Album: „Bones“ von Delta Saints

Am vergangenen Dienstag hat die Dennis Schütze Combo den Konzertabend für die Delta Saints aus Nashville Tennessee in der Kofferfabrik in Fürth eröffnet. Die junge, ambitionierte US-Band ist gerade auf Europatournee um das soeben erschienene Album „Bones“ zu promoten. 2012 erschien das letzte Album „Death Letter Jubilee“ mit frischen, eigenen Songs und Sounds, einer innovativen Melange aus traditionellem und zeitgenössischem Blues-, Bluesrock- und Southernrockelementen. Das aktuelle Album „Bones“ schließt direkt daran an, ist aber noch etwas komplexer und experimenteller geraten, und zwar im positiven Sinn. Spielt durchaus in derselben Liga wie die jüngsten Alben von Jack White oder den Black Keys. Ist aber auch kein Wunder, alle drei Bands/Künstler haben sich mittlerweile in Nashville, Tennessee angesiedelt. Die „Country Capitol of the World“ steht eben inzwischen längst für mehr als nur C&W. Wenn man etwas genauer hinsieht, kann man dort all die kreativen Ausprägungen finden, die gemeinhin unter dem Begriff „Americana“ zusammengefasst werden.

Hier ein paar Fotos vom Konzert und das aktuelle Musikvideo „Heavy Hammer“ der Delta Saints.
IMG_3479IMG_3486IMG_3488

Album: „Session 52.2“ von Jochen Volpert

Session52.2Der Würzburger Gitarrist Jochen Volpert hat sich in den vergangenen Jahren in Mainfranken und darüber hinaus stilübergreifend einen hervorragenden Ruf erspielt. Vorwiegend auf E-Gitarren dengelt und quengelt er bei lokalen und regionalen Jamsessions, Livekonzerten und Studioterminen. Vor zwei Jahren brachte er mit „Session 50.1“ dann sein lang erwartetes Debutalbum unter eigenem Namen und eigener Regie heraus. Nun, knapp zwei Jahre später folgt unter dem Titel “Session 52.2“ die Fortsetzung des erfolgreichen Konzepts des Erstlings. Diesmal war der Weg allerdings etwas beschwerlicher. Die drei-tägige Aufnahmesession unter Livebedingungen lief zwar durchaus glatt und geschmeidig, die Nachbearbeitung zog sich dann allerdings etwas hin und dazwischen kamen dann auch noch zwei weitere Studiojamsessions mit komplett improvisierten Inhalten. Das musste alles erstmal gesichtet, sortiert und bewertet werden, aber nach einer etwas langwierigen Postproduktionsphase ist es jetzt endlich soweit: Diese Woche erscheint das Album „Session 52.2“ mit neun Tracks plus drei Bonustracks aus einer der oben erwähnten Jamsessions (Laufzeit insgesamt: 56 Min.).

Auf den neun offiziellen Tracks des Albums beackern Jochen Volpert und seine Mitmusiker Songkompositionen aus der langen Tradition des Electric Blues. Im Vergleich zum Debut sind diesmal allerdings deutlich modernere Vorlagen ausgewählt worden, darunter bekannte Standards („Gimme Shelter“, „I put a spell on you“, „Something“, „All along the Watchtower“), aber auch einige unverbrauchte Genreklassiker („Cizzy Strut“, „Walk in my shadow“). Wirkliche Eigenkompositionen sind leider wieder nicht dabei. Jochen Volpert gelingt es aber ein weiteres Mal auf dieser bescheidenen Grundlage seine schier unerschöpflichen instrumental-musikalischen Fähigkeiten unter Beweis zu stellen.

In seiner unnachahmlichen Art zeigt er die ganze Bandbreite seines Könnens und wieder einmal gerät jedes Gitarrensolo zu einem weiteren Highlight des Albums. Die Band liefert für jeden Track ein frisches und inspiriertes Backing, die bewährten Gastsängerinnen liefern solide Arbeit ab, auch Mix, Mastering und Artwork sind tadellos und ansprechend. Herausragende Qualität zeigt das Album in Sachen Musikalität, Arrangement und Sound. Die drei Bonustracks sind okay, können aber nicht auf ganzer Linie überzeugen. So etwas funktioniert auf einer Jamsession im Probekeller, auf einem Album wirkt es etwas redundant, geht aber als nachgestellte Zugabe in Ordnung.

Mal sehen, ob Volpert auch bei einem eventuellen Nachfolger dem nunmehr etablierten Produktionskonzept treu bleibt. Zu beziehen ist „Session 52.2“ direkt von Jochen Volpert bei Konzerten oder via Bestellung (per Mail).

Buch: „Deutsche Musik“ von Friederike Wißmann

DeutscheMusikFriederike Wißmann ist Musik- und Literaturwissenschaftlerin und lehrt zur Zeit an der Universität Bonn. Nach der Biographie „Hanns Eisler“ von 2012 ist „Deutsche Musik“ ihre zweite, umfangreiche Publikation. Das Buch beginnt mit einer ausführlichen und aufschlussreichen Einleitung. Darauf folgen 13 Kapitel, die mit Adjektiven wie „Himmlisch“, „Diskursiv“, „Gesellig“, „Regional“ „Öffentlich“, „Käuflich“ etc. übertitelt sind und in denen entsprechende Themen der deutschen Musikkultur epochenübergreifend exemplarisch verhandelt werden. Am Anfang jeden Kapitels steht ein kurzer, inhaltlicher Überblick, der die folgenden Ausführungen übersichtlich zusammenfasst. Das letzte Kapitel beschäftigt sich ausschließlich mit Faust und dem Mythos der deutschen Musik, ein Thema mit dem sich die Autorin bereits umfassend in ihrer Dissertation auseinandergesetzt hat. Das Buch endet mit präzisen Anmerkungen, einer Danksagung und einem Verzeichnis der Personen, Orchester und Bands. Weiterlesen

Lesung: „Medialismus“ von & mit Ralf Schuster

Der Ex-Unterfranke und Wahl-Cottbuser Ralf Schuster schreibt gerade an seinen Roman „Medialismus“, eine Mischung aus fiktiver Autobiographie und Filmmediengeschichte. Seit Mai 2015 erscheint immer samstags in fortlaufender Folge jeweils ein Kapitel auf dem Blog „Weltsicht aus der Nische“ von Stefan Hetzel. Gerade erschien Kapitel 22, wer von vorne nachlesen will startet hier.

Im Oktober kommt der Autor nun unerwartet in seine alte Heimat und wird in der Reihe „Living Room Events“ in Ausschnitten aus seiner „Novel in the Making“ lesen. Die Lesung findet statt am Sonntag, den 11. Oktober ab 19.00 in der Rotkreuzstraße 9 in Würzburg. Um verbindliche Voranmeldung in Form eines Kommentars auf diesem Blog wird gebeten. Der Eintritt ist frei.

Buch: „Musikgeschichte im Überblick“ von Werner Keil

Musikgeschichte(Keil)2014 erschien bei UTB „Musikgeschichte im Überblick“ in der zweiten überarbeiteten Auflage. Der Text basiert auf einer zweisemestrigen Vorlesung zur Musikgeschichte und entstand mit „umfassender Hilfe“ von Mitarbeitern und studentischen Hilfskräften am Musikwissenschaftlichen Seminar Detmold/Paderborn, wo der als Autor angegebene Werner Keil eine Professur für Musikwissenschaft bekleidet. Das Buch beginnt mit einem knappen Vorwort des Autors, das auch gleich die Danksagung umfasst. Werner Keil macht einige Anmerkungen zur Aufbereitung und verweist ohne nähere Angaben auf Musikbeispiele, die z.B. bei Youtube oder in CD-Sammlungen von Musikbibliotheken zu finden seien. Es folgt ein fünfseitiges Inhaltsverzeichnis und eine Einleitung. Hier werden Aufbau und Struktur der folgenden Kapitel begründet, es ist die Rede von Studium, Seminaren und Übungen und es wird klar, dass sich das Buch in erster Linie an Studierende der Musikwissenschaft und verwandten Fachrichtungen richtet. Die folgenden 27 Kapitel sind chronologisch angeordnet und in die zwei, umfänglich etwa gleich großen Hälften „Ältere Musikgeschichte bis 1800“ und „Neuere Musikgeschichte“ unterteilt. Über das Buch verteilt sind Notenbeispiele und historische s/w-Abbildungen, es endet mit Anmerkungen, einem Glossar der Abkürzungen und einem Personenregister. Weiterlesen

Music-on-net über „NDW – Neue Deutsche Welle Wiederbesucht“

Von Gerald Langer

Dennis Schütze scheint in diesem Jahr nicht zu bremsen. Alles muss raus! Nach zwei EP’s mit den Musikstudenten in der Kategorie der gepflegten Cocktail- und Tanzmusik – „Take Five“ und „Pop Studies“ (beide erschienen 2015) – nun eine Auseinandersetzung mit der „Neuen Deutschen Welle“, die sich ab 1977 langsam aufbaute und im Kontext mit der Punk- und New-Wave-Bewegung in Großbritannien zu sehen ist. Die anfängliche Rotzigkeit und der begeisternde Minimalismus wichen schon bald einem kommerziellen Kalkül, so dass die Welle als musikalische Kunstform zu Beginn der 1980er Jahre bereits wieder abebbte. Aber: der mich schon damals nervende Deutsche Schlager schien wenigstens für einen gewissen Zeitraum weggespült. Der Weg war somit frei für Bands wie die Ärzte und die Toten Hosen. Nach über dreißig Jahren Bühnenpräsenz hat sich bei den beiden deutschen Bands allerdings die „Punk-Attitüde“ der frühen Jahre auch längst verflüchtigt. Aber das ist eine andere Geschichte. Weiterlesen

Ein kakophonisches Inferno

So stelle ich mir den Vorhof zur Muggerhölle vor. Von links krächzen mir zwei fusselbärtige Pennäler „Arschloch!“ aus dem Refrain des Ärztesongs „Schrei nach Liebe“ ins Ohr. Ich weiche instinktiv aus und gerate in den Aktionsradius eines drittklassigen Zauberers mit angeklebten Bart, gekleidet in durchgeschwitzte Second Hand Klamotten. Er wirkt leicht angetrunken und fordert mit weit aufgerissenem Headset das sensationslüsterne Publikum auf näher zu kommen, doch sie treten zur Seite, weichen ihm aus und ich mit ihnen. Bloß schnell weiter, ich schlüpfe durch eine enge Gasse, die sich in der Masse zwischen den menschlichen Leibern plötzlich auftut, nur raus aus diesem Wahnsinn. Rechts bläst eine verlotterte Mittelalterformation in quäkige Dudelsäcke mit unreinen Bordunquinten und in verstimmte Plastikflöten. Ein kleines Stück weiter ein uneingespieltes, rhythmisch untightes Bläserensemble, die Spieler ignorieren den Dirigenten und swingen kein bisschen, danach eine ins akustische Format gezwungene Hinterwäldlerpunkband mit chinesischen Akustikgitarren, viel zu laut verstärkt über eine schrottige Billiganlage von Thomann mit neon-grellen Höhen und verzerrt-komprimierten Subbässen, die blinkenden Maschinen liefern einen minderwertigen Digitalhall und unbeabsichtigte Flangereffekte. Dazwischen eine Gruppe junger Damen, die in Strapsen und kurzen Röcken zu einem Midi-Playback abgeschmackte Lagerfeuerlieder auf ihren Instrumenten schrammeln. Die schrillen Versatzstücke der Alleinunterhalter, Marktschreier, Schülerbands und Gelegenheitsmusiker vermischen sich zu einer schmutzigen Collage aus brackigem Missklang. Noch während man bei einer Darbietung festsitzt, hört man von links und rechts, von vorn und hinten, ja, eigentlich aus allen Himmelsrichtungen weitere, unästhetische Tonvergewaltigungen. Die Stimmung überträgt sich, Menschen brüllen sich an, versuchen den Lärm mit ihrem Stimmen noch zu übertönen. Die Bands fühlen sich missachtet, drehen die Anlage noch ein bisschen mehr auf, werden in ihrem Darbietungston noch etwas aggressiver. Es ist eine einzige, brutale Beleidigung für die Ohren. Klangerzeugung als Form körperlicher Gewalt, abgestandene Gassenhauer als Sperrfeuer, Schlagzeuge als Granatenbatterien, aufgerüstete Verstärkeranlagen als gnadenlose Kriegsmaschinerie. Kampf der Retortenarmeen. Schlacht der Unkulturen. Städtisch geförderter Musikterrorismus. Es ist unterirdisch, ekelhaft, apokalyptisch, zum davonrennen, verzweifeln und zum heulen. Ein kakophonisches Inferno. Straßenmusikfestival in Würzburg. Und nächstes Wochenende ist Stadtfest.

Bela Bartok: Ein ganz eigener Mikrokosmos

Letztens habe ich ein umfangreiches Buch zur europäischen Musikgeschichte gelesen, besonders interessant fand ich den Abschnitt über den ungarischen Komponisten Bela Bartok. In einem Nebensatz wurde erwähnt, dass er in den 1930er Jahren für seinen Sohn eine didaktisch geordnete Sammlung von Klavierstücken komponiert hat. „Mikrokosmos“ umfasst 153 Stücke und erschien in sechs Bänden. Es ist ein instrumental-pädagogisches Werk, präsentiert aber ebenso in verdaulichen Happen die Bartok’sche Klangsprache. Heutzutage kann man die Bände für teures Geld kaufen (ca. 15 Euro pro Band) oder in der Originalausgabe als PDF und MP3 kostenlos im Netz finden. Ich habe mir also alle Bände besorgt, heute habe ich mal reingeblättert, mich ans Klavier gesetzt und einige der Stücke des ersten Bandes angespielt. Weiterlesen