Mainpost über Nina Clarissa Frenzel

Von Mathias Wiedemann

Die 21-Jährige ist Cellistin, Sängerin, Komponistin, Dichterin. Ihre Werke laden ein, Tempo aus dem eigenen Leben zu nehmen und sich auf eine besondere Poesie einzulassen.

Die Corona-Sperre hat sie mit Arbeit verbracht, sagt Nina Clarissa Frenzel. „Ich konnte so viele Projekte, die ich schon so lange im Kopf hatte, einfach mal zu Papier bringen.“ Nina Clarissa Frenzel ist 21 Jahre jung, Cellistin, Komponistin, Dichterin, Sängerin. Sie stammt aus Dresden, wo sie ihr Abitur am Landesmusikgymnasium abgelegt hat. An der Hochschule für Musik in Würzburg hat sie soeben das vierte Semester ihres Cellostudiums beendet. Und sie hat ihre zweite CD vorgelegt, diesmal mit ausschließlich eigenen Werken: „Minitaturen für Cello & Stimme“.

Das ist eher ungewöhnlich. Üblicherweise geht es im klassischen Musikstudium in erster Linie darum, die Baupläne der Musik anderer zu verstehen und möglichst viel, möglichst anspruchsvolles Repertoire einzustudieren. „Ich versuche, eine gute Mitte zu finden“, sagt Nina Clarissa Frenzel. Natürlich wolle sie auch das klassische Repertoire meistern. „Aber ich versuche, mir die Zeit zu nehmen für die vielen Impulse, eigene Sachen zu machen. Dann setze ich mich ein paar Tage hin und schreibe. Das meiste entsteht aus dem Improvisieren heraus, was man gut zwischen dem klassischen Repertoire einbauen kann.“
Eine Stelle im Orchester ist ohnehin nicht ihr Ziel. Stattdessen tritt sie mit einer Jazzband auf oder hilft bei „Kabale und Liebe“ am Mainfranken Theater als Bühnenmusikerin aus. 2019 hat sie im Libanon, ermöglicht durch die Dresdner Hilfsorganisation arche noVa und die Amerikanische Universität Beirut (AUB), ein Konzert mit einem Chor aus Kindern syrischer Geflüchteter gegeben.

Anfangs in Beirut war es schwer, die Armut und die Hoffnungslosigkeit auszuhalten

Es sei ihr als Kind des Wohlstands zunächst schwer gefallen, die „Extremlage“ dort auszuhalten, erzählt sie. Die Armut und die Hoffnungslosigkeit. Auf der anderen Seite war dann aber diese große Freude der Kinder, Musik zu machen. „Ich bin angekommen und habe die ersten Töne auf einem Leihcello gespielt und ein kleiner Junge hat angefangen zu weinen – aus purer Freude an den Klängen.“

Es sollten 15 kleine Stücke gespielt werden, Nina Clarissa Frenzel kannte keines davon. Es gab auch keine Noten. „Ich habe mir mit dem Klavier die Harmonien zurechtgesucht und darüber improvisiert. So wurden die Arbeit und das Konzert ein unglaublich spontanes, freies Begegnen und ein Vertrautsein, ohne, dass man sich vorher kannte. Das war sehr schön.“

Diesen Hunger auf Kultur beobachtet die junge Musikerin hierzulande nicht mehr. „Hier herrscht an nichts Mangel. Nicht an Kultur und nicht an Essen oder anderen Dingen. Man betäubt sich mit der ganzen Vielfalt, die angeboten wird. Ruhe finden, eine Suche beginnen, die Frage, wer man als Mensch ist, welche Aufgabe man überhaupt hat – ich denke, all das wird übergangen, muss übergangen werden, durch die vielfältigen Möglichkeiten der Ablenkung.“

Der Motor ihrer Arbeit ist die Frage nach der Aufgabe, die sie in diesem Leben vielleicht hat

Sie selbst hat diese Suche zum Motor ihrer Arbeit gemacht. „Ich bin großgeworden mit diesen Fragen, mit dieser Tiefe, das Leben zu hinterfragen. Aber erst nach der Schule habe ich das Ausdrucksmittel gefunden, selber Stücke schreiben.“ Die CD vereint 14 Eigenkompositionen aus Wort und Ton, aufgenommen und produziert von dem Würzburger Musiker und Produzenten Dennis Schütze. Selbst das Cover hat Nina Clarissa Frenzel mit einer Buntstifte-Zeichnung selbst gestaltet, wobei man sich von der naiv anmutenden Bildsprache nicht täuschen lassen sollte: Nina Clarissa Frenzels Arbeit entfaltet ihren Zauber nur dem, der bereit ist, Tempo aus dem eigenen Leben zu nehmen und sich auf das nicht sofort Zugängliche einzulassen.

Sie spricht und singt und spielt Cello gleichzeitig, probiert Klänge aus, schafft Räume, in denen die Fantasie Anknüpfungspunkte findet. In den konkreteren Stücken stellt sie Fragen zum eher traurigen Zustand der Welt, stärker ist sie, wenn sie ihrer Poesie ihren Lauf lässt. Da werden Adern eines angewehten Blattes zu Lebenslinien, oder da „träumt einer, dass er im Wolkenschloss wohnt, bewacht von blauen Tigerpranken“. Die Klänge sind mal deklamierend, mal flächig, mal mit hohlen Intervallen, die an mongolischen Kehlkopfgesang erinnern, mal mit wohlklingend Terzen und Sexten.

Nina Clarissa Frenzels Musik hat zutiefst romantische Wurzeln. Mit einer archaischen Komponente. „Es ist nicht unbedingt zeitgenössisch experimentell, was ich mache, das stimmt“, sagt sie. „Ich würde es als zeitgenössische Klassik bezeichnen. Ich bin schon sehr lange auf der Suche, was überhaupt der Ursprung der Musik ist. Was Musik überhaupt ist.“
Nina Clarissa Frenzel nutzt ihre Ausdrucksmittel nicht, weil sie unbedingt Leute erreichen möchte. „Ich gehe in mich selber hinein, und daraus erschafft sich etwas. Ich denke, nur so kann es funktionieren: Dass man durch sein Tun immer mehr zu seinem Inneren findet. Dann wird vielleicht draußen jemand hellhörig. Dann wird es für jemand anderen interessant.“

Das Album gibt es über die üblichen Download- bzw. Streamingportale oder als CD.

Lyrics: „I’m Still Here“

„I’m still here, I’ll stick around, all alone, I stand my ground,
I work hard, to the bone, yes, I keep on, keeping on,
Paid my dues, served my time, took a shot, and I walked the line,
Stood a fight, hit the floor, got back up, but don’t know what for,
Have regrets, and my pride, went to war, and I switched the sides,
Sailed to sea, lost my course, walked upon, foreign shores,
Got back home, lost my way, it was no, place to stay,
So I wait, and I’ll see, what destiny holds for me.“

from „I’m Still Here“ by Dennis Schütze (2020)

Simon-Philipp Vogel über „James Bond 007“

Von Simon-Philipp Vogel

Als das Coronavirus noch verschwindend klein war – quasi in der Prä-Corona Zeit – entschied sich Dennis Schütze einem Wunsch, den er schon lange hegte nachzugehen. Am Horizont zeichnete sich der Release des neuen James Bond Filmes ab und Schütze wollte seine persönliche, musikalische James Bond Hommage zum Filmstart präsentieren.
Nun leben wir im März 2020 in der Corona-Krise und Filmstudios treffen (die wohl einzig richtige) Entscheidung und verschieben die Veröffentlichung Ihrer Werke. “Was nun?” fragte sich da auch Dennis Schütze. Doch der Vollblutmusiker tat das, was man eben so tut: Er veröffentlichte sein Werk trotzdem und packte dazu noch eine Videoproduktion hintendran – hervorragend!

Elf Tracks hat das Album “James Bond 007”, wobei der aktuelle Song von Billie Eillish “No Time to die” zweimal auf der Platte vertreten ist. Einmal als stimmungsvolles Instrumental (hier zum Video), einmal mit Schützes Gesang. Die Tracks sind allesamt wohlbekannt und gewohnt klangvoll in Zusammenarbeit mit Jan Hees produziert. Dabei machte der Musiker auch nicht von fordernden Stücken, wie etwa Adeles “Skyfall” halt, dass er überraschend souverän zu singen weiß. Insgesamt zeigt Schütze, dass er gerade die weiblichen Originale treffend interpretieren kann. Weder das so prägnante “Goldeneye” von Tina Turner wirkt unpassend, noch das fünfzig Jahre alte “Goldfinger”, gesungen von Shirley Bassey, mit seinem charmanten sechziger Jahre Flair, wirkt unbeholfen. Dennis Schütze weiß, was er kann und setzt bewusst darauf, die Lieder für sich zu interpretieren und nicht eine vage Kopie des Originals zu produzieren. Das ist wichtig und richtig, haben sich doch die Originale so sehr ins kollektive Gedächtnis eingeprägt, dass gezwungene Coverversion schnell peinlich wirken. Mein persönlicher Favorit des Albums ist “Another Way to Die” von Jack White und Alicia Keys. Hier hat sich Dennis Schütze mit Sandra Buchner noch eine markante Frauenstimme zum Duett geholt und das Ergebnis ist schlicht großartig. Ebenfalls super: Der Opener “No Time to die”.

Das Album “James Bond 007” von Dennis Schütze ist eine durchweg gelungene musikalische Hommage an den weltbekannten Agenten mit der Lizenz zum Töten. Ob ich mit den neuen James Bond tatsächlich im Kino ansehen werde, ist zwar fraglich. Die Musik zu den Filmen wird die nächsten Tage aber in meiner persönlichen Setliste häufiger auftauchen.

Erhätlich ist das Album bei iTunes, Amazon, spotify

Mainpost über „One Man Band“

Dennis Schütze spielt Americana als „One Man Band“

Von Karl-Georg Rötter

Würzburg – Der Würzburger Singer/Songwriter Dennis Schütze setzt auf seinem neuen Soloalbum auf bekanntes Repertoire und interpretiert auf „One Man Band“ Lieder aus dem anglo-amerikanischen Songbook. Manches ist bekannter wie Melanies „Brand New Key“, das auch ohne die markante Stimme von Melanie gut funktioniert, oder John Sebastians „Daydream“. Programmatisch eröffnet das Album, das nur als Download und Stream erhältlich ist, mit Leo Sayers „One Man Band“. Hier, wie auf den restlichen Songs, spielt Dennis Schütze akustische Gitarre, singt (manchmal auch als Chor) und garniert die Songs mit Percussion, Bassdrum, Mundharmonika und Ukulele.

Der bekennende Fan des im Alter von nur 30 Jahren tödlich verunglückten US-Liedermachers Jim Croce hat ein eher unbekanntes Stück seines Idols für das neue Album ausgewählt und kommt bei „The Hard Way Every Time“ vor allem gesanglich dem Idol sehr nahe. „Daydream“ von John Sebastian verpasst Schütze ein Goodtime-Feeling und den Klassiker „Freight Train“ interpretiert er auf der Gitarre als Instrumental. Vor dem hierzulande weniger bekannten US-Singer/Songwriter Steve Goodmann hat sich Dennis Schütze den Song „I don’t know where I’m going but I’m going nowhere in a hurry to“ ausgesucht – ein entspannter Country-Song. Auch der Schotte Rab Noakes ist wohl eher nur Spezialisten bekannt. Sein „Take this Letter“ ist eine echte Entdeckung, Dennis Schütze singt seinen Chor gleich selbst. „Walk right in (sit right down)“ von den Rooftop Singers wurde 1963 ein Nummer-Eins-Hit in den USA und die Interpreten damit ein klassisches One-Hit-Wonder. Schütze interpretiert die Hymne an den Müßiggang ganz entspannt und mit fröhlicher Lässigkeit. Als „Rausschmeißer“ des leider nur 25 Minuten kurzen und äußerst kurzweiligen Albums gibt es mit „Is it okay if I call you mine?“ noch eine wunderschöne Ballade, bei der es sich lohnt, auf den Text zu hören.

„One Man Band“ bietet eine kompetente Songauswahl, die von Dennis Schütze gewohnt stilsicher und unterhaltsam dargeboten wird. Kann man sich auch ein paarmal hintereinander anhören.

Monolog: „You didn‘t get it“ („Better call Saul“)

„You didn’t get it. You were never gonna get it. They dangle these things in front of you, they tell you you got a chance but I‘m sorry, it’s a lie. Because they had already made up their mind. They knew what they were gonna do before you walked in the door. You made a mistake and they are never forgetting it. As far as they’re concerned this mistake is just who you are. And it’s all you are. And I’m not just talking about the scholarship, I’m talking about everything. I mean, they’ll smile at you, they’ll pat you on the head but they are never, ever letting you in. But listen. Listen. It doesn’t matter. It doesn’t. Because you don’t need them. They’re not gonna give it to you, so what? You’re gonna take it. You’re gonna do whatever it takes, you hear me? You are not gonna play by the rules. You’re gonna go your own way, you’re gonna do what they won’t do. You’re gonna be smart, you are gonna cut corners and you are gonna win. They’re on the 35th floor. You’re gonna be on the 50th floor. You’re gonna be looking down on them. And the higher you rise, the more they’re gonna hate you. Good, good. You rub their noses in it. You make them suffer. Because you don’t matter all that much to them. So what? So what? Screw them. Remember, the winner takes it all. […] All right. All right, go get them.”

Jimmy McGill / Saul Goodman in “Better Call Saul” Season 4, Episode 10 “The Winner” (2018).