{"id":9692,"date":"2022-11-26T14:54:20","date_gmt":"2022-11-26T12:54:20","guid":{"rendered":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/?p=9692"},"modified":"2022-11-26T16:24:47","modified_gmt":"2022-11-26T14:24:47","slug":"noten-workshop-fingerstyle-guitar-dieter-kreidler","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/2022\/11\/26\/noten-workshop-fingerstyle-guitar-dieter-kreidler\/","title":{"rendered":"Noten: \u201eWorkshop Fingerstyle Guitar\u201c &#8211; Dieter Kreidler"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-9691\" src=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/WorkshopFingerstyleGuitarCover-229x300.jpg\" alt=\"\" width=\"229\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/WorkshopFingerstyleGuitarCover-229x300.jpg 229w, https:\/\/dennisschuetze.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/WorkshopFingerstyleGuitarCover.jpg 494w\" sizes=\"(max-width: 229px) 100vw, 229px\" \/>Dieter Kreidler ist ein altgedienter deutscher Gitarrist und Gitarrenp\u00e4dagoge. 1976 erschien seine zweib\u00e4ndige Gitarrenschule (2010 \u00fcberarbeitet), die in den 80er und 90er Jahren zu den Standardwerken der deutschsprachigen Gitarrenliteratur z\u00e4hlte. Er ver\u00f6ffentlichte etliche Bearbeitungen f\u00fcr Solo-Gitarre, darunter \u201eBeatles-Songs\u201c und \u201eRagtime\u201c. Nun hat er das Heft \u201eWorkshop Fingerstyle Guitar\u201c mit 24 neuen Kompositionen ver\u00f6ffentlicht, das Solost\u00fccke, Duos und Warm Ups umfasst.<!--more--><\/p>\n<p>Gleich in der Einleitung (engl.\/dt.) erkl\u00e4rt der Autor sein Verst\u00e4ndnis von \u201eFingerstyle\u201c, eine amerikanische Bezeichnung f\u00fcr die Spielweise mit den einzelnen Fingern der Zupfhand, im Gegensatz zum sog. \u201eFlatpicking\u201c, dem Spiel mit einem Plektrum gehalten zwischen Daumen und Zeigefinger. Kreidler leitet die Spielweise her von der \u00dcbertragung von Ragtimes auf die Gitarre und f\u00fchrt die Entwicklung vom amerikanischen Folkrevival der 1960 \u00fcber Leo Kottke, Mark Knopfler bis zu Tommy Emmanuel, auch die deutschen Fingerpicker Peter Bursch, Werner L\u00e4mmerhirt und Peter Finger werden erw\u00e4hnt. Kaum oder gar nicht benannt werden in diesem Abriss erstaunlicherweise Merle Travis (Travispicking), Chet Atkins (!), Jerry Reed (Clawing) oder Doc Watson (American Folk), die allesamt wirklich bahnbrechende Beitr\u00e4ge zu Spielweise und Repertoire des Fingerstyle geleistet haben. Atkins, der wohl einflussreichste Fingerpicker des 20. Jahrhunderts, der jahrzehntelang als Komponist, Arrangeur und Produzent wirkte (z.B. f\u00fcr Elvis Presley) und viele popul\u00e4re Hits hatte (\u201eMister Sandman\u201c), wird zwar erw\u00e4hnt, aber falsch geschrieben (Chat). Diese eigenwillige Gewichtung verwundert erst einmal.<\/p>\n<p>Im weiteren Verlauf geht es dann folgerichtig leider gar nicht um die reichhaltigen Auspr\u00e4gungen der Fingerstyle-Traditionen, um Repertoire, Spielweisen oder Personalstile, sondern viel mehr um die individuelle Auslegung des Autors. Er legt 24 namenlose, eigene Studien vor, die als Kompositionen bezeichnet werden. Sie bieten durchgehende Wechselb\u00e4sse und oftmals synkopische Melodien, in verschiedenen, teilweise f\u00fcr Gitarristen ungew\u00f6hnlichen Tonarten, hin und wieder mit fast generalbassartigen Bassl\u00e4ufen, Spiel auch in h\u00f6heren Lagen, zum Teil ungew\u00f6hnlichen Griffen und Spielpositionen. Es handelt sich dabei um innovative, schl\u00fcssige und eigenst\u00e4ndige St\u00fccke, die aber lediglich Studiencharakter haben, es sind keine konzertanten St\u00fccke dabei. Meist umfassen sie um die 16-24 Takte. Das Wort \u201eWorkshop\u201c im Hefttitel ist irref\u00fchrend, weil die 24 Miniaturen keinen tieferen p\u00e4dagogischen Sinn haben und auch kein methodischer Aufbau erkennbar ist. F\u00fcr den Unterricht leider nicht gut zu verwenden. Anfangs werden wahllos ein paar zusammenhangslose Begleitpatterns pr\u00e4sentiert, in der Mitte des Heftes eine wilde Auswahl von gebrochenen Akkordfragmenten (4-taktig) gezeigt. Es bleibt unklar, was man damit anfangen soll. Die anschlie\u00dfenden Duos haben nicht sonderlich viel mit der Idee des Fingerstyle zu tun, denn hier wurden schlicht Melodie und Wechselbass in zwei Stimmen aufgeteilt und es ist ja der eigentliche Clou beim Fingerstyle, dass alles zusammen von einem Spieler auf einem Instrument gespielt wird. So wie es da steht, k\u00f6nnten es auch zwei Gitarristen jeweils mit Plektrum spielen.<\/p>\n<p>Notiert wurde in Noten und Tabulatur, Tabs leider ohne Notenh\u00e4lse (warum?), deswegen ohne Noten unbrauchbar, Fingers\u00e4tze sind korrekt, pr\u00e4zise und hilfreich. Das Heft beinhaltet einige s\/w-Fotos von den beiden allgemein unbekannten Gitarristen, die das Audio-Material eingespielt haben.<\/p>\n<p>An wen richtet sich dieser Workshop bzw. dieses Heft? Ja, das ist die Frage. F\u00fcr Anf\u00e4nger oder Einsteiger in das Thema sind die St\u00fccke zu unsortiert und anspruchsvoll, weil nicht herangeleitet wird, sondern viel vorausgesetzt wird. Die allermeisten Spieler beginnen Fingerstyle mit einfachen Patternbegleitungen zu Akkordfolgen und Songs, dann kommen Wechselbass, Bassl\u00e4ufe und Akkordverzierungen dazu, dieser wichtige Schritt wird hier komplett \u00dcbersprungen. Schade ist auch, dass gar keine bekannten oder vertrauten Songs oder Melodien verarbeitet werden, die ganze pr\u00e4sentierte Musik ist dem Spieler somit erstmal fremd und es wird so zur blo\u00dfen technischen \u00dcbung. F\u00fcr\u2019s \u00dcben sind sie in Ordnung, aber f\u00fcr Vorspiele oder Konzerte haben sie zu wenig Substanz, sind zu kurz, bieten zu wenig inhaltlichen Anschluss. Au\u00dferdem wird gar nicht an verschiedene stilistische Auspr\u00e4gungen herangef\u00fchrt, sondern ausschlie\u00dflich der ureigene Spiel- und Arrangementstil des Autors gepflegt und so versatil ist leider niemand, dass er als Einzelperson mal eben so die vielseitigen Innovationen von mehr als 100 Jahren musikalischer Stilgeschichte in ein paar Kompositionen packen kann. Man muss sich als Spieler also voll und ganz auf die Kreidler-Variante des Fingerstyle einlassen, eine derartige Monokultur ist aber eigentlich niemandem zu empfehlen. Da sind bereits existierende Anleitungen und St\u00fcckesammlungen interessanter: der erw\u00e4hnte Peter Bursch oder auch die uralte Serie \u201eFolkpicking f\u00fcr Fingerstyle Guitar\u201c von Sigi Schwab, es gibt aber noch etliche weitere.<\/p>\n<p>Es steckt vermutlich viel kompositorische und editorische Arbeit in dem Heft, das ist aller Ehren wert, nur schade, dass es am Ende nicht nutzbarer f\u00fcr die breite Masse der Fingerstyle-Interessierten ausgefallen ist. So wie es ist, ist es weder eine gut aufgebaute Schule, noch eine variable St\u00fcckekompilation, eher eine Et\u00fcdensammlung, aber Fingerpicker spielen eben am liebsten popul\u00e4re St\u00fccke ihrer Idole, von denen sie begeistert sind, keine unbekannten Kompositionsstudien in unangenhmen Tonarten. Das Heft ist somit eine echte Nieschenpublikation f\u00fcr einen sehr engen Kreis. Dass Kreidler arrangieren kann, hat er schon oft genug erfolgreich bewiesen. Hier h\u00e4tte mit weniger Aufwand, aber klarerem Konzept mehr drin sein k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Das Notenheft umfasst 24 Miniaturen f\u00fcr Gitarre Solo und Duo, ein Traditional (\u201eWhen the Saints\u201c) und ein zus\u00e4tzliches Online-Arrangement (\u201eBruder Jakob\u201c) auf 80 Seiten. Es erscheint bei Schott und kostet 26 \u20ac.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieter Kreidler ist ein altgedienter deutscher Gitarrist und Gitarrenp\u00e4dagoge. 1976 erschien seine zweib\u00e4ndige Gitarrenschule (2010 \u00fcberarbeitet), die in den 80er und 90er Jahren zu den Standardwerken der deutschsprachigen Gitarrenliteratur z\u00e4hlte. 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