Music-on-net über „NDW – Neue Deutsche Welle Wiederbesucht“

Von Gerald Langer

Dennis Schütze scheint in diesem Jahr nicht zu bremsen. Alles muss raus! Nach zwei EP’s mit den Musikstudenten in der Kategorie der gepflegten Cocktail- und Tanzmusik – „Take Five“ und „Pop Studies“ (beide erschienen 2015) – nun eine Auseinandersetzung mit der „Neuen Deutschen Welle“, die sich ab 1977 langsam aufbaute und im Kontext mit der Punk- und New-Wave-Bewegung in Großbritannien zu sehen ist. Die anfängliche Rotzigkeit und der begeisternde Minimalismus wichen schon bald einem kommerziellen Kalkül, so dass die Welle als musikalische Kunstform zu Beginn der 1980er Jahre bereits wieder abebbte. Aber: der mich schon damals nervende Deutsche Schlager schien wenigstens für einen gewissen Zeitraum weggespült. Der Weg war somit frei für Bands wie die Ärzte und die Toten Hosen. Nach über dreißig Jahren Bühnenpräsenz hat sich bei den beiden deutschen Bands allerdings die „Punk-Attitüde“ der frühen Jahre auch längst verflüchtigt. Aber das ist eine andere Geschichte.

Und nun nimmt sich ausgerechnet Dennis Schütze, der Wahl-Würzburger aus Elmshorn, der bei seinen „Nicht-Musikstudenten-Projekten“ eine ausgeprägte Affinität zum amerikanischen Kontinent zeigt, dieser sehr kurzlebigen und mittlerweile vielleicht auch etwas abgeschmackten Kunstgattung an. Auf seinem eigenen Blog liefert Dennis Schütze denn auch eine ausführliche und im Detail nachvollziehbare Begründung für dieses Unternehmen: Ein gemeinsames, vor zwei Jahren gestartetes, Musikprojekt mit dem Bassisten Camilo Goitia, ohne Band, dafür mit möglichst einfachen Instrumentarium. Neben Gitarre und Kontrabass sollten Ukulele, Glockenspiel, Xylophon und Melodika zum Einsatz kommen. Die Aufnahmen erfolgten im jeweiligen Heimstudio. Bewusst keine Eigenkompositionen, dafür Interpretationen von vorhandenem, vermeintlich einfachem Material aus dem Fundus der Neuen Deutschen Welle. Gemeinsame Fachsimpelei und Austausch am Kindergarten, den die Kinder der beiden Künstler besuchen, aber eben auch im digitalen Netzverkehr.
Herangewagt haben sich Du & Ich dabei nicht nur an den Minimalismus-Klassiker „Da, Da Da“ von Trio, welcher mit Kontrabass, Gitarre und Ukulele eingespielt wurde und mit der Stimme von Andrea Kneis richtig rund klingt, sondern auch an Songs wie „99 Luftballons“ (Nena), „Rock Me Amadeus“ (Falco), „Eisbär“ (Grauzone), „Nur geträumt“ (Nena), „Rosemarie“ (Hubert Kah) und „Linda“ (Ace Cats). Die Stimme von Dennis Schütze schlägt sich bei den Songs von Gabriele Susanne Kerner zwar wacker, überzeugt bei den übrigen Songs allerdings mehr.
Das Highlight des Albums ist für mich die Neuinterpretation von „Eisbär“ der schweizerischen Band Grauzone, die das Original meines Erachtens weit hinter sich lässt. Kraftwerk dürfte sich allerdings dagegen verwehren, mit der Neuen Deutschen Welle in Zusammenhang gebracht zu werden. „Das Model“ ist denn auch gleich in deutscher und englischer Version auf dem roten Album vertreten. Die souveräne Interpretation von „Du & Ich“ wird die noch lebenden und aktiven Mitglieder der Deutschen Kultband bestimmt versöhnen. Parallel zum Album wurde auch ein Musikvideo zu „Da Da Da“ veröffentlicht. Ralf Schuster hat einen sehenswerten Schwarz-Weiß-Zeichentrick-Film gefertigt, der auf wunderbare Weise den Minimalismus dieses Songs unterstreicht.
Probieren geht über Studieren! Insofern passt das schon mit den Musikstudenten. Und auf „Folge 1“ folgt regelmäßig „Folge 2“. Sind wir also gespannt, womit uns Dennis Schütze in den nächsten Monaten noch überraschen wird!

© Gerald Langer

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