{"id":8435,"date":"2021-04-14T10:43:49","date_gmt":"2021-04-14T08:43:49","guid":{"rendered":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/?p=8435"},"modified":"2021-04-14T10:43:49","modified_gmt":"2021-04-14T08:43:49","slug":"laeuft-so-kw15-2021","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/2021\/04\/14\/laeuft-so-kw15-2021\/","title":{"rendered":"L\u00e4uft so (KW15\/2021)"},"content":{"rendered":"<p>W\u00e4hrend sich die Gesellschaft von einem Lockdown zum n\u00e4chsten hangelt, gehen die Produktionsarbeiten immer weiter. Allerdings werden sie kleinteiliger, weil passend zum allgemeinen Trend weniger Album- und stattdessen immer mehr Einzeltrack-Ver\u00f6ffentlichungen in noch dazu immer k\u00fcrzeren Abst\u00e4nden produziert werden. Ein Track im Monat und am besten noch ein Video oder eine B-Seite dazu sollten es schon f\u00fcr einen Artist\/Band\/Projekt sein, sonst verschwindet man am hinteren Rand des Algorithmus, da wo es ganz dunkel und finster ist, am Rand der klingenden Scheibe, in der allerletzten Rille sozusagen. Da ich selbst mehrere Musikprojekte betreibe und zus\u00e4tzlich noch eine Hand voll andere Musiker und deren Projekte betreue, kommen da im Monat schnell mal 8-10 Einzeltracks zusammen, also das Musikaufkommen, das man vor kurzer Zeit alle paar Jahre zusammengefasst in einem Album ver\u00f6ffentlicht h\u00e4tte. Die Zyklen werden einfach immer k\u00fcrzer und folgen immer schneller aufeinander, das Tempo ist alleine kaum noch steigerbar. Da ist schnelles und effektives Arbeiten angesagt. Das bedeutet vor allem z\u00fcgige und treffsichere Beurteilungen vorzunehmen und mutige und richtige (!) Entscheidungen daraus abzuleiten. Man muss schnell erkennen, wann sich die Arbeit lohnt, ob man evtl. gerade einen Um- oder Irrweg geht oder ob es einen effektiveren Weg geben k\u00f6nnte um zu guten oder noch besseren Ergebnissen zu kommen. Dabei ist es von Vorteil, wenn man in der Vergangenheit vieles probiert hat, die schlimmsten Fehler schon begangen hat und aus ihnen gelernt hat. Nur umfangreiche Erfahrung macht einen z\u00fcgigen, effektiven Workflow \u00fcberhaupt m\u00f6glich.<!--more--><\/p>\n<p>Zur Zeit arbeite ich an folgenden Projekten: Klassische Popballade mit Sandra Buchner (voc), Nina C. Frenzel (cello), Dennis Sch\u00fctze (piano). Zwei vierstimmige Chor\u00e4le in Oktettbesetzung und Cello (Thilo Hofmann &amp; Nina C. Frenzel), reduziertes Voc\/Git-Arrangement mit Grisu Biernat, zwei Popliedproduktionen mit\/f\u00fcr Simon-Philipp Vogel, weitere Neo-Jazz-Tracks mit\/f\u00fcr Sandra Buchner, Neo-Barock\/Klassik Tracks f\u00fcr LoFiLu, EP-Album \u201eStyle Sheets\u201c f\u00fcr LoFiLu, zwei moderne Songinterpretationen unter eigener Flagge, dazu bahnen sich weitere Projekte aus dem Bereich Kammer-Folk und Solo-Klassik an. Es geht so schnell, dass mein Label langsam Schwierigkeiten hat hinterherzukommen, weil jede Woche 2-3 Track von mir geliefert werden.<\/p>\n<p>Das verr\u00fcckte dabei ist, dass sich bei mir nicht nur die Quantit\u00e4t der Produktionen, sondern auch die Qualit\u00e4t deutlich gesteigert hat. Habe r\u00fcckblickend den Eindruck, dass ich bis vor einigen Jahren Musik wie ein Hobby betrieben habe. Songs schreiben nach Lust und Laune und alle paar Jahre mal ins Studio und ein Album machen, anschlie\u00dfend jahrelang genau diese Songs bei kleinen Auftritten spielen und die gepressten CDs verkaufen. Wirkt inzwischen wie eine andere Welt f\u00fcr mich. Mittlerweile nehme ich alles alleine auf, spiele fast alle Instrumente selbst, schreibe, instrumentiere, arrangiere, mische und mastere und kann mich manchmal schon 1-2 Wochen nach der Produktion nicht mehr erinnern was, wie oder mit welchem Instrument ich einen Part gespielt habe, weil ich l\u00e4ngst an f\u00fcnf anderen Tracks arbeite. Die aktuelle, hochkreative und lebendige Produktionsarbeit ist somit quasi das Gegenst\u00fcck zu der langj\u00e4hrigen Re-Produktionsarbeit in Form von redundanten Proben und Konzerten, zumindest wie ich sie betrieben habe ohne es zu merken. Aber gesp\u00fcrt habe ich es nat\u00fcrlich schon. Deswegen fehlen mir die durch die Corona-Ma\u00dfnahmen abgesagten Konzerte aus vielen Gr\u00fcnden (Publikum, Austausch mit Musikerkollegen, Ortswechsel, Gagen), aber nicht so sehr wegen dem Musikmachen, wie es von vielen anderen Kollegen beklagt wird. Ich mache wirklich 10x mehr Musik als vor der Krise und vor allem sind es neue, kreative, dynamische, abwechslungsreiche, inspirierende Inhalte, die ich beackere. Das ist im re-produzierenden Gewerbe so kaum existent. Selbst die einfallsreichste Improvisation ist nach dem dritten Durchlauf f\u00fcr den immer wieder Beteiligten voller erkennbarer Varianten und Wiederholungen, wie sollte es auch anders sein. Da bietet die Plattform einer Musikproduktion unendlich viel mehr M\u00f6glichkeiten und das wird noch potenziert, wenn weitere Musiker beteiligt sind.<\/p>\n<p>Meine T\u00e4tigkeit hat sich in den letzten Monaten so fundamental verwandelt, dass ich wirklich gespannt bin wie die Dinge stehen, wenn sich die Situation ab dem Sommer hoffentlich entspannt. Ich wage mal zu behaupten, dass dann dieser Paradigmenwechsel erst sichtbar werden wird und die Ver\u00e4nderung im Schnellverfahren viele Verlierer und wenige Gewinner hervorgebracht haben wird. Insbesondere in den Bereichen Schule, Bildung, Soziales, Kultur, Gastronomie, Freizeit, Reise, Mobilit\u00e4t, Digitales, Finanzen wird da wohl kaum mehr ein Stein auf dem anderen stehen, auch wenn das im Moment noch nicht sichtbar ist. K\u00f6nnte mir vorstellen, dass viele Musiker und Bands, B\u00fchnen, Theater, Festivals komplett aufgegeben haben und sich das Feld neuformieren werden muss. Das ist einerseits sehr traurig, andererseits werden so auch vertrocknete Strukturen auf- und abgebrochen, die auf anderem Wege nicht mehr ver\u00e4nderbar gewesen w\u00e4ren. Dass konzertante Musikkultur fast komplett auf Null gefahren wurde, gab\u2019s nicht mal in den letzten beiden Weltkriegen. Mal sehen, was au\u00dfer den etablierten und voll-subventionierten Institutionen \u00fcbrigbleibt.<\/p>\n<p>Bei mir hat jedenfalls eine Metamorphose stattgefunden, \u00fcber die ich selbst am allermeisten staune. Obwohl es sich vorher schon deutlich abzeichnete (Aufl\u00f6sung der Live-Band, Verz\u00f6gerung des Albums, keine neuen Songs mehr etc.), hat es eine Krise globalen Ausma\u00dfes gebraucht um eine innerliche und \u00e4u\u00dferliche Ver\u00e4nderung und eine Hinwendung zu Neuem bei mir zu bewirken. L\u00e4uft also. Irgendwie.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>W\u00e4hrend sich die Gesellschaft von einem Lockdown zum n\u00e4chsten hangelt, gehen die Produktionsarbeiten immer weiter. Allerdings werden sie kleinteiliger, weil passend zum allgemeinen Trend weniger Album- und stattdessen immer mehr Einzeltrack-Ver\u00f6ffentlichungen in noch dazu immer k\u00fcrzeren Abst\u00e4nden produziert werden. 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