{"id":9265,"date":"2022-04-19T14:27:06","date_gmt":"2022-04-19T12:27:06","guid":{"rendered":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/?p=9265"},"modified":"2022-04-19T14:27:06","modified_gmt":"2022-04-19T12:27:06","slug":"buch-colonel-tom-parker-james-l-dickerson","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/2022\/04\/19\/buch-colonel-tom-parker-james-l-dickerson\/","title":{"rendered":"Buch: \u201eColonel Tom Parker\u201c &#8211; James L. Dickerson"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/ColonelTomParkerCover.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-9264\" src=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/ColonelTomParkerCover-195x300.jpg\" alt=\"\" width=\"195\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/ColonelTomParkerCover-195x300.jpg 195w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/ColonelTomParkerCover-666x1024.jpg 666w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/ColonelTomParkerCover-768x1182.jpg 768w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/ColonelTomParkerCover-998x1536.jpg 998w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/ColonelTomParkerCover-1331x2048.jpg 1331w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/ColonelTomParkerCover.jpg 1664w\" sizes=\"(max-width: 195px) 100vw, 195px\" \/><\/a>Der US-amerikanischer Sachbuchautor James L. Dickerson hat seit Mitte der 1990er Jahre mehr als 30 Sachb\u00fccher und Biographien zu Musik aus den S\u00fcdstaaten ver\u00f6ffentlicht darunter herausragende Titel \u00fcber z.B. Scotty Moore, Lil Hardin Armstrong, Dixie Chicks, aber auch regional-kulturelle Themen wie \u201eMemphis Going Down\u201c (2013), \u201eMojo Triangle\u201c (2005) und \u201eGoin\u2018 Back to Memphis\u201c (1996). Nun hat er sich mit dem Musikmanager Colonel Tom Parker befasst, dem lebenslangen und karrierebestimmenden Manager Elvis Presleys, der mit seiner zwielichtigen und r\u00fccksichtslosen Agenda eine ber\u00fcchtigte Figur der kommerziellen Verwertung popul\u00e4rer Musikkultur wurde. \u201eColonel Tom Parker: The Curious Life of Elvis Presley\u2019s Eccentric Manager\u201c erschien 2018 im amerikanischen Original und im Fr\u00fchjahr 2022 in deutscher \u00dcbersetzung.<!--more--><\/p>\n<p>Andreas Cornelis Dries van Kuijk war Ende der 1920er Jahre illegal aus den Niederlanden in die USA eingereist und hatte sich dort zu Tom Parker umbenannt. Er sollte im weiteren Verlauf seines Lebens nie eine legale Aufenthaltserlaubnis besitzen. Den Titel \u201eColonel\u201c erhielt er nach der erfolgreichen Wahlkampagne f\u00fcr den sp\u00e4teren Gouverneur von Louisiana Jimmie Davis. Parker stammte aus dem beruflichen Umfeld reisender Schausteller, hatte vielf\u00e4ltige Erfahrung und Kontakte, engagierte sich ab 1938 zum Konzertpromoter und schlie\u00dflich zum pers\u00f6nlichen Manager von Musikern und vertrat K\u00fcnstler wie Eddy Arnold, Tommy Sands und Hank Snow. 1955 stie\u00df er auf den damals nur regional durch wenige Singles bekannten, blutjungen, nicht mal ganz vollj\u00e4hrigen Rockabilly S\u00e4nger Elvis Presley, erkannte dessen Talent und wurde innerhalb weniger Wochen und Monate sein Manager mit allen erforderlichen Befugnissen.<\/p>\n<p>Parker f\u00e4delte den Wechsel von SUN-Records zu RCA und die damit verbundene, hohe Abl\u00f6se ein, stellte Verbindungen zur Filmindustrie in Hollywood her, er organisierte Konzerttermine, Pressekonferenzen, TV-Auftritte, im weiteren Verlauf war er sogar mitverantwortlich f\u00fcr die Auswahl von Promo-Fotos, Merchandise, Filmstoffen und Songs. Er hatte sich vertraglich ungew\u00f6hnlich hohe Anteile gesichert und agierte skrupellos zu seinem eigenen, wirtschaftlichen Vorteil. Weil sich seine Beteiligungen an Filmen besonders lukrativ waren und noch dazu mit wenig Arbeit verbunden waren, wurde Presleys Konzertt\u00e4tigkeit zuerst deutlich reduziert und im Verlaufe der 1960er Jahre nahezu komplett eingestellt. Auch h\u00f6chstpers\u00f6nliche Entscheidungen wie Milit\u00e4rdienst, etwaige Konzertreihen im Ausland oder gar \u00dcbersee, sowie die Hochzeit mit Priscilla wurden seitens Parkers massiv im eigenen Interesse gesteuert.<\/p>\n<p>James L. Dickerson legt eine ausf\u00fchrliche Biographie und Dokumentation der Ereignisse vor. Die ersten 30 Jahre bis Anfang der 1950er Jahre sind allerdings schnell erz\u00e4hlt, weil sie gr\u00f6\u00dftenteils unbelegt im Dunkeln liegen. Im weiteren Verlauf ist die Geschichte eng mit der von Presley verbunden, auch wenn sich die beiden Figuren pers\u00f6nlich nicht sehr nahestanden. Immer wieder begegnen sie sich jahrelang nicht, so z.B. bereits am Anfang ihrer Zusammenarbeit w\u00e4hrend Presley Zeit als Soldat in Deutschland. Die gro\u00dfe Frage ist immer wieder: Wie w\u00e4re wohl Presleys Karriere und auch sein Leben verlaufen, wenn sie nicht so stark von Parker gesteuert worden w\u00e4re? H\u00e4tte er es ohne Parkers Einsatz \u00fcberhaupt geschafft eine anhaltende nationale Ber\u00fchmtheit zu werden? Noch interessanter aber: H\u00e4tte er sich in anspruchsvolleren Stoffen besser als Schauspieler entwickeln k\u00f6nnen? Wie w\u00e4ren die k\u00fcnstlerisch verlorenen 1960er Jahre verlaufen? H\u00e4tte er mit der urspr\u00fcnglichen Besetzung seiner Band ebedeutendere musikalische Impulse setzen k\u00f6nnen? Was h\u00e4tte aus der vielversprechenden Phase Ende der 1960er (\u201eComeback Special\u201c, \u201eBack in Memphis\u201c) erwachsen k\u00f6nnen? Was h\u00e4tte sich ohne die unendlichen, repetitiven Konzertreihen in Las Vegas in den 1970ern entwickeln k\u00f6nnen? H\u00e4tte Parker Elvis\u2018 k\u00f6rperlichen Verfall erkennen und aufhalten m\u00fcssen\/k\u00f6nnen? Das alles sind Fragen, die man sich als Leser stellt, die aber wohl leider unbeantwortet bleiben m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Dickerson liefert sehr viele interne Daten \u00fcber Vereinbarungen und Vertragsinhalte, die aber zum Teil schwer in ihrer Konsequenz zu ermessen sind. Klar wird jedoch \u00fcber die ganze L\u00e4nge des Buches hinweg, dass sich Parker unethisch verhalten und ma\u00dflos bereichert hat, was sp\u00e4ter ja auch von Gutachtern und einem Gerichtsurteil best\u00e4tigt wurde. Zugute kam ihm dabei, dass Elvis und seiner Vater Vernon anscheinend vollkommen naiv und ahnungslos waren, nichts in Frage gestellt haben, nie jemals einen Anwalt zur \u00dcberpr\u00fcfung der Vertr\u00e4ge einschalteten, sondern alle ihnen vorgelegten Dokumente teilnahmslos unterzeichneten. Immer wieder wird im Text auch \u00fcber Verflechtungen oder Verpflichtungen zwischen Parker, Elvis und der Gl\u00fccksspielmafia spekuliert. Auch Attentatsandrohung, FBI-Ermittlungen und Klagen vor Gericht spielen eine Rolle, verlaufen aber fast ausnahmslos im Sande.<\/p>\n<p>Erst nach dem Tod von Elvis im Jahr 1976 \u00fcbernimmt Priscilla die Gesch\u00e4fte und bringt in einem Jahrelangen Prozess etwas Licht ins Dunkel. Sie trennt sich von Parker, der danach noch fast 20 Jahre weiterlebt und im Jahr 1997 einsam stirbt.<\/p>\n<p>Fazit: Ausf\u00fchrliche, etwas langatmige Lekt\u00fcre. Empfehlung nur f\u00fcr Die-Hard-Elvis-Fans. Gibt es die eigentlich noch?<\/p>\n<p>Das Taschenbuch erscheint bei hannibal, hat 320 Seiten und kostet 25 Euro.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der US-amerikanischer Sachbuchautor James L. Dickerson hat seit Mitte der 1990er Jahre mehr als 30 Sachb\u00fccher und Biographien zu Musik aus den S\u00fcdstaaten ver\u00f6ffentlicht darunter herausragende Titel \u00fcber z.B. 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