Buch: „Warm Roads“ von Stefan Korn

22 Monate war Stefan Korn als Sporttramper auf einem gewaltigen Trip unterwegs, der ihn mehr oder weniger einmal um die ganze Erde führte. Niedergeschrieben hat er seine Erfahrungen in „Warm Roads“ (Knesebeck, 2020), betitelt nach dem einschlägigen, internationalem Gruß aller Tramper, die es Ernst meinen.

Langjährige Beziehung zu Ende, seinen Job konnte er ohne großes Hadern kündigen, keine Familie, keine Kinder. Stefan Korn war gerade frei und ungebunden, ideale Voraussetzung um sich seinen Traum zu erfüllen und für unbestimmte Zeit auf Reisen zu gehen. Seine Methode: Er will sich ausschließlich per Anhalter fortbewegen, will freiwillig und ohne Geld zu bezahlen mitgenommen werden von Menschen, die sowieso in seine Richtung fahren. Mit wenig Gepäck und einem auffälligen gelb/roten Tramper Overall geht es im Oktober 2014 los von Leipzig Richtung Süd-Westen bis nach Gibraltar. Von dort segelt er per Anhalter über den Atlantik, verdient sich seinen Lift in die Karibik durch Mitarbeit als Leichtmatrose. Ein zweiter Lift bringt ihn nach Venezuela, von da geht es weiter mit konventionellen Fahrzeugen, einmal rauf und runter durch Südamerika, zurück nach Panama, Mittelamerika, in die USA und nach Kanada. Auf seiner Reise begegnet er unzähligen Menschen, erlebt viele, einzigartige Geschichten. Teilweise werden seine Erlebnisse ausführlich beschrieben, teilweise im Telegrammstil angerissen, einige auch komplett übersprungen, wie der Großteil seiner Zeit in den USA oder Japan.

Man darf sich dieses monatelange Unterwegs sein, als sehr unruhige und ungeregelte Zeit vorstellen. Ständig auf dem Highway, auf der Durchreise, unterwegs. Um Zeit und Geld zu sparen fährt er lange Strecken gerne über Nacht, sieht tagelang kein Bett, findet keine Ruhe, rastet nicht, isst und trinkt unregelmäßig, findet kaum Gelegenheit sich mal frisch zu machen, zu waschen, zu erholen. Übernachtet in Absteigen, campiert auf der Straße, döst in Raststätten bis sich der nächste Lift ergibt. Er gibt selbst zu, dass er dabei mehr und mehr verlottert. Tiefpunkt dann anscheinend seine Zeit in den USA, wo er als Hobo unterwegs ist und auf Güterzüge aufspringt und stunden- und tagelang bei abartigem Lärm irgendwohin hinfährt und für eine Weile in ein derbes Landstreichermilieu abrutscht.

Seinen großen Traum nach Alaska zu trampen und im Winter die zugefrorene Beringstraße zu überqueren muss er aufgrund von Visaproblemen aufgeben, was seiner Motivation einen herben Dämpfer versetzt. Er schafft es dann von den USA zuerst nach Japan, dann nach Hong Kong und von da aus durch China und einige ehemaligen Sowjetrepubliken weiter zurück nach Europa. Man spürt aber als Leser, dass die Luft auf dem letzten Drittel raus ist und das offenbart der Autor schließlich auch auf den letzten Seiten des Buches. Er tut sich einerseits schwer die Reise zu beenden, andererseits hat er im Anschluss auch größte Probleme sich wieder gesellschaftlich in seiner Heimat zu integrieren. Das Fazit dieser Tour de Force ist also nicht nur positiv, aber genau solche Momente der Schwäche offen zuzugeben ist eine der schätzenswerten Qualitäten von Stefan Korn, einem der härtesten Tramper, die die Straße je gesehen hat.

„Warm Roads“ hat 272 Seiten, erscheint bei Knesebeck und kostet 18 €.

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