{"id":96,"date":"2013-01-25T22:25:25","date_gmt":"2013-01-25T21:25:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dennisschuetze.de\/blog\/?p=96"},"modified":"2013-01-25T22:25:25","modified_gmt":"2013-01-25T21:25:25","slug":"my-wagon-wheel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/2013\/01\/25\/my-wagon-wheel\/","title":{"rendered":"My &#8222;Wagon Wheel&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Im Fr\u00fchjahr 2007 hatte ich eine Reise an die Westk\u00fcste der USA angetreten. Geflogen war ich direkt nach San Francisco und hatte dort einige Tage in der kleinen Wohnung \u00fcber dem Tanzstudios eines Freundes verbracht. Von dort aus erkundigte ich am ersten Tag zuerst die Nachbarschaft und unternahm dann mit dem Bus einige Ausfl\u00fcge in die Bay Area der Stadt. Zum Fr\u00fchst\u00fcck war ich in der Zeit meist um die Ecke im Coffeeshop Martha &amp; Bros., wo \u00fcbrigens auch die Idee zu meinem Song \u201eBlack as the Devil\u201c entstand. <!--more-->Obwohl es tags\u00fcber w\u00e4hrend meiner Unternehmungen fast immer sonnig war, war der Fr\u00fchling noch nicht ganz in die Stadt eingezogen. Es dauerte meist bis zur Mittagszeit bis die Sonne durch die Wolken drang und abends war es sehr fr\u00fch ziemlich k\u00fchl und ungem\u00fctlich.<br \/>\nDrei Tage nach meiner Ankunft holte ich mir Downtown den bereits in Deutschland gebuchten Leihwagen in einer Parkgarage ab und fuhr dann von San Francisco den Highway 1 entlang Richtung S\u00fcden. Als ich am sp\u00e4ten Vormittag aus der Stadt herauskam, wusste ich noch nicht wo ich abends schlafen w\u00fcrde. Auf Anraten meines amerikanischen Gastgebers hatte ich im Internet aber zur Sicherheit einige \u00dcbernachtungsadressen herausgesucht, die ungef\u00e4hr auf dem Weg lagen. Am ersten Tag schaffte ich es \u00fcber San Jose und Santa Cruz bis nach Monterey und \u00fcbernachtete dort in einem sehr angenehmen HI-Hostel in einem Mehrbettzimmer. In den amerikanischen Hostels S\u00fcd-Kaliforniens bekam man f\u00fcr die \u00dcbernachtung im Zimmer zwar frische Bettw\u00e4sche, aber kein eigentliches Fr\u00fchst\u00fcck. Es gab aber eine Gemeinschaftsk\u00fcche und da wurden morgens eine Kochgelegenheit, Pfannen, Geschirr und Pancake-Teig zum Selberbacken kostenlos zur Verf\u00fcgung gestellt. Beim Fr\u00fchst\u00fcck meiner selbstgebackenen Pancakes (sehr s\u00e4ttigend) kam ich dann mit einigen anderen Reisenden ins Gespr\u00e4ch, die meisten von ihnen waren \u00fcberzeugte Hiker &amp; Biker. Ich besorgte mir beim Checkout eine \u00dcbersichtskarte mit weiteren Hostels der HI-Kette und fuhr dann weiter die K\u00fcste entlang nach Big Sur. Nachdem ich die Bucht von Monterey hinter mir gelassen hatte, sp\u00fcrte ich f\u00f6rmlich die W\u00e4rme des Fr\u00fchlings durch die ge\u00f6ffneten Fenster meines Wagens wehen, es war herrlich. Ich fuhr die wunderbare Strecke am Pazifik entlang der Santa Lucia Range \u00a0und hielt hin und wieder an um Fotos zu machen (von denen einige im Booklet des Albums \u201eShine like Gold\u201c landeten). Ich lie\u00df mir Zeit, wollte nicht hetzen und als es langsam Abend wurde war klar, dass ich es nicht mehr bis Santa Barbara schaffen w\u00fcrde. Auf der Karte, die ich mir besorgt hatte, war ein kleines Hostel eingezeichnet und so fuhr ich mit der sinkenden Abendsonne hinein in das kleine, mir bis dahin v\u00f6llig unbekannte St\u00e4dtchen San Luis Obispo. Bevor ich das Hostel ansteuerte drehte ich eine kleine Runde durch die Stadt und stellte fest: Viel zu sehen gab es da nicht. Das Hostel selbst war ein kleines Wohnhaus in einem ruhigen und altw\u00fcrdigen Mittelklasseviertel. Obwohl ich nicht reserviert hatte, wurde ich freundlich empfangen und es war auch noch ein Bett f\u00fcr mich frei. Weil klar war, dass die verd\u00f6ste Stadt nichts zu bieten hatte und weil der Tag lang gewesen war, entschloss ich mich dazu im Gemeinschaftsraum des Hostels zu bleiben und mit dem frei zug\u00e4nglichen Computer meine Mails zu checken und einige organisatorische Dinge zu regeln (zwei Interviewtermine standen kurz bevor). Weil niemand anderes da war, hatte ich den Raum f\u00fcr mich alleine und tippte und las so vor mich hin. Insgesamt muss ich wohl an die 2-3 Stunden da verbracht haben und die ganze Zeit lief das CD-Album einer Band im Hintergrund auf Repeat. Ich muss das Album wohl ca. 3-4 mal komplett durchgeh\u00f6rt haben und langsam kamen mir die Songs immer vertrauter vor. Irgendwann ging ich dann zu Bett und erst am n\u00e4chsten Tag fragte ich die junge Frau an der Rezeption was ich da am gestrigen Abend so oft geh\u00f6rt hatte. Es war das Debut-Album \u201eO.C.M.S.\u201c der jungen, amerikanischen Band Old Crow Medicine Show von 2004. An dem Tag fuhr ich weiter nach Santa Barbara. In Santa Monica traf ich den Musiker und Transkripteur Fred Sokolow und f\u00fchrte ein Interview mit ihm, danach traf ich den Autor Jim Dawson und f\u00fchrte mit ihm ebenfalls ein Interview. Ich fuhr weiter nach San Diego und begegnete dort Ingrid Croce, der Witwe meines gro\u00dfen Idols Jim Croce, in ihrem ber\u00fchmten Restaurant \u201eTop Hat Bar &amp; Grill\u201c. Danach war ich in Tijuana, Mexico, im Folk Music Center der Mutter von Ben Harper in Claremont, in den Spielhallen von Las Vegas, in der trockenen Salzw\u00fcste des Death Valley, bei Verwandten in Bishop am Fu\u00dfe der verschneiten Sierra Nevada, am eiskalten Lake Tahoe, in Sacramento, der Hauptstadt des Bundesstaates Kalifornien (zu der Zeit auch Regierungssitz des Gouvernators), dann zur\u00fcck in San Francisco und die ganze, lange Zeit ging mir die Musik, die ich an diesem einen Abend im Hostel in der Kleinstadt San Luis Obispo geh\u00f6rt hatte nicht mehr aus dem Sinn. Ich hatte das St\u00e4dtchen falsch eingesch\u00e4tzt, es hat durch dieses Erlebnis einen mindestens genau so tiefen Eindruck bei mir hinterlassen wie alle anderen Stationen meines Trips und ich denke gerne an den einsamen Abend im Hostel zur\u00fcck.<br \/>\nAls ich wieder zuhause in Deutschland war, bestellte ich mir das Album der Band von der bis dahin noch niemand etwas geh\u00f6rt hatte, den ich kannte. Ich h\u00f6rte das Album wochenlang, von vorn bis hinten und rauf und runter. Der letzte Song des Album war \u201eWagon Wheel\u201c in klingend A-Dur, Capo zweiter Bund. Ohne Capo (in G-Dur) war es einer der wenigen Songs des Albums, den ich mit meiner Stimmlage ohne Probleme singen konnte. Es hat eine Weile gedauert bis ich mir den langen Songtext fehlerlos merken konnte, aber ich fand mich sofort darin wieder. Es geht ums Unterwegssein, ums Loslassen, ums Weitermachen, darum Hindernisse zu \u00fcberwinden und ins Ungewisse zu gehen. Der S\u00e4nger bewegt sich nach S\u00fcden, f\u00e4hrt stundenlang die K\u00fcste entlang, freut sich auf die Dame seines Herzens, er flieht vor der K\u00e4lte, er ist Musiker, spielt Banjo, hat kein Geld mehr in den Taschen, jede Menge \u00c4rger am Hals, trotzdem begegnet er auf seinem Weg freundlichen Fremden, die ihm weiterhelfen, aber er muss doch weiter, immer weiter, \u201eand if I die (&#8230;) at least I will die free.\u201c<br \/>\nSeit 2008 ist der Song \u201eWagon Wheel\u201c der erste und letzte Songs bei meinen Konzerten. Er ist auch der Er\u00f6ffnungssong auf meinem Album \u201eB-Sides &amp; Rarities\u201c von 2010 mit dem f\u00fcr mich eine neue Phase begann, weil ich zum ersten Mal mit meiner eigenen Band aufnahm, die bis heute in nahezu gleicher Besetzung besteht.<\/p>\n<p>Die Songkomposition \u201eWagon Wheel\u201c besteht aus zwei Teilen. Der Chorus wurde als \u201eRock me Mama\u201c von Bob Dylan geschrieben und ist ein nur als Bootleg erschienener Outtake der Session zu dem Soundtrack \u201ePat Garrett and Billy the Kid\u201c. Die Strophen wurden erg\u00e4nzt von Ketch Secor, dem Geiger, S\u00e4nger und Mundharmonikaspieler der Band Old Crow Medicine Show. Zur genauen Entstehungsgeschichte siehe: http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Ketch_Secor<\/p>\n<p>Epi-Log: Im Januar 2013 wurde eine an den Mainstream-Country-Markt gerichtete Version des Songs \u201eWagon Wheel\u201c von dem schwarzen Countrys\u00e4nger Darius Rucker ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Fr\u00fchjahr 2007 hatte ich eine Reise an die Westk\u00fcste der USA angetreten. Geflogen war ich direkt nach San Francisco und hatte dort einige Tage in der kleinen Wohnung \u00fcber dem Tanzstudios eines Freundes verbracht. 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