Über Akzeptanz

Jesse: „You either run from things or you face them, Mr. White.“
Walter: „Now what exactly does that mean?“
Jesse: „I learned it in rehab. It’s all about accepting who you really are. I accept who I am.“
Walter: „And who are you?“
Jesse: „I’m the bad guy.“

„Breaking Bad“ („No Más“, Episode 1, Season 3), Jesse Pinkman & Walter White.

Die Geschichte der Schröder-Lampe

von Marlene Hübler geb. Schumacher (Tochter von Max Schumacher)

Sie haben meine Nichte nach dem Erfinder der Schröder-Lampe gefragt. Ich nehme dies gern zum Anlass aufzuschreiben, was mir als Tochter noch in Erinnerung ist. Doch zuerst mal die Daten meines Vaters: Max Schumacher, geboren am 11.11.1885 in Lotha, Chile. Er studierte in Deutschland Bildhauerei, betätigte sich aber auch als Architekt, beschäftigte sich sehr viel mit Formgebung (die Firma Wehag fabrizierte die von ihm entworfenen Türklinken) und er war Er-finder vieler Patente. Seine umfangreichste Erfindung ist die heute bekannte Stromschiene. Er war deren Urheber, leider nicht ihr Nutznießer. Er hat an dieser Erfindung viele Jahre gearbeitet. Doch zurück zur Lampe: Sie kam so zustande:

In der Vorkriegszeit war mein Vater in Geschäften unterwegs und sah in der Innenstadt Berlins einen Lampenladen, der ihn interessierte. Dem Inhaber, einem Herrn Schröder, sagte er unverblümt etwa Folgendes: „Ihr Laden sieht so aus, als wollten Sie gern, könnten aber nicht so recht.“ Dieser Helmut Schröder nahm die Äußerung humorvoll hin und erklärte, dass er den Laden erst kürzlich eröffnet habe. Die beiden kamen so ins Gespräch und dabei stellte sich heraus, dass Helmut Schröder noch zwei Brüder hatte. Beide saßen in Lobenstein, Thüringen. Einer von ihnen, Werner Schröder, besaß dort eine Metallwarenfabrik. Dies nahm mein Vater zum Anlass dem Ladenbesitzer einen Vorschlag zu machen, der etwa so aussah: Ich werde Ihnen eine Lampe entwerfen, die ganz und gar aus Metall herstellbar ist, sodass sie in der Firma ihres Bruders fabriziert werden kann. Sie wird außerdem so konstruiert sein, dass sie sich auseinandernehmen und, stapelbar, in großen Kartons verpackt leicht verschicken lässt. Etwa 20 Stück pro Karton. Und so, von sich selbst angespornt machte mein Vater sich an die Arbeit und entwarf jene Schreibtischleuchte, die unter dem Namen Schröder-Lampe damals den Markt erobert hat. Außerdem bestimmte mein Vater die Farben. So erschien die Lampe in weiß, grün, dunkelrot, beige, gold und silbern. Weiterlesen

Buch: „Das großartige Leben des Little Richard“ von Mark Ribowski

Mark Robowski ist US-amerikanischer Autor und hat in den vergangenen Jahrzehnten neben Sachbüchern zu sportlichen Themen etliche Biographien über z.B. Hank Williams, Lynyrd Skynyrd, Otis Redding, Phil Spector, The Supremes, Stevie Wonder oder The Temptations veröffentlicht. Nun hat er sich mit dem Sänger und Pianisten Little Richard befasst, dem selbsternannten Architekten des Rock and Roll, der mit seiner widersprüchlichen und unvorhersehbaren Erscheinung zu den archetypischen musikalischen Figuren des Rhythm & Blues und Early Rock and Roll wurde. „The Big Life of Little Richard“ erschien 2020 im amerikanischen Original und im Frühjahr 2021 zusätzlich in deutscher Übersetzung unter dem Titel „Das grossartige Leben des Little Richard“. Weiterlesen

Buch: „Verehrt, verfemt, vernichtet“ von Hans-Theo Wagner

Es gibt Bücher über Menschen und Kultur ganzer Kontinente, einzelner Länder, Regionen und Städte. In „Verehrt, verfemt, vernichtet“ richtet der Architekt, Stadtplaner und Historiker Hans-Theo Wagner seinen Blick auf „Schicksale von Bewohnern der Gartenterrassenstadt Wilmersdorf“ in der Zeit zwischen „Kaiserreich und Nationalsozialismus (1910-2020)“. Weiterlesen

Buch: „Greenlights: oder die Kunst, bergab zu rennen“ von Matthew McConaughey

Ja klar, Matthew McConaughey ist ein eingebildeter Schönling, ein gottgläubiger Republikaner, ein ungehobelter Texaner, soweit stimmt das. Auf der anderen Seite ist er aber auch ein herausragender Schauspieler, erfahrener Reisender und zuvorkommender Southern Gentleman. Dass er auch ein kluger, lebenserfahrener Mensch ist, stellt er mit seinem autobiografischen Buchdebut „Greenlights: oder die Kunst, bergab zu rennen“, das er sich selbst zum 50. Geburtstag geschrieben hat, eindrucksvoll unter Beweis. Weiterlesen

Läuft so (KW15/2021)

Während sich die Gesellschaft von einem Lockdown zum nächsten hangelt, gehen die Produktionsarbeiten immer weiter. Allerdings werden sie kleinteiliger, weil passend zum allgemeinen Trend weniger Album- und stattdessen immer mehr Einzeltrack-Veröffentlichungen in noch dazu immer kürzeren Abständen produziert werden. Ein Track im Monat und am besten noch ein Video oder eine B-Seite dazu sollten es schon für einen Artist/Band/Projekt sein, sonst verschwindet man am hinteren Rand des Algorithmus, da wo es ganz dunkel und finster ist, am Rand der klingenden Scheibe, in der allerletzten Rille sozusagen. Da ich selbst mehrere Musikprojekte betreibe und zusätzlich noch eine Hand voll andere Musiker und deren Projekte betreue, kommen da im Monat schnell mal 8-10 Einzeltracks zusammen, also das Musikaufkommen, das man vor kurzer Zeit alle paar Jahre zusammengefasst in einem Album veröffentlicht hätte. Die Zyklen werden einfach immer kürzer und folgen immer schneller aufeinander, das Tempo ist alleine kaum noch steigerbar. Da ist schnelles und effektives Arbeiten angesagt. Das bedeutet vor allem zügige und treffsichere Beurteilungen vorzunehmen und mutige und richtige (!) Entscheidungen daraus abzuleiten. Man muss schnell erkennen, wann sich die Arbeit lohnt, ob man evtl. gerade einen Um- oder Irrweg geht oder ob es einen effektiveren Weg geben könnte um zu guten oder noch besseren Ergebnissen zu kommen. Dabei ist es von Vorteil, wenn man in der Vergangenheit vieles probiert hat, die schlimmsten Fehler schon begangen hat und aus ihnen gelernt hat. Nur umfangreiche Erfahrung macht einen zügigen, effektiven Workflow überhaupt möglich. Weiterlesen

Buch: „Vielleicht Hunsrück“ von Jürgen Roth

Auf Jürgen Roth wurde ich aufmerksam durch das äußerst empfehlenswerte Buch „Die Reise durch Franken“ (2014), das er zusammen mit dem mittelfränkischen Extrem-Kabarettisten Matthias Egersdörfer in Briefromanform verfasste. Da präsentierte er sich als sorgfältiger Rechercheur, aufmerksamer Beobachter und geistreicher Chronist der gemeinsamen Erlebnisse. „Die Reise“ war für Egersdörfer sein Debut als Buchautor, Roth dagegen schreibt und veröffentlicht bereits seit den späten 1990er Jahren in einer beachtlichen thematischen Breite. Als Abkömmling der Neuen Frankfurter Schule um Eckhard Henscheid („Trilogie des laufenden Schwachsinns“ (1973/77/78) sind immer wieder behandelte Themen seiner Betrachtungen: Fußball, Bier, Wurst, Wirtshauskultur, sowie Naturbetrachtungen und Vogelkunde. Er veröffentlicht regelmäßig kulturkritische und politische Beiträge in z.B. konkret, in der jungen neuen Welt, taz, Titanic und anderen Publikationen. Mit „Vielleicht Hunsrück“ (2020) hat Jürgen Roth ein Buch veröffentlicht, das er selbst in der Gattung Jahresroman verortet. „Man könnte sagen: ein Gegenwartsentwicklungsroman, ein Protokollroman, eine Fetzenroman, ein Lumpensammlungsroman. Oder: ein Journal.“ Weiterlesen