Buch: „Greenlights: oder die Kunst, bergab zu rennen“ von Matthew McConaughey

Ja klar, Matthew McConaughey ist ein eingebildeter Schönling, ein gottgläubiger Republikaner, ein ungehobelter Texaner, soweit stimmt das. Auf der anderen Seite ist er aber auch ein herausragender Schauspieler, erfahrener Reisender und zuvorkommender Southern Gentleman. Dass er auch ein kluger, lebenserfahrener Mensch ist, stellt er mit seinem autobiografischen Buchdebut „Greenlights: oder die Kunst, bergab zu rennen“, das er sich selbst zum 50. Geburtstag geschrieben hat, eindrucksvoll unter Beweis. Weiterlesen

Buch: „Look Out Kid“ von Maik Brüggemeyer (Hrsg.)

Zum 80. Geburtstag der Musikerlegende Bob Dylan hat der deutsche Popmusikjournalist Maik Brüggemayer ein Kompilation von Kurzgeschichten und persönlichen Betrachtungen zusammengestellt, die auf unterschiedliche Weisen mit Leben und Werk des US-amerikanischen Songschreibers in Beziehung stehen. Sich selbst hat Brüggemayer mit einer klassisch aufgebauten, autobiographisch anmutenden Kurzgeschichte den letzten Platz in der Sammlung reserviert. Vor ihm kommen 19 andere Autoren mit Beiträgen unterschiedlichster Form und Länge zu Wort, darunter viele Personen, die den meisten Lesern unbekannt sein dürften, aber das ist ja nicht schlimm (nur Niedecken fehlt leider). Am ansprechendsten sind die Erzählungen, die eine persönliche Auseinandersetzung mit einem Song oder einer biographischen Begebenheit mit Dylan behandeln. Einige wenige sind nicht sehr gelungen, aber das kann bei solchen Zusammenstellungen eben passieren, man kann ja leicht drüber blättern und an einer anderen Stelle weiterlesen. Weiterlesen

Buch: „Vielleicht Hunsrück“ von Jürgen Roth

Auf Jürgen Roth wurde ich aufmerksam durch das äußerst empfehlenswerte Buch „Die Reise durch Franken“ (2014), das er zusammen mit dem mittelfränkischen Extrem-Kabarettisten Matthias Egersdörfer in Briefromanform verfasste. Da präsentierte er sich als sorgfältiger Rechercheur, aufmerksamer Beobachter und geistreicher Chronist der gemeinsamen Erlebnisse. „Die Reise“ war für Egersdörfer sein Debut als Buchautor, Roth dagegen schreibt und veröffentlicht bereits seit den späten 1990er Jahren in einer beachtlichen thematischen Breite. Als Abkömmling der Neuen Frankfurter Schule um Eckhard Henscheid („Trilogie des laufenden Schwachsinns“ (1973/77/78) sind immer wieder behandelte Themen seiner Betrachtungen: Fußball, Bier, Wurst, Wirtshauskultur, sowie Naturbetrachtungen und Vogelkunde. Er veröffentlicht regelmäßig kulturkritische und politische Beiträge in z.B. konkret, in der jungen neuen Welt, taz, Titanic und anderen Publikationen. Mit „Vielleicht Hunsrück“ (2020) hat Jürgen Roth ein Buch veröffentlicht, das er selbst in der Gattung Jahresroman verortet. „Man könnte sagen: ein Gegenwartsentwicklungsroman, ein Protokollroman, eine Fetzenroman, ein Lumpensammlungsroman. Oder: ein Journal.“ Weiterlesen

Buch: „Career Suicide“ von Bill Kaulitz

Bill Kaulitz? Wer ist das? Als Sänger und Frontmann der deutschen Schülerband Tokio Hotel, die er zusammen mit seinem Zwillingsbruder Tom gegründet hatte, wurde er mit „Durch den Monsun“ (2005) schlagartig berühmt. Es folgte das Debutalbum „Schrei“ (2005) und danach, tja, was kam eigentlich danach? Nun hat Kaulitz unter dem Titel „Career Suicide“ im zarten Alter von gerade mal 30 Jahren seine (erste?) Autobiographie vorgelegt. Weiterlesen

Über Hochzeiten & Fehler

„Alles Tun und Planen und Testen zuvor hat ja nichts anderes zum Ziel als einen umfassenden Ausschluss des Zufalls. Das Wetter als einzig verbliebene Weltrealität. ‚Alles stimmt‘, heißt es dann immer, wenn wirklich gar nichts mehr gestimmt hat und alles künstlich war.“ (S. 50)

„‘Alles stimmte‘ – kann man wegschmeißen. Eine Hochzeit mit blauem Himmel und bunten Blumen und nicht schreienden Kindern, und die Großmutter ist sogar gekommen, das ist ja nichts. Das ist ja einfach gar nichts. Man braucht schon einen Fehler.“ (S. 54)

„Wenn wir uns noch einmal vergegenwärtigen, warum wir uns an diese Hochzeit, die vor einem Jahr stattfand, erinnern, so sind es nun mal die Fehler, die all das erinnerlich machen. […] durch solche Begebenheiten, durch Fehler, Missgeschicke und Pannen eignet sich so was doch erst eigentlich zur literarischen Beschreibung. Man findet doch erst Zugang zu Situationen, zu Menschen, zu Gedanken, zu Geschichten, wenn man einen Fehler entdeckt.“ (S. 53)

Benjamin von Stuckrad-Barre: „Alle sind so ernst geworden“ (2020)

Über Partykellerfantasien

„[…] Man wollte doch damals, soweit ich weiß, meistens bloß den Gitarren-Klassiker ‚Stairway To Heaven‘ spielen können. Um Mädchen zu beeindrucken in sogenannten Partykellern. Deshalb fing man auch an, Gitarre zu spielen. Oder ‚Smoke On The Water‘. Generationen von Gitarrenlehrer hat diese Partykellerfantasie ernährt. […]“

Aus: „“Alle sind so ernst geworden“ von Martin Suter & Benjamin von Stuckrad-Barre, 2020.

Buch: „Auf nach Neuland“ von Monika Rech-Heider

Noch ein Buch über eine Familie, die sich, ausgehend von der Initiative der Mutter, eine Auszeit nimmt um die Welt, in diesem Fall Mittel und Süd-Europa, zu bereisen. Das besondere sollte wohl sein, dass die drei Kinder von der Schulpflicht befreit sind und die Reise als Schule des Lebens erfahren sollten. Auf Anordnung der Mutter soll die Familie die lästigen Pflichten hinter sich lassen, die Vielfalt der europäischen Regionen erleben und entspannt, erfüllt und glücklich in die Routine zurückkehren. Fazit: Eher so mittel. Weiterlesen

Buch: „Könnt ihr uns hören?“ von Jan Wehn & Davide Bortot

Jan Wehn (SPEX, DE:BUG, JUICE) und Davide Bortot (JUICE) haben als anerkannte HipHop- und Rap-Kenner eine umfangreiche Textsammlung zusammengestellt, die sie als eine „Oral History des deutschen Rap“ beschreiben. Diese per Definition gesprochenen Rückblicke werden von einer umfangreichen und beeindruckenden Anzahl von HipHop-Künstlern, Akteuren und Aktivisten erzählt. Wehn und Bortot haben diese, zum Teil äußerst detaillierten und präzisen Erinnerungen dokumentiert, aufgeschrieben und sinnvoll kompiliert. Weiterlesen

Buch: „Immer am Limit“ von Christoph Daum mit Nils Bastek

Wer in den späten 1980ern und 1990ern die Bundesliga verfolgt hat, kennt Christoph Daum: deutscher Fußballtrainer und ewiger Schnauzbarträger. Er startete beim FC Köln, es folgten Stationen in Stuttgart, Leverkusen, später auch im europäischen Ausland, mehrfach Istanbul, Wien, Rumänien. Charakterkopf, große Klappe, öffentliche Dauerfehde mit Uli Hoeneß. Jetzt hat das Trainerurgestein seine Autobiographie vorgelegt, die er zusammen mit Nils Bastek niedergeschrieben hat. Weiterlesen

Buch: „Das kleine Buch der Selbstverwüstung“ von Marian Donner

So richtig komplett selbstverwüstet hat sich die Autorin Marian Donner anscheinend noch nicht. Immerhin hat die Niederländerin einen Mann und einen Sohn und arbeitet als Journalistin für Zeitungen und Magazine. Ganz wörtlich sollte man der reißerischen Titel also nicht nehmen, aber den Untertitel vielleicht schon: „Warum wir mehr stinken, trinken, bluten, brennen und tanzen sollten“. Weiterlesen