Das Album „25/52“ erscheint weltweit am Freitag, den 05.06.2026 auf allen gängigen Streamingportalen. Hier einige Einzelheiten zur Entstehung, Besetzung und ein persönlicher Kommentar zu jedem Track.
01. Hard Time
Dennis Schütze: vocals, piano, organ, bass; Jan Hees: drums
Der Song stammt aus einer Jackson Browne-Phase und handelt von meiner Zeit als Schüler in den USA im Schuljahr 1988/89. Lief da nicht alles optimal, eher provisorisch, ich war an verschiedenen Orten bei verschiedenen Familien, wurde von einer Station zur nächsten gereicht inkl. Schulwechsel, rückblickend ein typisch amerikanisches Szenario. Irgendwann reichte es mir, ich nahm als gerade mal sechszehnjähriger mein Schicksal selbst in die Hand, kontaktierte entfernte Verwandte und plante im geheimen eine Überfahrt von Philadelphia, Pennsylvania nach Tulsa, Oklahoma. Im frühen Morgengrauen brach ich auf, mit einem Koffer in der einen und einer Gitarrentasche in der anderen Hand, bestieg irgendwo einen Greyhoundbus und war 24h unterwegs, vorbei an Indianapolis, St. Louis und Kansas City. An jeder Haltestation kamen und gingen Passagiere, die Mitfahrer auf meinem Nachbarsitz wechselten. Irgendwann mitten in der Nacht saß ein junger Typ neben mir, alleine unterwegs wie ich und auf dem Weg zu seinem Vater, den er noch nie in seinem Leben gesehen hatte. Wir fuhren beide in eine ziemlich ungewisse Zukunft. Ich dämmerte dahin und als ich wieder aufwachte war der Sitz neben mir frei, er war irgendwo ausgestiegen, wir hatten uns nicht verabschieden können, ich sah ihn nie wieder. In Tulsa verbrachte ich die zweite Hälfte meines insgesamt einjährigen Aufenthalts. Das Auslandsjahr hat mich gebrochen, schwere Wunden geschlagen. Die Erlebnisse haben noch lange nachgewirkt und nach meiner Rückkehr nach Deutschland hat es ein paar Jahre gedauert bis ich wieder einigermaßen klar war. Gitarre spielen, singen und Songs schreiben hat dabei geholfen.
Geschrieben am 13.02. & 27.04.1994
02. Exactly
Dennis Schütze: vocals, piano, bass; Jan Hees: drums
Ja, das ist genau das, was ich meine („exactly what I mean“). Wann weiß man schon mal genau, was man will und kann es auch präzise formulieren. Wenn man verliebt ist, funktioniert das manchmal und ganz wunderbar ist, wenn man die Gedanken an jemanden richten kann, der/die zuhört und versteht. Wenn du so eine findest, dann halt sie fest und lass erstmal nicht mehr los!
Geschrieben am 21.03.1993
03. One of those nights again
Dennis Schütze: vocals, guitars, organ, bass; Jan Hees: drums
Und manchmal trifft man eine und sieht sie immer wieder und nach einiger Zeit wird einem klar, dass da was fehlt, wenn sie nicht da ist, dass sie fehlt, dass du nicht komplett bist ohne diese Person. Und dann musst du dir überlegen, ob du noch aus der Freundeszone rauskommst, wenn du sagst, was du fühlst, aber sei vorsichtig, es könnte sein, dass du alles riskierst und alles verlierst, wenn du dich offenbarst. Du könntest dich vortasten, du könntest es vorsichtig ausloten. Ja, du könntest einen Song schreiben und ihr vorsingen und sehen was passiert. Ja, das wäre eine Möglichkeit und eine ziemlich gute, weil du im ungünstigsten Fall wenigstens einen wahrhaftigen Song in der Tasche hast, den du noch Jahrzehnte später singen und produzieren kannst.
Geschrieben am 31.10.1994 & 16.05.1995
04. Devil on my trail
Dennis Schütze: vocals, guitars, organ, bass; Jan Hees: drums
Samples: “Hellhound on my Trail”, Robert Johnson (1937)
Samples: “If I had Possession over Judgement Day”, Robert Johnson (1936/61)
Stammt aus meiner (langen) Robert Johnson-Phase. Der Künstler, der Musiker, der Sänger und Songschreiber und der faustische Pakt. In der ein oder anderen Form haben viele davon geschrieben oder gesungen. Bei mir ist’s eher die Unruhe, die Getriebenheit, die Unzufriedenheit, auch die Langweile, die Unterforderung, die Spielfreude, das Risiko, das Ungewisse, die Neugier, die Überraschung, die Belohnung, was mich antreibt und nie Ruhe geben lässt. Als junger Mann dachte ich, das gibt sich irgendwann, irgendwann hört das auf, aber ich muss sagen, bis jetzt noch nicht. Wenn ich vor der Frage stehe, soll ich’s tun oder besser nicht, ist es schon entschieden und ich tu’s. Jemand sagte mal zu mir: Wenn du eine vernünftige Antwort haben willst, dann frage besser nicht mich. Genau so stelle ich mir einen guten Ratgeber vor, denn die vernünftige Entscheidung liegt ja sichtbar auf dem Tisch, dafür brauche ich keinen Ratschlag. Stattdessen: Handle unvernünftig, gehe dahin, wo dich dein Herz hinschickt, handle dir Ärger ein, gehe in Opposition, hinterlasse Unverständnis, aber nicht aus Prinzip, sondern weil dich das Unbekannte interessiert, nicht die ausgetretenen Pfade, darüber kannst du in Reiseführern lesen, dann brauchst du nicht selbst hinfahren. Gehe deinen eigenen Weg, schreibe dein eigenes Buch und wenn der Teufel hinter dir her ist, steig in den nächsten Zug und winke ihm durchs Fenster zu, während der Zug abfährt und er auf dem Bahnsteig steht und an der Tür rüttelt. Aber sei immer freundlich zu ihm, könnte sein, dass er dich irgendwann einholt.
Geschrieben am unbekannt
05. Please Baby
Dennis Schütze: vocals, guitars, organ, bass; Ferdinand Schütze: Flügelhorn; Jan Hees: drums
Wenn man wissen will was los ist und bereit ist alles zugeben. Wurde komplett an einem alten Casio-Keyboard geschrieben und arrangiert. Die jetztige Flügelhornmelodie war in den Aufzeichnungen in Buchstaben notiert und ergab jahrzehnte später immer noch Sinn, habe sie allerdings etwas erweitert und harmonisiert.
Geschrieben am 26.06. & 10.07.1995
06. Postcard from France
Dennis Schütze: vocals, guitars, epiano, bass; Jan Hees: drums
Lange Geschichte. Jemand, den ich sehr gerne hatte, war weit weg im Urlaub und zwar mit jemand anderem, den ich nicht kannte, aber (noch) eine Rolle spielte. Ich bekam nur eine einzelne Postkarte von unterwegs (ja, so alt ist der Song), mehr gab’s damals nicht und malte mir den Rest so ungefähr aus und lag damit vermutlich nicht mal allzu sehr daneben. Ich wartete auf die Rückkehr, war gespannt, was noch übriggeblieben sein würde, was aus uns werden würde und vertrieb mir die Zeit mit dem Schreiben dieses Songs.
Geschrieben im Februar 1995 und am 17.04. & 16.05.1995
07. Sun come up
Dennis Schütze: vocals, guitar, epiano, bass; Jan Hees: drums
Ein Song für die Sonne. Zu der Zeit war ich viel unterwegs, ständig im Zug (meist schwarz) und per Anhalter (oft unter Zeitdruck), das Geld war knapp, aber die Laune gut. Wenn man im Sonnenuntergang lange auf einen Wagen warten muss, der anhält und einen mitnimmt oder nachts in einsamen Sechser-Zugabteilen sitzt und endlich ankommen will, manchmal kommt da vor lauter in der Abgeschiedenheit und Abwesenheit von irgendwas ein schöner Gedanke, eine nette Idee und wenn man viel Glück hat, kann man sich die merken bis man ein Instrument oder einen Bleistift zur Hand hat um es aufzuschreiben. Jahrzehnte später fand ich heraus, dass es einen unbekannten Song gleichen Namens von meinem Lieblingssongschreiber Jim Croce gibt, den kannte ich damals aber noch nicht.
Geschrieben am 12.03. & 06.04.1994
08. Down before
Dennis Schütze: vocals, eguitars, organ, bass; Jan Hees: drums
Samples: “Ramblin’ on my Mind”, Robert Johnson (1936/37)
Mein erster epischer Bluessong, für eine kurze Zeit im Konzertrepertoire und aufgenommen mit Schütze & Stückle unter dem Titel „I’ve been down“ und erschienen auf dem Album „Leave the Blues behind“ (2000), was ich danach ziemlich wörtlich nahm. Inzwischen bin ich immer wieder zum Blues zurückgekehrt, ist einfach nicht tot zu kriegen und bekomme ihn auch nicht mehr aus dem Blutkreislauf. In der neuen Version mit Samples vom großen Robert Johnson, 1937 aufgenommen und somit ikonisch, aber Copyright frei, im wahrsten Sinne Public Domain.
Geschrieben am 12.04. & 16.05.1995
09. This ain’t Eden
Dennis Schütze: vocals, piano, guitars, organ, bass; Jan Hees: drums
Wenn die Liebe zerfällt und das Paradies zusammenbricht. Es ist eine harte Erkenntnis, wenn das passiert, es gibt erste Andeutungen, Missverständnisse, Auseinandersetzungen, Streit, Schweigen und schließlich die Frage: Ist es das, was ich wollte und will? Dieser Song ist Erinnerung, Bestandsaufnahme, Schlussfolgerung und Quintessenz. Vielleicht auch eine inständige Bitte, auch wenn der Entschluss bereits vermeintlich feststeht. Allerdings: Himmel, Hölle und Paradies gibt’s immer nur vorübergehend, das weiß man dann später als erfahrener Mensch. Wie meine liebe Schwiegermutter einst sagte: „Wir werden’s alle überleben und wenn nicht, ist’s auch nicht so schlimm.“ Aber das glaubt man als junger Mensch natürlich noch nicht und das ist auch ganz richtig so.
Geschrieben im November 1996 und am 10.12. & 27.12.1996
10. Hate him for that
Dennis Schütze: vocals, piano, organ, bass; Jan Hees: drums
Ich habe mal an einem Abend auf der Straße gesehen wie sich zwei junge Männer geprügelt haben, nicht geschubst oder gebatscht, sondern mit aller Kraft zugeschlagen, sowas geht ganz schnell, so schnell schaut man kaum und als beistehender Zeuge spürst du die urtümliche, unheimliche Kraft, das Testosteron, die Muskeln, die Aggression, die Anspannung, die Wut, den Hass, aber auch die Angst, den Schmerz, den Aufprall, die Dumpfheit, die Gleichgültigkeit, die Gewalt, die Gnadenlosigkeit.
Es gibt immer wieder Situationen, in denen ich ausrasten könnte, aber besser nicht. Manchmal kommen einem solche Gefühle zu nahe, obwohl man es nicht will. Genau das ist der Unterschied zwischen Zivilisation und Barberei.
Geschrieben am 13.01. & 06.07.1997
11. Weakness
Dennis Schütze: vocals, guitar, piano, bass; Jan Hees: drums
Ein dunkler, kalter Wintertag, der Blick aus dem Dachfenster nach draußen auf die Straße, die Spuren im Schnee, die langsam einschneien, der Blick zurück auf das was war, langsam verlischt und bald nicht mehr ist. Erschien vor langer Zeit unter dem Titel „The Weakness of Your Smile“, Titel abgewandelt von „Shadow of Your Smile“ (Henry Mancini), Akkordfolge von „500 Miles“ (Traditional), Melodie und Pianolinie selbst ausgedacht, immerhin.
Geschrieben am 14./15.12.1995 & 02.01.1996
12. Crossroads
Dennis Schütze: vocals, eguitars, organ, bass; Jan Hees: drums
Samples: “Cross Road Blues”, Robert Johnson (1937)
Ein abartig langes Epos, das ich in meiner Erinnerung nach an einem Tag aufgeschrieben habe, in den Aufzeichnungen steht etwas anderes. Schon beim Schreiben war klar, dass ich diesen Song niemals spielen, aufführen oder aufnehmen könnte, nach 30 Jahren habe ich es doch getan. Die Songproduktion wurde schließlich mehr als 10 Minuten lang, habe noch Intros und mehrere Solos eingefügt (alles One-Taker, also nur ein einziges Mal aufgenommen, das war’s), war dann irgendwann auch egal, musste somit der letzte Track des Albums werden, wurde aber als erstes veröffentlicht. Darin enthalten sind Samples aus „Cross Roads Blues“ von Robert Johnson, ansonsten alles selbst erfunden. Selbst hatte ich nie den Eindruck meine Seele für irgendwas verkauft zu haben, obwohl es mehrfach Gelegenheit dazu gegeben hätte. Rückblickend sehe ich aber schon auch die Opfer, die erbracht wurden und Dinge, die ich habe liegen lassen (oft ohne es zu bemerken) um das Musikerleben zu führen, das hinter mir liegt. Es war für mich lange nicht sichtbar, dafür umso mehr für mein Umfeld, meine Familie und Freunde. Es waren für mich allerdings keine schwerwiegenden Opfer, es ging nie um Leben und Tod, wenn auch vielleicht manchmal um Seelenheil, so wie in der obigen Nacherzählung des faustischen Pakts aus der Ich-Perspektive (eine Mischung aus Robert Johnson und mir selbst).
Geschrieben im Mai und Juni 1994 und am 13.09.1994
Gesang & Instrumente aufgenommen von Dennis Schütze
Schlagzeug & Perkussion aufgenommen von Jan Hees
Mix & Master: Jan Hees
Produktion: Dennis Schütze (2026)
Das Album „25/52“ erscheint weltweit am Freitag, den 05.06.2026 auf allen gängigen Streamingportalen. Hier einige Einzelheiten zur sehr langen Entstehungsgeschichte.
Erscheint Juni 2026.
Markus Eberhardt ist Kirchenmusiker und Musiklehrer, Dirigent des Orchesters des Konzertvereins und des Ensemble Consortium musicum in Passau. Nach etlichen Schriften zu regionalen musikhistorischen Themen („Johann Josef Friebert“, 2020; „Heinrich Ignaz Franz Biber“, 2023) erschien 2026 das Büchlein „Kleine Musikgeschichte Bayerns“ bei Verlag Friedrich Pustet.
Erich Schneider ist Kunsthistoriker und Museologe, bis zu seiner Pensionierung leitete er das Mainfränkische Museum auf der Festung Marienberg in Würzburg. Nach etlichen Schriften als Herausgeber und Autor zu kunsthistorischen, fränkischen Themen („Kleine Geschichte Unterfrankens“, 2020) erschien 2026 das Büchlein „Würzburg. Kleine Stadtgeschichte“ bei Verlag Friedrich Pustet.
Erscheint Juni 2026.