Noten: „Dowland for Guitar“ von Martin Hegel (Hg.)

Böse Zungen behaupten es hätte vor den Beatles in England keine ernstzunehmende Musikkultur gegeben. Das stimmt so selbstverständlich nicht, aber man muss die englische Geschichte der Kunstmusik schon sehr genau betrachten um herausragende Komponisten und Werke zu finden. Am meisten sticht der Barockmusiker Georg Friedrich Händel heraus und der war bekanntlich deutscher Immigrant. Richtet man den Blick zeitlich noch weiter zurück wird man dann aber zweifelsohne fündig. John Dowland (1563-1626) zählt zu den bedeutendsten und einflussreichsten Komponisten und Lautenisten der Renaissance. Von ihm sind viele Lieder und ca. 100 Tabulaturen für solistische Renaissancelaute überliefert. Die Instrumentalkompositionen bestehen zum größten Teil aus epochetypischen Tänzen wie z.B. Almains, Pavanen, Galliarden und gehören heute zum festen Repertoire von Lautenisten und klassischer Gitarristen. Weiterlesen

Buch: „Truggestalten“ von Rudolph Herzog

Rudolph Herzog ist Autor und Regisseur, drehte Dokumentarfilme und verfasste verschiedene Sachbücher. Im Frühjahr 2017 hat er nun bei Galiani Berlin sein Debut als Romanautor vorgelegt. „Truggestalten“ spielt im zeitgenössischen Berlin und wird als episodenhafte Sammlung von Schauergeschichten beworben. Weiterlesen

Kochbuch: „Café Cornersmith“ von Alex Elliott-Howery & James Grant

Für gewöhnlich widme ich mich dem Konservieren von Klang, Musik und Geschichten. Im Folgenden geht es um die Konservierung von Lebensmitteln vorzugsweise Obst und Gemüse als Eingemachtes. Komisch eigentlich, dass uns das am Konservatorium nicht beigebracht wurde.
Das „Café Cornersmith“ wurde vor ein paar Jahren von Alex Elliott-Howery und James Grant im Westen Sydneys in Australien eröffnet. Schwerpunkte sind – neben Kaffee und Kuchen – „Frische Saisonküche und köstliches Eingemachtes“. 2015 erschien das dazugehörige Koch- und Einmachbuch (Recipes from the Cafe and Picklery“), ein Jahr später die deutsche Übersetzung.

Nach zwei kurzen, einleitenden Texten präsentiert das Gastronomenpaar auf 270 Seiten viele originelle und appetitliche Speisen. Unterteilt werden die Koch- und Zubereitungsanleitungen in die Kapitel Frühling, Sommer , Herbst, Winter und das Extrakapitel Einmachen. Danach folgen Anmerkungen zu Rezeptgrundlagen, Location und ein hilfreicher Register. Weiterlesen

Weekend Audition (KW12 2017)

Gestern Nachmittag habe hintereinanderweg folgende Alben durchgehört: „Blue“ (1971) von Joni Mitchell, „Transformer“ (1972) von Lou Reed, „Everyboy knows this is nowhere“ (1969) von Neil Young, „Pink Moon“ (1972) von Nick Drake, „Sit down young stranger/If you could read my mind“ (1970) von Gordon Lightfoot.

Es sind alles Alben aus US-amerikanischer Produktion, die kurz vor oder kurz nach meiner Geburt erschienen sind. Beim Hören fielen mir mehrere Sachen auf: Das Album, mit +/-10 Tracks und einer Laufzeit von 35-45 Minuten, ist eine vollendete und sehr stimmige musikalische Form. Die Songwriter der frühen 1970er haben das begriffen und keine Sammlung von Einzeltracks, sondern im besten Fall ein balanciertes Gesamtkunstwerk produziert. Zusammengehalten wird das ganze von einem Sänger und Songschreiber, seinen/ihren Songs, gleichbleibender Instrumentierung und Arrangements, einer Attitude und dem Albumsound, der von Mitmusikern, Studio und Aufnahmeleiter geprägt war. Heraus kam eine Klang gewordene Momentaufnahme einer künstlerischen Entwicklung. Weiterlesen

Vinyl is not dead: Third Man Pressing

Der US-amerikanische Musiker und Indie-Artrepreneur Jack White hat in seiner Geburtsstadt Detroit ein Vinyl-Presswerk mit acht brandneuen Pressen (Newbilt, aus deutscher Fertigung) eröffnet. Dort werden ab sofort Schallplatten für sein eigenes Label Third Man Records hergestellt. Aber auch anderen steht der Zugang offen, dezidiert angesprochen werden Indiebands aller Art z.B. auch Punkbands. Bei Jack White darf man davon ausgehen, dass dieses Angebot ernst gemeint ist, schließlich kann er bzgl. Promotracks auf Vinyl wertvolle eigene Erfahrungen beisteuern. Übrigens: Der Mann bei 2:07 ist einer von Jack Whites großen Brüdern.

Noten: „Banjo spielen!“ von Sebastian Schröder

Für Spieler des 5-String Banjos gibt es in deutscher Sprache wenig Literatur, im wesentlichen beschränkt es sich auf die engagierte, aber didaktisch mitunter etwas unsortierte Veröffentlichung „Beginner Banjo“ des Münchner Ausnahmebanjospielers Rüdiger Helbig aus den 1990er Jahren. Spätestens seit dem Erfolg von Filmen wie „O, Brother were art thou?“ und Bands wie „Old Crow Medicine Show“, „Avett Brothers“ und „Mumford & Sons“ ist das archaische Instrument wieder en vogue und wird auch in aktueller Popmusik immer wieder prominent eingesetzt. Mit diesem neuen Umgang hat sich auch das Verständnis zum Banjo gewandelt. Insbesondere die fünfsaitige Variante ist längst nicht mehr nur die fellbespannte Kentucky-Gitarre für erzkonservative Rednecks aus den Appalachen. Längst wurde es von urbanen Hippstern mit gepflegten Vollbart und geisteswissenschaftlichem Bildungsintergrund (wieder-)entdeckt und will gespielt werden, aber wie? Weiterlesen

Buch: „How Music got free“ von Stephen Witt

Stephen Witt ist amerikanischer Journalist und hat im Sommer 2015 mit “How Music got free“ sein erstes umfangreiches Sachbuch veröffentlicht. Kurz darauf erschien das Buch mit gleichnamigem Titel in deutscher Übersetzung, ein darauf Jahr nun die englischsprachige Taschenbuchausgabe. Das Buch trägt den Untertitel „A Story of Obsession and Invention“ und Witt beschreibt darin detailliert und sachkundig den revolutionären Wandel den Digitalisierung, MP3-Format und die Möglichkeiten des Internets auf die globale Musikindustrie und letztlich die ganze Gesellschaft hatten.

Witt erklärt bereits in der Einleitung, dass er diese aufregenden Zeiten des medialen Wandels als junger Student und aktiver Filesharer selbst miterlebt hat. Jahre später hat er sich dann für die Protagonisten und deren Motivation interessiert und ist dem in intensiver und nicht immer einfacher Recherche nachgegangen. Er hat die spannende Erzählung auf verschiedene Blickwinkel verteilt um die Geschehnisse greifbarer zu machen. Zentrale Handlungsstränge sind die Geschichten der Figuren Karlheinz Brandenburg (Forscher am Erlanger Fraunhofer Institut und Entwickler des MP3-Formats), Bennie Lydell Glover (Mitarbeiter eines amerikanischen CD-Presswerks, aktiver Leaker und Filesharer) und Doug Morris (CEO diverser globaler Medienkonglomerate), dazu kommen passagenweise weitere Akteure wie Shawn Fanning (Napster), Alan Ellis (Oink) u.a. Weiterlesen

Mein Mediennutzungsverhalten (2017)

In den letzten zwei Wochen haben die geschätzten Bloggerkollegen Johannes Kreidler (Kulturtechno) und Stefan Hetzel (Weltsicht aus der Nische) jeweils ihr persönliches Mediennutzungsverhalten offenbart, verbunden mit dem Wunsch, dass andere dem Beispiel folgen mögen. Ich habe beide Artikel mit Interesse und Gewinn gelesen, deswegen nun quid pro quo: Im Folgenden mein persönliches Benutzerprofil.

Internet & Blogs
Meine Lieblingsseiten im Netz sind Wikipedia, Youtube, sueddeutsche.de, faz.net und einige wenige Blogs, die ich aber fast täglich verfolge. Habe RSS-Feeds nutze sie aber kaum. Mir fällt auf, dass viele Blogs und Homepages nicht mehr gepflegt werden. Das Netz nutze ich außerdem für Einkäufe: Bücher, CDs, DVDs etc. kaufe ich meist bei oder vermittelt durch Amazon. Downloads manchmal über iTunes. Musikkram seit Jahren bei Thomann, hin und wieder bei kleinen Händlern oder Ebay.

Soziale Medien: Facebook, Twitter, Instagram, Whatsapp
Ich war nie und bin nicht bei Facebook, Twitter, Instagram, Whatsapp etc. Hin und wieder werde ich darauf hingewiesen, dass das ein Fehler ist und eine Mitgliedschaft in Sachen Netzwerken und Eigenwerbung ratsam wäre. Meist sagen das lose bekannte Kollegen, die mich kaum kennen und von denen ich weiß, dass sie weniger zu tun haben und mehr Zeit verplempern als ich, deswegen nehme ich das nicht ernst. Ich schätze, dass einige meiner Freunde und Bekannten ganz locker 1-2h täglich mit FB verbringen. In der Zeit lese ich oder spiele mit meinen Kindern. Fairerweise muss ich zugeben, dass einige meiner Veranstaltungen von FB-Nutzern angekündigt und einige meiner Texte und Videos geteilt werden. Ich werte das als eine Form der Unterstützung und freue ich mich darüber. Weiterlesen

Aus der Mitte kommt die Kraft (KW07 2017)

Die letzten Wochen war viel Kleinkram zu tun. Letzte Aufnahmen für diverse Projekte, kontrollhören, editieren, bouncen und anschließend transferieren. Wenig Spektakuläres, aber man muss dabei immer konzentriert bleiben um keine Fehler zu machen. Diese Art Tätigkeit fühlt sich wie sehr anstrengende Arbeit an.

Mitte der Woche (Mi) dann ein kleines Highlight: Sandra Buchner, Camilo Goitia und ich haben uns früh am Vormittag im Theater am Neunerplatz getroffen um dort ein paar Videos für aktuelle und kommende Albumveröffentlichungen abzudrehen. War ein wunderbarer, klarer und sonniger Morgen. Gleich nach Ankunft haben Camilo und ich gemerkt, dass wir noch wichtige Dinge vergessen hatten, also gleich unter Zeitdruck nochmal nach Hause und wieder zurück. Ich war als erster wieder da und begann schon mal mit behind the scenes-shots in der Garderobe. Als auch Camilo wieder da war, wurden wir freundlich darauf hingewiesen, dass hinter einem schweren, schwarzen Vorhang an der Bühnenrückwand ein sensationeller, von hinten farbig beleuchtbarer Hintergrund aus Milchglaselementen verborgen lag. Und den durften wir auch noch verwenden, Glück muss man haben und wenn es daher kommt, muss man es packen und für eine Weile festhalten!

Sandra Buchner & Camilo Goitia bei den Dreharbeiten (Foto: Dennis Schütze) Weiterlesen

Buch: „Und plötzlich macht es Klick!“ von Bas Kast

Bas Kast ist deutscher Journalist und schreibt in seinen populärwissenschaftlichen Büchern über psychologische Menschheitsthemen wie Liebe, Intuition und Kreativität, die er mit Hilfe aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse neu beleuchtet. 2015 erschien bei Fischer sein letztes Buch „Und plötzlich macht es Klick!“ über das Handwerk der Kreativität. Anfang 2017 erschien es als kostengünstiges Taschenbuch. In der Einleitung führt Kast zielstrebig an das Thema heran und stellt fest, dass gute Ideen mehr sind als zufällige Geistesblitze. In den folgenden fünf Kapiteln geht er der Frage nach unter welchen inneren und äußeren Bedingungen kreative Gedanken begünstigt werden. Seine Ausführungen werden immer wieder durch Aussagen renommierter Forschern unterfüttert, die Kast zum Teil selbst besucht und interviewt hat. Im Anhang findet sich dazu eine ausführliche Literaturliste. Die Kapitelüberschriften liefern bereits einen guten Überblick über die Themenfelder und Herangehensweisen: 1. Das Ungewohnte beflügelt die Phantasie, 2. Mit der Entspannung kommen die Ideen, 3. Über die lebenslange Lust an der Neugier, 4. Von der Gruppe zum kreativen Team, 5. Wie Sie Ihre eigene kreative Nische entdecken. Weiterlesen