Jack White: Lazaretto

Heute erschien „Lazaretto“ das zweite, lang ersehnte Solo-ALbum von Jack White. Es startet mit einem verzerrten Orgel-Riff in den klassischen 12-Bar-Blues „Three Women“, sehr schön. Song und Gesang könnten ein wiederentdeckter Beatles Outtake sein, die Instrumentierung und das Arrangement warten aber mit den mittlerweile typischen Jack White Bestandteilen auf: Überverzerrte E-Gitarre, röhrende Orgel, abgehalftertes Honky-Tonk-Klavier, sowie sehr viele gute Riffs und unvorhersehbare musikalische Fills.
Es folgt der bluesrockige Titelsong des Albums „Lazaretto“ mit der Textzeile „My veins are blue and connected, every single bone in my brain is electric“, starker Song, der in der zweiten Hälfte etwas freier wird und dadurch ein klein wenig verliert, weil sich der Kreis nicht mehr schließt. „Temporary Ground“ ist mit Fiddle, Steel-Guitar und Akustikgitarre wie ein klassischer Countrysong instrumentiert. „Would you fight for me?“ eine Minioperette im Morricone-Sound wirkt wie prädestiniert als Soundtrack für den nächsten Tarantino-Film. Als nächstes das Instrumental „High Ball Stepper“, das schon vorab als Single veröffentlicht wurde, sehr gut, sehr eigen, fällt gar nicht weiter auf, dass kein Gesang dabei ist. „Just one drink“ könnte ein unentdeckter Buddy Holly Song sein, wie in den meisten anderen Songs des Albums singt White die Vocal-Harmonies gleich selbst. „Alone in my room“ ist akustisch und sehr klavierlastig, netter Song, könnte von den Everly Brothers sein. „Entitlement“ sehr folky mit Mandonline und stark verhallter Steel-Guitar. „That Black Bat Licorice“ dann wieder herausragend, sehr groovy, gute Riffs, Jack White als Sprechsänger. „I think I found the Culprit“ mit Harfe, Klavier und Steel-Guitar ist eine kleine, mit guter Musik unterlegte Geschichte. „Want and Able“, das Krähenstück, Jack White singt zweistimmig zur einfachen Klavierbegleitung, „who is the who, telling who what to do“.

Mit 11 Titeln und knapp 40 Min Spielzeit ist das Album knackig, hätte aber gerne 1-2 Songs mehr haben können. Es schießt stilistisch nahtlos an das Solo Debutalbum „Blunderbuss“ an. White hält das hohe musikalische Niveau und scheint nun endgültig seinen Signature-Sound gefunden zu haben.

4 Kommentare zu „Jack White: Lazaretto

  1. Da ich in Sachen oldschool Blues sehr unbelastet bin, höre ich eher spätere Epigonen des Blues heraus. In Three Women hätte ich auf ein Stones Stück schwören können, bei Lazaretto bin ich mir sicher die Beastie Boys durchzuhören, die andere Sachen liefen familienurlaubsbedingt als Background und haben mich dennoch sehr begeistert, auch wenn ich mich bei den teilweise schrägen fills wundern muss wie meine zwei Jungs dabei einschlafen konnten und wie gesagt sehr beefheartesk, also geil.

    • Erst heute habe ich im Booklet gelesen, dass „Three Women“ tatsächlich Jack White & Blind Willie McTell in den Credits verzeichnet, also eine posthume Zusammenarbeit mit seinem großen Vorbild ist. Obwohl ich die Vorlage nicht kenne, halte ich Whites Anspruch auf einen kreativen Beitrag für durchaus gerechtfertigt. Form und Akkordik sind zwar traditionell, Instrumentierung, Arrangement und Sound aber ohne jede Frage, sehr innovativ und ganz weit vorn. Wie gefällt dir der Titelsong „Lazaretto“?

  2. Auf Überverzerrung steh ich extrem und auf sehr wilde Versatzstücke auch, ist irgendwie tausend Songs in einem, andere machen aus soviel Ideen ein Album oder mehrere…..
    Sehr komplex, sehr geil, saubere Sache

    • Die LP hat auch im Gegensatz zur mp3 Version noch ein schönes anderes Intro bei alone in my home (was ich gerade auch bin mit Lautstärke auf 10)

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert