Seit einigen Wochen befinde ich mich in einer musikproduktionstechnischen Orientierungsphase. In den letzten Jahren war ich als Produzent, Arrangeur und Instrumentalist so aktiv wie nie, habe meinen Output erhöht und in den Albumproduktionen für mich musikstilistisches Neuland betreten. Beispiele dafür wären etwa „NDW“ (2015), „Music from ‚Star Wars’ for Small Ensemble“ (2015), „So klingt Würzburg 2016!“ (2016) und zuletzt „Urban Chic & Country Cool“ (2017). Ich habe nicht nur wie üblich gesungen und Gitarre gespielt, sondern zum Teil sehr aufwändig neuarrangiert, mir unvertraute Instrumente gespielt, nahezu alles selbst auf eigenem Equipment aufgenommen und das meiste auch nachbearbeitet. Nebenbei habe ich auch angefangen zu „schrauben“, will heißen: Ausgehend von Loops, Beats und Samples aus der DAW-internen Library habe ich Tracks zusammengebastelt, zum Teil kamen noch händisch eingespielte Instrumente dazu (Querflöte, Toms, Becken). Beispiele dafür wären „Nights in white Satin“ von Sandra Buchner oder „Self Control“ von Doro T (von ihr werden bald zwei weitere Tracks folgen). Weiterlesen
Über Kreativität
„Eine wahrhaft kreative Schöpfung ist nicht nur ungewöhnlich, neu oder originell. […] Dazu bedarf es einer gewissen Qualität, die man nur erreicht, indem man das jeweilige Handwerk lernt, […] in ihrer höchsten Ausprägung ist sie stets das Resultat langjähriger Arbeit.“
Bas Kast in: „Und plötzlich macht es Klick! Das Handwerk der Kreativität“ (Fischer 2015, S. 122-23)
Historische Musikwissenschaft – eine postfaktische Disziplin
Gastbeitrag von Prof. Dr. Norbert Schläbitz (Westfälische Wilhelms-Universität Münster)
Postfaktisch ist zum Wort des Jahres 2016 ausgelobt worden. Das soll so viel heißen, dass Fakten eine mehr nachgeordnete bis gar keine Bedeutung haben und gefühlsmäßige Stimmungen zum Eigentlichen erhoben werden. Zahlreiche Beispiele lassen sich für die jüngere Vergangenheit dafür benennen, die an dieser Stelle gleichwohl keine besondere Rolle spielen.
Es mutet allerdings vielleicht sonderbar an, dass diese auf die gegenwärtigen Verhältnisse bezogene Zuschreibung auf eine vermeintlich wissenschaftliche Disziplin angewendet wird, zumal diese in einem Jahrhundert an Universitäten sich etabliert, die vom Positivismus, vom Rationalismus, von auf harten Fakten beruhenden technischen Innovationen bestimmt ist. Von postfaktischen Zuständen kann da zunächst einmal keine Rede sein.
Genauer gesagt ist vom 19. Jahrhundert die Rede. Das 19. Jahrhundert lässt sich in der Tat als ein Jahrhundert der Wissenschaften herausstellen, die nach der Diktion von Luhmann allein dem Kriterium von wahr/falsch sich verpflichtet fühlen. Daneben gibt es aber auch Disziplinen, die sich zwar wissenschaftlich wähnen, aber stattdessen dem Gefühl ihre Referenz erweisen. Zu diesen gehört auch die Musik-„Wissenschaft“. Sie orientiert sich weniger an Fakten denn mehr an Gefühlen und Stimmungen, gibt sich diesen hin. Und auf der Basis dieser Hingabe werden Schriften verfertigt, die sich zwar wissenschaftlich nennen, aber postfaktisch unterminiert sind. Das sieht seinen Grund darin, dass der Bezugspunkt der Historischen Musikwissenschaft weniger die Wissenschaft ist denn mehr die Romantik mit ihren geradezu märchenhaften Schriften. Ja, die Romantik wendet sich sogar explizit gegen das harte Zahlen- und Faktenargument von Wissenschaft. Und genau hier, in der Romantik, hat die Historische Musikwissenschaft primär ihre Heimat; aus der Romantik geboren, nimmt die Historische Musikwissenschaft den Stift, schreibt auf, was sie bewegt. Weiterlesen
Album: „4“ von The DeSoto Caucus
DeSoto war eine klassische, US-amerikanische Automarke, die von 1928 bis 1960 mehr als zwei Millionen Fahrzeuge herstellte. Caucus ist das nordamerikanische Wort für Versammlung, Ausschuss, Gremium oder Sitzung. DeSoto Caucus ist eine dänische Bandformation, die gerade ihr viertes Album „4“ beim deutschen Label Glitterhouse veröffentlicht hat. Bereits 2003 arbeiteten die skandinavischen Musiker erstmals mit Howe Gelb zusammen und gehörten in der Folge zur langjährigen Stammbesetzung seiner Band Giant Sand. Sie spielten Tourneen in Europa und USA, musizierten auf Albumeinspielungen und verbrachten ihre Zeit vornehmlich entweder ‚on the road’ oder in Arizona. Weiterlesen
Buch: „34 Tage, 33 Nächte“ von Andreas Altmann
Das Buch „34 Tage, 33 Nächte“ über eine Extremwanderung unter speziellen Bedingungen erschien erstmals in gebundener Form im Jahr 2005 bei Frederking & Thaler. Kurz danach wurde eine günstige Taschenbuchausgabe bei Malik National Geographic veröffentlicht, im Jahr 2014 erschien die mittlerweile 6. Auflage. Andreas Altmann hat die Strecke von seinem Wohnort Paris bis nach Berlin zu Fuß und ohne Geld innerhalb von etwas mehr als einem Monat zurückgelegt. Wie bei vielen anderen seiner Reiseberichte hat er sich mit diesen krassen Einschränkungen absichtlich Umstände geschaffen, die Perspektivwechsel und Neubewertungen geradezu erzwingen. Weiterlesen
Country Boyz, Urban Chix & die Po-Ebene
Gestern habe ich ab 8:00 Mixe durchgehört und kommentiert, ab 9:00 kam dann der Klarinettenspieler Marco Gorencic und hat die letzte fehlende Spur zur Albumproduktion des Kinderliedermacher Christof Balling eingespielt und die ging postwendend weiter an den verantwortlichen Mixer Jan Hees. Puh geschafft, war allerdings auch etwas Wehmut dabei, denn das Projekt hat mich immerhin ein knappes Jahr beschäftigt, ist aber auch noch nicht rum. Wir sind jetzt mitten im Mix, gerade transkribiere ich die Lieder für die geplante Notenausgabe und direkt im Anschluss an die morgendliche Aufnahmesession kam dann prompt und wie geplant Christof vorbei und wir nahmen Voc & Git-Piloten für ein weiteres Bonuslied auf. Nach dem Mittagessen hörte ich zur Entspannung zweimal direkt hintereinander das Debutalbum „Badlands“ der jungen, amerikanischen Songschreiberin Halsey, sehr inspirierend. Danach habe ich ein Arrangement für das neue Kinderlied gebastelt und dann mein Zeug zusammengepackt. Weiterlesen
Simon-Philipp Vogel über „Urban Chic & Country Cool“
Seit 20.01.2017 hat Dennis Schütze ein neues Album in den virtuellen Regalen der Stadt. „Urban Chic & Country Cool“ heißt die Platte und präsentiert Coverversionen von u. a. Jim Croce, The Band und Arlo Guthrie.
Im Gegensatz zu Schützes letztem Coveralbum „Electric Country Soul“, musste ich dieses mal feststellen, dass ich noch große Lücken in meinem Musikgedächtnis habe, denn einen Großteil der Originalaufnahmen kannte ich nicht. Lediglich das auch heute noch radiotaugliche „Summer Wine“ und Jim Croces „Mississippi Lady“ waren mir ein Begriff.
Um so erfreulicher für mich, dass das Album nicht nur aus wild zusammen gewürfelten Lieblingen von Dennis Schütze besteht, sondern aus bewusst gewählten Songperlen abseits des bekannten Mainstreams. Die Songs lösen sich dabei nicht einfach gegenseitig ab, sondern führen einen bequem durch die Trackliste und der eingängige Albumsound hält einen bei der Stange. Weiterlesen
Foto: Stiller Wintertag in Würzburg
Liner Notes: Urban Chic & Country Cool (Side 2)
Das Album „Urban Chic & Country Cool“ erscheint weltweit am 20. Januar 2017 auf allen gängigen Download- und Streamingportalen. Weil es keine gepresste CD und demzufolge auch kein Booklet mehr gibt, hier Einzelheiten zu Besetzung und ein persönlicher Kommentar zur Songauswahl. (Erster Teil, Side 1)
07. Don’t it make my brown eyes blue (Richard Leigh)
Dennis Schütze: vocals, acoustic guitar, lap-steel, piano, epiano, Mandy Stöhr: background vocals, Camilo Goitia: bass, drum programming
Der Song fällt in die gleich Kategorie wie der Vorgänger #06 „L.A. International Airport“. Ich kenne ihn aus meiner Kindheit, wahrscheinlich aus der Plattensammlung meines Vaters und/oder durch das jahrelange passiv hören der amerikanischen Countrycharts im AFN. „The smaller the numbers, the bigger the hits.“ Als Kind verstand ich nicht wie braune Augen blau werden können. Inzwischen weiß ich Bescheid. Mandy Stöhr hat hier himmlische Backings eingesungen, sweet as honey, danke dafür. „Until the next week when once again we count down the fourty biggest hits in the USA. Keep your feet on the ground and keep reaching for the stars, and leave your radio/dial tuned right where it is.“ (Casey Kasem) Weiterlesen
Liner Notes: Urban Chic & Country Cool (Side 1)
Das Album „Urban Chic & Country Cool“ erscheint weltweit am 20. Januar 2017 auf allen gängigen Download- und Streamingportalen, z.B. Amazon, iTunes, Apple Music, Spotify etc. Weil es keine gepresste CD und demzufolge auch kein Booklet mehr gibt, hier Einzelheiten zu Besetzung und ein persönlicher Kommentar zur Songauswahl.
01. Coming into Los Angeles (Arlo Guthrie)
Dennis Schütze: vocals, acoustic & electric guitars, organ, electric bass, drum loop, Mandy Stöhr: background vocals
Es muss irgendwann Mitte der 1980er Jahre gewesen sein, meine Eltern waren ausgegangen und ich saß nachts alleine vor dem Fernseher und beim Rumzappen landete ich zufällig bei der Ausstrahlung des Hippiefilms “Alice’s Restaurant” (1969), der auf dem Songepos “Alice’s Reataurant Massacree” (1967) von Arlo Guthrie beruht. Danach ging ich in einen Plattenladen (ja, sowas gab’s damals noch) und kaufte mir das gleichnamige Album auf CD und kurz danach gleich noch eine „Best of“. Während meiner Zeit als Austauschschüler in den USA (1988-89) verbrachte ich ein paar Monate in Tulsa, Oklahoma und hatte dort Gelegenheit Arlo Guthrie und diesen Song im Konzert zu hören. Auch sehr gut gefallen hat mir sein Song “Coming into Los Angeles”, in die Stadt bin ich einige Monate später tatsächlich gekommen, allerdings nicht mit dem Flieger wie im Songtext, sondern als minderjähriger Beifahrer in einem Pickup Truck, aber das ist eine andere Geschichte. Weiterlesen
