Early Works: Mein Frühwerk

Im Alter von 13 Jahren begann ich auf der alten klassischen Gitarre (Aria) meines Vaters die ersten Akkorde, Akkordfolgen und klassischen Stückchen zu klampfen. Kurz danach besorgte ich mir ein Elvis- und ein Beatles-Songbook (in Klaviernotation) bekam die Lieder, die mir zum überwiegenden Teil kaum bekannt waren aber nicht mal im Ansatz zum klingen. Heute weiß ich, dass mich die Notation komplett überforderte, die Tonarten nicht mit den Aufnahmen übereinstimmten und die Gesangslagen für mich ausnahmslos viel zu hoch lagen. Das hat mich aber nicht davon abgehalten trotzdem weiter vor mich hin zu klimpern.

Als ich mit 16 für ein Schuljahr in die USA ging, passierte dann intuitiv genau das, was nach dem Lehrbuch des informellen Lernens der nächste, logische Schritt ist. Weil ich die Lieder der anderen nicht nachspielen und singen konnte, fing ich an mit meinen bescheidenen Mitteln und Kenntnissen eigene Songs zu schreiben: Melodie, Akkordfolgen, Texte, alles zigfach durchgespielt, schön in Form gebracht und handschriftlich sauber in ein Blockheft geschrieben. So entstanden im Laufe der Monate und Jahre die allerersten englischsprachigen Songs und später auch ein paar deutsche Lieder, Instrumentalstücke kamen erst danach. Dieses mehr als 30 Jahre alte Heft und einige weitere besitze ich noch heute und alle Jubeljahre blättere ich es durch und spiele ein paar Songs an. Obwohl da nur Texte und Akkordsymbole stehen, kann ich noch jede Melodie und Textverteilung sofort aus meinem Gedächtnis abrufen, spielen und singen. Ich blicke zurück auf ca. 20-30 Songs, die ich nie vor Publikum gesungen oder aufgenommen habe, kein anderer als nur ich kennt sie.

Was auch immer in meinem Leben passiert ist, wo auch immer ich war oder was ich getan habe, nebenbei habe ich immer weiter Songs geschrieben, ca. 5-10 pro Jahr, jahrelang, jahrzehntelang, bald brauchte ich ein zweites Heft und irgendwann habe ich meine Notizzettel nicht mehr sauber abgeschrieben, sondern als Worddatei angelegt. Ende der 1990er habe ich erstmals einige aktuelle Songs aufgenommen und veröffentlicht, 2004 erschienen 12 eigene Songs auf meinem Debutalbum („2174“). Seitdem veröffentliche ich alle paar Jahre weitere Alben und Singles mit eigenen Songs. Bin ich ein Songwriter, weil ich seit Jahren und immer wieder eigene Songs schreibe? Keine Ahnung. War keine bewusste Entscheidung, passiert halt einfach immer wieder, kann ich nichts gegen machen und warum sollte ich? Macht Freude, ist erfüllend, kostet nichts und tut keinem weh. Ob andere meine Songs anhören oder gut finden, ist für den Entstehungsprozess nicht relevant, eher schon für den Produktions- und Vermarktungsprozess.

Weil bei mir in diesem Jahr ein besonderer Geburtstag ansteht, habe ich die ganz frühen Sachen mal wieder durchgesehen und möchte meinem alten, jungen Ich eine Würdigung in Form einer aktuellen Studioproduktion bescheren. Aus den ganz frühen Sachen (1988-91) habe ich zwei Songs ausgesucht, die ich mir gerade vornehme und mit meinen Produktionserfahrungen der letzten Jahre aufarbeite. Darunter der erste, zarte Song, den ich überhaupt geschrieben habe („You want me on my knees“) und ein deftiger Blues („Same damn thing“), bei dem für mich songschreiberisch eine erste, künstlerische Reife zu erkennen ist und der produktionstechnisch jetzt das volle New-Orleans-Treatment („Rockin‘ Pneumonia“ – Huey ‚Piano‘ Smith) bekommt.

Mal sehen, was dabei rauskommt, im Moment gehe ich ran, als wenn jemand anders die Songs geschrieben hat und versuche sie neu zu interpretieren (z.B. Piano statt Gitarre) und das ist gar nicht so schwer, weil ich eben Songs geschrieben habe und keine Arrangements, deswegen ist da viel Gestaltungsraum. Falls das gut geht, habe ich noch ca. 20 Songs aus den 1990ern in einem weiteren Heft, aus denen ich eine Auswahl treffen und die in einer umfassenden Produktion zu einem Album zusammenfassen könnte. Arbeitstitel: Early Works. Passt auch ganz gut, weil alle aktuell geschriebenen Songs mit der EP „This Is“ (2022) abgearbeitet wurden. Nach einem halben Jahrhundert darf man mal auf seine Anfänge zurückblicken, vielleicht muss man es auch? Was meint ihr?

2 Gedanken zu „Early Works: Mein Frühwerk

  1. Find ich spannend.

    Ich hab auch drei Songs auf Kassette zuhause. Zarte 19 Jahre war ich da. Beim Hören fiel mir auf, wie sehr sich die Stimme und der Ausdruck verändert hat im Lauf der Jahre. Da meine ich nicht nur die Wandlung vom Sopran in die Altstimme. Vielleicht schwingt heute mehr Erfahrung mit und früher die unschuldige, „ich hab vor nix und Niemand Angst“ Attitude mit?

    Ich bin mal gespannt was der ältere Dennis, dem jungen Dennis für Beats und Klaviertöne ans Herz legt.
    Und was ihn bewegt hat in jungen Jahren.

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