Noten: „Gitarre spielen“ von Rolf Tönnes

Rolf Tönnes ist erfolgreicher Autor verschiedener Spielhefte für Gitarre, darunter auch die zweibändige Schule „Gitarre spielen – mein schönstes Hobby“, inkl. diverser Begleithefte. Erstmals erschien die Reihe im Jahr 2001 und nach knapp 20 Jahren wurde sie nun einer dringend notwendigen Überarbeitung und Aktualisierung unterzogen.

Tönnes Publikationen sind ordentlich und korrekt, übersichtlich und prinzipiell gut strukturiert, leider aber auch sehr detailversessen, penibel genau mit einer starken Tendenz zur Überinformation, Bilderflut, Textlastigkeit. Es wimmelt nur so von Fotos, Akkorddiagrammen, Graphiken, Erklärungen in Textform und Rhythmusschemata. Das eigentliche Spielmaterial, fast immer mit Liedtext, Akkordsymbolen und Begleitstimme für den Lehrer, wird da fast zur Nebensache. Außerdem verfolgt Tönnes einen mehrgleisigen Ansatz: Dem Lernenden sollen in einem Rutsch Melodiespiel, Akkordgriffe, Akkordspiel, Schlagrhythmen, Skalen und Lagenspiel beigebracht werden.

Das musikalische Material setzte sich in der ursprünglichen Heftfassung ausschließlich aus schwer angestaubten amerikanischen bzw. internationalen Folksongs zusammen, die zum allergrößten Teil mehr als 100 Jahre alt sind. Das hängt selbstverständlich damit zusammen, dass diese Melodien urheberrechtsfrei sind und den Verlag deswegen nichts kosten. Dass diese Auswahl nicht mehr ganz zeitgemäß war und ist und man damit wohl immer weniger junge Gitarristen erreicht, liegt offen auf der Hand und so wurde die Neuausgabe mit einigen wenigen halbwegs aktuellen Songs angereichert, darunter „He’s a Pirate“ (aus „Fluch der Karibik“), im Anhang wurden mit „Viva la Vida“ (Coldplay) und „I see Fire“ (Ed Sheeran) sogar noch zwei halbwegs moderne Popsongs spendiert, immerhin. Leider sind immer noch die elenden Gassenhauer „Country Roads“ (John Denver), „Lady in Black“ (Uriah Heep) und „Whiskey in the Jar“ (Trad.) enthalten, mit denen tut man sicher keinem Schüler und erst recht keinem Gitarrenlehrer einen Gefallen.

Die Aktualisierung umfasst auch den überfälligen Umstieg von einer beigelegten CD hin zu Online Materialien als Download, das ist zeitgemäß, ökologisch sinnvoll und kostengünstig für den Verlag. Am grundsätzlichen Konzept hat sich indes nichts geändert und es bleibt abzuwarten, ob Gitarrenlehrer, die ja meist die Auswahl des Lehrwerks für ihre Schülerschaft bestimmen, zu diesem altbackenden und stilistisch unspezifizierten Heft greifen. Viele Jugendliche und insbesondere Erwachsene, an die sich „Gitarre spielen“ dezidiert richtet, haben heutzutage (auch schon früher) klare Vorstellungen, was sie lernen wollen, wo es inhaltlich hingehen soll. Uralte Folksongs sind da nun wirklich nie das Ziel, oft können sie sehr genau sagen, wo das musikalische, stilistische, technische Interesse liegt. Da ist das vorliegende Heft einfach zu allgemein und bzgl. Stückeauswahl zu langweilig, nicht einmal die Auswahl klassischer Stücke kann überzeugen, hier bietet sich nicht die geringste Bandbreite (schlimmes Beispiel: S. 111). Vielleicht ist die Herangehensweise etwas für Lernende und Lehrer, die überhaupt nicht wissen, wo es sie hinzieht und einfach irgendwas machen wollen. Wer weiß was er will, wird hier jedenfalls schlecht bedient.

Viel bessere, obwohl deutlich ältere Alternative: „Gitarrenstarter“ von Cees Hartog.

„Gitarre spielen – mein schönstes Hobby“ Band 1 & Band 2 erscheint mit praktischer Ringbindung bei Schott, hat jeweils 120 Seiten und kostet 24,50€ (Band 1) bzw. 25,50€ (Band 2) inkl. Online Material.

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