Buch: „The Journey of Humanity – Die Reise der Menschheit durch die Jahrtausende“ – Oded Galor

Oded Galor ist israelischer Wirtschaftswissenschaftler und Makroökonom. Seit den späten 1980ern veröffentlichte er akademische Schriften wie „Discrete Dynamical Systems“ (2007). Zuletzt entwickelte er die Unified Growth Theorie, mit der Wachstum über alle Phasen der Menschheit und alle Nationen in einem einzigen Modellrahmen erklärt werden soll. „The Journey of Humanity“ (2022) ist sein erstes Buch, in dem er seine dbzgl. Ideen einer allgemeinen Öffentlichkeit präsentiert. Weiterlesen

Buch: „Colonel Tom Parker“ – James L. Dickerson

Der US-amerikanischer Sachbuchautor James L. Dickerson hat seit Mitte der 1990er Jahre mehr als 30 Sachbücher und Biographien zu Musik aus den Südstaaten veröffentlicht darunter herausragende Titel über z.B. Scotty Moore, Lil Hardin Armstrong, Dixie Chicks, aber auch regional-kulturelle Themen wie „Memphis Going Down“ (2013), „Mojo Triangle“ (2005) und „Goin‘ Back to Memphis“ (1996). Nun hat er sich mit dem Musikmanager Colonel Tom Parker befasst, dem lebenslangen und karrierebestimmenden Manager Elvis Presleys, der mit seiner zwielichtigen und rücksichtslosen Agenda eine berüchtigte Figur der kommerziellen Verwertung populärer Musikkultur wurde. „Colonel Tom Parker: The Curious Life of Elvis Presley’s Eccentric Manager“ erschien 2018 im amerikanischen Original und im Frühjahr 2022 in deutscher Übersetzung. Weiterlesen

My Audience is Listening (2022)

Beim Streamingdienst Spotify kann man als Premiummitglied und verifizierter Künstler die eigene Statistik abrufen, darunter tagesaktuell auch Top Countrys und Top Citys. Ist natürlich interessant zu sehen, wo man gehört wird. Es kommen zwar noch weitere Zugriffe bei anderen Diensten dazu, aber ich nehme an, die Spotify-Seite gibt einen guten Überblick.

Für mich immer wieder erstaunlich, aber irgendwie auch wieder nicht, dass ich vor allem in englischsprachigen Regionen abgerufen, gehört und auf persönliche Playlists gesetzt werde. Im Monat sind es zur Zeit knapp 10.000 Zuhörer mit ca. 20.000 Abrufen. Weit vorne ist seit Jahren der Track „Jolene“ mit insgesamt mehr als 2.050.000 Plays. Dahinter reihen sich wechselnde Tracks, beliebt sind „I never promised you a Rosegarden“ und „You don’t mess around with Jim“, danach „Jackson“ und „That’s how I got to Memphis”. Erst danach kommen eigene Songs wie „I’m Still Here“ und „Living is the Slowest Way to Die“, immerhin aktuelle Tracks des letzten eigenen Albums „Still Here“ (2020).

Gehört werde ich von 58% Frauen und 39% Männern, der Rest wird nicht zugeordnet. 28% meiner Hörer sind 45-59 Jahre alt, 25% sind 35-44 Jahre alt, 19% sind 28-34 Jahre alt, der Rest ist jünger.

Top Länder sind USA, Kanada, Australien, Spanien und Mexiko. Mein Heimatland Deutschland kommt erst an siebter Stelle. Top Städte sind Sydney, Montreal, Melbourne, Brisbane und Madrid. Die deutschen Großstädte Hamburg (44), Berlin (46) und München (47) kommen erst kurz vor Ende der Liste und verzeichnen Einträge im niedrigen zweistelligen Bereich. Meine Heimatstadt Würzburg taucht nicht mal auf, wow.

Die Statistik ist für mich aufschlussreich und beruhigend. Seit ich überhaupt Musik mache und vor allem seit ich Songs schreibe, produziere und veröffentliche hatte ich den Eindruck in meinem Umfeld nur wenige Hörer zu erreichen. Klar kamen Menschen zu meinen Konzerten und kauften CDs, aber das fand alles in bescheidenem Rahmen auf lokaler, höchstens regionaler Ebene statt. War für mich schwer bis unmöglich da rauszukommen, habe trotz meiner Bemühungen bis heute keinen gangbaren Weg gefunden. Traditionelle Medien wie Zeitungen, Magazine, TV. Veranstalter, Kulturvermarkter, Kulturamt etc. waren leider, insbesondere in den letzten Jahren, auch keine Hilfe, obwohl z.B. Künstler und Kulturberichterstattung aus der eigenen Stadt/Region durchaus in mehrseitigem Interesse liegen könnte. Irgendwann zweifelt man da als Kreativer auch und fragt sich, ist das alles wertloser Schrott, was ich da fabriziere, wenn es kaum Interesse in meinem unmittelbaren Umfeld hervorruft?

Und dann gibt’s auf einmal Downloadportale und ein paar Jahre später Streamingdienste und man ist überall auf der Welt erhältlich und man bekommt Zahlen vorgelegt über Verkäufe und Abrufe und merkt: Auch ohne Marketing, auch ohne Hilfe der Medien, auch ohne Tricks wird die Musik auf einmal gehört und ganz offensichtlich wertgeschätzt, genug jedenfalls um sie runterzuladen oder sie auf Playlisten zu speichern und 10.000-fach oder gar 100.000-fach spielen zu lassen. Nur eben nicht da, wo ich lebe und arbeite, sondern ganz woanders, in anderen Städten, auf anderen Kontinenten, da wo ich nicht bin. Ist zwar ziemlich abstrakt, aber dann doch eine schöne, befriedende Erkenntnis und motiviert weiter zu machen und genau deswegen war ich in den letzten Jahren so fleißig. Ich weiß jetzt endlich, dass ich von sehr vielen Menschen erhört werde, cool, nä?

Der New Yorker Aktionskünstler David Rodgers lag also richtig als er mir in mein Stammbuch schrieb: „Dennis Schütze was born in the wrong hemisphere“. Aber inzwischen ist das vielleicht gar nicht mehr so tragisch wie noch vor ein paar Jahren. Doch genug der Worte, muss jetzt Schluss machen und weiterarbeiten an neuen Songs, Arrangements und Produktionen. Wir hören uns!

Buch: „Generation Chillstand“ von Milosz Matuschek

2018 veröffentlichte Milosz Matuschek unter dem Eindruck von Wirtschaftskrisen, Überwachungsskandalen und Trump-Regierung das gesellschaftskritische Buch „Generation Chillstand“. Der promovierte Volljurist und Journalist spricht darin offen bedenkliche gesellschafts-politische Entwicklungen in Deutschland und Europa an und geht hart mit ihnen und den davon betroffenen Generationen ins Gericht. Ansprechpartner ist seine eigene und die nachfolgende Generation, gerne zusammengefasst unter der Chiffre Generation Y (geb. 1980-99) und Generation Z (geb. ab 2000), auch Millennials genannt. Weiterlesen

Über Ersatz

„Die Generation Y & Z erlebt gerade die hässliche Endphase einer Periode, in welcher jeder ein Gewinner war und damit das Ende eines Illusionssystems, das die Form über den Inhalt stellte. Ein Diplom ersetzt heute Bildung, Information ersetzt Wissen, Zugang ersetzt Eigentum, Zahlenreihen ersetzen Geld, Profilierung ersetzt Persönlichkeit, beeindruckende Jobtitel ersetzen Aufstieg, Likes ersetzen Bezahlung, Kredite ersetzen Wohlstand, das Kuratieren ersetzt Kreativität, das Influencen ersetzt Relevanz, der Rausch das Glück, und statt ‚find yourself‘ heißt unser Lebensmotto ‚broadcast yourself‘.“

Milosz Matuschek: „Generation Chillstand“ (2018), S. 122

Über München

„Wenn meine Generation eine Stadt wäre, dann wäre sie München: nach außen ist alles ’scheee‘, herausgeputzt, gerne groß, beim näheren Hinsehen aber doch provinziell, unbedeutend und hinter dem schönen Schein ist so gar nichts. Wie München leidet die Generation unter der Diskrepanz zwischen Selbsteinschätzung und Fremdbewertung. Sie selbst ist für sich das Non Plus Ultra. Der Welt ist sie absolut gleichgültig.“

Milosz Matuschek: „Generation Chillstand“ (2018), S. 113/14

Buch: „Lecko Mio – Siebzig werden“ von Helge Timmerberg

Viele seiner Leser sind zusammen mit ihm, seinen Reportagen und Geschichten zuerst erwachsen und im weiteren Verlauf alt geworden. Der deutsche Hippiereisejournalist Helge Timmerberg startetet seine Karriere als klassischer Voluntär bei einer norddeutschen Lokalzeitung, arbeitete sich rasch empor und veröffentlichte seine außergewöhnlichen, vom amerikanischen Gonzo-Journalismus geprägten Reisereportagen in (ehemals) renommierten deutschsprachigen Magazinen wie Stern, Bunte, Tempo, Wiener, Playboy etc. Verbunden damit waren immer Recherchereisen in abenteuerliche Regionen und Länder. Ab ca. 2000 veröffentlichte Timmerberg fast in jedem Jahr ein oder sogar mehrere Bücher. Anfangs wurde von Erlebnissen seiner ausgedehnten Reisen erzählt, in den letzten Jahren traten die Reisen selbst immer mehr in den Hintergrund, es wurden persönlich geprägte Geschichten erzählt, die sich zwischen Wirklichkeit und phantasievoller Fiktion bewegten. Zuletzt sind es zunehmend anekdotische Erinnerungen an ein bewegtes Leben in losen Episoden ohne durchgehende Handlung. Weiterlesen