Buch: „Daisy Jones & The Six“ von Taylor Jenkins Reid

„Daisy Jones & The Six” ist die fiktive Biographie einer US-amerikanischen Westcoast-Band in den späten 70ern. Der Text ist als kombiniertes Interview der beteiligten Musiker, von Familienmitgliedern, Managern, Produzenten und Rockjournalisten aufgebaut. Diese direkten Aussagen, die sich stellenweise aufeinander beziehen oder sogar wiedersprechen verleihen dem Text eine unmittelbare Direktheit und Frische. Als Leser wird man von Anfang an mitgenommen, die Figuren werden sehr lebendig und man vergisst über weite Strecken, dass es die Band gar nicht gegeben hat.

Die Autorin Taylor Jenkins Reid schreibt bereits seit der Highschool, arbeitete dann lange in verschiedensten Bereichen der Filmbranche, bis sie ihr erstes Buch veröffentlichen konnte verging jedoch einige Zeit. 2013 erschien ihr Debut „Forever Interrupted“ und ab da jährlich ein weiterer Roman. Mit „The Seven Husbands of Evelyn Hugo“ erreichte sie erstmals viele Leser, mit „Daisy Jones“ (Amerikanische Erstausgabe 2019) kann sie ihren bisher größten Erfolg feiern. Das Buch kam auf die Bestseller Liste der NYT, eine Adaption als Miniserie wurde bereits vor der Buchveröffentlichung von den Amazon Studio angekündigt. Produzenten sind u.a. Reese Whitherspoon und Laura Neustadter.

Die Geschichte ist locker angelehnt an die Entwicklungen der Band Fleetwood Mac. Man kann deutlich erkennen, dass die Autorin gründlich recherchiert und ihre Hausaufgaben gemacht hat. Die fiktiven Interviewschnipsel wirken äußert authentisch, die Figuren echt, selbst musikproduktionstechnische Details, Drogenkultur, Klamottenbeschreibungen wirken nie aufgesetzt oder konstruiert, sondern dienen immer dem Flow der Geschichte, die durch sämtliche Höhen und Tiefen geht, die man sich vorstellen kann. Im Zentrum dabei immer die Beziehung zwischen der eigenwilligen Sänger- und Songschreiberin Daisy Jones und dem Sänger und Songschreiber Billy Dunne, die sich magisch anziehen, obwohl sie gegensätzlicher kaum sein könnten.

Um alles abzurunden und komplett zu machen hat Reid sogar Liedtexte der erwähnten Songs geschrieben und abgedruckt. Schade nur, dass es keine musikalischen Einspielungen dazu gibt, aber das wäre nun auch wirklich zu viel verlangt. Zuviel handfeste Wirklichkeit würde die magischen Effekte der Fiktion kaputt machen. Was auch wirklich erfreulich ist: Diese typisch US-amerikanische Geschichte liest auch sehr gut in der deutschen Übersetzung (Conny Lösch), was nicht selbstverständlich ist.

Fazit: Wunderbares, fesselndes und herzerwärmendes Hippiemusikermärchen aus der goldenen Zeit der US-amerikanischen Laurel-Canyon-Ära. Wem das Buch gefallen hat, der darf sich ab sofort auf die kommende Miniserie bei Amazon freuen.

Das Taschenbuch erscheint bei Ullstein, hat 364 Seiten und kostet 20 Euro.

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