Auf meiner persönlichen To-Do-Liste steht schon seit Jahren mal ein Spiel der ersten Fußballliga in einem Stadion zu sehen. Karte und Bringdienst zu einem Spiel von Mainz 05 hatte ich mir bereits vor einiger Zeit schenken lassen und am gestrigen Sonntag war es endlich soweit. Für die Mainzer war es ein besonderes Spiel. Selbstverständlich ging es bei dem Lokalderby gegen den Rivalen Frankfurt um die Ehre des Vereins, zum zweiten hat Mainz ähnlich wie Frankfurt in den letzten Spieltagen keine guten Leistungen abgeliefert und die Partie wurde von beiden Mannschaften als richtungsweisend empfunden.
Wir waren zu zweit hingefahren und liefen vom Parkplatz zusammen mit den Mainzer Fans zur ziemlich neuen coface Arena. Anstellen, Sicherheitscheck und dann direkt zum Steh/Sitzplatz an der Längsseite, direkt gegenüber von den Ersatzbänken und nur ca. 8-10m vom Spielfeldrand entfernt. Bis jetzt hatte ich Fußballspiele nur am Fernseher oder bei einem Dorfkick direkt am Spielfeldrand verfolgt. So nah davor und leicht erhöht kam mir das Spielfeld weniger lang, aber dafür breiter vor. War auf jeden Fall ein super Platz und auch nette Nachbarn (alles Mainzer). Dann kam ziemlich schnell der Anpfiff und ab ging’s. So nah dran wirkte auf dem Spielfeld alles rustikaler als im TV und die Fans um mich rum haben’s auch ganz schön Kracher lassen. Das war aber trotzdem nichts gegen den Ultra-Block in der – von uns aus gesehen – rechten Kurve. Die hatten einen Eintrommler, der buchstäblich die ganze Zeit mit dem Rücken zum Feld stand und Leuten Kommandos gab und schrie. Und wenn dann schätzungsweise 2000-3000 Mann aus voller Kehle singen oder Parolen schreien, dann ist das wirklich ganz schön beeindruckend. Ich würde jedenfalls nicht gerne auf so einen gegnerischen Block zuspielen, da spürst du quasi den biergeschwängerten Atem, wenn die Jungs aus 10-20 Meter Entfernung auf dich einschreien. Und die Eintracht-Fans auf der anderen Seite haben sich auch nicht lumpen lassen. Da waren schöne Wort-Stafetten, aber auch einige saftige Beleidigungen dabei. War schon enorm, gerade wenn das Spiel Fahrt aufnahm und alle mitgerissen wurden. Das muss schon ein heftige Psycho-Belastung für die Spieler sein, das war mir vorher nicht so klar. Und natürlich ist da der Fanblock der sprichwörtliche 12. Mann im Team, die können dich pushen oder versuchen dich einschüchtern.
Im Spiel hat mir bei den Mainzern am besten der Tscheche Pospech mit der Nr. 3 gefallen. Der hatte schon in der 29. Min einen guten Schuss auf’s Frankfurter Tor gesetzt. In der 88. Min. flankte er dann von Außen auf Choupo-Moting, der zum 1:0 verwandelte. Da rasteten natürlich alle aus und ich war froh, dass ich das auch noch sehen konnte, der Treffer kam für Mainz auch vollkommen verdient.
Wir sind dann raus und wieder heim nach Würzburg. Wie ich dann zu Hause erfahren durfte hatte direkt nach dem Spiel Armin Veh, der Trainer von Frankfurt, noch einen schönen Spruch vor der Presse gemacht. Er sagte über das Spiel: „Wenn du die Scheiße hast, hast du sie!“ Wie wahr.










