Noten: „Homenaje a Debussy“ – Manuel de Falla, Johannes Klier (Hg.)

„Homenaje a Debussy“ des andalusischen Komponisten Manuel de Falla gilt als eines der ersten Werke für Gitarre eines Nicht-Gitarristen im 20. Jahrhundert. Es entstand zwei Jahre nach dem Ableben des großen französischen Impressionisten Claude Debussy im Jahr 1920 anlässlich einer Sonderausgabe der Musikzeitschrift Revue Musicale, in der Essays und Kompositionen in Erinnerung an diesen zusammengefasst wurden. De Falla beteiligte sich daran mit einem Essay und einer Kleinkomposition für Gitarre mit dem Titel „Homenaje a Debussy“. Damit entsprach er gleichzeitig auch dem Wunsch seines Freundes Miguel Llobet, einem katalonischen Gitarristen. Llobet war es auch, der die Komposition einrichtete und einige Änderung an der Vorlage vornahm, bevor sie in der Heftbeilage erstmals abgedruckt wurde.

Wenige Jahre vor dem 100. Jubiläum im Jahr 2020 wurde das Originalautograph dieser einzigen Komposition für Gitarre im Archivo Manuel de Falla wiederentdeckt und konnte so endlich mit der Erstausgabe und verschiedenen weiteren Editionen abgeglichen werden. In der Serie Guitar Archive der Edition Schott erscheint nun, herausgegeben vom deutschen Gitarristen und Musikforscher Johannes Klier, eine Ausgabe, die dem Originalmanuskript des Komponisten folgt, inkl. präziser Vortragsangaben, dynamischer Bezeichnungen, Klammern und Bögen. Die notentextlichen Veränderungen von Llobet wurden rückgebaut und entsprechen wieder der Aufzeichnung des Komponisten. In der urtexttreuen, graphischen Darstellung fehlen allerdings konsequenterweise auch jegliche Angaben zu etwaigen Fingersätzen für linke oder rechte Hand.

Im Vorwort liefert der Herausgeber eine interessante Kurzfassung der Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte. Wem das nicht reicht, kann auf seiner Homepage eine ausführliche und detaillierte Version davon finden, kostenlos zum Lesen oder Download.

Nach der Wiederausgabe des Prélude „Silvius Leopold Weiss“ von Manuel Maria Ponce (2019) ist es Johannes Klier mit der für ihn typisch gründlichen Recherchearbeit gelungen eine gitarrenhistorisch relevante Komposition aus dem Halbschatten zu holen, sauber belegt zu bereinigen und für nachfolgende Gitarristengenerationen in einer korrekten, der Idee des Komponisten entsprechenden Fassung verfügbar zu machen. Dafür kann man ihm dankbar sein. Es bleibt spannend welcher Wiederausgabe er sich als nächstes widmen wird.

Das Heft erscheint bei Schott und kostet 11 €.

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