Über Neal Young

„Neil Young. Ein grummelnder Holzhacker. Musik wie ein schweres Baumwollhemd. Die Axt, die am Wald vorbeigetragen wird. Voller bester Übellaune am Feuer das Steak wenden. Fast etwas Fränkisches an ihm. […]

Er spuckt einem vor die Füße, zu Recht, seine Musik, die keine sein will. „Drifitin‘ Back“, das mit 28 Minuten längste Stück, das Neil Young jemals aufgenommen hat, schubst die Probenraumgitarre in die Boxen und läßt sie – unfrisiert, ungeflickt – wabern, schleichen, kreisen, schlieren, über einem schlurfenden, humpelnden, hingewurschtelten Rhythmus, der sich stolpernd als solcher verachtet und in seiner lächelnden Faulheit ganz okay einrichtet.

Ein Wort zur Hopp-hopp-Gesellschaft. Jede verquietschte Solonote haucht.“

Jürgen Roth in: „Vielleicht Hunsrück“ (2020), S. 374/75

Über Drum & Bass in den frühen 1950s

„In the early [19]50s bass players would’ve been used to not being amplified. They would be very good at getting a lot of sound out of an acoustic bass. They might put themselves in a corner so they might get more bass out of it. They’d find all sorts of clever ways of getting more bass. Drummers would be really clever at playing quietly, they might be really good with brushes or they might be great swing drummers, who had a light touch but could play quietly but still in an exciting way. I think a lot of their skills possibly have been lost because people now have everything amplified. […] Particular for bass, there is no reason for guys to play loud anymore, they just plug in.”

Lincoln Grounds, Chief Engineer in: Recording, ‚50s Style by sound on sound magazine, 2017

Über Künstler zweiter Reihe

„Gelernt wird am besten von Künstlern der zweiten Reihe, weil sie oft brillante Techniker sind und Handwerk das Einzige ist, was tatsächlich erlernbar ist. Die Genies machen mitunter haarsträubende Fehler, die aber von der Einzigartigkeit ihres Charakters vollends aufgewogen werden.

Martin Mosebach in: „Aggressionen sind mir lieber als Langeweile“ (SZ Magazin Nr. 9 / 2021, S. 14)

Über Happiness

„Happiness is bullshit. It’s the great myth of the late 20th century. You think Picasso was happy? You think Hemingway was? Hendrix? They were miserable shits. No art worth a damn was ever created out of happiness, I can tell you that much. Ambition, narcissism, sex, rage. Those are the engines that drive every great artist, every great man. A hole that can’t be filled. That’s why we’re all such miserabel assholes.“

(from the movie „Kodachrome“, 2018)

Über Zuversicht

„I won’t let you down, I will not give you up,
Gotta have some faith in the sound,
It’s the one thing that I’ve got,
I won’t let you down, so please don’t give me up,
Because I would really, really love to stick around, oh yeah.

Heaven knows I was just a young boy,
Didn’t know what I wanted to be, […]
But today the way I play the game is not the same, no way,
Think I’m gonna make myself happy. […]

I won’t let you down, I will not give you up,
Gotta have some faith in the sound,
It’s the one thing that I’ve got,
I won’t let you down, so please don’t give me up,
Because I would really, really love to stick around, oh yeah. […]“

(George Michael: „Freedom! ’90“, 1990)

Über Hochzeiten & Fehler

„Alles Tun und Planen und Testen zuvor hat ja nichts anderes zum Ziel als einen umfassenden Ausschluss des Zufalls. Das Wetter als einzig verbliebene Weltrealität. ‚Alles stimmt‘, heißt es dann immer, wenn wirklich gar nichts mehr gestimmt hat und alles künstlich war.“ (S. 50)

„‘Alles stimmte‘ – kann man wegschmeißen. Eine Hochzeit mit blauem Himmel und bunten Blumen und nicht schreienden Kindern, und die Großmutter ist sogar gekommen, das ist ja nichts. Das ist ja einfach gar nichts. Man braucht schon einen Fehler.“ (S. 54)

„Wenn wir uns noch einmal vergegenwärtigen, warum wir uns an diese Hochzeit, die vor einem Jahr stattfand, erinnern, so sind es nun mal die Fehler, die all das erinnerlich machen. […] durch solche Begebenheiten, durch Fehler, Missgeschicke und Pannen eignet sich so was doch erst eigentlich zur literarischen Beschreibung. Man findet doch erst Zugang zu Situationen, zu Menschen, zu Gedanken, zu Geschichten, wenn man einen Fehler entdeckt.“ (S. 53)

Benjamin von Stuckrad-Barre: „Alle sind so ernst geworden“ (2020)

Über Partykellerfantasien

„[…] Man wollte doch damals, soweit ich weiß, meistens bloß den Gitarren-Klassiker ‚Stairway To Heaven‘ spielen können. Um Mädchen zu beeindrucken in sogenannten Partykellern. Deshalb fing man auch an, Gitarre zu spielen. Oder ‚Smoke On The Water‘. Generationen von Gitarrenlehrer hat diese Partykellerfantasie ernährt. […]“

Aus: „“Alle sind so ernst geworden“ von Martin Suter & Benjamin von Stuckrad-Barre, 2020.

FRIZZ über „Still Here“

Auch der Würzburger Dennis Schütze nutzte die besonderen Bedingungen des Jahres 2020 um ein neues Album aufzunehmen. Von Gesang und Gitarre über Banjo, Piano und E-Bass bis hin zur Aufnahme und Produktion liefert der Musiker alles im Alleingang ab. Bei der Einspielung holte er die junge Cellistin Nina Clarissa Frenzel und den Schlagzeuger Jan Hees an Bord. Entstanden ist Schützes bisher persönlichstes Werk, das Themen wie Stillstand, (Alb-) Träume, Familie, Unsicherheit, Zweifel, Abschied, Flucht, Exil Asyl, Sterben, Tod und Übergang behandelt. Das englisch-sprachige Indie-Album kommt ganz ohne Liebeslieder daher, dafür mit ungeschönten Selbstbetrachtungen aus der Lebensmittelkrise. Unter den elf Tracks findet man mit“E7#9″ und „Silver Mood“ herausragende Gitarren-Instrumentals. Erhältlich ist „Still Here“ auf allen gängigen Download- & Streamingportalen.

Simon-Philipp Vogel über „Still Here“

Von Simon-Philipp Vogel

Anfang des Jahres habe ich mich noch durch Dennis Schützes James Bond Album gehört (hier), das durch die aufkeimende Corona Pandemie abseits des Filmstarts veröffentlicht wurde. Zwei Dinge waren mir damals nicht klar: 1. Was diese Pandemie noch so für uns in Petto hat und 2. dass Dennis Schütze zum Ende des Jahres noch ein komplettes Album veröffentlichen würde. Aber der Reihe nach. Weiterlesen