{"id":8921,"date":"2021-11-16T16:28:45","date_gmt":"2021-11-16T14:28:45","guid":{"rendered":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/?p=8921"},"modified":"2021-11-17T10:01:17","modified_gmt":"2021-11-17T08:01:17","slug":"noten-guitar-book-von-sigi-schwab","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/2021\/11\/16\/noten-guitar-book-von-sigi-schwab\/","title":{"rendered":"Noten: \u201eGuitar Book\u201c von Sigi Schwab"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/GuitarBookCover.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-8917\" src=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/GuitarBookCover-213x300.jpg\" alt=\"\" width=\"213\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/GuitarBookCover-213x300.jpg 213w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/GuitarBookCover.jpg 355w\" sizes=\"(max-width: 213px) 100vw, 213px\" \/><\/a>In den 1980er Jahren f\u00fchrte f\u00fcr deutsche Nachwuchsgitarristen kein Weg vorbei an Sigi Schwab. Der deutsche Gitarrist und Komponist, geb. 1940 in Ludwigshafen, war Gitarrist der RIAS Big Band in Berlin, arbeitete als Studiomusiker in ganz Deutschland, komponierte Fernseh-, Film- und B\u00fchnenmusik. Ab 1980 spielte er mit dem Diabelli-Trio (Wiener Klassik), im Duo Guitarissimo mit dem \u00f6sterreichischen Gitarristen Peter Horton und mit der Percussion Academia. Bereits in den sp\u00e4ten 1970er Jahren ver\u00f6ffentlichte er die dreib\u00e4ndige Heftreihe \u201eFolkpicking f\u00fcr Fingerstyle Guitar\u201c, die f\u00fcr viele deutschsprachige Gitarristen einen detailliert ausgearbeiteten Einstieg in seine pers\u00f6nliche, vom nordamerikanischen Fingerpicking gepr\u00e4gte Spielweise bot. Nach einem ereignisreichen und einflussreichen Berufsleben als Musiker und Gitarrist hat Schwab nun im Alter von 80 Jahren den gro\u00dfformatigen Band \u201eGuitar Book\u201c mit 30 Solo-Arrangements von Klassik bis Jazz mit Fotos und erkl\u00e4renden Texten vorgelegt. Es ist sein notiertes und kommentiertes gitarristisches Verm\u00e4chtnis.<!--more--><\/p>\n<p>Seit dem Jahrtausendwechsel hat Schwab viele Fremdkompositionen f\u00fcr Gitarre in kleiner Besetzung arrangiert und im eigenen Musikverlag Melos ver\u00f6ffentlicht, w\u00e4hrend die Ver\u00f6ffentlichung von Einspielungen eigenen Repertoires sp\u00fcrbar zur\u00fcckging. Dass Schwab noch Solo-Arrangements f\u00fcr Gitarre in der Schublade liegen hatte, davon war auszugehen, umso sch\u00f6ner, dass sie nun in einem w\u00fcrden Rahmen ver\u00f6ffentlicht wurden. Ein klein wenig unbescheiden wird das ringgebundene Heft mit einem Vorwort in drei Sprachen er\u00f6ffnet (englisch, deutsch, japanisch), alle weiteren Texte auf englisch und deutsch, man zielt also klar ab auf eine internationale Leserschaft.<\/p>\n<p>Die ersten 12 St\u00fccke sind Arrangements von etwas abgespielten US-amerikanischen Jazzklassikern wie z.B. \u201eAin\u2019t Misbehavin\u2018\u201c, \u201eLullaby of Birdland\u201c oder \u201eTake Five\u201c. Aufbau ist immer gleich: 4 oder 8-taktiges Intro, mehrstimmig ausarrangiertes Thema, Outro.<br \/>\nVon den im Vortext postulierten, jazztypischen Herangehensweisen Variation oder Improvisation ist im Notentext nicht mehr viel zu finden. Schwab neigt ja von Haus aus zu einer akribisch pr\u00e4skriptiven Notation, oft wird das Tempo in genauen BPMs angegeben, dazu Spielanweisungen (italienisch!), Saitenangaben, genaueste Fingers\u00e4tze (in handschriftlichem gr\u00fcn) und Akkordbezeichnungen (in handschriftlichem rot). G\u00e4nzlich fehlen tun allerdings dynamische Angaben und Vorgaben zu swing bzw. straight 8s, die bei Jazznotationen einen entscheidenden Unterschied machen.<\/p>\n<p>Es folgen 6 Popsongs wie z.B.: \u201eBlackbird\u201c, \u201eDowntown\u201c oder \u201eHeal the World\u201c, darunter alleine 3 Beatles- bzw. eigentlich ja McCartney-Kompositionen (\u201eBB\u201c, \u201eEleanor Rigby\u201c, \u201eYesterday\u201c) und 2x Michael Jackson (Heal\u2026\u201c, \u201eI\u2019ll be here\u201c), eine Auswahl mit deutlich limitierter kompositorischer Bandbreite. Ob Jackson nach den Enth\u00fcllungen der letzten Jahre und dem damit einhergehenden Cancelling aus den Playlisten der Radios dieser Welt so eine gute Wahl ist, sei mal dahingestellt. Aber gerade im Kosmos Pop h\u00e4tte es soviel andere, bessere, popul\u00e4rere und zeitgem\u00e4\u00dfere Titel gegeben. Da merkt man dann doch, dass der Autor kein junger Mann mehr ist.<\/p>\n<p>Zum Schluss gibt es noch 12+1 Kompositionen \u00fcberwiegend von Schwab selbst, aber auch einige arrangierte Traditionals und jeweils 1x H\u00e4ndel und 1x Bach. Einen Bonustitel von Filippo Gragnani gibt\u2019s zum Download obendrauf. Von Schwab\u2019s eigenen Titeln erwartet man als alter Eleve nat\u00fcrlich am meisten, wird aber vermutlich am gr\u00f6\u00dften entt\u00e4uscht. Geht schon damit los, dass man die St\u00fccke nicht anh\u00f6ren kann, eine Einspielung liegt dem Heft weder als CD bei, noch gibt es ein Online-Angebot zum Download oder Stream. Die Kompositionen selbst sind okay, aber leider auch nicht mehr. Keinerlei Kracher wie die Highlights der Guitarissimo-Phase, sehr schade. Was H\u00e4ndel und Bach in der Ausgabe verloren haben, bleibt fraglich. Klar sind die beiden herausragende deutsche Komponisten, aber beide haben nicht f\u00fcr Gitarre komponiert, noch dazu gibt es die abgedruckten Transkriptionen in weitaus besseren und vollst\u00e4ndigeren Ausgaben. Nur am Rande wird erw\u00e4hnt, das Bachs Pr\u00e4ludium (BWV 1007) eigentlich Teil einer kompletten Suite ist, die weitere S\u00e4tze fehlen allerdings. Eine, wenn auch noch so sch\u00f6ne Teilkompositionen derma\u00dfen aus dem musikhistorischen Kontext zu rei\u00dfen, passt leider gar nicht zu dem in den Texten formulierten Anspruch. Ungew\u00f6hnlich, fast schon unfreiwillig komisch, dass Schwab auch bei H\u00e4ndel und Bach Akkordsymbole dazuschreibt.<\/p>\n<p>Hier der gesamte Inhalt in chronologischer Reihenfolge: Ain\u2019t Misbehavin\u2018 \u2013 Basin Street Blues \u2013 Close To You \u2013 Lullaby Of Birdland \u2013 Moonglow \u2013 Moonlight In Vermont \u2013 Round Midnight \u2013 Stormy Weather \u2013 Take Five \u2013 Taking A Chance On Love \u2013 The Work Song \u2013 West Coast Blues<\/p>\n<p>Black Bird \u2013 Downtown \u2013 Eleanor Rigby \u2013 I\u2019ll Be There \u2013 Heal The World \u2013 Yesterday<\/p>\n<p>African Colours \u2013 Blue Serenade \u2013 Capriccio Bavarese \u2013 Jazz Me, I\u2019m Bluesy \u2013 Jazz-Suite Nr. 1 \u2013 Jogging \u2013 Laschia Ch\u2019io Pianga \u2013 Memos Lullaby \u2013 Nobody Knows The Trouble I\u2019ve Seen \u2013 Parvati \u2013 Prelude BWV 1007 \u2013 Swing Low, Sweet Chariot Schwierigkeitsgrad: 3-4<\/p>\n<p>Fazit: Als Sigi-Schwab-Eleve kann man vermutlich nicht anders und will mindestens einen Blick ins Heft werfen und wird dann versuchen wenigstens einige der Arrangements anzuspielen und vielleicht doch noch sowas wie \u201eFootstompers Stagefright\u201c oder \u201eJagd den Beelzebub\u201c zu finden. Stattdessen ist die Auswahl der Kompositionen etwas fade, die Arrangements solide, aber technisch zu anspruchsvoll f\u00fcr das durchschnittliche Klangergebnis und irgendwie will auch nicht so die rechte Spielstimmung aufkommen. Wenn man dann aus Interesse nach Jahrzehnten mal wieder in die alten Guitarissimo-Aufnahmen rein h\u00f6rt, f\u00e4llt einem schlagartig auf wie grausam und schrecklich diese mit billigem Chorus und Flanger angereicherten Piezotonabnehmer der alten Ovationgitarren geklungen haben. Es ist kaum auszuhalten und wird nicht besser dadurch, dass Schwab im Begleittext genau diesem l\u00e4ngst \u00fcberholten Sound eine eigene Lobeshymne widmet (Danke f\u00fcr nichts an Hans Thomann an dieser Stelle). Ist halt auch nicht mehr der J\u00fcngste der gute, alte Sigi und die Zeiten haben sich ge\u00e4ndert. In den 90ern kam die gro\u00dfe Akustikwelle mit MTV-Unplugged, dann Brit Pop und Americana mit vielen jungen Singer\/Songwritern, danach Youtube, Spotify, Tic Toc. Musik, Gesang und Gitarrenspiel sind l\u00e4ngst auf einem ganz anderen Niveau, man kommt heute als interessierter Fingerpicker an Detailwissen, f\u00fcr das man fr\u00fcher seinen kleinen Finger (nat\u00fcrlich nur der rechten Hand!) gegeben h\u00e4tte. Im Lichte dieser Entwicklungen wird einem klar wie weit die Herangehensweise von Sigi Schwab doch zur\u00fcckliegt. Es sind je nach Standpunkt eben doch mehr als drei oder vier Jahrzehnte. Hast dich wacker geschlagen, viel bewegt, viele Menschen mit deiner Musik gl\u00fccklich gemacht und etliche junge Leute zur Gitarre gebracht. Das ist ein gro\u00dfes Verdienst, aller Ehren wert und das kann ihm keiner nehmen!<\/p>\n<p>\u201eGuitar Book\u201c erscheint als gro\u00dfformatiges Ringbuch bei Schott, hat 94 Seiten und kostet 35\u20ac.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den 1980er Jahren f\u00fchrte f\u00fcr deutsche Nachwuchsgitarristen kein Weg vorbei an Sigi Schwab. 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