Buch: „Generation Chillstand“ – Milosz Matuschek

2018 veröffentlichte Milosz Matuschek unter dem Eindruck von Wirtschaftskrisen, Überwachungsskandalen und Trump-Regierung das gesellschaftskritische Buch „Generation Chillstand“. Der promovierte Volljurist und Journalist spricht darin offen bedenkliche gesellschafts-politische Entwicklungen in Deutschland und Europa an und geht hart mit ihnen und den davon betroffenen Generationen ins Gericht. Ansprechpartner ist seine eigene und die nachfolgende Generation, gerne zusammengefasst unter der Chiffre Generation Y (geb. 1980-99) und Generation Z (geb. ab 2000), auch Millennials genannt.

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Über schrottreife Klaviere

„[…] die Welt ist wie ein verstimmtes, eigentlich schrottreifes Klavier. Wenn man da Beethoven-Sonaten spielen will oder irgendwas, was es schon gibt, dann kann das nur schiefgehen. Wenn man aber gar nichts will, sondern herausfindet, welche Töne noch brauchbar sind, dann kann man auch auf einem Schrottklavier Musik machen. man muss nur improvisieren.“

Dietrich Brüggemann: „Materialermüdung“ (2022), S. 22

Über gute und schlechte Werte

„Good values are 1) reality-based, 2) socially constructive, 3) immediate and controllable. Bad values are 1) superstitious, 2) socially deconstructive, 3) not immediate or controllable.

[…]

Some example of good, healthy values: honesty, innovation, vulnerability, standing up for oneself, standing up for others, self-respect, curiosity, charity, humility, creativity.

Some examples of bad values: dominance through manipulation or violence, indiscriminate fucking, feeling good all the time, always being the center of attention, not being alone, being liked by everybody, being rich for the sake of being rich, sacrificing small animals to the pagan gods.”

Mark Manson: „The subtle art of not giving a fuck“ (2016), S. 86

Buch: „Rettet die Freundschaft!“ – Sebastian Schoepp

Sebastian Schoepp lebte, studierte und arbeitete in Italien, Katalonien und Argentinien, war Redakteur der SZ, wo es vor einigen Jahren den Dienst quittierte und verfasste zuletzt einige Bücher. Sein Interesse gilt menschlichen Sozialbeziehungen, seine Form ist das erzählende Sachbuch. Nun hat er ein lesenswertes Buch über Wesen und Formen der Freundschaft geschrieben. Es ist gleichzeitig eine Bestandsaufnahme und engagiertes Plädoyer für Pflege und Erhalt dieses besonderen Phänomens. Weiterlesen

Buch: „Wenn’s keiner sagt, sag ich‘s“ – Milosz Matuschek

2018 veröffentlichte der promovierte Volljurist Milosz Matuschek unter dem Eindruck von Wirtschaftskrisen, Überwachungsskandalen und Trump-Regierung das gesellschaftskritische und fast schon prophetische Buch „Generation Chillstand“ (dtv). Zeitungsartikel von ihm erschienen u.a. bei NZZ, SZ, Welt, FAZ, Berliner Zeitung und Dlf. Im Spätsommer 2020 erschien dann in der NZZ die Kolumne „Was, wenn die Covidioten Recht haben?“ und danach änderte sich für ihn alles.
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Verlogen, korrupt, verrottet (2022)

Gestern Abend habe ich nach etlichen Wochen vorsätzlicher Medienabstinenz zufällig die Nachtnachrichten angesehen. Ich war zu müde um wegzuschalten, folgendes wurde kurz hintereinander berichtet:

Der amtierende Bundeskanzler Olaf Scholz ist in eine sog. Cum-Ex-Affäre verwickelt. Während seiner Regierungszeit als Hamburger Bürgermeister hatte er eine Forderung von 47 Millionen Euro an die Warburg Bank anscheinend vorsätzlich verjähren lassen. An die Inhalte mehrerer zuvor stattgefundener Gespräche zwischen Vertretern der Warburg Bank und Olaf Scholz konnte dieser sich nach eigener Aussage „nicht erinnern“.

Die RBB-Intendantin Patricia Schlesinger wurde nach massiven Vorwürfen von Korruption, Verschwendung, Vetternwirtschaft und Falschaussagen vom zuständigen Rundfunkrat „abberufen“. Alle zuständigen Gremien hatten bei der Kontrolle der Ausgaben komplett versagt. Es ist noch unklar, ob Schlesinger eine Abfindung erhält und ob ihre Pensionsansprüche von der fristlosen Entlassung berührt sind (!). Von einer Erstattung des entstandenen Schadens in mehrfacher Millionenhöhe war keine Rede. Aufgedeckt wurde der Skandal nicht intern, sondern von Business Insider (Springer).

Kardinal Rainer Maria Wölki steht nach etlichen gegenteiligen Ankündigungen weiterhin in der Kritik Fälle von sexuellem Missbrauch im Erzbistum Köln systematisch verschleiert und die Täter geschützt zu haben. Trotz jahrelanger, massiver Kritik und Proteste von Betroffenenverbänden verbleibt er in Amt und Würden. Das Gehalt von Erzbischof Woelki bemisst sich an der Besoldungsstufe B 11. „Es wird aus Geldmitteln gezahlt, die dem Erzbistum als Staatsleistungen im Rahmen des Preußenkonkordats vom Land Nordrhein-Westfalen zur Verfügung gestellt werden.“ (Wikipedia)

In einem Abschnitt von 500km kam es an der Oder zu einer ökologischen Großkatastrophe. Innerhalb weniger Tage starben zehntausende Fische und andere Flussbewohner (Schnecken, Muscheln, Krebse), die Kadaver treiben auf der Wasseroberfläche, sammeln sich am Ufer, müssen mit Baggern ausgeschaufelt werden und sind nur noch in Tonnen zu bemessen. Die Umweltministerinnen von Brandenburg und Polen haben dafür keinerlei Erklärung, auch Tage danach stochern zuständige (Wasserwirtschafts-)Ämter komplett im Nebel, stammeln vor sich hin, eine Vergiftung des Flusses kann „nicht ausgeschlossen werden“. Aha, so weit war man als Betrachter allerdings auch schon.

Nach nur 20 Min. öffentlich-rechtlicher Nachrichten stelle ich fest: Unser Bundeskanzler ist ein Trickser und höchstwahrscheinlich ein Lügner, führende Intendanten der öffentlich-rechtlichen Medien können über Jahre hinweg im großen Stil, unkontrolliert öffentliche Gelder verschwenden und Familienmitglieder begünstigen ohne dafür belangt zu werden. Hohe kirchliche Vertreter können machen was sie wollen, sie werden weder intern, noch von unserem Rechtsstaat zur Verantwortung gezogen, im Gegenteil, sie werden für ihr Versagen fürstlich entlohnt (übrigens auch von den ca. 50% Nicht-Christen unter den Steuerzahlern). Und zu guter Letzt: Auch regionale Ämter versagen bei haarsträubenden Entwicklungen komplett, haben keine Ahnung, verhalten sich unprofessioneller als Laien, ziehen sich ab, schauen weg, tun nichts.

Wir sind als Gesellschaft an einem kritischen Punkt angelangt, wenn Staatsführung, Medien, Kirchen, Behörden und Rechtsstaat dermaßen kolossal versagen. Regt sich aber anscheinend keiner drüber auf. Scholz bleibt trotz Lügen und gebrochener Wahlversprechen im Amt, die Leute glauben weiterhin kritiklos der einseitigen öffentlich-rechtlichen Berichterstattung, gehen in die Kirchen (okay einige treten aus, aber die Kirchenfürsten behalten das Geld, die Macht, die Immunität). Wir betrachten teilnahmslos die Zerstörung unseres natürlichen Lebensraumes, Tiere verenden massenhaft, Arten sterben aus, die Flüsse vertrocknen, Landschaften veröden, Regionen verwüsten, die Welt brennt. Ach ja, es war das trockenste Jahr seit langem, der Grundwasserspiegel sinkt seit vielen Jahren. Aber ist uns doch egal, Hauptsache der Vorgarten ist bewässert und der eigene Swimming-Pool randvoll mit Trinkwasser gefüllt.

Mein Gedanke: Die Gesellschaft ist genauso verlogen, korrupt und verrottet wie ihre Führung. Anders geht’s ja gar nicht und wenn das stimmt, dann passt’s doch, oder nicht?

Early Works: Mein Frühwerk

Im Alter von 13 Jahren begann ich auf der alten klassischen Gitarre (Aria) meines Vaters die ersten Akkorde, Akkordfolgen und klassischen Stückchen zu klampfen. Kurz danach besorgte ich mir ein Elvis- und ein Beatles-Songbook (in Klaviernotation) bekam die Lieder, die mir zum überwiegenden Teil kaum bekannt waren aber nicht mal im Ansatz zum klingen. Heute weiß ich, dass mich die Notation komplett überforderte, die Tonarten nicht mit den Aufnahmen übereinstimmten und die Gesangslagen für mich ausnahmslos viel zu hoch lagen. Das hat mich aber nicht davon abgehalten trotzdem weiter vor mich hin zu klimpern. Weiterlesen

Der Sommer beginnt (KW25/2022)

Dieser Tage beginnt mit der Sonnenwende der Sommer, der warme, sonnige Teil des Jahres ist da und das laufende Jahr fast schon zur Hälfte vorbei. Was ist passiert?

Im Mai erschien nach nur kurzer Produktionszeit das auch für mich selbst unterwartete EP-Album „This is“ mit fünf neuen Songs unter eigener Flagge. Es wurde nicht lang rumgedoktert, sondern eine jüngst entstandene Songkollektion in nur wenigen Wochen eingespielt, abgemischt und durchproduziert. Ziel war es dadurch eben nicht, zum Teil jahrelange Prozesse laufen zu haben und zu warten bis irgendwann ein volles Album zusammenkommt, sondern spontan durchzuziehen, ohne mittelfristigen Plan, einfach aus dem Moment heraus. Ermöglicht wird das, so traurig es auch erstmal erscheinen mag dadurch, dass ich z.Z. keine anstehenden Konzerttermine unter eigenem Namen und somit auch keine Working Band habe. Das bedeutet, dass das Erspielen der eigenen Songs bei Proben und Auftritten als läuternde Vorbereitungsphase entfällt und ich gleich mit Instrumentierung, Arrangement und Sounddesign starten kann ohne irgendwas mit anderen abstimmen zu müssen. Und weil das auch noch im eigenen Projektstudio stattfindet, gibt es quasi gar keinen Grund mehr nicht einfach anzufangen. Das ist einerseits befreiend, weil man viele Entscheidungen schnell und ohne Rücksprache treffen kann, andererseits fehlt natürlich auch das Input von anderen Kreativen, die dem Material eine unerwartete Richtung geben könnten. Ich löse das Problem in dem ich mich innerlich fast schon schizophren spalte: An einem Tag bin ich Songwriter, am nächsten Performer, dann Produzent, dann Mixer und irgendwann Vertriebler. Und am Ende frage ich mich, welcher Teil meiner gespaltenen Persönlichkeit hat hier eigentlich was gemacht? Hat immerhin den Vorteil, dass man anderen Persönlichkeitsanteilen die Schuld geben kann, wenn was nicht klappt.

Zu „LoFi Love“ ist dann noch ein improvisiertes Video in einem alten Istanbuler Hotel entstanden, das mir was bedeutet, aber keine große Wirkung entfalten konnte. So wie auch das Album: keine Rezensionen, Kritiken, kein Interesse der regionalen Medien, kaum persönliche Reaktionen, ist schon verrückt wie sich die Zeiten geändert haben. Ersatzweise glotzt man auf Zugriffszahlen bei Streamingdienstanbietern und fragt sich, welche Menschen wohl hinter den Ziffern stecken, die die eigene Musik anhören und auf irgendwelchen Playlisten absaven und immer wieder laufen lassen.

Herausragend war noch der einwöchige Trip nach Istanbul, wo ich gemeinsam mit meinen beiden Söhnen Moscheen, Museen und Basare besuchte und die ganze Vielfalt des geografischen Schnittpunkts zwischen Okzident und Orient auf uns einprasseln ließ, inkl. Besuch der Beckenschmiede Bosphorus, wo auch ein kleiner Imagefilm mit eigenem Soundtrack entstand.

Seit Mai laufen auch wieder jedes Wochenende Engagements der Diner- & Ballroomband Musikstudenten. Hochzeiten, Tanzbälle, Firmenveranstaltungen, Weinfeste, alles dabei und alles sehr ausgelassen und erfreulich. Bin nach fast zwei Jahren Pause wieder voll im Performancemode angekommen und macht noch mehr gute Laune als früher schon, weil man weiß wie wertvoll und nicht selbstverständlich diese Art von menschlicher Zusammenkunft sein kann. Übrigens auch unter den Musikern: alle sind froh sich zu sehen und zusammen zu spielen.

Nach Pfingsten noch eine 5-tägige Radtour quer durch Hessen, von Ost nach West, danach begann wieder das kreative Schrauben, Drehen und Spielen am Rechner. In Arbeit sind eine Doppelsingle eines Ray-Charles-Klassikers und ein Streaming-Soundtrack, die mir beide nicht aus dem Kopf gingen und abgearbeitet werden mussten. Erscheint im Juli.

Daneben, nach „Einsamkeit im Februar“, vier weitere, eigene Tracks des Stadtgraphikers Markus Westendorf, er selbst als Songwriter und begnadeter Sänger, Thilo Hofmann an BVocs und Fretless Bass und meine eigene Wenigkeit an Gitarre, Orgel und Beats/Drums. Da entstehen wunderschöne, alterweise Selbstbetrachtungen in Vers, Melodie & Klang, die wirklich hörenswert sind. Gerade wird an Mix und Feinschliff gearbeitet, erscheint wohl im August.

Andere laufende Projekte werden in der Zeit bis zu den Sommerferien im August fertiggestellt. Läuft gut, auch wenn ich die Schlagzahl der vergangenen Jahre in den letzten Wochen etwas zurückgefahren habe. Die Vorbereitungen für die neuerlichen Engagements inkl. Korrespondenz, Koordination und Fahrten kosten eben auch Zeit und Energie, die vom Kreativkonto abgehen, ist leider so.

Ich hoffe, es wird ein Sommer der Begegnungen und Erfahrungen. Endlich. Wieder.