiko, die Entdeckung von Neuland ist was anderes, Frau Rech-Heider.<\/p>\n<p>Kurz vorm Ende der Reise bemerkt die Autorin, dass es vielleicht doch ein bisschen komisch ist, wenn man Neues entdecken will und gleichzeitig die Erlebnisse in Real Time auf einem Blog, auf Facebook und Insta dokumentieren will. Dazu kommt noch regelm\u00e4\u00dfiger Kontakt mit Familie und anderen Reisenden \u00fcber Twitter und Whatsapp. Und Fotos und Filmchen m\u00fcssen ja auch noch gemacht werden. Geht\u2019s noch?<\/p>\n<p>Der Mann hat w\u00e4hrend der kompletten Reise genau gar nichts zu melden, kommt kein einziges Mal zu Wort, hat anscheinend keine Bed\u00fcrfnisse bzw. werden sie nicht formuliert, geschweige denn ber\u00fccksichtigt. Die Kinder sind froh als sie wieder zur\u00fcck sind, haben nach der \u00dcberdosis Kleinfamilie die Freunde, die Klasse, die Schule, die Vereine vermisst, m\u00fcssen Stoff nachlernen und tun sich schwer sich wieder einzuleben.<\/p>\n<p>Man muss Frau Rech-Heder zu Gute halten, dass sie offen und ehrlich Bericht erstattet, wenn auch manchmal auf fragliche Art und Weise (Briefe an Unbekannte). Es ist aber gleichzeitig heftig zu erkennen, wie viel von dem Stress, den sie empfindet, gar nicht von der Au\u00dfenwelt kommt, sondern ganz und gar hausgemacht ist. Ist gibt auch Menschen, die m\u00fcssen nicht erst ein Jahr Auszeit nehmen um zu erkennen, dass man nicht alle Kan\u00e4le bedienen muss, nicht jeden Schei\u00df mitmachen muss. Und ein Buch muss man auch nicht immer gleich \u00fcber jedes pers\u00f6nliche Erlebnis schreiben und ver\u00f6ffentlichen. Ein kommentiertes Fotoalbum f\u00fcr die eigenen Familie h\u00e4tte vollkommen ausgereicht. Bitte nicht alles zum Projekt machen, bitte nicht alles immer gleich der Welt mitteilen, bitte einfach mal zu Hause bleiben und den lieben Gott einen guten Mann sein lassen. Wie w\u00e4r\u2019s mal damit? Danke.<\/p>\n<p>Das gebundene Buch erscheint bei Benevento, hat 272 Seiten und kostet 22 Euro.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Noch ein Buch \u00fcber eine Familie, die sich, ausgehend von der Initiative der Mutter, eine Auszeit nimmt um die Welt, in diesem Fall Mittel und S\u00fcd-Europa, zu bereisen. 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