Über Happiness

„Happiness is bullshit. It’s the great myth of the late 20th century. You think Picasso was happy? You think Hemingway was? Hendrix? They were miserable shits. No art worth a damn was ever created out of happiness, I can tell you that much. Ambition, narcissism, sex, rage. Those are the engines that drive every great artist, every great man. A hole that can’t be filled. That’s why we’re all such miserabel assholes.“

(from the movie „Kodachrome“, 2018)

Über Zuversicht

„I won’t let you down, I will not give you up,
Gotta have some faith in the sound,
It’s the one thing that I’ve got,
I won’t let you down, so please don’t give me up,
Because I would really, really love to stick around, oh yeah.

Heaven knows I was just a young boy,
Didn’t know what I wanted to be, […]
But today the way I play the game is not the same, no way,
Think I’m gonna make myself happy. […]

I won’t let you down, I will not give you up,
Gotta have some faith in the sound,
It’s the one thing that I’ve got,
I won’t let you down, so please don’t give me up,
Because I would really, really love to stick around, oh yeah. […]“

(George Michael: „Freedom! ’90“, 1990)

Über Hochzeiten & Fehler

„Alles Tun und Planen und Testen zuvor hat ja nichts anderes zum Ziel als einen umfassenden Ausschluss des Zufalls. Das Wetter als einzig verbliebene Weltrealität. ‚Alles stimmt‘, heißt es dann immer, wenn wirklich gar nichts mehr gestimmt hat und alles künstlich war.“ (S. 50)

„‘Alles stimmte‘ – kann man wegschmeißen. Eine Hochzeit mit blauem Himmel und bunten Blumen und nicht schreienden Kindern, und die Großmutter ist sogar gekommen, das ist ja nichts. Das ist ja einfach gar nichts. Man braucht schon einen Fehler.“ (S. 54)

„Wenn wir uns noch einmal vergegenwärtigen, warum wir uns an diese Hochzeit, die vor einem Jahr stattfand, erinnern, so sind es nun mal die Fehler, die all das erinnerlich machen. […] durch solche Begebenheiten, durch Fehler, Missgeschicke und Pannen eignet sich so was doch erst eigentlich zur literarischen Beschreibung. Man findet doch erst Zugang zu Situationen, zu Menschen, zu Gedanken, zu Geschichten, wenn man einen Fehler entdeckt.“ (S. 53)

Benjamin von Stuckrad-Barre: „Alle sind so ernst geworden“ (2020)

Über Partykellerfantasien

„[…] Man wollte doch damals, soweit ich weiß, meistens bloß den Gitarren-Klassiker ‚Stairway To Heaven‘ spielen können. Um Mädchen zu beeindrucken in sogenannten Partykellern. Deshalb fing man auch an, Gitarre zu spielen. Oder ‚Smoke On The Water‘. Generationen von Gitarrenlehrer hat diese Partykellerfantasie ernährt. […]“

Aus: „“Alle sind so ernst geworden“ von Martin Suter & Benjamin von Stuckrad-Barre, 2020.

FRIZZ über „Still Here“

Auch der Würzburger Dennis Schütze nutzte die besonderen Bedingungen des Jahres 2020 um ein neues Album aufzunehmen. Von Gesang und Gitarre über Banjo, Piano und E-Bass bis hin zur Aufnahme und Produktion liefert der Musiker alles im Alleingang ab. Bei der Einspielung holte er die junge Cellistin Nina Clarissa Frenzel und den Schlagzeuger Jan Hees an Bord. Entstanden ist Schützes bisher persönlichstes Werk, das Themen wie Stillstand, (Alb-) Träume, Familie, Unsicherheit, Zweifel, Abschied, Flucht, Exil Asyl, Sterben, Tod und Übergang behandelt. Das englisch-sprachige Indie-Album kommt ganz ohne Liebeslieder daher, dafür mit ungeschönten Selbstbetrachtungen aus der Lebensmittelkrise. Unter den elf Tracks findet man mit“E7#9″ und „Silver Mood“ herausragende Gitarren-Instrumentals. Erhältlich ist „Still Here“ auf allen gängigen Download- & Streamingportalen.

Simon-Philipp Vogel über „Still Here“

Von Simon-Philipp Vogel

Anfang des Jahres habe ich mich noch durch Dennis Schützes James Bond Album gehört (hier), das durch die aufkeimende Corona Pandemie abseits des Filmstarts veröffentlicht wurde. Zwei Dinge waren mir damals nicht klar: 1. Was diese Pandemie noch so für uns in Petto hat und 2. dass Dennis Schütze zum Ende des Jahres noch ein komplettes Album veröffentlichen würde. Aber der Reihe nach. Weiterlesen

Über Umdeutung

„[…] Gleichzeitig [war] diese New Yorker HipHop-Initialzündung natürlich voll geil. Wie die aus nichts etwas erschaffen haben, hat unglaublich viele Leute positiv geprägt, auch über HipHop hinaus. Beim Skateboarden zum Beispiel geht es ja auch darum, urbanen Raum umzudeuten und die Hoheit des Geldes zu brechen. Der Skater nimmt sich diesen neu gebauten öffentlichen Platz und sagt: Das ist jetzt meine Rampe. Genauso nimmt der Sprüher die Werbefläche, die er sich nicht leisten kann, und der DJ/Producer nimmt sich die Instrumente, die er sich nicht leisten kann, aus einer Platte.“

Fiji Kris in : „Könnt ihr uns hören? Eine Oral History des deutschen Rap“ von Jan Wehn & Davide Bortot (2020), S. 66

Über Scheitern

„Täglich versagen wir, machen irgendetwas Dummes und Fehler. Wir wissen, wie das Leben sein könnte, wie wir selbst sein könnten, und trotzdem erreichen wir nie das Ziel. Wir streben nach ganz oben und stürzen immer wieder ab. Zwischen diesen Polen, irgendwo zwischen Traum und Scheitern, bewegen wir uns durch unsere Existenz. Wohl wissend, dass die Realität unserer Vorstellungskraft immer unterlegen sein wird. Trotzdem versuchen wir es stets auf‘s Neue. […]

Gelingen ist nämlich ausgeschlossen. Die Schönheit liegt vor allem im Scheitern. In der Unvollkommenheit aller Versuche, aller Resultate. Gerade das macht den Menschen zum Menschen: scheitern. Tanzen, straucheln, fallen und anschließend eine Ode schreiben. Möglichst stilvoll, wenn’s geht.“

Marian Donner: „Das kleine Buch der Selbstverwüstung. Warum wir mehr stinken | trinken | bluten | brennen und tanzen sollten“ (2020), S. 123

Gedicht: Gebet

Herr: unser kleines Leben – ein Inzwischen,
Durch das wir aus dem Nichts ins Nichts enteilen.

Und unsre Jahre: Spuren, die verwischen,
Und unser ganzes Sein. nur ein Einstweilen.

Was weisst du, Blinder, von des Stummen Leiden.
Steckt nicht ein König oft in Bettlersschuhen?
Wer sind wir denn, um richtend zu entscheiden.
Uns ward bestimmt, zu glauben und zu tun.

Lass du uns wissen, ohne viel zu fragen,
Lehr uns in Demut schuldlos zu verzeihn.
Gib uns die Kraft, dies alles zu ertragen,
Und lass uns einsam, nicht verlassen sein.

Aus: „Verse für Zeitgenossen“ von Mascha Kaléko, dtv (2017)

Gedicht: Memento

Vor meinem eignen Tod ist mir nicht bang,
Nur vor dem Tode derer, die mir nah sind.
Wie soll ich leben, wenn sie nicht mehr da sind?

Allein im Nebel tast ich todentlang
Und laß mich willig in das Dunkel treiben.
Das Gehen schmerzt nicht halb so wie das Bleiben.

Der weiß es wohl, dem gleiches widerfuhr;
– Und die es trugen, mögen mir vergeben.
Bedenkt: den eignen Tod, den stirbt man nur,
Doch mit dem Tod der andern muss man leben.

Aus: „Verse für Zeitgenossen“ von Mascha Kaléko, dtv (2017)