Krise? Welche Krise? (KW28/2020)

Über zu wenig Arbeit oder Aufgaben kann ich mich in den letzten Monaten wirklich nicht beschweren, ganz im Gegenteil. Instrumentalunterricht habe ich nach den Osterferien auf Videoübertragung umgestellt, war deutlich einfacher als vorab befürchtet und lief gut bis sehr gut, weil fast alle Schüler anstandslos mitgemacht haben. Mittlerweile habe ich größtenteils wieder auf Präsenzunterricht umgestellt, einige Schüler habe ich verloren, dafür sind andere dazu gekommen. Die Absage aller Konzerte bis in den Herbst 2020 war dann auch weniger gravierend als gedacht. Zum großen Teil gab es anteilige Ausfallgagen oder private oder öffentliche Veranstaltungen wurden in beiderseitigem Einverständnis terminlich verlegt. Bis auf wenige Ausnahmen haben sich alle Beteiligten ehrenwert und anständig verhalten und eine faire Lösung gesucht. Weiterlesen

Lyrics: „I’m Still Here“

„I’m still here, I’ll stick around, all alone, I stand my ground,
I work hard, to the bone, yes, I keep on, keeping on,
Paid my dues, served my time, took a shot, and I walked the line,
Stood a fight, hit the floor, got back up, but don’t know what for,
Have regrets, and my pride, went to war, and I switched the sides,
Sailed to sea, lost my course, walked upon, foreign shores,
Got back home, lost my way, it was no, place to stay,
So I wait, and I’ll see, what destiny holds for me.“

from „I’m Still Here“ by Dennis Schütze (2020)

Malerei: Ursula Schumacher (1925-2012)

Im Zuge meiner Recherchen zur eigenen familiären Herkunft kam ich in den letzten Jahren in Kontakt mit etwas weiter entfernter Verwandtschaft, darunter auch Nanette-Lorraine Schumacher. Wir sind Cousin und Cousine zweiten Grades, haben also denselben Urgroßvater Ludwig Hermann Schütze, eine interessante Persönlichkeit, von dem ich bereits an anderer Stelle auf diesem Blog berichtete. Nanette ist die Tochter der Berliner Malerin Ursula Schumacher (1925-2012), von ihr möchte ich heute erzählen.


Ursula Schumacher wurde 1925 in Berlin als Tochter von Gertrud Schütze und dem Bildhauer und Architekten Max Schumacher geboren. Innerhalb der Familie liebevoll Mogli benannt, erhält sie früh zeichnerischen Unterricht und besucht später die Meisterschule des deutschen Kunsthandwerks. Nach dem Krieg nimmt sie eine Bürotätigkeit auf, kann so ihren Lebensunterhalt sichern und mit Klarheit und Konsequenz die eigene Malerei verfolgen. Sie malte vornehmlich Stillleben mit Gegenständen des alltäglichen Lebens, aber auch Architektur- und Landschaftsmotive. Sie war interessiert an der Methode der Neuen Sachlichkeit und des Magischen (Poetischen) Realismus, mit sachlicher Genauigkeit die Dinge in ihrer einfachen wahren Eigenart und Eigengesetzlichkeit zu betrachten. Menschen kommen in ihren Bildern nicht vor. Jedoch scheint es, als wären sie gerade aus dem Bild getreten.


In ihrem Nachlass befinden sich noch viele Bilder. Bei Interesse kann der Kontakt zur Tochter hergestellt werden.

Interview mit Johannes Klier, Teil 3

DS: Von 1980 bis 1996 unterrichteten Sie an der Hochschule für Musik in München. Erst 1987 wurde dort ein Diplomstudiengang mit dem künstlerischen Hauptfach Gitarre geschaffen. Warum hat das in der bayerischen Landeshauptstadt solange gedauert? Warum wurden Sie nicht konsequenterweise zum Professor berufen?

Auf Ihre letzte Frage kann ich Ihnen keine Antwort geben, das weiß ich nicht. Natürlich gab es 1988, zu Beginn des Studiengangs, noch gar nicht genügend Studenten, die eine hauptamtliche Professur gerechtfertigt hätten, hatte ich doch im 1. Studienjahr lediglich drei Studenten. Erfahrungsgemäß dauert der Aufbau einer Instrumentalklasse so um die 7 – 8 Jahre. Und in dieser Zeit hat das Präsidium der Musikhochschule mehrfach gewechselt. Zu meinem großen Bedauern hatten die Präsidenten, die nach der Einführung des Gitarrestudiengangs die Leitung der Hochschule übernommen haben, überwiegend keinerlei bzw. kein großes Interesse an der Gitarre. Das war aber auch die Zeit der Wiedervereinigung 1989/90, die ihre Spuren hinterließ. Bereits bewilligte Planstellen wurden wieder zurückgenommen, das Geld wurde beim Aufbau Ost gebraucht, hieß es. Und dann stand ja auch noch die Fusion mit der Fachakademie im Raum. Also alles Gründe, die augenscheinlich gegen eine Professur zu diesem Zeitpunkt sprachen. Ob ich aber die wirklichen Gründe genannt habe, kann ich nicht sagen. Weiterlesen

Interview mit Johannes Klier, Teil 1

Johannes Klier ist klassischer Gitarrist, Instrumentalpädagoge, Autor von Aufsätzen und Büchern, sowie Herausgeber von Noteneditionen. Seit den 1980er Jahren leistet er mit diversen Veröffentlichungen wertvolle Beiträge zur Geschichte der Gitarre und zu Werkanalyse und Interpretation. 1980-1996 war Klier Lehrbeauftragter für Gitarre an der Hochschule für Musik München. Das Interview fand in schriftlicher Form im Mai 2020 statt und wurde geführt von Dr. Dennis Schütze.

DS: Herr Klier, was hat sie als junger Mensch zum Instrument Gitarre hingezogen? Und wie haben sie das Instrument zuerst erlernt? Gab es damals etwas wie eine etablierte Lehrmethode für klassische Gitarre?

JK: Es war der Klang der Gitarre, der mich von Anbeginn an berührte, ihr intimer, leicht melancholischer Klang. Ich war gerade einmal 5 Jahre alt, als ich im Radio zum ersten Mal Gitarrenmusik hörte und war sofort gefangen genommen. Erst viele Jahre später erfuhr ich, dass es sich bei diesem Stück um Francisco Tárregas Minuetto handelte, gespielt von Andrés Segovia – ich denke, es ist eine seiner schönsten Aufnahmen. Nach diesem „Erweckungserlebnis“ hörte ich so oft es ging Radio, und glücklicherweise gab es auch immer wieder einzelne Gitarrenstücke zu hören. Merkwürdigerweise sendete der BR alle paar Monate jenes Gitarrenstück – Tárregas Minuetto. Im Alter von 8 Jahren bekam ich dann endlich von meinen Eltern zu Weihnachten eine Gitarre. Weiterlesen

Film: „Planet of the Humans“ von Jeff Gibbs

Weil Lichtspielhäuser derzeit geschlossen sind, wurde der brandneue Dokumentarfilm „Planet of the Humans“ von Jeff Gibbs kurzerhand auf dem Youtubekanal des Aktivisten Michael Moore veröffentlicht. Man kann sich also gemütlich auf dem Sofa daheim von dem eindrücklichen Bericht über die Verflechtungen der Erneuerbaren-Energie-Wirtschaft und den katastrophalen Zustand unseres Planeten schocken lassen.