Über vielversprechende Hoffnungen

„Er war eine vielversprechende Hoffnung, mehr allerdings auch nicht. Eine von vielen Hoffnungen, die im Sande verlaufen, vom Winde verweht, vom Pech geschlagen, von der Muse in den Arsch getreten. Am Talent hatte es nicht gelegen, es ist ein Irrglaube, dass sich die größten Talente durchsetzen. Meist setzen sich diejenigen durch, die es am meisten wollen. Er hatte seine Chance, und er hat sie nicht genutzt, verschlafen, verdaddelt. Vielleicht hatte auch das Fünkchen Glück gefehlt, hätte es den Nerv treffen müssen, den Zeitgeist – was auch immer das sein mag. Viele sind berufen, wenige nur auserwählt. Er hatte genug Ohrfeigen bekommen, genug Nieten gezogen, er braucht das nicht mehr. Die ruhmreichen Tage, sie währten nur kurz, und sie führten zu nichts.“

Heinz Strunck: “Es ist immer so schön mit dir” (2021), S. 100/101

Buch: „Music Lovers“ von John Densmore

Wenn man vom Namedropping auf dem Buchcover ausgeht (Jim Morrison, Janis Joplin, Bob Marley, Lou Reed, Patti Smith etc.) und dazu berücksichtigt welche Zeitspanne und musikstilistische Epoche der Autor durchlebt hat, liegt die Messlatte schon einigermaßen hoch. Leider enttäuscht die umfassende Sammlung lauer Backstage-Anekdoten auf ganzer Linie. Weiterlesen

Buch: „Mein Leben – Meine Musik“ von John Fogerty

John Fogerty war Kopf, Sänger und Songschreiber der legendären, US-amerikanischen Band Creedence Clearwater Revival (CCR). Die Band existierte von 1967-1972 und veröffentlichte in dieser Zeit sieben Alben und etliche Singles, darunter „Suzie Q“, „Proud Mary“, „Born on the Bayou“, „Bad Moon Rising“, „Down on the Corner“, „Fortunate Son“ u.a., von denen viele zu goldenen Klassikern geworden sind. Bald nach den ersten Erfolgen gab es bereits rechtliche Probleme, die schließlich zur Auflösung der Band und jahrzehntelangen juristischen Auseinandersetzungen führten, in denen Fogerty gegen seine Bandkollegen und ehemalige Plattenfirma stritt. Erst in den 1990er Jahren setzte Fogerty seine Solokarriere fort, spielte Konzerte, veröffentlichte Alben mit neuen Songs und kollaborierte erfolgreich mit anderen Musikern. Weiterlesen

Der Herbst ist da (KW39/2021)

Der Spätsommer klingt langsam aus, die fränkischen Winzer beginnen mit der Weinlese, der Herbst kündigt sich an. Hinter mir liegen bewegte (!) Sommerwochen, habe mit dem Fahrrad (Canyon Inflite AL) lange Radtouren von meiner Heimatstadt Würzburg aus in alle Richtungen gemacht (siehe Fotodokumentation). Zuerst ging’s in 10 Tagen über Bamberg, Bayreuth und das Fichtelgebirge, entlang Eger und Elbe, über Dresden, Cottbus und Fürstenwalde bis nach Berlin. Eine Woche später von Ulm über Lindau und Konstanz bis nach Winterthur und Zürich in der Schweiz. Die dritte und letzte Tour führte mich schließlich von Würzburg über Miltenberg über den Odenwald nach Heidelberg, über den Pfälzer Wald bis nach Kaiserslautern, zurück ging’s über Neustadt a.d. Weinstraße, Speyer, Bretten, Heilbronn, Künzelsau und Weikersheim und über den Ochsenfurter Gau nach Hause. Habe in den bayerischen Sommerferien mehr Tage im Sattel als auf dem Sofa verbracht, bin/war braungebrannt, gut trainiert und kerngesund, am Ende allerdings auch etwas müde und erschöpft. Ab jetzt und über den Winter erstmal wieder mittlere Tagestouren, bevor ich im nächsten Frühjahr 2022 wieder längere Touren angehe.

Hinter mir liegen mittlerweile auch einige Auftritte und Engagements. Habe in unterschiedlichen Formationen auf Kulturfesten, Hochzeiten und zur Unterhaltung auf Hotelschiffen gespielt. Das war sehr schön und auch etwas aufregend. Kurz vor dem ersten Termin habe ich verzweifelt Teile meines technischen Equipments gesucht, die ich zum letzten Mal vor 18 Monaten in der Hand gehalten hatte. Wo waren nur die Kabeltrommel, das Klemmlicht und das lange Mikrokabel gelandet? Nach einige Stunden hektischer Suche, bei der nebenbei etliche andere vergessene Gegenstände auftauchten, war alles wieder in bester Ordnung und es konnte losgehen.

Während der Radtouren habe ich nur sporadisch an Produktionen gearbeitet, aber es war noch was in der Pipeline, so dass weiterhin einige Sachen erschienen sind. So z.B. das EP-Album „LiLa“ von Sandra Buchner mit fünf LoFi-Jazztracks unter Mitwirkung von Eduard Prost (sax), Michael Buttmann (pos) und meiner Wenigkeit (git). Außerdem erschien der Instrumentaltrack „Unsquare Dance“ von LoFiLu, die Neuinterpretation einer Dave Brubeck-Komposition im 7/4-Takt. Aktiv gearbeitet wird gerade an zwei deutschsprachigen Popsonginterpretationen von Simon-Philipp Vogel, die noch vor Weihnachten erscheinen werden. Dazu kommt die kollektive Arbeit an einer Americana-EP mit Grisu Biernat (voc, git), Thilo Hofmann (voc, bass) und mir selbst (voc, egit, orgel), jeder steuert zwei Songs bei. Schlagzeug, Mix und Master erledigt Jan Hees. Der Song „Weight on the Levee“ (Dan Tyminski) ist bereits fertiggestellt und erscheint als Vorabsingle Mitte Oktober. Die Coverart für das Album wurde freundlicherweise vom Würzburger Stadtgrafiker Markus Westendorf zur Verfügung gestellt.

Nach mehreren Terminverschiebungen erscheint diese Woche endlich der neue, inzwischen fast schon wieder alte 25. Bondfilm „No Time To Die“ („Keine Zeit zu Sterben“). Im Frühjahr hatte ich anlässlich des ursprünglichen Kinostarts ein James Bond-Album produziert. Beteiligt waren Sandra Buchner (voc), Nina Clarissa Frenzel (cello) und Jan Hees (drums). Weil der Start abgesagt und in der Folge noch zweimal verschoben wurde, wurde die Veröffentlichung des Albums zum klassischen Rohrkrepierer und mit dem Album auch gleich vier Videos, die dafür noch in den ersten Tagen der ersten Lockdowns abgefilmt worden waren. Zwei davon sind bereits veröffentlicht, zwei weitere werden in den kommenden Wochen folgen. Und damit findet dieses Projekt hoffentlich ein paar Hörer, aber so oder so zumindest einen formalen Abschluss mit der Licence to Chill.

Damit ich nicht komplett verblöde, habe ich beschlossen mich mit neuen Produktionstechniken zu befassen und mir das Steuergerät Maschine Mikro von Native Instruments gekauft. Sieht aus wie ein blinkender Drumpad, ist aber natürlich viel mehr, ein eigenes Bediensystem, eigener Workflow, eigene Klangwelten, ich kapier noch überhaupt gar nichts. Mit diesem Neustart, starte ich mich auch selbst neu, werfe teile meiner Arbeitsweise über Bord, muss dazulernen, Unvermögen überwinden, out of the box denken. Mal sehen wohin das führt, ich rechne mit Sackgassen, Einbahnstraßen und weiten Umwegen. Aber der Weg ist das Ziel und Neuland etwas Gutes, rede ich mir ein.

Über Akzeptanz

Jesse: „You either run from things or you face them, Mr. White.“
Walter: „Now what exactly does that mean?“
Jesse: „I learned it in rehab. It’s all about accepting who you really are. I accept who I am.“
Walter: „And who are you?“
Jesse: „I’m the bad guy.“

„Breaking Bad“ („No Más“, Episode 1, Season 3), Jesse Pinkman & Walter White.

Die Geschichte der Schröder-Lampe

von Marlene Hübler geb. Schumacher (Tochter von Max Schumacher)

Sie haben meine Nichte nach dem Erfinder der Schröder-Lampe gefragt. Ich nehme dies gern zum Anlass aufzuschreiben, was mir als Tochter noch in Erinnerung ist. Doch zuerst mal die Daten meines Vaters: Max Schumacher, geboren am 11.11.1885 in Lotha, Chile. Er studierte in Deutschland Bildhauerei, betätigte sich aber auch als Architekt, beschäftigte sich sehr viel mit Formgebung (die Firma Wehag fabrizierte die von ihm entworfenen Türklinken) und er war Er-finder vieler Patente. Seine umfangreichste Erfindung ist die heute bekannte Stromschiene. Er war deren Urheber, leider nicht ihr Nutznießer. Er hat an dieser Erfindung viele Jahre gearbeitet. Doch zurück zur Lampe: Sie kam so zustande:

In der Vorkriegszeit war mein Vater in Geschäften unterwegs und sah in der Innenstadt Berlins einen Lampenladen, der ihn interessierte. Dem Inhaber, einem Herrn Schröder, sagte er unverblümt etwa Folgendes: „Ihr Laden sieht so aus, als wollten Sie gern, könnten aber nicht so recht.“ Dieser Helmut Schröder nahm die Äußerung humorvoll hin und erklärte, dass er den Laden erst kürzlich eröffnet habe. Die beiden kamen so ins Gespräch und dabei stellte sich heraus, dass Helmut Schröder noch zwei Brüder hatte. Beide saßen in Lobenstein, Thüringen. Einer von ihnen, Werner Schröder, besaß dort eine Metallwarenfabrik. Dies nahm mein Vater zum Anlass dem Ladenbesitzer einen Vorschlag zu machen, der etwa so aussah: Ich werde Ihnen eine Lampe entwerfen, die ganz und gar aus Metall herstellbar ist, sodass sie in der Firma ihres Bruders fabriziert werden kann. Sie wird außerdem so konstruiert sein, dass sie sich auseinandernehmen und, stapelbar, in großen Kartons verpackt leicht verschicken lässt. Etwa 20 Stück pro Karton. Und so, von sich selbst angespornt machte mein Vater sich an die Arbeit und entwarf jene Schreibtischleuchte, die unter dem Namen Schröder-Lampe damals den Markt erobert hat. Außerdem bestimmte mein Vater die Farben. So erschien die Lampe in weiß, grün, dunkelrot, beige, gold und silbern. Weiterlesen

Buch: „Das großartige Leben des Little Richard“ von Mark Ribowski

Mark Robowski ist US-amerikanischer Autor und hat in den vergangenen Jahrzehnten neben Sachbüchern zu sportlichen Themen etliche Biographien über z.B. Hank Williams, Lynyrd Skynyrd, Otis Redding, Phil Spector, The Supremes, Stevie Wonder oder The Temptations veröffentlicht. Nun hat er sich mit dem Sänger und Pianisten Little Richard befasst, dem selbsternannten Architekten des Rock and Roll, der mit seiner widersprüchlichen und unvorhersehbaren Erscheinung zu den archetypischen musikalischen Figuren des Rhythm & Blues und Early Rock and Roll wurde. „The Big Life of Little Richard“ erschien 2020 im amerikanischen Original und im Frühjahr 2021 zusätzlich in deutscher Übersetzung unter dem Titel „Das grossartige Leben des Little Richard“. Weiterlesen