Gestern morgen habe ich mich gleich nach dem Aufstehen im Hostel nach einer nahegelegenen Arztpraxis erkundigt, flottes Fruehstueck und dann bin ich los. Ging wieder etwas besser als am Horrorabend zuvor, raus entlang Felicity zum Streetcar St. Charles und vor bis zum Circel, von da aus dann noch ein paar Blocks und um die Ecke und ich war bei New Orleans Urgent Care. Am Empfang war man freundlich, aber es waren 150$ Vorauszahlung angesagt, ich habe mit Kreditkarte bezahlt, hoffe ich kann das bei meiner Kasse geltend machen. Ich sagte etwas amuesiert, dass ich in meinem Leben noch nie fuer eine aerztliche Behandlung selbst haette bezahlen muessen. Eine Frau mit Gipsbein, die das mitgehoert hatte, grinste mich an und sagte trocken: „Welcome to America!“
Im Wartezimmer sassen wirklich nur erkennbar akut kranke Menschen, zum Spass geht hier bei den Preisen sicher keiner her. Ueberall haengen Glotzen mit billigem Privatfernsehen, sogar im Behandlungszimmer. Ein Krankenpfleger nahm meine Daten auf, dann kam der Arzt und beruhigte mich, Nagelbettentzuendung ja, aber ich war frueh dran und der Nagel koennte dran bleiben. Er verschrieb mir Penezellin und wuenschte mir viel Glueck auf meiner weiteren Reise, und ob er sonst noch was fuer mich tun koennte. Ja, sagte ich, mein rechtes Ohr sei verstopft, seit ich mehrere Naechte hintereinander mit Gehoerschutz geschlafen haette. Der Arzt verabschiedete sich und den Rest erledigte dann der Krankenpfleger. Er brauchte ewig, bohrte und kratzte an meinem Ohr rum, spuelte mit einer Spritze, dann wieder bohren, dann wieder Spritzen. Irgendwann sagte er mehr zu sich selbst: „It“s like a jungle in there.“ Und ich ergaenzte spontan: „and it makes me wonder, how I keep from going under“ (Grandmaster Flash). Wir mussten beide lachen, es ging mir wieder etwas besser.
Danach die Tour wieder zurueck, kurzer Stop bei Walgreens um die Pillen zu holen, kleiner Snack beim Mexikaner, weil schon Mittag durch war und zurueck ins Hostel. Den halben Nachmittag schrieb ich am letzten Text, ist ja auch ziemlich lang geworden. Abends fragten dann zwei Maedels, ob ich Lust haette mit in die Frenchmen Street zu fahren, sie wuerden ein Taxi nehmen, Abendessen, vielleicht ein Konzert, wer kann da nein sagen?
Ich bin also mit noch einem anderen Australier mitgekommen. Die Maedels waren schon einmal gemeinsam in New Orleans gewesen und kannten sich ganz gut aus, sie fuehrten uns in einen netten Laden mit sehr kultivierter Livemusik am aeussesrten Ende der Frenchmen Street. Vom Couch Surfing beim letzten Mal kannten sie Roy, der stiess einige Zeit spaeter in Begleitung von drei weiteren jungen Damen noch hinzu. Wir assen zusammen, Roy hielt den Laden am Laufen, erzaehlte lustige Geschichten, stellte Fragen, provozierte originelle Antworten, schaute aber auch immer wieder auf“s Smartphone, lud weitere Freunde und Bekannte ein, organisierte eine kostenlose Fuehrung durch’s Viertel und im Anschluss Karten fuer eine Burlesque Show. Nach dem Essen haben wir uns die Zeit bis dahin etwas auf einem Kuenstlermarkt vertrieben, war nett.
Ich bin noch etwas mit, habe mich aber dann bald entschieden nach Hause zu gehen, ich musste noch durch’s Quarter und ein Streetcar erwischen, hat geklappt, ca. um 23.00 war ich im Hostel und gleich danach im Bett. Beim Fruehstueck wurde mir eben erzaehlt, dass die Burlesque Show grossartig gewesen sein soll, ich haette doch mitgehen sollen.
Jetzt erstmal Check Out aus dem Hostel und Mietwagen am Airport abholen. Es regnet und ist etwas kuehler geworden, also ein guter Grund weiter zu ziehen. Weiss noch gar nicht, wo ich heute Abend sein werde, evtl. kommen die Reiseberichte ab jetzt etwas unregelmaessiger, kann nicht sagen, ob es in den kleinen Motels in Mississippi auch ueberall Internet und zugaengliche Rechner gibt.
Juan’s Flying Burrito – St. Charles Streetcar – Funky 544
Ich habe schon davon berichtet, dass die vergangenen Tage fuer mich rein physisch ziemlich anstrengend waren. Den ganzen Tag auf den Beinen, die feuchte Waerme, die sengende Hitze, vielleicht spielt auch noch der Jetlag und das unregelmaessige und ungewohnte Essen mit rein, gestern hatte ich jedenfalls das dringende Beduerfnis mal einen Gang runter zu schalten. Habe also – soweit das in einem Zimmer mit sieben anderen eben moeglich ist – versucht auszuschlafen und mir Zeit gelassen beim Fruehstueck (Kaffee & Oatmeal mit Fruechten aus der Dose). Dabei bin ich mit anderen Gaesten aus aller Herren Laendern ins Gespraech gekommen, alles sehr nette, neugierige und aufgeschlossene junge Menschen. Danach habe ich mich ausfuehrlich dem Blogeintrag gewidmet und ein spaetes Mittagessen im Mexikaner umme Ecke eingenommen. So sah mein ToGo-Essen aus.
Auf den ersten Blick vielleicht etwas steril, hat aber wirklich gut geschmeckt. Danach eine kleine Runde auf dem ueberdachten Gehsteig in der Magazine Street, vorbei an vielen kleinen, zum Teil etwas kuriosen Laeden und nochmal kurz zurueck zum Hostel um mich fuer den zweiten Teil des Tages bereit zu machen. Um meine Fuesse etwas zu schonen hatte ich mich entschlossen, St. Charles Streetcar einmal bis zur Endstation und wieder zurueck zu fahren und das habe ich dann auch getan. Ist schon sehr entspannt in einer solch alten Strassenbahn die Avenue runter zu cruisen. Fenster stehen alle offen, draussen eine segende Hitze, aber man sitzt im Schatten und der Fahrtwind blaest einem angenehm ins Gesicht und unters Hemd. Die Schienen liegen auf der Mitte der Strasse und die sandige Strecke wird auch von den Joggern der Stadt als Laufstrecke benutzt. Hier der Blick ueber die Schulter des Wagenfuehrers, ich stand und sass die meiste Zeit direkt hinter ihm.
Auf dem Rueckweg bin ich schon nach der ca. der Haelfte der Strecke auf Hoehe Napoleon ausgestiegen und nach Sueden Richtung Fluss gelaufen, weil ich ins legendaere Tipitina’s gehen wollte, ein Konzertsaal in einem alten Lagerhaus, wo z.B. schon Livealben von Anders Osborn u.a. entstanden sind. Ich war zu frueh dran und als dann endlich die Tueren geoeffnet wurden, wurde ich erstmal gefilzt wie ein Kleinkrimineller, dazu die obligatorische ID-Kontrolle. Selbst die gut gelaunten Damen vor mir, die aussahen wie 60, aber wahrscheinlich knapp ueber 70 waren, mussten beweisen, dass sie ueber 21 sind. Was fuer ein schlechter Witz, es ging vermutlich eher darum Machtverhaeltnisse klarzustellen. Mir wehte an der Tuer eine arktische Brise entgegen (Klimaanlage), das Ticket war auf einmal deutlich teurer als im Netz angekuendigt, meine Fuesse taten weh, es gab keine Sitzplaetze und noch mindestens 60 Min bis zum Konzertbeginn und auf einmal hatte ich keine Lust mehr mich dem auszusetzen, irgendwie passte das alles fuer mich nicht mehr zusammen. Noch bevor ich das Eintrittsgeld bezahlt hatte, ging ich einfach wieder, zurueck zu Magazine St. und von da aus Richtung Osten, aber ich hatte es uebertrieben, schon wieder zuviel gelaufen, mittlerweile hatte ich auch den Schmerz lokalisiert, ich hatte den starken Verdacht, dass es sich um eine Nagelbettentzuendung an der linken Grossen Zehe handelte, aber das half mir jetzt auch nicht weiter, ein rettender Bus fuhr mir direkt vor der Nase davon, also wieder rauf zu St. Charles, da auch wieder, ich biege um die Ecke, das Streetcar faehrt ab, ohne mich. Mann-O-Mann. Die Bahnen fahren nicht nach Plan, zwar die ganze Nacht, kommen aber ab dem Abend und insbesonders in der Nacht sehr unregelmaessig. Ich wartete also, es dauerte ca. 15-20 Min bis ich das Licht am Ende der Strecke auf mich zukommen sah, und die ganze Zeit ueber stand 100 Meter weiter ein Wagen des New Orleans Police Department, Motor an (klar), Lichter auch. Ich war mir sicher, die beobachten mich oder war ich schon paranoid und die Cops haben doch nur ihre fettigen Doughnuts verdrueckt? Keine Ahnung, irgendwann kam dann endlich das Streetcar und ich war wieder unterwegs.
Mein Fuss tat mir mittlerweile so weh, dass ich froh war einen Sitzplatz zu ergattern und ich zog den Schuh aus damit sich die Zehe etwas erholen konnte. Kurz spielte ich noch mit dem Gedanken den angebrochenen Abend noch irgendwie fortzusetzen, sollte ich mal durchfahren bis zum French Quarter und schauen was im Preservation Hall gerade so passiert? Aussteigen haette laufen bedeutet, aber weiterfahren noch mehr laufen. Die Frage beantwortete sich dann von selbst, bei meiner Station war an aufstehen, aussteigen und zu Fuss gehen nicht mal zu denken, ich blieb einfach sitzen und ueberliess mich meinem Schicksal. Am Turning Point an der Canal St. war ich wieder einigermassen zu Kraeften gekommen, ich und alle anderen Passagiere mussten dort aussteigen, mir blieb also keine Wahl. Wie ein angeschossener Cowboy in einem ranzigen Spaghetti-Western schleppte ich mich ueber die Kreuzung ins French Quarter und was mich da erwartete trotzt jeder Beschreibung: Ueberall angetrunkene Touristen mit bunten Ketten um die Haelse und Bier- und Cocktailbecher in den Haenden, aus den billigen Kneipen droehnte noch billigere Livemusik und Karaoke, Fress- und Pommesbuden, Friteusengestank, ueberquellende Muelltonnen, dazwischen besoffene Landeier, Transen, Frauen in knappen Kleidern oder gleich im Bikini, Polizisten auf Pferden, roehrende Motorraeder, immer wieder auch verdunkelte SUVs, auf dem Boden zertretene Becher, Essenreste, Erbrochenes, es war wiederlich. Ich war in der Vorhoelle des Muggertums gelandet, eine Strafe fuer alle Musiker, die fuer das schnelle Geld uninspirierte Coversongs rauf und runter leierten. Ich versuchte mir einen Weg zu Bahnen zu Preservation Hall, das erschien mir die einzige moegliche Rettung um Kraefte zu sammeln und diesen Moloch hinter mir lassen zu koennen. Nach etlichen Blocks erreichte ich endlich das Gebaeude, die vorletzte Show hatte gerade begonnen und in der Reihe standen schon wieder locker 80 Personen fuer die letzte Show um 22:00 bereit, es hatte keinen Sinn, ich wuerde an diesem Abend nicht reinkommen, ich musste wieder umkehren, zurueck und raus aus diesem Wahsinn. Aber alles sah gleich aus, ueberall Neon, alle schrien sich an, bruellten, lachten laut, aus mir unbekannten Gruenden, lachten sie ueber mich? Ich verlor den Ueberblick, die Orientierung, ich verlief mich, mein Zeh schmerzte wie verrueckt, ich hatte schon seit Stunden beim Laufen eine unnatuerliche Schonhalteung eingenommen und jetzt schmerzte mir die linke Wade, war kurz vorm krampfen, ich musste immer wieder kleine Pausen einlegen, wollte mich setzen, aber wo, und auf einmal stand ich vorm Funky 544, einem halbvollen Laden aus dem die ersten Klaenge des Abends hallten, die ich als Musik klassifizieren wuerde, also rein, ein paar Meter nach dem Eingang: Ein Barhocker, ja, endlich sitzen.
Auf der Buehne stand – entgegen meiner schlimmsten Befuerchtung – eine sympathische R&B-Band mit einer Saengerin und einem Saenger. Die Saengerin wirkte fast irreal, sah aus wie die junge Whitney Housten und war mindestens 1-2 Wochen ueber dem Termin schwanger (und mit Schwangerschaften kenne ich mich mittlerweile aus, Leute), sie sang goettlich, eine weitere Frau um Drumset, der Gitarrist und der Bassist hatten Kopfhoerer auf waehrend sie spielten, der Basser zusaetzlich ein kleines Buendel Geldscheine in der Zupfhand (cool, das muss ich nach meiner Rueckkehr auch gleich ueben, Musik machen und dabei gleichzeitig Geld zaehlen). Sie spielten Blackmusic ab ca. 1960, aber sie muggten nicht, sie interpretierten, wenn sie es nicht gefuehlt haben, haben sie es gnadenlos gut imitiert, was fuer den Betrachter dann so ziemlich auf’s selbe hinauslaeuft. Und gutes Entertainment kann man in diesem Land oft auch schon auf kleinsten Buehnen erleben. Nach dem Gig ist die Saengerin mit Sicherheit direkt und ohne weitere Umwege auf die Entbindungsstation gebracht worden, kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass bei ihrem Gehampel und Geshake nicht im weiteren Verlauf des Abends irgendwann die Fruchblase geplatzt ist.
Ich war voruebergehend mit dem Schicksal versoehnt, nach ca. 45 Min hatte ich wieder genuegend Kraefte gesammelt um weiterziehen zu koennen. Als ich in der Canal St. ankam, fuhr mir das St. Charles Streetcar vor der Nase weg, nee, war klar, ich konnte mich nicht mal mehr darueber aufregen, sondern habe mich einfach auf irgendeine Bank gesetzt und gewartet, war schon laengst im Ueberlebensmodus (nicht unnoetig Energie verschwenden). Irgendwann kam tatsaechlich ein weiteres Streetcar, ich an Bord, ab die Post, runter bei Felicitiy (was fuer ein Witz, ich konnte aber nicht drueber lachen) und zum Hostel geschleppt. Ich war froh, dass es dunkel war und keiner sehen konnte wie ich mich die letzten Meter gequaelt habe. Was fuer ein Albtraum, morgen muss ich zum Arzt gehen.
Algiers – French Market – Old US Mint – Gasa Gasa
Gestern konnte ich meinen Blogeintrag freundlicherweise auf dem MacBook einer Mitarbeiterin des Hostels schreiben, deswegen ging’s erst Mittags los, die Ruhe hat mir auch gut getan, die viele Lauferei hat echt an mir genagt. Erstmal ca. fuenf Blocks Richtung Norden zu St. Charles, bei Walgreens habe ich schnell noch Sunblocker und was zu trinken gekauft, dann mit dem Streetcar Downtown von der Endstation Canal St. runter zum Fluss, von da aus nahm ich fuer schlappe 2$ die Faehre ueber den Mississippi nach Algiers („Rolling on the River“), einem alten Stadtteil (gegr. 1719) mit angeblich historischem Kern, nur viel zu erkennen war davon leider nicht mehr sehr viel, sieht eher aus wie ein geschmackvoll gestalteter suburbaner Vorort. Bin dann halt ein bisschen rumspaziert und habe in den Haeueserfronten einige dankbare Fotomotive gefunden von denen die besen wohl in einer Fotoserie gebuendelt werden, die ich irgendwann nach meiner Rueckkehr hier praesentieren werde.
Nach ca. 45 Min. habe ich die naechste Faehre zurueck genommen, auf dem ganzen Weg war die ordentlich verstimmte Dampforgel des Mississippidampfers „Natchez“ vom Ufer gegenueber zu hoeren.
Flussabwaerts bin ich von der Anlegestelle am sog. Moowalk entlang gelaufen und irgenwann ins suedliche French Quarter eingebogen. Vorbei an dem unter Touristen beliebten „Café du Monde“ zum French Market, wo gerade mittwochs auch der Farmers Market abgehalten wird. Mmh, da hat der gruene Markt in Wuerzburg irgendwie mehr zu bieten, aber vielleicht war ich auch zu spaet dran und das Besondere war alles schon an den Mann (und die Frau) gebracht worden. Hier ein schoenes mit Kreide hangzeichnetes Billboard einer Cocktailbar am Markt.
Am Ende des Marktes stand dann der monumentale Bau des Old US Mint mit angeschlossenem Jazz Museum. Bloederweise hatte ich gerade den vielversprechenden Vortrag von Bruce Raeburn, dem Kurator des Hogan Jazz Archiv der lokalen Tulane University verpasst, die letzten, hochinteressanten Ausfuehrungen zum Thema Second Line Drumming habe ich gerade noch so mitbekommen. Aber kein Problem fuer euch daheim, der Vortrag wurde als Video mitgeschnitten und ist angeblich unter musicatthemint.org zu finden, eine direkte Verlinkung kriege ich gerade nicht hin. Bitte anschauen und kurzes Feedback geben!
Nach einem kurzen Blick in die Frenchmen Street und den legendaeren Plattenladen (ja Platten, aber auch CDs und Buecher) ‚Louisiana Music Factory‘, bin ich geradwegs zurueck durchs French Quarter und fiel auf einmal in ein Hungerloch. Es war 5PM und ich hatte tatsaechlich seit dem Fruehstueck nichts mehr gegessen, aber im Quarter war’s mir dann doch nicht recht, arbeitete mich also vorwaerts, stieg hungrig wie ein Baer in St. Charles Streetacar und nahm dann bei Felicity einen Happen zu mir, ah, danach ging’s schon viel besser. Kurze Pause im Hostel, nach meiner andauernden Quengelei (ja das koennen wir Deutschen!), hat das Hostelmanagement tatsaechlich einen brandneuen PC angeschafft, jetzt musste ich nur noch dafuer sorgen, dass er auch ausgepackt und installiert wurde. Der freundliche Hippie am Check In gab seinen Widerstand nach mehrfachem Nachfragen auf, schloss die neue Kiste an und setze sie auch in Gang. Waehrend ich danaben sass und aufpasste, dass er nicht von anderen von der Arbeit abgelenkt wurde, quatschten wir ueber die Musikkultur der Suedstaaten und es stellte sich heraus, dass er ein fuer amerikanische Verhaeltbnisse sehr belesener und informierter junger Mann war. Er spielt diverse Instrumente und ist mit Musikern wie dem von mir hochverehrten Anders Osborn bestens vertraut, cool das!
An diesem Abend habe ich mich aufgerafft und bin nochmal los zu einem Konzert mit gleich drei Bands im Gasa Gasa. Also zurueck zu St. Charles, ca. 10 Stationen mit dem Streetcar und weitere neuen Blocks zu Fuss und ich war da: Renommierter Club, aber erstmal keine Ahnung wer spielt. Hier das Poster zur Veranstaltung:
An der Kasse sagt man mir es waere eher so Elektro, mit Synthiebass und eher mit ohne Gitarren (was sich dann als nicht wahr herausstellte). Okay, mal was Neues, dafuer bin ich ja hierhergekommen, ist irgendwie auch eine Forschungsreise.
Die Openerband in der Besetzung git/voc, drums, playback spielte nur ein sehr kurzes, dafuer aber inspiriertes Set mit poppigen, eigenen Songs, klang so als wenn Coldplay gute Lieder schreiben koennten und frische, coole Klaenge verwenden wuerden, kann man definitiv so stehen lassen.
Danach als Zwischenakt ein Synthie-Quartett mit Gesang, auch gut, bisschen kraftwerkmaessig, aber durchaus tanzbar, sie gaben sich auf der Buehne sehr viel Muehe damit die Idee eine Performance zu dekonstruieren, sie ignorierten das Publikum komplett, kamen dabei aber trotzdem sympathisch rueber, weiss auch nicht wie das genau funktioniert hat.
Hauptact dann ein Trio mit Synthie, Synthie und Gitarre und viel einfachen, aber nicht minder beeindruckenden Lichteffekten. Frau am Gesang, ansonten viel 80er, bisschen wie Depeche Mode mit Pfeffer im Hintern, kann man nicht meckern, allenfalls etwas Retro, aber an dem Abend hat’s gut gepasst.
Zu Fuss zurueck zu St. Charles, hatte Glueck, dass zu dieser spaeten Stunde relativ schnell ein Streetcar in Dunkelheit auftauchte, zurueck zu Felicity, um Mitternacht war ich im Hostel, over and out.
St. Louis Cemetery – Congo Square – St. Ann – Mississippi River
Ich bin schon seit ziemlich langer Zeit nicht mehr so lang und so weit gelaufen wie am gestrigen Tag. Nach meinem Besuch bei der Public Library in der Elk Street, wo ich den ersten Eintrag fuer den Reiseblog vorgenommen hatte, habe ich mich nach Osten Richtung Louis Armstrong Park gewand. Ein paar Blocks weiter die Basin Street runter kam ich am St. Louis Cemetery No. 1 vorbei, Eintritt nur mit Certified Guide zum Preis von schlappen 18$, das war mir dann doch zuviel, ausserdem stoerte mich gewaltig, dass selbst mit dem Gedenken der Toten noch Kasse gemacht wird. Um die Ecke und nur einige hundert Meter weiter befindet sich der St. Louis Cemetery No. 2, liegt ein klein bisschen abseits der ausgetretenen Touristenpfade, kostet gar keinen Eintritt und man braucht auch keinen nervigen Guide. Es geht sogar soweit, dass man Teile des Friedhofs mit dem Auto durchfahren darf, ich bin natuerlich gelaufen. Wegen des hohen Grundwasserspiegels werden Verstorbene in New Orleans traditionell nicht beerdigt, sondern ueberirdisch bestattet, mit der Zeit wurden die dafuer errichteten Mausoleen immer aufwaendiger und praechtiger. Im St. Louis Cemetery befinden sich einige Familienmausoleen, die teilweise noch aus dem 19. Jahrhundert stammen. Direkt neben dem Friedhof, ca. 12 m erhoeht fuehrt die Interstate 10 daran vorbei. „Bury me by the Highwayside, so my ol‘ evil spirit can catch a greyhound bus and ride.“ (Robert Johnson)
Danach ging’s weiter Richtung Osten, nur zwei Blocks weiter liegt der beruehmt-beruechtigte Congo Square an dem sich die Sklaven sonntags zum kulturellen Austausch treffen durften. Hier wurde gesungen, getrommelt und getanzt und es ist sowas wie die musikalische Geburtsstaette der afro-amerikanischen Musikkulturen. Heute ist es ein unscheinbarer Teil des neu-installierten Louis Armstrong Park am oberen Ende des French Quarter, die Geschichtstraechtigkeit sieht man dem Ort leider nicht mehr im Ansatz an. Ich habe mich trotzdem auf eine Bank gesetzt, bin meinen Gedanken nachgegangen und habe dann doch sicher eine Stunde an diesem besonderen Platz verbracht. Weiter Richtung Sueden, auf der anderen Strassenseite beginnt bzw. endet das Frenchquarter, das Vieux Carre, ein alter Stadtteil, der heute in erster Linie als touristisches Vergnuegungsviertel dient. Ich bin einfach die St. Ann Street runter flaniert vorbei an geschmueckten, alten Haeusern im franzoesischen Stil, je weiter ich kam desto mehr Hotels, Kneipen und Bars waren darunter.
Die Strasse endet am Jackson Square, dem zentralen, grossen Platz im French Quarter, schon von weitem hoert man die Klaenge der Brass Bands, die in erster Linie fuer die Touristen spielen. Es waren ausschliesslich junge Schwarze, die in in Hip Hop Klamotten in der prallen Sonne standen und traditionelle und moderne Tunes spielten. Die Ensembles bestanden aus zwei Mann an grosser Trommel / Hihat und kleiner Trommel, dann ein Sousaphon und jeweils drei Posaunen und Trompeten, Saxophone oder irgendwelche Akkordinstrumente waren nicht dabei. Ich muss schon sagen, alles was ich gehoert habe hatte ganz schoen viel Dampf und Energie. Auch wenn man davon ausgeht, dass das junge Kerle sind, die sich routiniert ein bisschen Geld auf der Strasse verdienen, war die Brass Band Tradition absolut erkennbar, das hatte nun wirklich gar nichts mit dem braesigen SPD-Senioren-Dixie-Gehupe zu tun, was man so aus deutschen Biergaerten kennt. Hier war immer das improvisierende Ensemble zu erkennen, besonders die Aufteilung von Bassdrum und kleiner Trommel auf zwei Personen macht die Rhythmik extrem variabel, teilweise fast schon polyrhythmisch. Die Saetze wurden selbstverstaendlich auswendig gespielt, waren ‚tight as a rats ass‘ und sehr gut intoniert, dabei bewahrten sie aber auch anarchisch ueberdrehte Elemente wie man sie in Europa allenfalls von Blaesergruppen vom Balkan her kennt.
Das Gewuehle in dem touristisch dominierten, westlichen Teil des Quarters ersparte ich mir und lief weiter Richtung Sueden zum Mississippi River, setzte mich auf eine Bank und genoss die frische Brise und den Blick ueber das Wasser aufs andere Ufer. Old Man River. Dann entlang des sog. ‚Moon Walk‘ zur Canal Station und hier merkte ich wie sehr mir meine Fuesse weh taten. Mein Schuhe waren mir etwas zu eng, normalerweise kein Problem, aber wenn man den ganzen Tag auf den Beinen ist eben schon. Rauf die Canal Street fand ich einen Footlocker und fragte, ob sie einen leichten Sportschuh haetten, so was wie den Adidas Samba vielleicht. Hatten sie nicht, aber der Verkaeufer wurde hellhoerig, ob er mir denn was anderes von der deutschen Traditionsmarke anbieten duerfte, na klar, von mir aus. Er legte mir den Stan Smith Signature Sportschuh ans Herz, passte wie angegossen, in schwarz oder weiss, mmh, dann lieber schwarz. Ich erzaehlte ihm, dass meine Heimatstadt gar nicht weit weg vom Adidas Headquarter liegen wuerde und das interessierte ihn. Er fragte mich, ob ich denn auch wuesste wofuer Adidas steht und das konnte ich selbstverstaendlich bejahen. Ich erklaerte ihm dafuer warum die Leute in Deutschland sich seit einiger Zeit lieber Adi als Adolf nennen und warum die deutsche Nationalmannschaft 1954 die Weltmeisterschaft wirklich gewonnen hatte (Schraubstollen). Er hoerte aufmerksam zu und beschoss unsere Unterhaltung mit den weisen Worten: „That’s Sneaker-History!“
Danach ein kurzer Snack und zu Fuss entlang St. Charles Street bis Felicity and runter zu Annunciation zum Hostel. Ich war platt wie eine Flunder, hatte mir einen leichten Sonnendbrand eingefangen, wollte nach einer kurzen Erholung zwar noch zu einem Konzert, konnte mich aber nicht mehr aufraffen.
Frankfurt – Dallas – New Orleans
Mein lieber Mann, das hat gerade nochmal hingehauen. Bei der Buchung der Tickets zum Flughafen Frankfurt hatte ich die Auswahl zwischen viel zu frueh und ganz schoen knapp, ich habe mich fuer die zweite Variante entschieden. In Wuerzburg fuhr der Zug puenktlich ab, auf der Strecke verlor er ein paar Minuten, dann bei der Ankunft am Flughafen merkte ich, dass ich noch zum Terminal 2 rueber musste und da wurde mir klar, dass das ziemlich eng werden wuerde. Bei meiner Ankunft am Check In der American Airlines wurde schon zusammengepackt: Der Check In sei bereits abgeschlossen. Ich holte kurz Luft und fragte dann ganz ruhig und freundlich, ob es vielleicht doch noch eine Moeglichkeit gaebe, ich haette auch nur Handgepaeck (was nicht ganz stimmte). Ich ueberreicht dem Verantwortlichen meinen Reisepass und siehe da: „Herr Doktor Schuetze, ich denke wir koennen da noch was arrangieren, ich muss sowieso zum Gate.“ Na wunderbar, wahrscheinlich zum ersten Mal, dass mir mein akademischer Titel einen Vorteil eingebracht hat. Im Turbo ging es zur Passkontrolle und Securitycheck, auf dem Weg dorthin wurden in Windeseile die Formalitaeten besprochen („Wer hat gepackt?“ etc.) und was soll ich sagen, ich habe als allerletzter geboardet, hinter mir fielen die Tueren ins Schloss und es ging los.
Der Flug hat sich dann ordentlich hingezogen, es waren knapp 12 Stunden nach Dallas, dort Baggage Claim, Immigration, Re-Check und zwei Stunden spaeter weiter nach New Orleans. Als ich ankam war ich schon ca. 20h unterwegs und entsprechend platt. Statt Taxi oder Shuttle, habe ich mich wieder Mal fuer das etwas langwierigere, aber guenstigere und begegnungsreichere oeffentliche Nahverkehrssystem entschieden. Ich kam ins Gespraech mit einigen anderen Passagieren, kein Wunder, ich war so ziemlich der einziger Weisse und fast schon sowas wie eine kleine Sensation. Alle waren sehr freundlich und neugierig (auch das Fahrpersonal!), sie fragten auf welcher Seite bei uns in Deutschland die Autos fahren, welche Sorte Fleisch wir essen und wie unsere Waehrung heisst. Ich gab bereitwillig Auskunft, absoluter Hoehepunkt war dann als ich einige der bunten Euroscheine auspackte, die Leute: Begeistert! Was fuer ein Hallo: „That’s your money? Looks like Monopoly to me, haha!“
Irgendwann musste ich dann um- und schliesslich auch aussteigen, eine sehr nette aeltere Jamaikanerin, die die ganze Zeit laecheld zugehoert hatte, wuenschte mir viel Glueck und Gottes Segen, vielen Dank dafuer, das koennen wir sicher alle gut gebrauchen. Ich lief danach noch eine ganze Weile durch die zusehends leerere Innenstadt Richtung Garden District zum Hostel, es war bereits 20.00 Ortszeit und nicht mehr viel los.
Es ging dann noch eine ganze Weile weiter durch dunkle, verlassene Strassen, es dauerte laenger als ich dachte bis ich endlich beim Hostel angekommen war. Check In und schnelles Sandwich von der naechsten Tanke, danach war ich „ready to hit the sheets“ und zwar im Achtmann(undfrauen)zimmer mit vier Etagebetten, ich habe geschlafen wie ein Baby. Kurz mal wach gegen 5:00, danach durchgeratzt bis 8:00 frueh. Dusche, lockeres Pancakefruehstueck im Hostel inkl. Erfahrungsaustausch mit einigen jungen Australiern, danach kurz sortieren und zu Fuss ab Richtung Downtown zur Public Library, wo es oeffentlichen Internetzugang gibt (der Rechner im Hostel ist leider gerade noch defekt). Hier ein Bild vom Weg in die Stadt.
Es hat 27 C und ueberall stehen Palmen, ungewohnt hohe Luftfeuchtigkeit, fast schon etwas unangenehm, man kommt leicht ins Schwitzen. So, gleich ist meine Zeit am Rechner rum, morgen geht’s weiter. Meine erste offizielle Anlaufstelle ist jetzt gleich der Congo Square, ein aus musikalischer Sicht sehr besonderer Ort, check it out and stay tuned!
USA-Reise: Südstaaten
Am Montag breche ich zu einer neuen Reise in die USA auf, diesmal besuche ich die Südstaaten rund um den Bundesstaat Louisiana. Von Frankfurt fliege ich über Dallas nach New Orleans und bleibe dort bis zum Osternwochenende. Dann geht es weiter und ich fahre mit einem Leihwagen Richtung Baton Rouge, von da aus weiter Richtung Norden entlang des Great Mississippi durchs Delta nach Memphis und, wenn die Zeit ausreicht weiter nach Nashville. Von da aus geht es wieder zurück Richtung Süden, voraussichtlich über Atlanta oder Birmingham runter zum Golf von Mexiko und von da aus Biloxi und Gulfport zurück zum Big Easy. Leihwagen und ein einfache Unterkunft in New Orleans sind gebucht, alles weitere wird sich ergeben, hoffe ich jedenfalls. Habe mir schon einige Clubs, Venues und Konzertsäle rausgesucht, werde sicher mal im Preservation Hall, im Tipitina’s und im Gasa Gasa vorbei schauen, ansonsten natürlich French Quarter und was es sonst noch so zu sehen gibt, Wetter soll gut werden (tags um die 25 C°). Weiterlesen
Kochbuch: „Reisehunger“ von Nicole Stich
„Reisehunger“ heißt das soeben erschienene Kochbuch von Nicole Stich. Die Foodbloggerin und Kochbuchautorin hat ein interessantes Konzept gewählt: In einer Art kulinarischen Weltreise präsentiert sie „die besten Rezepte zwischen den USA und Singapur“. Die Reise führt über acht Länder von den USA, über Portugal, Frankreich, Italien, Griechenland, Türkei, Dubai bis nach Singapur. Die Autorin hat alle Länder selbst bereist und zahlreiche landestypische Köstlichkeiten entdeckt, Restaurants und Imbisse besucht, mit Einheimischen eingekauft, gekocht und gespeist, Märkte und Läden durchwandert und viele besondere Eindrücke, Erlebnisse, Geschichten, Tipps, Tricks und natürlich besondere Rezepte mit nach Hause gebracht. Weiterlesen
Schon wieder ein neues Album der Musikstudenten: Pop Studies (2015)
Innerhalb nur weniger Monate schlägt die Würzburger Tanz- und Cocktailband „Die Musikstudenten“ nun bereits zum zweiten Mal zu. Nach der instrumentalen Jazz-EP „Take Five“ (Feb 2015) erscheint Anfang April die EP „Pop Studies“ mit sechs frischen Poptracks exklusiv als Downloadversion. Darauf enthalten sind eigenwillige Interpretationen der modernen Popsongs „Valerie“ (Amy Winehouse), „Rolling in the Deep“ (Adele), „I’m Yours“ (Jason Mraz), „West Coast“ (Lana Del Rey), „Count on me“ (Bruno Mars) und der Bonustrack „Shake it off“ (Taylor Swift)“, allesamt eingespielt in der Stammbesetzung Dennis Schütze (voc/git/uke), Fritz Wenzel (sax/cla/flu), Friedrich Betz (kbass) und Sven Lehmkämper (drums).
Parallel dazu erscheinen in den kommenden Monaten mehrere Musikvideos zu einigen dieser Jazz- und Poptracks. Den Anfang machte vor kurzem „Shake it off“. Better be ready!
Simon-Philipp Vogel: Der Schmerz in meinen Rippen
Nach seinen ersten beiden Singles „Zoo“ und „Puzzle“ aus dem Jahr 2014 hat der Musikerkollege Simon-Philipp Vogel in diesen Tagen mit „Der Schmerz in meinen Rippen“ einen weiteren Song vorgelegt. Ich habe etwas bei der Form- und Tempofindung assistiert und dann High-Strung- und E-Gitarre eingespielt. E-Bass spielte Camilo Goitia, Schlagzeug, Mix und Master stammen von Jan Hees. Gute Unterhaltung!
Film: The Wrecking Crew
„Behind their success was a group of studio musicians called The ‚Wrecking Crew’.“ Mit diesen Worten beginnt der Trailer zur Filmdokumentation „The Wrecking Crew“ von Denny Tedesco, Sohn des legendären Studio Musikers Tommy Tedesco. Die portraitierte Gruppe von Studiomusikern aus Los Angeles musizierte in den 1960 Jahren bei erfolg- und einflussreichen Aufnahmen von Bands und Sängern wie The Beach Boys, The Mamas and the Papas, Sonny & Cher, Dean Martin, Nat King Cole, Frank Sinatra, Glenn Campbell, Tijuana Brass und Elvis. Weiterlesen