{"id":8234,"date":"2020-12-21T12:18:56","date_gmt":"2020-12-21T10:18:56","guid":{"rendered":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/?p=8234"},"modified":"2020-12-22T09:38:23","modified_gmt":"2020-12-22T07:38:23","slug":"karl-georg-roetter-ueber-still-here","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/2020\/12\/21\/karl-georg-roetter-ueber-still-here\/","title":{"rendered":"Karl-Georg R\u00f6tter \u00fcber &#8222;Still Here&#8220; (2020)"},"content":{"rendered":"<p>von Karl-Georg R\u00f6tter<\/p>\n<p>F\u00fcr sein neues Album hat sich Dennis Sch\u00fctze ganz sch\u00f6n Zeit gelassen. Zwei Jahre hat er daran gearbeitet, zwischenzeitlich sind die Konzept-Alben \u201eJames Bond 007\u201c (2020) und \u201eOne Man Band\u201c (2019) entstanden. Nun meldet er sich mit eigenst\u00e4ndigem Material zur\u00fcck. \u201eStill Here\u201c hei\u00dft das neue Werk und um es gleich mal vorweg zu nehmen: Das Warten hat sich gelohnt. Elf neue Songs sind auf \u201eStill Here\u201c zu h\u00f6ren, allesamt eigene Kompositionen. Im Grunde ist das neue Werk auch eine Art Solo-Album, denn eine feste Band hat Dennis Sch\u00fctze im Moment nicht mehr, nachdem die Vorg\u00e4nger-Combo, der Alben wie \u201eUnsong Songs\u201c (2014) oder \u201eElectric Country Soul\u201c (2013) zu verdanken waren, nicht mehr existiert. Fast alle Instrumente hat Dennis selbst aufgenommen, als da w\u00e4ren: elektrische und akustische Gitarre, Piano, Orgel, Bass und Mundharmonika. Besonders zu erw\u00e4hnen ist die Resonator-Gitarre, die hier prominent und ausf\u00fchrlich eingesetzt wird. Unterst\u00fctzt haben ihn Jan Hees am Schlagzeug und die junge Dresdner Cellistin Nina Clarissa Frenzel. Vier Songs wurden im Trio, sieben in Duo-Besetzung aufgenommen.<!--more--><\/p>\n<p>\u201eDiscovery\u201c er\u00f6ffnet das Album mit einem knackigen Rockriff, um die Songstruktur nach kurzer Zeit mit einem \u00fcberraschenden freien Improteil zu brechen. Nach dem kurzen unerwarteten Intermezzo geht\u2018s dann aber rockig weiter. In Country-Gefilde f\u00fchrt \u201eHungry &amp; Foolish\u201c, in dem erstmals die Resonator-Gitarre zum Tragen kommt. Und Dennis streut ein feines Solo ein. Wer genau hinh\u00f6rt, wird sich an einen Song von Jackson Browne erinnert f\u00fchlen. \u201eI\u2018m Still Here\u201c l\u00e4sst\u2018s dann wieder dezent rocken. Es ist im \u00dcbrigen der erste von mehreren selbstreferentiellen Songs auf der Platte. So wie auch \u201eLiving is the Slowest Way to Die\u201c, eine getragene, nachdenkliche Ballade. Aber niemand muss sich Angst um Dennis machen, schreibt er in den Liner Notes. Ihm geht es gut und das ist auch gut so. Der merkw\u00fcrdige Songtitel \u201eE7#9\u201c ist die funkbetonte Hommage an einen Gitarrenakkord, der von Bluesrockern ob seines dissonanten Klangs gerne verwendet wird. Auch Jimi Hendrix hat ihn gerne benutzt, was man Dennis\u2018 Referenz nat\u00fcrlich anh\u00f6rt. Dennis steuert bei dem Instrumental ein h\u00f6renswertes E-Gitarrensolo bei.<\/p>\n<p>\u201eMy Granddad\u201c erz\u00e4hlt die Geschichte von Dennis\u2018 Opa, den er nur aus Erz\u00e4hlungen kennt. Hier lohnt es sich ganz besonders dem Text zuzuh\u00f6ren. Denn man lernt nicht nur einen \u201eechten Typen\u201c kennen, sondern erf\u00e4hrt auch ein St\u00fcck Zeitgeschichte vom Anfang des 20. Jahrhunderts. Echte Folksong-Tradition eben. Und nochmal wird\u2018s famili\u00e4r (warum das auf diesem Album so ist, kann man <a href=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/2020\/11\/21\/der-lange-weg-zu-still-here-2020\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">an anderer Stelle<\/a> in diesem Blog nachlesen). Diesmal geht es um die Urgro\u00dfeltern, die nach Kriegsende aus ihrer polnischen Heimat vertrieben wurden und als Fl\u00fcchtlinge nach Berlin kamen. \u201eEverybody Ought to Treat a Stranger Right\u201c hat au\u00dfer dem Titel \u00fcbrigens nichts mit dem gleichnamigen Ry-Cooder-Song von dessen Album \u201eProdigal Son\u201c zu tun. Das schwerm\u00fctige bluesrockige Feeling untermalt die Thematik folgerichtig.<\/p>\n<p>In \u201eCount Myself Lucky\u201c wird\u2018s schlie\u00dflich leicht rock\u2018n rollig mit einem geh\u00f6rigen Schuss Countryfeeling. Es geht um\u2018s Abschiednehmen, aber mit einem optimistischen Blick in die Zukunft. In \u201eMississippi Queen\u201c fr\u00f6nt Dennis ganz staubtrocken dem Southern Rock, und in \u201eWalkin\u2018 Talkin\u2018\u201c wird\u2018s dann Old-School-bluesig mit einer Gospel-Atmosph\u00e4re. John Lee Hooker und die Riege der Altmeister lassen gr\u00fc\u00dfen. Der Blues hat seine Finger auch beim abschlie\u00dfenden Instrumental \u201eSilver Mood\u201c im Spiel, das man sich auch gut als Musik zu einem Film vorstellen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Aus meiner Sicht ist \u201eStill Here\u201c vielleicht das musikalisch vielseitigste Album, das Dennis Sch\u00fctze bisher ver\u00f6ffentlicht hat. Auf jeden Fall ist das pers\u00f6nlichste, was sich besonders in den Texten niederschl\u00e4gt, auf die man beim Zuh\u00f6ren achten sollte. Wer ein Faible f\u00fcr handgemachte Musik hat, sollte hier jedenfalls zugreifen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Karl-Georg R\u00f6tter F\u00fcr sein neues Album hat sich Dennis Sch\u00fctze ganz sch\u00f6n Zeit gelassen. Zwei Jahre hat er daran gearbeitet, zwischenzeitlich sind die Konzept-Alben \u201eJames Bond 007\u201c (2020) und \u201eOne Man Band\u201c (2019) entstanden. 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