Buch: „Greenlights: oder die Kunst, bergab zu rennen“ von Matthew McConaughey

Ja klar, Matthew McConaughey ist ein eingebildeter Schönling, ein gottgläubiger Republikaner, ein ungehobelter Texaner, soweit stimmt das. Auf der anderen Seite ist er aber auch ein herausragender Schauspieler, erfahrener Reisender und zuvorkommender Southern Gentleman. Dass er auch ein kluger, lebenserfahrener Mensch ist, stellt er mit seinem autobiografischen Buchdebut „Greenlights: oder die Kunst, bergab zu rennen“, das er sich selbst zum 50. Geburtstag geschrieben hat, eindrucksvoll unter Beweis.

McConaughey entstammt einer bodenständigen und selbstbewussten Familie der einfachen texanischen Arbeiterklasse. Seine Karriere als einer der bedeutendsten zeitgenössischen Charakterschauspieler (Oscar 2014) war keinesfalls vorgezeichnet, er hat sie durch bewusste Entscheidungen, harte Arbeit, entbehrungsreiche Übergangsphasen aktiv selbst gestaltet. Schon früh und danach immer wieder wählt er ungewöhnliche Wege. Nach der Highschool entscheidet er sich beispielsweise für ein Austauschjahr im tiefsten australischen Hinterland und verbringt dort ein nicht besonders glückliches Jahr, hält aber trotz aller offenbaren kulturellen Unterschiede und familiären Missstände bis zum Ende aus und kehrt mit viel Lebenserfahrung zurück nach Hause. Sein vielversprechendes Jurastudium bricht er ab als er spürt, dass Film und Schauspielerei ihn mehr anziehen. Er übernimmt erste kleine Rollen, wechselt das Studienfach, irgendwann packt er seine Sachen und zieht nach Hollywood. Als die Karriere nicht so recht starten will, sucht er die Erklärung dafür bei sich selbst und erkennt: Ich will es zu sehr. Also macht er eine lange Europareise mit Freunden und kleinem Budget und geht erst wieder nach Hollywood zurück als er die Sache für sich geklärt hat und weniger verkrampft starten kann. Prompt öffnen sich danach die Türen für ihn. Getreu dem Motto: Geh nicht zur Audition als wenn du Rolle haben willst, geh hin als wenn es schon deine Rolle wäre.

Dabei konstruiert McConaughey kein Heldenepos. Er ist ein guter Erzähler, aber so wie von persönlichen Errungenschaften und glücklichen Fügungen, schreibt er genauso, wenn nicht noch ausführlicher, von Dingen, Entscheidungen, Wünschen, Begegnungen, die nicht in seinem Sinne geklappt haben. Aber anstatt sich für etwas anderes zu entscheiden oder zu jammern nimmt er sich immer wieder Auszeiten um sich und die Situation zu klären und notwendige Maßnahmen zu ergreifen, manchmal muss er einfach nur geduldig sein und abwarten bis sich die Gelegenheiten für ihn ergeben. Jahrelang, auch noch als erfolgreicher Schauspieler, reist er mit einem Camper und ständig wechselnden Aufenthaltsorten durchs Land um offen, dynamisch und in Bewegung zu bleiben, sich nicht zu schnell festlegen zu lassen. Zwischen Tagebucheintragungen, Gedichten und anderen Textschnippseln erzählt er immer wieder von Begegnungen mit fremden und liebevollen Menschen. Wenn er von Familie, Schicksal, Erfolg, Erwartungen und dem Leben an sich erzählt, wirkt er wie ein erfahrener Storyteller, ein indianischer Schamane oder ein weiser New-Age-Philosoph, allerdings immer auf eine angenehme, unaufdringliche Art. Nur die Greenlights/Grüne Ampel-Metapher aus dem Titel trägt nicht so ganz und nervt auf die Dauer. Übersetzung aus dem Amerikanischen ins Deutsche (von Stephan Kleiner) ist dagegen hervorragend.

Man muss nicht alles gut finden, was McConaughey erzählt, aber die positive Lebenseinstellung trotz Gewalterfahrungen und einer gesunden Portion Enttäuschungen auf seinem Weg ist schon erfrischend und man fragt sich, ob man selbst nicht auch öfter mal innenhalten und die Reiseroute des eigenen Lebenswegs frisch ausrichten sollte. Was hätte man zu verlieren? Aber vor allem: Was wäre zu gewinnen? Neue Menschen, neue Orte, neue Erfahrungen, neue Chancen? Alright, alright, alright, let’s go! Just keep livin‘!

Das gebundene Buch erscheint bei Ullstein, hat 304 Seiten und kostet 22 Euro.

2 Gedanken zu „Buch: „Greenlights: oder die Kunst, bergab zu rennen“ von Matthew McConaughey

  1. Das Leben ist nicht linear! Jeder hat Höhen und Tiefen. Der Eine mehr der Andere weniger. Tiefe bringt Tiefgang die einen über den Tellerrand schauen lassen um sich neu zu orientieren. Oder Umwege erhöhen die Ortskenntnis. (Phrasendreschermodus aus)
    Ich denke mal ich werde das Buch kaufen, lesen und dann verschenken an einen lieben Freund der gerade bergab rennt. Danke für den Tip

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.