{"id":9047,"date":"2022-01-06T12:12:16","date_gmt":"2022-01-06T10:12:16","guid":{"rendered":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/?p=9047"},"modified":"2022-01-06T13:59:47","modified_gmt":"2022-01-06T11:59:47","slug":"film-the-beatles-get-back-2021","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/2022\/01\/06\/film-the-beatles-get-back-2021\/","title":{"rendered":"Film: The Beatles &#8211; Get Back (2021)"},"content":{"rendered":"<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"The Beatles: Get Back | Official Trailer | Disney+\" width=\"584\" height=\"329\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/Auta2lagtw4?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Teil 1: Tag 1-7 (2:37), Songwriting &amp; Proben in Twickenham Studios<br \/>\nTeil 2: Tag 8-16 (2:53), Songwriting &amp; Proben in Apple Studios<br \/>\nTeil 3: Tag 17-22 (2:18), Proben &amp; Roof Top Konzert<\/p>\n<p>Die ersten Tage im neuen Jahr habe ich daf\u00fcr genutzt die dreiteilige, insgesamt fast 8h lange Dokumentation \u201eThe Beatles: Get Back\u201c auf Disney+ anzusehen. Der neuseel\u00e4ndische Filmemacher Peter Jackson hat daf\u00fcr 60h historisches Filmmaterial und 120h Audiomitschnitte aus dem Januar 1969 gesichtet, durchgeh\u00f6rt, massiv gek\u00fcrzt und zu einem einzigartigen, musikgeschichtlichen Dokument zusammengestellt. Geplant waren damals die Vorbereitungen zu einem neuen Album der Beatles und die Pr\u00e4sentation vor einem Live-Publikum in einer TV-Show mit einer Art Making-Off vorzubereiten. Daf\u00fcr trafen sich die Beatles in den Twickenham Studios, wo in einer riesigen, leeren und k\u00fchlen Halle alles vorbereitet werden sollte. Die Band startet bzgl. Songs und Aufnahmetechnik quasi bei Null, ein konkreter Plan lag offensichtlich nicht vor, er werden Instrumente, Mikrophone, Verst\u00e4rker, Bandmaschinen etc. aufgebaut, man trifft sich fast t\u00e4glich, sie begr\u00fc\u00dfen sich, spielen alte eigene Songs und alte Repertoirest\u00fccke, die zur\u00fcckreichen bis zu Hamburger Zeiten, die Beatles probieren aus, driften ab in Freie Improvisationen, stellen sich gegenseitig Fragmente neuer Songs vor, sie wechseln Instrumente durch, probieren neuartige Instrumente, es wird gefr\u00fchst\u00fcckt, Kaffee getrunken, Wein getrunken, sehr viel geraucht und noch sehr viel mehr geredet, gealbert, diskutiert und gestritten.<\/p>\n<p>50 Jahre sp\u00e4ter kann man diese internen Geschehnisse gem\u00fctlich auf dem Sofa zuhause mitansehen. \u00dcber lange Strecken passiert relativ wenig. Die Beatles tasten sich voran, stets mit auff\u00e4llig viel Respekt f\u00fcr die Kollegen und deren Standpunkte und Ideen, und immer wieder, verteilt \u00fcber etliche Stunden Film darf man dann die Genese von klassischen Songs wie \u201eGet Back\u201c, \u201eSomething\u201c oder gar \u201eLet it be\u201c miterleben. Meist gehen die einzelnen Songs ja auf das Konto eines Songschreibers, die Akkordfolgen und Melodien sind schon vorhanden, es fehlt noch Text, Form, Instrumentierung und Arrangement. W\u00e4hrend der Songschreiber Platzhaltertexte zum Song brabbelt, probieren die Kollegen schon ihre Parts dazu, kommentieren was ihnen gut gef\u00e4llt, machen Vorschl\u00e4ge wie es textlich weitergehen k\u00f6nnte, halten sich aber auch oft genug zur\u00fcck und lassen den Prozess einfach vor sich hinlaufen.<\/p>\n<p>Immer wieder gibt es Ver\u00e4nderungen auf die die Gruppe gelassen und unaufgeregt reagiert. Gleich kurz nach dem Beginn kommt es zu Spannungen zwischen George Harrison und Paul McCartney. Letzterer verlangt mehrfach eine klare Zielsetzung, einen Plan ein und erscheint innerhalb der Band immer mehr als Entscheider, Macher, fast als Produzent. Harrison bleibt den Treffen f\u00fcr einige Tage fern, die anderen proben weiter, treffen sich mit ihm (ohne Kameras) und holen ihn wieder zur\u00fcck. Irgendwann wird klar, dass es zu keiner TV-Show kommen wird und das mobile Aufnahme-Equipment und die unguten akustischen Verh\u00e4ltnisse des Filmstudios nicht funktionieren. Kurz wird \u00fcber ein spontanes Konzert in einem Amphitheater in Libyen oder auf einem Kreuzfahrtschiff spekuliert, dann entscheidet man sich daf\u00fcr die Aufnahmen im frisch er\u00f6ffneten, Beatles-eigenen Apple-Studio im Keller eines Geb\u00e4udes in London weiterzuf\u00fchren. Der bisherige Aufnahmeleiter Glyn Johns wird inzwischen technisch von George Martin unterst\u00fctzt, immer wieder redet Martin auch mit der Band \u00fcber Songs und Arrangements.<\/p>\n<p>Die Band macht wieder und wieder Take um Take von denselben Songs und merkt selbst, dass etwas fehlt, da kommt der amerikanische Keyboarder Billy Preston zu Besuch vorbei, ihn kennen sie noch aus Hamburger Starclub-Tagen. Er wird prompt an das brandneue Fender Rhodes gesetzt das schon im Raum steht, zus\u00e4tzlich wird eine Hammond-Orgel mit Leslie aufgebaut. Preston ist ab sofort als stiller Sideman dabei, wird \u00fcbergangslos in den Bandorganismus aufgenommen, durch sein Spiel nehmen die Arrangements nun die Gestalt an, die wir heutzutage kennen.<\/p>\n<p>Weil die Konzepte TV-Show, Konzert und traditionelle Albumproduktion geplatzt sind, sucht man nach einer zeitnahen Pr\u00e4sentationsform, inzwischen sind ca. 7 Songs fertig, neue Songs wurden durch alte (\u201e909\u201c) und ein Traditional (\u201eMaggie Mae\u201c) erg\u00e4nzt, aber definitive Takes sind noch nicht vorhanden. Es entsteht die naheliegende Idee ein unangemeldetes Spontan-Konzert auf dem Flachdach des eigenen Geb\u00e4udes abzuhalten. Fast alle haben Lust auf diese verr\u00fcckte Idee, einige wie McCartney erhoffen sich davon einen energetischen Schub, weil sie sich immer noch als erfahrene Live-Band verstehen, deswegen soll die Performance mitgeschnitten werden und tats\u00e4chlich werden mehrere der dort entstandenen Aufnahmen den koordinierten Studioaufnahmen bei der Ver\u00f6ffentlichung des Albums vorgezogen.<\/p>\n<p>Das eigentliche Konzert, das, worauf die ganze Dokumentation hinausl\u00e4uft, ist dann tats\u00e4chlich befreiend und katalytisch. Die Musiker wirken unbefangen und gel\u00f6st, haben Lust zu spielen, sind hochenergetisch, behalten aber gleichzeitig voll die Kontrolle. Das Konzert bringt die F\u00e4higkeit der Beatles gro\u00dfe Kunst aus dem Nichts zu erschaffen im Wesentlichen auf den Punkt. Selbst als die Polizei anr\u00fcckt um die \u201eRuhest\u00f6rung\u201c zu beenden (was f\u00fcr eine epochale Fehleinsch\u00e4tzung) und zwei Bobbys schon neben der B\u00fchne auf dem Dach stehen, scheint das die Spielfreude der f\u00fcnf (Preston ist auch dabei) nur weiter zu befl\u00fcgeln, vor allem bei McCartney, der sich das Schmunzeln in dieser absurden Situation offensichtlich nicht verkneifen kann. Lennon und Harrison haben gleichzeitig keinerlei Interesse an den organisatorischen Details hinter und neben sich und sind trotz des ganzen fragilen Chaos vollkommen und ganz in ihrer Musik versunken, das ist wundersch\u00f6n anzusehen.<\/p>\n<p>Fazit: Auch wenn die ganze Doku lange dauert, so ist sie nat\u00fcrlich au\u00dferordentlich sehenswert, insbesondere wohl f\u00fcr Musiker, weil man erkennen kann, dass gro\u00dfe Musik und Kunst immer wieder naiv aus dem Nichts erschaffen wird. Diesem unschuldigen und intimen Schaffensprozess f\u00fcnf Jahrzehnte sp\u00e4ter so nah beiwohnen zu d\u00fcrfen ist ein gro\u00dfes Geschenk, auch wenn sich die Kameraleute w\u00e4hrend der vielen Stunden im Januar 1969 vermutlich gefragt haben, was machen die Beatles da eigentlich und warum sollen wir das filmen. Man wei\u00df ja immer erst hinterher was rauskommt und man sollte nicht zweifeln w\u00e4hrend man noch mittendrin steckt. Am Ende entstand eines der erstaunlichsten Alben der Popmusikgeschichte mit Songs wie \u201eLet it Be\u201c und \u201eThe Long and Winding Road\u201c, gleichzeitig ein legend\u00e4res Abschlussalbum, denn im April 1970 verk\u00fcndete McCartney seinen Ausstieg bei den Beatles, vier Wochen sp\u00e4ter erschien das Album \u201eLet It Be\u201c. Die vier sollten nie wieder zusammen spielen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Teil 1: Tag 1-7 (2:37), Songwriting &amp; Proben in Twickenham Studios Teil 2: Tag 8-16 (2:53), Songwriting &amp; Proben in Apple Studios Teil 3: Tag 17-22 (2:18), Proben &amp; Roof Top Konzert Die ersten Tage im neuen Jahr habe ich &hellip; <a href=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/2022\/01\/06\/film-the-beatles-get-back-2021\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[36,5,12,2,8,24,22],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9047"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9047"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9047\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9055,"href":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9047\/revisions\/9055"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9047"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9047"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9047"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}