{"id":9373,"date":"2022-06-04T08:00:36","date_gmt":"2022-06-04T06:00:36","guid":{"rendered":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/?p=9373"},"modified":"2022-06-03T12:29:27","modified_gmt":"2022-06-03T10:29:27","slug":"buch-doener-eine-tuerkisch-deutsche-kulturgeschichte-eberhard-seidel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/2022\/06\/04\/buch-doener-eine-tuerkisch-deutsche-kulturgeschichte-eberhard-seidel\/","title":{"rendered":"Buch: \u201eD\u00f6ner. Eine t\u00fcrkisch-deutsche Kulturgeschichte\u201c \u2013 Eberhard Seidel"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-9365\" src=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/DoenerCover-180x300.jpg\" alt=\"\" width=\"180\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/DoenerCover-180x300.jpg 180w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/DoenerCover.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 180px) 100vw, 180px\" \/>Eberhard Seidel, stammt aus dem fr\u00e4nkischen Sommerhausen, studierte Soziologie und lebt in Berlin. Er arbeitete viele Jahre als freier Journalist und schlie\u00dflich als Leiter des Inlandsressorts der taz. Bereits 1996 erschien von ihm \u201eAufgespie\u00dft. Wie der D\u00f6ner \u00fcber die Deutschen kam\u201c. Nun, mehr als 25 Jahre sp\u00e4ter, erf\u00e4hrt seine umfassende Betrachtung ein Update. Der Titel des aktuellen Buches lautet schlicht: \u201eD\u00f6ner\u201c.<!--more--><\/p>\n<p>Seidel hat die Geburt und weitere Entwicklung des D\u00f6ner Kebap in West-Berlin, in Westdeutschland und sp\u00e4ter auch in den neuen Bundesl\u00e4ndern von Anfang an selbst miterlebt und akribisch protokoliert. Anscheinend hat das mit Grillfleisch gef\u00fcllte Fladenbrot bei ihm schon fr\u00fch einen Nerv getroffen und als kulinarisch interessierter Soziologe hat er fr\u00fch das gesellschaftspolitische und kulturgeschichtliche Potential darin erkannt. In sieben Kapiteln stellt er in seinem neuen Buch Herkunft, Entwicklung, Neuinterpretation, Aufstieg und Erfolgsgeschichte des D\u00f6ners und seiner Macher in Deutschland dar. Es geht dabei auch und immer wieder um t\u00fcrkische Gastarbeiter, die hier arbeiten und leben, irgendwann ihre Familien nachholen und schlie\u00dflich ganz hierbleiben und aus Mangel an anderen M\u00f6glichkeiten ihre eigene Versorgung mit heimatlichen Lebensmitteln organisieren. Der D\u00f6ner wird dann nicht nur f\u00fcr sie, sondern auch ihre Mitmenschen eine schnelle, g\u00fcnstige und schmackhafte Alternative zu der bis dahin allgegenw\u00e4rtigen Br\u00fch-, Brat- und Currywurst und im Laufe der Jahre immer popul\u00e4rer.<\/p>\n<p>Der Autor m\u00e4andert anekdotisch durch Bonner und Berliner Republik, dokumentiert alte Rezepte, berichtet von den Versuchen der Einwanderer sich mit Imbissst\u00e4nden selbst\u00e4ndig zu machen, es geht um die Metzger, die die D\u00f6nerspie\u00dfe mit Fleischlappen und Hackfleisch aufbauen und tiefgefroren und in viele Schichten Folie gerollt f\u00fcr die Imbissbetreiber bereitstellen. Aber auch die Berliner Verkehrsauffassung f\u00fcr das Fleischerzeugnis \u201aD\u00f6ner Kebap\u2018, die \u201eD\u00f6ner-Mafia\u201c und \u201eD\u00f6ner-Morde\u201c spielen eine Rolle in der unterhaltsamen, manchmal vielleicht etwas zu gef\u00e4llig verfassten Schrift. Teilweise wird leider zu deutlich, dass der Autor auf seinen bereits vorliegenden Recherchen des ersten D\u00f6ner-Bucher aufbaut. Die meisten der pers\u00f6nlich gef\u00fchrten Interviews mit Protagonisten der Szene stammen aus den 1980er und 1990er Jahren, durch die wiederholten Beschreibung der damaligen Verh\u00e4ltnisse (\u201eMauerfall\u201c, \u201eWilder Osten\u201c etc.) und Preisangaben in D-Mark, wirken etliche Passagen krass aus der Zeit gefallen. Aus den vergangenen 20 Jahren seit der Jahrtausendwende gibt es dagegen erstaunlich wenig zu berichten. Hier beschr\u00e4nkt sich die Darstellung auf Betrachtungen der gro\u00dfen D\u00f6nermetzgereien und Vertriebe.<\/p>\n<p>\u201eD\u00f6ner\u201c ist eine zwar interessante, aber auch etwas ausschweifende und frei assoziierte Erz\u00e4hlung rund um das Faustfood t\u00fcrkischer Herkunft. Seidel erkennt darin das beliebte und erschwingliche kulinarisch-soziale Bindemittel zwischen Orient und Okzident, zwischen Islam und Christentum, zwischen Einwanderern und Bio-Deutschen, zwischen Vergangenheit und Moderne. Ja, die Geschichte ist interessant und exemplarisch und auf vielerlei Weisen interpretierbar. Ob Seidel mit seiner Begeisterung und journalistisch-distanzierten Schreibweise den gemeinen D\u00f6neresser erreicht, ist nicht dagegen ganz so sicher. F\u00fcr den Preis des Buches bekommt der auch vier D\u00f6ner mit Scharf, k\u00f6nnte sein, dass das als lohnenderes Investment betrachtet wird.<\/p>\n<p>Wichtigste Erkenntnis: \u201eEin D\u00f6ner ohne Ayran ist nur ein halber Genuss.\u201c<\/p>\n<p>Das Buch enth\u00e4lt einige farbige Illustrationen von Laura Fronterr\u00e9. Das gebundene Taschenbuch erscheint im M\u00e4rz Verlag, hat 258 Seiten und kostet 20 Euro.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eberhard Seidel, stammt aus dem fr\u00e4nkischen Sommerhausen, studierte Soziologie und lebt in Berlin. Er arbeitete viele Jahre als freier Journalist und schlie\u00dflich als Leiter des Inlandsressorts der taz. Bereits 1996 erschien von ihm \u201eAufgespie\u00dft. 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